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Sabine Bunse, Christiane Hoffschildt: Sprachentwicklung und Sprachförderung im Elementarbereich

Cover Sabine Bunse, Christiane Hoffschildt: Sprachentwicklung und Sprachförderung im Elementarbereich Medienkombination. Olzog Verlag (München) 2008. 235 Seiten. ISBN 978-3-7892-1793-7. 20,90 EUR.

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Thema

Die beiden Autorinnen haben ein Lehrbuch für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern sowie Studierende der Elementarpädagogik verfasst, um Wissen über Sprache, Sprechen, Sprachentwicklung und –förderung von Kindern bis 6 Jahren darzustellen. Außerdem werden Sprachstandserhebungsverfahren sowie Sprachförderprogramme vorgestellt. Die beiliegende CD enthält Hörbeispiele für einzelne sprachliche Entwicklungsschritte von Kindern.

Autorinnen

Dr. phil. Sabine Bunse studierte Logopädie, promovierte mit dem Schwerpunkt Neurolinguistik und ist in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern am Berufskolleg der Kaiserswerther Diakonie in Düsseldorf tätig.

Christiane Hoffschildt studierte Logopädie, Linguistik und Psychologie und arbeitet als Diplom-Lehrlogopädin an der SRH Fachschule für Logopädie in Karlsruhe.

Entstehungshintergrund

Da in der Aus- und Weiterbildung von Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen der Bildungsbereich Sprache zunehmende Bedeutung erlangt, haben die beiden Autorinnen dieses Lehrbuch, welches für das Selbststudium wie auch für den Einsatz im Unterricht konzipiert ist, verfasst.

Aufbau

Neben der Einleitung enthält das Buch 7 weiter untergliederte Kapitel sowie einen Anhang und eine CD mit Hörbeispielen.

1 Sprache versus Sprechen

Nach einer allgemeinen Unterscheidung von Sprache (dem übergeordneten System von Regeln) und Sprechen (der Anwendung und Ausführung von Sprache) werden in vier Abschnitten die Funktionen der Sprache und des Sprechens genauer betrachtet. So werden beim Abschnitt „Sprechen“ die Atmung, die Phonation (Stimmgebung) und die Artikulation samt der beteiligten Organe und Körperteile erläutert. Im Abschnitt zur Sprache sind die vier sprachlichen Ebenen (Semantik und Lexikon, Phonetik und Phonologie, Morphologie und Syntax, Kommunikation und Pragmatik) dargestellt.

2 Spracherwerb

Das zweite Kapitel beginnt mit einem Abschnitt über entwicklungsneurologische Grundlagen, wobei der Aufbau des Gehirns, dessen prä- und postnatale Entwicklung sowie Methoden zur Untersuchung des Gehirns am Beginn der Betrachtungen stehen. Anschließend erfolgt ein kurzer Blick auf die kognitive Entwicklung, speziell auf die Stadien der kindlichen Entwicklung von Piaget und die Nachahmung, Objektpermanenz und die Entwicklung des Symbolspiels. Ein weiterer Abschnitt dient der Erläuterung der „an das Kind gerichteten Sprache“, deren Merkmale und Funktionen.

Im Abschnitt zur Sprachentwicklung wird zunächst ein Blick auf verschiedene Spracherwerbstheorien (behavioristische, nativistische, kognitivistische und interaktionistische) geworfen. Die Vorstellung der Sprachentwicklungsprozesse im ersten Lebensjahr des Kindes beginnt mit einer kurzen Erläuterung von ausgewählten Methoden der Säuglings- und Kleinkindforschung. Bei der weiteren Betrachtung der Sprachentwicklung gehen die Autorinnen auf die Entwicklung des Sprachverständnisses, der semantisch-lexikalischen, die phonetisch-phonologischen, die syntaktisch-morphologischen und der kommunikativ-pragmatischen Fähigkeiten ein. In einer dreiseitigen Tabelle sind die Entwicklungsprozesse noch einmal zusammengefasst.

Im Abschnitt zur Mehrsprachigkeit werden die Begriffe doppelter Erstspracherwerb, Zweitspracherwerb und Fremdspracherwerb erläutert und auf die Vorteile eines frühen Erwerbs einer weiteren Sprache hingewiesen.

3 Sprach- und Sprechstörungen

Zunächst wird die Terminologie geklärt: Es werden Sprachentwicklungsstörungen, Sprachentwicklungsverzögerungen, Sprachentwicklungsbehinderungen und Late Talker voneinander abgegrenzt. Anschließend erfolgt eine Beschreibung von Störungen auf den Ebenen Semantik – Lexikon, Phonetik – Phonologie, Morphologie – Syntax und Kommunikation – Pragmatik. Außerdem listen die Autorinnen Beobachtungspunkte auf, die einen Hinweis auf Störungen des Sprachverständnisses geben können. Zu den kindlichen Redeflussstörungen gehört das Stottern und das Poltern, wobei jeweils Definition, Merkmale und zum Teil Unterstützungsmöglichkeiten benannt werden. Anschließend erfolgt ein kurzer Blick auf kindliche Stimmstörungen.

4 Diagnostik und Beobachtung der Sprache

Zunächst werden einige grundlegende Hinweise zu Beobachtungen gegeben. Anschließend folgen Tipps und Hinweise für die Beobachtung der Sprachfähigkeit im Kindergarten. Die Dokumentation der sprachlichen Entwicklungsprozesse soll wertschätzend sein. Für einen Statusbericht könnten standardisierte Sprachbeobachtungsbögen verwendet werden.

Im nächsten Abschnitt erläutern die Autorinnen entwicklungsstandbestimmende Verfahren im Allgemeinen und Sprachstandserhebungen im Speziellen. Sie fordern, dass jede Erzieherin, jeder Erzieher Sprachstandserhebungen einsetzt, um Aussagen über den Entwicklungsstand eines Kindes treffen zu können. Zunächst gibt es einen Überblick über testtheoretische Basisbegriffe, wie z. B. Normierung und Gütekriterien. Nun folgt die Beschreibung von Einsatzmöglichkeiten, Vor- und Nachteilen verschiedener Verfahren: das Sprachscreening für das Vorschulalter (SSV), SELDAK (Sprachentwicklung und Literacy deutschsprachig aufwachsender Kinder), SISMIK (Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen), Delfin 4 (Diagnostik, Elternarbeit und Förderung der Sprachkompetenz 4-Jähriger in NRW).

Sprachförderung ist nicht gleichzusetzen mit Sprachtherapie, obwohl beide Begriffe häufig inkonsequent verwendet werden. Tabellarisch aufgelistete Thesen sollen helfen, beide Begriffe besser voneinander zu unterscheiden.

5 Sprachfördermaßnahmen

Zurzeit kommen in Deutschland etwa 30 verschiedene Sprachförderkonzepte zur Anwendung, die sich grundsätzlich zwei Richtungen zuordnen lassen: sprachstrukturelle Förderprogramme und ganzheitliche Sprachförderkonzepte. Außerdem gibt es Materialsammlungen zur Sprachförderung. In einer Tabelle wird ein großer Teil der in Deutschland eingesetzten sprachstrukturellen Förderprogramme dargestellt.

Bei der ganzheitlichen Sprachförderung wird ein besonderer Wert auf den Beziehungsaufbau zwischen Erzieherin/Erzieher und Kind gelegt. Die Sprachförderung vollzieht sich vor allem im Rahmen ein Gesprächs- und Sprachkultur, die in das Gesamtkonzept der Kita integriert ist. Auch hier werden einige Konzepte in einer Tabelle vorgestellt.

6 Auf dem Weg zur Schrift

Als Vorläuferfähigkeit für den Schriftspracherwerb wird die phonologische Bewusstheit betrachtet, die mit Hilfe des Bielefelder Screenings, des „Rundgangs durch Hörhausen“ und des Testinstruments „Anlaute hören, Reime finden, Silben klatschen“ beurteilt werden kann. Das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, lauschen, lernen“ und das Förderprogramm „Leichter lesen und schreiben lernen mit der Hexe Susi“ dienen der Förderung der phonologischen Bewusstheit.

Literacy wird als ein Sammelbegriff für kindliche Erfahrungen rund um die Buch-, Erzähl- und Schriftkultur verstanden. Erzieherinnen und Erzieher können in Kindertagesstätten einen wichtigen Beitrag zu Literacy-Erfahrungen der Kinder leisten. Neben der Bilderbuchbetrachtung und dem Vorlesen werden solche Aktivitäten vorgeschlagen wie: Kinderdiktakte, wo die Kinder den Erwachsenen diktieren, was diese aufschreiben sollen, Symbole, Leseecken/Büchereien, Einrichten einer Schreibwerkstatt, Präsenz von Buchstaben, Arbeit mit Logos und Rollenspiele.

7 Elternarbeit und Elternberatung

In diesem Abschnitt gehen die Autorinnen zunächst allgemein auf die Bedeutung der Elternarbeit ein, anschließend folgt ein Blick auf die Sprachförderung im Rahmen der Elternarbeit. Hierbei geht es um das Sprachvorbild, die guten Beziehungen, das angemessene Sprechtempo, die sprachliche Begleitung der Handlungen und das korrektive Feedback. Hinweise zur Sprachförderung bei Kindern von Migrantenfamilien und zur Beratung der Eltern runden das Kapitel ab. Darüber hinaus gibt es einen gesonderten Blick auf Elternberatung bei Verdacht auf kindliche Sprachstörungen.

Anhang

  • Materialsammlung zur Sprachförderung. In einer Tabelle werden verschiedene Materialien zur Sprachförderung mit Blick auf die sprachlichen Förderbereiche, die Zielgruppe, vorgegebenes Material und Angaben des Herstellers bzw. Verlags aufgeführt.
  • Literatur zum Nachlesen und VertiefenWeiterhin findet sich im Anhang ein kleiner, thematisch sortierter Katalog von Literaturhinweisen, ein Quellenverzeichnis für die Abbildungen.

Hinzu kommen Abkürzungsverzeichnis, Stichwortverzeichnis und Erläuterungen zu den Hörbeispielen.

CD mit 13 Hörbeispielen

Dem Buch liegt eine CD mit 13 Hörbeispielen bei, die den Verlauf der kindlichen Sprachentwicklung demonstrieren. Dabei reichen die Beispiele von den Unmutsäußerungen eines 26 Tage alten Kindes bis hin zur frei erzählten Geschichte eines fast 6jährigen Mädchens.

Diskussion

Das vorliegende Buch ist als ein Lehrbuch konzipiert. Deshalb sind am Beginn jedes Kapitels Lernziele beschrieben. Zum Beispiel beim ersten Kapitel über Sprache und Sprechen beziehen sich die Ziele auf die Unterscheidung zwischen Sprache und Sprechen, die erklärt werden, die verschiedenen Begriffsdefinitionen und die Unterscheidung der vier Sprachebenen. In die Kapitel sind praktische Aufgaben, meist mit Bezug zur Arbeit einer Kindertagesstätte, eingeflochten, wie z. B. die Beobachtung der eigenen Atmung oder die Beobachtung von Kindern. Jedes Kapitel schließt mit einer Zusammenfassung und einer Übersicht der verwendeten Literatur ab. Die aktuelle Diskussion zum Spracherwerb ist widergespiegelt, auch das umstrittene Thema der „sensiblen Phasen“ wird erläutert und reflektiert. Viele Themen werden aber nur ganz kurz angerissen. Manchmal erscheinen mir solche kurzen Teile überflüssig, wie z. B. der Abschnitt zur Neurodidaktik (Abschnitt 2.1.5), wo eigentlich nichts anderes ausgesagt wird, als dass Neurowissenschaften und Pädagogik zusammenarbeiten müssen. Allerdings geben die vielfältigen Literaturhinweise und Bezüge auf Untersuchungen und Studien genug Material, um sich vertiefend mit dem Thema Sprachförderung auseinanderzusetzen. Viele Tabellen und Übersichten erleichtern den Überblick, z. B. die Tabelle über Sprachentwicklungsprozesse. Fachbegriffe sind jeweils kurz erläutert. Da mir die angerissenen Themen vertraut sind, konnte ich gut mit der kompakten Schreibweise des Buches umgehen, ob das bei Erzieherinnen/Erzieherin in der Ausbildung auch der Fall ist, kann ich leider nicht beurteilen. Auf jeden Fall dürften hier die vorgeschlagenen Übungen und Aufgaben zur weiteren Auseinandersetzung mit der Thematik hilfreich sein.

Die vorgeschlagenen Empfehlungen zur Beobachtung von Kindern erscheinen mir nicht realistisch. Es wird angeregt, dass jedes Kind von der Erzieherin/dem Erzieher einmal pro Woche für 10 – 15 min beobachtet werden soll. Die vorgeschlagene Aufteilung eines Dienstplanes lässt aber nur die Beobachtung von 5 Kindern in der Woche pro Erzieher/in zu, damit dürfte die angeführte Empfehlung für die meisten Erzieherinnen unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht realisierbar sein.

Alles in allem ist das Buch jedoch sehr gelungen und als Einstieg in die Auseinandersetzung mit Sprachentwicklungsprozessen und der Sprachförderung hilfreich.

Fazit

Mit dem vorliegenden Lehrbuch erhält man/frau einen umfassenden und kompakten Überblick über viele Themen, die im Zusammenhang mit dem Bildungsbereich Sprache in Kindertageseinrichtung auf der Tagesordnung stehen.


Rezensentin
Prof. Dr. paed. Michaela Rißmann
Fachhochschule Erfurt
Fakultät Sozialwesen
Professur "Erziehungswissenschaften, Erziehung und Bildung von Kindern"
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Zitiervorschlag
Michaela Rißmann. Rezension vom 26.09.2009 zu: Sabine Bunse, Christiane Hoffschildt: Sprachentwicklung und Sprachförderung im Elementarbereich. Olzog Verlag (München) 2008. 235 Seiten. ISBN 978-3-7892-1793-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8397.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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