Christian Loffing: Psychologische Betreuung für pflegende Angehörige
Christian Loffing: Psychologische Betreuung für pflegende Angehörige. So machen Sie aus einem beiläufigen Angebot eine Kernkompetenz Ihres ambulanten Pflegedienstes. Luchterhand Verlag (Neuwied) 2009. 320 Seiten. ISBN 978-3-7747-2188-3. 48,00 EUR.
Thema
Das Buch ist ein praxisorientierter Leitfaden für ambulante Pflegedienste bzw. deren Mitarbeiter zur psychosozialen Unterstützung pflegender Angehöriger und ehrenamtlicher Helfer.
AutorIn
Der Autor Prof. Dr. Christian Loffing ist Diplom-Psychologe mit dem Schwerpunkt Arbeit- und Organisationspsychologie, sowie Diplom Betriebsökonom und hat den Lehrstuhl für Pflege- und Versorgungsmanagement an der Steinbeis Business Academy der Steinbeis Hochschule Berlin. Weiterhin ist er Georg-Gottlob-Stiftungslehrstuhlinhaber für psychosoziale Interventionen in Handlungsfeldern der Prävention und Rehabilitation. Ebenso ist er seit mehr als 15 Jahren Berater und Trainer in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft und zu seinen Kunden gehören Pflegedienste, Altenheime und Krankenhäuser in Deutschland.
Entstehungshintergrund
Christian Loffing will mit seinem Werk eine umfassende Wissengrundlage in Form eines Nachschlagewerkes, sowie ein Arbeitsbuch, das für die tägliche Unterstützung- und Beratungspraxis nützliche Materialien, wie beispielsweise Informationsblätter, Tests und Prüfungen beinhaltet, bieten.
Pflegende Angehörige und auch ehrenamtliche Helfer werden im Pflegesetting ambulanter Pflegedienste oft vernachlässigt. Allerdings ist aus zahlreichen wissenschaftlichen Studien (siehe beispielsweise Gräßel 1998) bekannt, dass v.a. pflegende Angehörige stark gefährdet sind, selbst körperlich oder psychisch zu erkranken. Dieses Buch greift somit ein wichtiges Thema praxisnah auf und bietet ein speziell für ambulante Pflegedienste abgestimmtes Werk, um pflegende Angehörige psychosozial zu unterstützen. Damit wird einerseits die Angebotspalette ambulanter Pflegedienste erweitert, andererseits wird daraufhin gearbeitet das familiale Pflegepotenzial, was in der Versorgung pflegebedürftiger Menschen einen entscheidenden Platz einnimmt (Landtag NRW 2005), zu erhalten.
Aufbau und Inhalt
Das Buch ist in acht Kapitel eingeteilt. Der Anhang ist sehr umfangreich und beinhaltet zahlreiche Checklisten für Pflegedienste, sowie Informationslisten mit Adressen von Hilfsangeboten, aber auch Test, beispielsweise ob eine Depression oder eine Demenz vorliegen könnte. Weiterhin gibt es Entspannungsübungen und als letztes Beispielausschreibungen für Pflegedienste, die Angehörigengesprächskreise oder Vorträge organisieren möchten.
Im ersten Kapitel wird ein tiefgehender Eindruck in die deutsche Situation der Pflege zu Hause gegeben, in dem zuerst der demografischen Wandel und anschließend seine Auswirkungen auf die häusliche Pflege beschrieben werden. Hier ist die Bindung qualifizierter Mitarbeiter eine besondere Aufgabe. Als „Königsweg“ (S. 49) wird die Einbeziehung und auch Schulung ehrenamtlicher Helfer und pflegender Angehöriger bezeichnet. Gleichzeitig wird betont, dass nicht-professionelle Pflegende keinesfalls eine Konkurrenz zur Profession Pflege darstellen, sondern in einer unterstützende Funktion für alle Beteiligten eine gewinnbringende Situation erzeugen.
Im zweiten Kapitel geht es dann um die Abgrenzung zwischen professioneller Psychotherapie und psychosoziale Unterstützung durch Mitarbeiter ambulanter Pflegedienste. Therapeuten beschäftigen sich mit Störungen des Denkens, Handelns und Erlebens, während sich professionell Pflegende mit Lebensproblemen der Angehörigen wie beispielweise Stress- oder Krisenbewältigung befassen. Allerdings sollten sie in der Lage sein, die Frühwarnsignale von psychischen Störungen zu erkennen, um dann an entsprechende Stellen weiter zu vermitteln.
Das dritte Kapitel stellt den Stress als Mittelpunkt psychosozialen Problemerlebens in den Vordergrund. Es wird beschrieben was Stress ausmacht, ihn bedingt, welche Reaktionen Menschen auf ihn zeigen und welche Folgen entstehen können. Weiterhin wird aufgezeigt, wie Pflegende die ersten Anzeichen von Stress erkennen und welche Entspannungstechniken angeboten werden können.
Kapitel vier beschreibt die Theorie der klientenzentrierten Gesprächsführung. Die Faktoren, die nach Carl Rogers Bedeutung haben, sind: Empathie, Wertschätzung und Echtheit. Anschließend werden die Gesprächsphasen, Synchronisation zum Vertrauensaufbau, Lösungsvision, Lösungserarbeitung, Lösungsevaluation und Lösungssicherung, als eine Art Leitfaden dargestellt.
Das fünfte Kapitel stellt dann die konkrete Umsetzung der Theorie der klientenzentrierten Gesprächsführung in der Praxis dar. Besonders betont wird, dass auf Grundlage eines Vertrauensverhältnissens gemeinsam mit dem Angehörigen versucht werden soll, an den Lösungen zu arbeiten.
Kapitel sechs beschreibt zuerst die Bestimmung des Entspannungstyps mit Hilfe eines kurzen Tests, um anschließend mit der richtigen Entspannungstechnik den Stress erfolgreich bewältigen zu können. Dann werden ausführlich verschiedene Techniken wie u.a. autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Musik hören oder Entspannung durch Riechen beschrieben und die Anwendungen erklärt. Am Ende wird der Fokus speziell auf Demenz und die Besonderheiten in der Versorgung gelegt.
Im siebten Kapitel wird deutlich, dass es zur psychosozialen Unterstützung nur dann kommt, wenn Angehörige über ein entsprechendes Angebot informiert sind. Es wird darauf eingegangen wie die Öffentlichkeitsarbeit aussehen kann, um beispielsweise Angehörigengesprächskreise, die eine sehr entlastende Wirkung zu haben scheinen, an den pflegenden Angehörigen zu bringen.
Kapitel acht stellt ein kurzes Fazit über das gesamte Buch dar.
Diskussion
Insgesamt ist das Buch sehr gut strukturiert und gegliedert. Am Rand wird in kurzen Schlagwörtern der Inhalt eines jeden Absatzes zusammengefasst. Weiterhin gibt es zahlreiche Hinweise-Kästen, die praktische Tipps und auch sehr anschaulich Umsetzungsbeispiele geben. Der Autor verweist auf viel vertiefende Literatur, die meist aus seiner eigenen Publikationsliste stammt.
Christian Loffing greift ein wichtiges gesellschaftlich relevantes Thema auf und versucht einen möglichst praxisnahen Leitfaden für ambulante Pflegedienste zu geben. Dies gelingt ihm insgesamt sehr gut. Durch die gute Gliederung und Struktur des Buches gelingt es dem Leser schnell die für ihn wichtigen Textpassagen ausfindig zu machen. Die anschaulichen Beispiele und Hinweise erleichtern die Anwendung im Alltag der Pflegedienste. Der Autor verweist auf viel vertiefende Literatur, die meist aus seiner eigenen Publikationsliste stammt.
Jedoch schreibt er an einigen Stellen sehr detailliert wie z.B. im Anfangskapitel über den demografischen Wandel. Dies ist sehr ausführlich und verliert sich stellenweise in Details über die Art und Weise von Bevölkerungsvorausberechnungen, die einem das Lesen erschweren. Weiterhin kommt es zu vielen Doppelungen z.B. der Checklisten und Tests. Diese werden einmal im Text und anschließend im Anhang dargestellt. Auch die Adressen der Krisen- oder Hilfsmöglichkeiten befinden sich meist an mehreren Stellen im Buch. Dadurch findet man im Anhang gut strukturiert und schnell die gesuchten Informationen, allerdings wird der Umfang des Buches unnötig in die Länge gezogen. An einigen Stellen wie beispielsweise der Teil über das Thema Demenz ist der Inhalt eher oberflächlicher Natur.
Fazit
In seinem Buch beschreibt Christian Loffing sehr anschaulich und praxisnah wie ambulante Pflegedienste ihr Angebot durch eine psychosoziale Betreuung pflegender Angehöriger erweitern können. Einschränkend ist zu bemerken, dass einzelne Passagen zu ausführlich, andere dagegen eher oberflächlich sind. Insgesamt scheint dieses Buch durchaus bereichernd für ambulante Pflegedienste zu sein.
Referenzen
- Gräßel, E. (1998): Häusliche Pflege dementiell und nicht dementiell Erkrankter. Teil II: Gesundheit und Belastung der Pflegenden. Zeitschrift Gerontologie und Geriatrie 31 (1), S. 57-62
- Landtag NRW (2005): Situation und Zukunft der Pflege in NRW. Bericht der Enquête-Kommission des Landtages Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf
Rezensentin
MScN Iris Hochgraeber
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Zitiervorschlag
Iris Hochgraeber. Rezension vom 09.03.2010 zu: Christian Loffing: Psychologische Betreuung für pflegende Angehörige. Luchterhand Verlag (Neuwied) 2009. 320 Seiten. ISBN 978-3-7747-2188-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8469.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.
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