Erich Grond: Palliativpflege bei Menschen mit Demenz
Erich Grond: Palliativpflege bei Menschen mit Demenz. Empathisch handeln - wertschätzend begleiten - kreativ pflegen. Schlütersche Verlagsgesellschaft (Hannover) 2009. 132 Seiten. ISBN 978-3-89993-236-2. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR, CH: 30,90 sFr.
Reihe: Pflege-Kolleg. Pflege.
Thema
Die Betreuung Demenzerkrankter und die Palliativversorgung – jede dieser pflegerischen Fragestellungen für sich stellt für professionelle Pflegekräfte und pflegende Angehörige eine Herausforderung dar. Das Zusammentreffen beider Problemlagen führt zu besonderen Situationen, denen dieses Buch zu begegnen versucht.
Autor
Dr. Erich Grond war von 1980 bis 1994 Professor für Sozialmedizin und Psychopathologie. Er arbeitet heute als Psychotherapeut und Dozent für Gerontopsychatrie in Altenpflegeseminaren und in der Palliative Care-Ausbildung.
Aufbau
Das Buch ist in vier Hauptteile mit jeweiligen Unterkapiteln gegliedert, die insgesamt 132 Textseiten enthalten.
- Der erste Teil befasst sich mit Menschen mit Demenz in der Palliativpflege.
- Der zweite geht auf Angehörige, beruflich Pflegende und die Vernetzung des multiprofessionellen Teams als Lebens- und Sterbebegleiter ein.
- Der dritte Abschnitt beleuchtet die Besonderheiten der Palliativpflege,
- während der vierte Teil auf die Trauerbegleitung eingeht.
Hervorgehobene Reflexionsfragen sollen den Leser dazu ermuntern, sich mit den eigenen Gedanken, Erwartungen, Ängsten und Wünschen auseinander zu setzen.
Inhalt
Demenzerkrankte Personen haben am Ende ihres Lebens besondere Bedürfnisse. Besonders die oft eingeschränkte Kommunikation fordert beruflich Pflegende und Angehörige heraus, andere Wege als Sprache zu finden, dem dementen Menschen Zuwendung und Wertschätzung in der letzten Lebensphase zukommen zu lassen.
Den Einstieg in die Thematik gibt der Autor über Ausführungen zur gesellschaftlichen Einstellung zum Tod und Sterben und die Orte und Institutionen, in denen häufig gestorben wird. Der Bogen zur Demenz wird über medizinisch orientierte Informationen (Zusammenhang zum demografischen Wandel, Demenzformen und Schweregrade sowie der Lebenserwartung) geschlagen. Deutlich wird die Biografiearbeit als große Ressource in der Palliativversorgung Demenzerkrankter herausgestellt. Biografisch orientierte Pflege kann helfen, das aktuelle Erleben der dementen Person nachzuvollziehen und ihre Bedürfnisse - insbesondere im Sterbeprozess - befriedigen zu können. Typische Erlebens- und Verhaltensstörungen wie beispielsweise herausforderndes Verhalten, Unruhe, Ängste werden erläutert und in Beziehung zu organischen, psychischen, spirituellen, sozialen, ökonomischen und gesellschaftlichen Faktoren gesetzt.
Da die Lebensqualität sterbender Menschen mit Demenz von der Grundhaltung und Einstellung des Begleiters wesentlich beeinflusst wird, ist der zweite Teil des Buches diesen Begleitern gewidmet. Angehörige sind häufige und wichtige Pflegepersonen, die oft großen Belastungen ausgesetzt sind. Die Demenzerkrankung führt bei den Angehörigen oft zu Emotionen wie Schuldgefühlen, Scham oder Ohnmacht. Je nachdem, in welcher Beziehung die Person zum Angehörigen steht, können diese Gefühle unterschiedlich stark belastend sein. Es werden aber auch Entlastungsmöglichkeiten genannt und professionell Pflegende ermutigt, auf diese hinzuweisen und den pflegenden Angehörigen entlastend zu unterstützen. Ebenso wird die Situation in teil- und vollstationären Einrichtungen aufgezeigt. Für die beruflich Pflegenden ist die Grundhaltung ebenso wichtig und wird anhand der fachlichen, emotionalen und ethischer Kompetenzen wie auch Beziehungs- und Sinnkompetenzen erarbeitet. Da nicht nur Angehörige und Pflegende zum multiprofessionellen Team gehören, wird die Kooperation mit Ehrenamtlichen, Ärzten, Seelsorgern, Sozialarbeitern, Psychologen und weiteren Therapeuten angesprochen.
Der dritte Teil des Buches setzt den Fokus auf die Palliativpflege. Das ABEDL-Konzept nach Krohwinkel gibt hier die Struktur vor. Zur Kommunikation sind die Pflegenden als aktiv zuhörende Empfänger gefragt. Auch hier wird wieder die Orientierung an der Biografie betont. In der Position des Senders begegnen die Pflegenden dem Demenzerkrankten auf unterschiedlichen Ebenen: verbal und nonverbal, aber auch in Berührungen und basaler Stimulation findet Kommunikation statt. Ein weiteres wichtiges Bedürfnis von Demenzerkrankten ist die des sozialen Kontaktes und der Beziehungspflege: das Wie wird hier wichtiger als das Was in der Pflege. Verschiedene Ansätze zur Umsetzung wie z.B. Positive Personenarbeit werden vorgestellt. Die weiteren Aktivitäten und Bedürfnisse werden kurz angesprochen und ihre Bedeutung im Bezug auf Demenz und Palliativpflege gezeigt.
Menschen in der letzten Lebensphase leiden häufig unter verschiedenen Symptomen, zu denen Pflegende lindern eingreifen sollten. Der Autor zeigt hierzu die Probleme und passende Interventionen zu den Themen Schmerz, Magen- und Darmsymptomen, Hautproblemen sowie psychischer Symptome wie Angst und Depression auf. Insbesondere wird auf die Symptome im terminalen Stadium eingegangen.
Der vierte und letzte Teil des Buches handelt von der Trauer und Trauerbegleitung. Anhand der Modelle nach Kast und Worden werden Phasen der Trauer gezeigt und Bezug auf besondere Situationen wie einen erschwerten Trauerverlauf genommen.
Zielgruppe
Das Buch richtet sich an pflegende Angehörige und beruflich Pflegende. Ziel ist es, das (Pflege-) Personen, die Demenzerkrankte palliativ betreuen, Anregungen zur Biografiearbeit, Empathie, Wertschätzung und Kommunikation erhalten. Das Buch will dem Vorurteil, das demente Personen „nichts mehr mitbekommen“ entgegentreten.
Diskussion
Das vorgestellte Buch zeigt die spezifische Situation demenzerkrankter Personen in der letzten Phase ihres Lebens. In leicht verständlicher Sprache geschrieben und mit Beispielen aus der Praxis kann das Buch beruflich Pflegenden wie auch Angehörigen zum Einstieg in das Thema nützen. Die Reflexionsfragen nach fast jedem Abschnitt regen zur Auseinandersetzung auch mit mitunter unbequemen Themen wie Tod, Leid, Ekel oder ethisch schwierigen Entscheidungen an. Innerhalb der beruflichen Pflege könnten diese beispielsweise auch dazu genutzt werden, Reflexion im Team (z.B. innerhalb der Palliativfortbildung) weiterzuentwickeln. Wünschenswert wären noch Angaben zu weiterführender Literatur für den Leser, der innerhalb der Thematik weiter aufbauen möchte.
Fazit
Das vorgestellte Buch eignet sich für Pflegepersonen, die Anregungen zum empathischen Handeln und Begleiten von Demenzerkrankten in der Palliativversorgung suchen. Die spezifischen Probleme der Konstellation Demenz in der letzten Lebensphase werden herausgestellt und kommunikative und biografieorientierte Lösungsansätze geboten.
Rezensentin
M.A. Nina Fleischmann
M.A. Public Health und Pflegewissenschaft
E-Mail Mailformular
Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.
Zitiervorschlag
Nina Fleischmann. Rezension vom 06.01.2010 zu: Erich Grond: Palliativpflege bei Menschen mit Demenz. Schlütersche Verlagsgesellschaft (Hannover) 2009. 132 Seiten. ISBN 978-3-89993-236-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8533.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.
Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.
Zur Rezensionsübersicht
Zum Seitenanfang
Hilfe & Kontakt
Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
Ralf Twenhöfel: Die Altenpflege in Deutschland am Scheideweg
François Höpflinger, Lucy Bayer-Oglesgy u.a.: Pflegebedürftigkeit und Langzeitpflege im Alter
Stellenangebote
Inserieren und suchen Sie im socialnet Stellenmarkt.
Newsletter bestellen
Immer über neue Rezensionen informiert.
