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Christa Büker: Pflegende Angehörige stärken

Cover Christa Büker: Pflegende Angehörige stärken. Information, Schulung und Beratung als Aufgaben der professionellen Pflege. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2009. 141 Seiten. ISBN 978-3-17-020063-0. 27,00 EUR.

Reihe: Kohlhammer Pflegepraxis.

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Thema

Pflegende Angehörige sind eine wichtige Ressource im Gesundheitswesen. Für die beruflich Pflegenden wird es zunehmend wichtiger, die Angehörigen als eine Zielgruppe ihrer Arbeit wahrzunehmen und systematisch zu integrieren. Einen Angehörigen zu pflegen geht häufig mit hohen Anforderungen und Belastungen einher. Hier gilt es für die beruflich Pflegenden, Unterstützung zu geben. Die Beratung, Information und Schulung dieser Angehörigen nimmt einen immer größeren Raum ein. Nicht immer ist klar erkennbar, wie diese Bereiche miteinander vereinbar oder abzugrenzen sind – mitunter scheint es wie selbstverständlich zum Pflegeberuf zu gehören, neben dem Pflegeempfänger auch die Angehörigen zu beraten oder zu schulen. Dieses Buch arbeitet die Thematik der Beratung, Information und Schulung mit Fokus auf Personen, die eine(n) Angehörige(n) versorgen, auf.

Autorin

Christa Büker ist Krankenschwester, Diplom-Pflegemanagerin und Gesundheitswissenschaftlerin (MPH) sowie Lehrbeauftragte der Hamburger Fernhochschule. Sie arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bielefeld.

Aufbau

Das Buch ist in zwölf Kapitel gegliedert, die insgesamt 141 Textseiten enthalten.

Nach einer Einleitung wird zunächst die Situation pflegender Angehöriger dargestellt. Den relevanten rechtlichen Grundlagen folgt ein Kapitel zu den Bausteinen der Kompetenzförderung. Dann wird jeweils in einem Abschnitt auf die Information, Einzelschulung, Gruppenschulung und Beratung pflegender Angehöriger eingegangen. Ausführungen zum Qualitätsmanagement, zu Handlungsfeldern und Qualifikationsprofilen sowie die Einordnung in die Professionalisierung runden das Buch ab.

Jedem Abschnitt sind Zusammenfassungen nachgestellt, die die zentralen Inhalte herausstellen. Abbildungen sowie Hinweise zu Gesetzen und „Merke“- Kästchen lockern den Text auf und verbessern die Lesbarkeit. Fallbeispiele stellen den Praxisbezug her.

Inhalt

Die Veränderungen in unserer Gesellschaft haben Auswirkungen auf Pflege in der Familie. Es ist eine der Aufgaben der beruflich Pflegenden, die Personen zu unterstützen, die einen abhängigen Angehörigen unterstützen, versorgen und pflegen. Die gesetzlichen Grundlagen für Beratung und Schulung von Angehörigen sind nicht zuletzt mit dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz geschaffen worden und zeigen (neue) Handlungsfelder für Pflegende auf. Die Autorin unterscheidet die drei Bausteine Information, Schulung und Beratung und sieht diese als kommunikative, pädagogisch geleitete Handlungsstrategien mit jeweils eigener Handlungslogik.

Information. Das Kapitel zur Information stellt zu Beginn die Grundsätze einer verständlichen Informationsvermittlung wie Einfachheit, Ordnung, Prägnanz und zusätzliche Stimulanz dar. Mit dieser Grundlage, zusammengenommen mit den Ausführungen zur Evidenzbasiertheit, die ja wesentlich zur Qualität der Informationen beitragen, wird der Leser in die Lage versetzt, schriftliche Informationsmaterialien zu erstellen und vorhandene zu beurteilen.

Schulung. Zum Thema Schulung wird in dem Buch zwischen der Einzel- und Gruppenschulung (Pflegekurse gemäß §45 SGB XI) pflegender Angehöriger unterschieden. Der Fokus der Autorin auf die die Wichtigkeit der methodischen und didaktischen Gestaltung wird anhand der Gliederung in die einzelnen Abschnitte einer Schulung deutlich. Zunächst werden vorbereitende Maßnahmen wie die Organisation, die Sachanalyse des Themas und die Zusammenstellung der Schulungsmaterialien beschrieben. Daran schließen sich Ausführungen zum Orientierungsgespräch an, um danach auf die konkrete Durchführung und natürlich auch die Nachbereitung inklusive Dokumentation einzugehen. Checklisten aus Beispielen unterstützen den Leser für die eigene Umsetzung, wobei immer wieder auf die flexible Ausgestaltung mit Blick auf die individuelle Situation hingewiesen wird. Auch für die Gruppenschulungen (Pflegekurse) wird eine Gliederung in die einzelnen Ablaufschritte wie Planung, Durchführung und Evaluation vorgenommen und mit Beispielen gefüllt. Die Anregung zum Austausch der Teilnehmer wird hierbei besonders betont.

Beratung. Während Information und Schulung überwiegend auf Wissenserweiterung abzielen, wird Beratung von der Autorin eher als die Bewältigung einer individuellen Problem- oder Krisensituation gesehen. Diesem Gedanken folgend wird aus der Vielfalt vorhandener Beratungskonzepte auf diejenigen eingegangen, die sich für die Pflege pragmatisch umsetzen lassen: der systemische Ansatz nach Bertalanffy, der lösungsorientierte Ansatz nach de Shazer und der ressourcenorientierte Ansatz nach Hobfoll. Die Grundhaltung des Beraters wird anhand des Konzeptes der klientenzentrierten Gesprächsführung nach Rogers dargelegt. Dieser Abschnitt zeigt insgesamt auf, das Beratung nicht gleichzusetzen ist mit dem Geben von Ratschlägen, sondern noch deutlich mehr beinhaltet.

Zu diesen drei genannten Bereichen schließt die Autorin weiterführende Abschnitte an. Der erste behandelt die Gestaltung des Lernklimas. Hier wird betont, das „Hilfe zur Selbsthilfe“(Empowerment) als eine essentielle Idee im Kontext der Information, Schulung und Beratung zu sehen ist. Der Lesende erfährt die Grundsätze der Erwachsenenbildung und welche Faktoren das Lernen fördern bzw. behindern.

Wie auch in anderen Bereichen spielt das Qualitätsmanagement hier eine Rolle. Es werden unterschiedliche Evaluationsmethoden aufgezeigt und viele Anregungen zur praktischen Umsetzung eines Fragebogens gegeben.

Zum Ende zeigt die Autorin nochmals zusammenfassend die einzelnen Handlungsfelder wie die z.B. tägliche Pflegepraxis, das Entlassungsmanagement, Beratungseinsätze, Pflegekurse oder Einzelschulungen in der Häuslichkeit auf und lässt die Schlüsselqualifikationen, über die eine Pflegefachkraft verfügen sollte, deutlich werden. Eine kurze Einordnung in die Bedeutung des Themas in das Professionalisierungsgeschehen des Pflegeberufs rundet das Buch ab.

Diskussion

Das Buch gibt für praktisch Pflegende einen guten Überblick über die Möglichkeiten von Information, Beratung und Schulung. Es gibt Orientierung im Begriffsdschungel und arbeitet die Arbeitsfelder zu Information, Schulung und Beratung von Angehörigen gut heraus. Im Besonderen wird auch auf die Vor- und Nachteile der Informationsbeschaffung aus dem Internet eingegangen und Qualitätsmerkmale für Webseiten mit gesundheitsbezogenen Informationen aufgezeigt. Mit Blick auf die hohe Nutzung dieses Mediums erhalten Pflegende nicht nur für die Arbeitssituation mit den Angehörigen, sondern auch für die eigenen Recherchen wertvolle Anregungen.

Praxisnahe Beispiele lockern die theoretischen Anteile auf. Positiv hervorzuheben sind die Konzeptvorschläge für Schulungssituationen und Kurse, die als Grundlage für die Einarbeitung eigener Ideen dienen können. Die Einordnung in das Professionalisierungsgeschehen der Pflege in Deutschland hätte noch stärker auf den Aspekt des autonomen Handelns in der beratenden oder informierenden Situation eingehen können, um noch deutlicher herauszustellen, das dies ein originärer Anteil des Pflegegeschehens ist.

Theoretische und praxisbezogene Anteile halten sich in diesem Buch die Waage. Interessierte erhalten einen Einblick in theoretische Grundlagen, Praktiker werden nicht mit Theorie überfrachtet. Wünschenswert wären noch Angaben zu weiterführender Literatur für den Leser, der innerhalb der Thematik weiter aufbauen möchte.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an praktisch Pflegende, die in Settings mit häufigen Angehörigenkontakten arbeiten: in der ambulanten Pflege, im Krankenhaus- und Rehabilitationsbereich und in der stationären Altenpflege. Ebenso sollen Mentoren und Praxisbegleiter in der Pflegeausbildung sowie Pflegende, die bereits im Beratungsbereich tätig sind, von diesem Buch profitieren. Ziel des Buches ist es, beruflich Pflegende für die Situation pflegender Angehöriger zu sensibilisieren, die Relevanz der Kompetenzförderung hervorzuheben und auch anwendungsorientierte Hinweise zur konkreten Gestaltung von Information, Schulung und Beratung zu geben.

Fazit

„Pflegende Angehörige stärken“ von Christa Büker eignet sich gut für beruflich Pflegende, um neben einen Überblick über Information, Schulung und Beratung viele praktische Hinweise zur Gestaltung der realen Anleitungssituation zu erhalten.


Rezensentin
M.A. Nina Fleischmann
M.A. Public Health und Pflegewissenschaft
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Zitiervorschlag
Nina Fleischmann. Rezension vom 22.12.2009 zu: Christa Büker: Pflegende Angehörige stärken. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2009. 141 Seiten. ISBN 978-3-17-020063-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8534.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.


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