Ihr Vorteil: Wir filtern, prüfen und ordnen die Angebote für die Sozialwirtschaft.

Hermann Will, Ulich Wünsch u.a.: Info-, Lern- und Change-Events

Cover Hermann Will, Ulich Wünsch, Susanne Polewsky: Info-, Lern- und Change-Events. Das Ideenbuch für Veranstaltungen: Tagungen, Kongresse und große Meetings. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2009. 480 Seiten. ISBN 978-3-407-36464-7. D: 78,00 EUR, A: 80,20 EUR, CH: 132,00 sFr.

Reihe: Weiterbildung - Training.

Besprochenes Werk kaufen


Event, Event, die Action brennt …

Der despektierliche Reim(Versuch) ist dem Vorhaben nicht angemessen, wenn sich Öffentlichkeitsberater, Konzeptentwickler, Moderatoren, Managementtrainer (und natürlich –innen) daran machen, ihre Erfahrungen über die Ausrichtung von „größer dimensionierte(n) Coporate-, Public- und Consumer-Events“ in einem umfangreichen und gewichtigen Handbuch aufzuschreiben und die verschiedenen Konzepte bei der Organisation und Durchführung von Kongressen, Arbeitstagungen, Symposien und Events diskutieren. Unumstritten dürfte dabei sein, dass Veranstaltungen für 30 bis 300 (und mehr) Menschen einer professionellen Vorbereitung bedürfen; nicht selten erleben nämlich TeilnehmerInnen, dass die Zielsetzung, die Organisation, der Ablauf und der Abschluss von Veranstaltungen eher auf dem Zufalls-Prinzip oder der „Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht“ – `Erfahrung´ aufgebaut sind und ablaufen. Es ist also nicht ungewöhnlich, dass auch für diesen Organisationsbereich Handbücher und Anleitungsliteratur angeboten werden. Die Frage ist, ob es nicht bereits genug davon gibt, angesichts der Literaturliste, in der Titel wie „Unternehmenstheater interaktiv“, „Lexikon für Veranstaltungsplaner“, „Moderationsfibel“, „Fit for Change“, „100 Tipps für Training und Seminare“, „Zukunftsfähiges Eventmarketing“, „Open Space in der Praxis“, „Großgruppen-Methoden“, usw. den Helfercharakter für Veranstaltungsplanungen und –durchführung anzeigen. Dazu kommt, dass das Internet zum Stichwort „Eventplanung“ rund 86.700 Eintragungen ausweist.

Entstehungshintergrund und Autorenteam

Das „Ideenbuch für Veranstaltungen“ ist entstanden aus einer Initiative der WUP WILL UND PARTNERgesellschaft, die ihren Sitz in Berg am Starnberger See hat. WUP erhebt mit ihren Angeboten und dem firmeneigenen Selbstverständnis den Anspruch, an der Nahtstelle zwischen den verschiedenen Richtungen der Organisierer – Organisationsentwicklung, Change und Event – tätig zu sein und sowohl die Aktivitäten der Event-Agenturen als auch der Organisationsentwickler in ihrer Arbeit zu berücksichtigen. Bei einer der von WUP durchgeführten mehrtägigen Sommerakademien „Veranstaltungs-Design“ kam die Idee auf, aus den vielzähligen Informationen, Materialien und Erfahrungen ein Handbuch zu kombinieren, das von rund 60 „Ideengebern“ angereichert wird. Zusammen gestellt wurde das Ideenbuch vom Autorenteam Hermann Will und Susanne Polewsky von WUP und Ulrich Wünsch von der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef-Bonn.

Inhalt

Im ersten Teil setzen sich die Autoren und Autorin mit der semantischen, aber auch inhaltlich unterschiedlichen Bedeutung von Begriffen auseinander: Veranstaltung oder Event? Beiden gemeinsam dürfte sein, dass es sich um „vorbereitete und geplante Zusammenkünfte (handelt), die um ein möglichst `heißes` Thema kreisen“. Das kann ein „Event am Brandburger Tor“ sein, bei dem es um eine Erinnerungsfeier zum Mauerfall vor 20 Jahren geht, mit einem „Markt der Möglichkeiten“ drum herum, Musik und Kleinkunst; ein Wirtschafts- oder Wissenschaftskongress auf einem großen Veranstaltungsgelände; oder die Veranstaltung eines Konzerns, der seine führenden Mitarbeiter und Vertreter, die weltweit tätig sind, zu einem Meeting zusammen ruft, um über die neuesten Firmenprodukte und Verkaufsstrategien zu informieren und zu schulen. Von den Autoren werden deshalb die Veranstaltungen „Info-, Lern- und Change-Events“ bezeichnet. Naturgemäß steht dabei nicht „Fun und Entertainment“ im Mittelpunkt, sondern eher langfristige Wirkungen, die auf Veränderung hin orientiert sind. „Change-Events“ also, die den Teilnehmern Orientierung anbieten, ihre Bereitschaft zur Akzeptanz, Zustimmung und Unterstützung einfordern, als Veranstaltung zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt wird und für die Veränderungsziele ein markantes Design setzen.

Im zweiten Teil geht es im Anregungen sich beim Service-Angebot eine „Auftragsklärung“ durchgeführt wird: Wer sind die Auftraggeber? Was wollen sie? Welche Ziele sind zu realisieren und welche nicht? Welche Veranstaltung in welchem Rahmen ist dafür geeignet? Und nicht zuletzt: Wer sind die Adressaten? Eigentlich alles selbstverständliche Fragestellungen, die jedoch, un- oder falsch-geplant, Chancen verhindern können. Das Autorenteam fasst diese einzelnen Denk- und Organisationsschritte in jeweils herausgehobenen Fragekästen und Checklisten zusammen. Sie bieten damit dem Nutzer des Handbuchs ein Gerüst an, das für die Realisierung eines Change-Events nützlich und hilfreich ist.

Im dritten Teil wird die wichtige Frage nach den Teilnehmerbedürfnissen, Erwartungen (und Befürchtungen) gestellt. Das erfordert Kenntnisse über den jeweiligen Informationsstand der Beteiligten, aber auch deren Bewusstsein von der Bedeutung des jeweiligen Gegenstandes. Dabei wird die Balance zwischen unrealistischen Erwartungshaltungen und Zielsetzungen, als auch eines allzu schlichten, öden oder langweiligen Veranstaltungsablaufs, sowohl seitens der Planer, als auch der Teilnehmer, zu beachten sein.

Im vierten Teil werden „harte“ Veranstaltungsparameter vorgestellt: es geht zur Sache! Die Auswahl und Zusammensetzung der TeilnehmerInnen, die Festlegung der Akteure, Moderatoren und Referenten, Veranstaltungsort, Zeitpunkt und Dauer der Einzel- wie der Gesamtveranstaltung, das Beiprogramm, die räumliche Ausstattung, Unterbringung, Verpflegung, usw.

Neben den „harten“ Entscheidungen haben die „weichen Event-Parameter“ einen nicht unwesentlichen Anteil am Ge- oder Misslingen einer Veranstaltung; wie etwa im fünften Teil: Beteiligung der Teilnehmer, Dialog, Kreativität, usw.

Im sechsten Teil werden die verschiedenen Veranstaltungs-„Formate“ vorgestellt: Als „Predigt“ oder „Musik von vorne“; als Workshop oder Arbeitstagung; als Schulung oder Lehr-Lern-Veranstaltung; und als Kult, bei dem gefeiert wird. Selbstredend erfordern die verschiedenen Formate (oder „Stammbäume“) auch unterschiedliche Inhalte und Methoden der Vermittlung und des Lernens.

Die einzelnen Ablaufmuster und Teilaspekte der Veranstaltungstypen, wie etwa der Organisation eines Kongresses, einer Sommer-Akademie, ein Politik-Forum, einer Qualitäts-Management-Veranstaltung im Krankenhaus, einer Handwerksmesse, usw., werden im achten Teil präsentiert.

Im neunten Teil geht es um das Grundformat „Arbeitstagung“; über typische Themen, Abläufe und Konzepte, wie etwa des Open-Space als ein Baustein für den Change-Prozess; die Zukunftskonferenz und Zukunftswerkstatt, sowie die Methode der problemzentrierten, handlungsorientierten Großgruppen-Konferenzmethode (RTSC).

Zehntens wird am Beispiel der Planung und Realisierung einer großen zweitägigen Projektleitertagung auf aktuelle Probleme eingegangen, wie sie etwa bei der Übernahme einer Firma durch eine andere auftreten und wie die Schwierigkeiten, Verunsicherungen und Unruhen bei den Mitarbeitern eingeschätzt werden können und welche Strategien dabei hilfreich sind, ihnen zu begegnen. In einem zweiten Beispiel geht es um ein Führungsforum, im dritten darum, wie Berater beraten und für ihre Aufgabe kompetenter gemacht werden können. Es sind solche konkreten und weiteren Beispiele, wie etwa eine Betriebsversammlung, ein Open Space, eine Zukunftswerkstatt für die Einrichtung eines Jugendcafes, die ein Know How für die Planung und Durchführung von inszenierten Arbeitstagungen vermitteln.

Im elften Teil kommt das Grundformat „Lern-Event“ erneut zur Sprache, und im zwölften Kapitel werden wieder zahlreiche Praxisbeispiele für Lern-Events gegeben. Danach kommt das Thema zur Sprache, das sich mit dem Begriff „Event“ in erster Linie verbindet: Das Erlebnis. Es ist gleichzeitig eine Herausforderung, das richtige „Erlebnis“-Angebot für die richtigen Teilnehmer, zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Dosierung auszuwählen. Es bietet aber auch die Chance, Change physisch und psychisch, emotional und körperlich zu erleben.

Im 14. Teil werden „Makro-Inszenierungen und Metaphorik“ diskutiert. Es sind Wachmacher oder Energiebringer, wie Scheinwerferspots, Musik, Videoclips, Überraschungsgäste, die wirkungsvoll im Verlauf einer Veranstaltung in Szene gesetzt werden. Dass solche Vorhaben, werden sie nicht gekonnt und professionell vorbereitet, „in die Hose gehen können“, weiß jeder, der Veranstaltungen organisiert.

Daneben gilt es, „Mikro-Inszenierungen“ in eine Tagung zu bringen. Es sind gewissermaßen die „Farbtupfer, Glanzlichter und i-Tüpfelchen für Veranstaltungen“. In einem ABC werden Erfolge und Risiken zusammen gestellt.

Im 15. Kapitel werden Tipps für Abend- und Sonderveranstaltungen im Rahmen eines Meetings gegeben. Und im Teil 16 geht es um die Fragen, wie Tagungen begonnen und wie sie beendet werden sollten: Ankommen, Teilnehmen, zum Abschluss kommen.

Im 17. Teil werden die verschiedenen Methoden vorgestellt, die bei einer Veranstaltung eingesetzt werden können und die Lern- und Arbeitsmaterialien beispielhaft eingeführt. Im 18. Kapitel geht es zusätzlich darum, mit den Informations-, Diskussions- und Aktionsangeboten „Hirn, Herz, Aug` und Ohr an(zu)sprechen“, also um sinnliche und mediale Lernanregungen.

Der 19. Teil leitet den Bereich ein, der umschrieben ist mit „Konzeptentwicklung und Planung“. Hier geht es also um die konzeptionelle und organisatorische Vorbereitung, die nicht als Einzelaktivität und im „stillen Kämmerlein“ durchgeführt, sondern als Teamarbeit durchgeführt werden sollte.

Weiterhin geht es um Fragen nach „Risiko und Sicherheit“, sowohl inhaltlich im Arbeitsablauf, als auch bei der Beachtung von gesetzlichen und Ordnungsbestimmungen, wie die Berücksichtigung von technischen Problemen.

Nicht zu vernachlässigen sind Fragen der Umweltverträglichkeit, des Umweltschutzes also, damit der Lern-Event nicht zu einer Lärm-, Müll- und Prass-Veranstaltung wird.

Zum Schluss des Buches, wie auch als Schluss-Schritt einer Veranstaltung, wird die Frage nach der Erfolgsmessung, der Event-Evaluation, gestellt und über die Konzepte und Methoden dafür informiert.

Fazit

Das Ideenbuch ist kein Rezeptbuch, nach dem abgehakt werden kann, wie eine Veranstaltung zu planen und durchzuführen ist. Ein Info-, Lern- und Change-Event, oder bleiben wir ruhig bei dem Begriff der Veranstaltung, ist, vor allem wenn sie für eine größere Zahl von Menschen gedacht ist, ein komplexes Unternehmen, das weder aus dem Ärmel geschüttelt, noch auf Erfahrung allein aufgebaut werden kann. Deshalb ist das Handbuch von Hermann Will, Ulrich Wünsch und Susanne Polewsky ein nützlicher Ratgeber für alle diejenigen, die entweder im Studium Organisationsentwicklung lernen, oder in der Praxis größere Veranstaltungen organisieren. Der Preis von 78 Euro freilich wird der empfehlenswerten Verbreitung Grenzen setzen; es sei denn, die Anschaffung wird aus dem Firmen- oder Institutionenetat finanziert.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
E-Mail Mailformular


Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 08.12.2009 zu: Hermann Will, Ulich Wünsch, Susanne Polewsky: Info-, Lern- und Change-Events. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2009. 480 Seiten. ISBN 978-3-407-36464-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8741.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.

Zur Rezensionsübersicht
Zum Seitenanfang

Hilfe & Kontakt

Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.

Mehr zum Thema

Andreas Frodl: Marketing im Gesundheitsbetrieb

Manfred Bruhn: Unternehmens- und Marketingkommunikation

Literaturliste anzeigen

Stellenangebote

Geschäftsführer (m/w) im Bereich Sozialdienstleistung, Rheinfelden

leitende/r Mitarbeiter/in im Rechnungswesen, Berlin

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.