Thomas Buchholz u.a. (Hrsg.): Begegnungen. Basale Stimulation in der Pflege
Thomas Buchholz u.a. (Hrsg.): Begegnungen. Basale Stimulation in der Pflege - ausgesuchte Fallbeispiele. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2010. 2., korr. und ergänzte Auflage. 313 Seiten. ISBN 978-3-456-84792-4. 28,95 EUR.
Reihe: Pflegepraxis.
Thema
Die Basale Stimulation stellt ein seit einigen Jahren zunehmend genutztes Konzept in der Pflege dar. Besondere Aufmerksamkeit hat sie in der Pflege wahrnehmungsbeeinträchtigter Patienten gewonnen. So ist es bei der Betreuung von körperlich und geistig behinderten Menschen, Menschen im Wachkoma und in der Arbeit mit an Demenz erkrankten Menschen am häufigsten eingesetzt. Obwohl das Konzept der Basalen Stimulation vom Hören-Sagen den meisten Pflegekräften bekannt ist, wird es in der Ausbildung von Pflegefachkräften oftmals nur rudimentär behandelt. Daher verwundert es nicht, dass es in der Praxis an fundiertem Wissen dazu fehlt und die Umsetzung des Konzeptes häufig fehlerhaft, in Ausschnitten oder gar nicht realisiert wird.
Herausgeber
Die Autoren sind Leitende der Weiterbildung zur/zum PraxisanleiterIn für Basale Stimulation in Essen. Sie versammeln in diesem Band Abschlussarbeiten von Alumni der o.g. Weiterbildung aus verschiedenen Zentren. Die Autoren der Beiträge sind in verschiedenen Bereichen der Pflege tätig. Diese reichen von der Pflege behinderter Kinder über Tätigkeiten auf Kinder- und Erwachsenenintensivstationen bis hin zur Arbeit mit Wachkomapatienten und an Demenz erkrankten. Die Autoren sind - bis auf zwei Pflegepädagogen - alle Pflegefachkräfte mit verschiedenen Berufserfahrungen und Tätigkeitsfeldern.
Entstehungshintergrund
Das Buch will absichtlich keine umfassende theoretische Darstellung des Konzeptes der Basalen Stimulation geben. Es geht den Herausgebern vielmehr um das Darstellen von Umsetzungsbeispielen aus der Pflegepraxis. Sie wollen zeigen wie „normale“ Pflegekräfte Basale Stimulation in der Praxis nutzen, sie verändern und in den Alltag integrieren. Das Buch soll Pflegenden, die sich für das Konzept der Basalen Stimulation interessieren, Vorschläge zur Umsetzung in der Praxis machen.
Es wird ausdrücklich auf die Veröffentlichung von besonders gelungenen Umsetzungen in die Praxis verzichtet. Vielmehr zeigen die versammelten Praxisbeispiele den Alltag in der Anwendung der Basalen Stimulation mit allen Schwierigkeiten und Hürden aber auch deren Erfolge. Letzendlich soll der Leser zur eigenständigen Umsetzung angeregt werden.
Aufbau
Das Buch ist in drei Kapitel gegliedert:
- Vom Körper zum Ich,
- Vom Ich zum Du und
- Du und Ich,
wobei jedem Abschnitt eine kurze theoretische Einführung vorangestellt ist. Im ersten Abschnitt, Vom Körper zum Ich, werden Pflegesituationen von Menschen vorgestellt, die nach Meinung der Autoren zuerst mal ihr Körper-Ich entdecken müssen, um ihre eigene Personalität wieder zu entdecken. Der zweite Teil, Vom Ich zum Du, beschäftigt sich mit dem Thema der Interpersonalität von Pflege. Das letzte Kapitel, Du und Ich, zeigt Beispiele begleitender Förderung auf.
Der Band enthält außerdem ein ausführliches Autorenverzeichnis, ein Vorwort der Autoren, ein Geleitwort von Prof. Christel Bienstein sowie ein Nachwort von Prof. Dr. Andreas Fröhlich, dem „Vater“ der Basalen Stimulation.
Im Anhang befinden sich Informationen zur Weiterbildung als Praxisanleiter für Basale Stimulation in der Pflege, sowie ein hilfreiches Glossar und ein Literaturverzeichnis.
Das Buch veröffentlicht 21 Abschlussarbeiten von Teilnehmern der Weiterbildung zur/zum PraxisanleiterIn für Basale Stimulation. Die Texte sind in drei verschiedene Kapitel untergliedert, welche sich unterschiedlichen Schwerpunkten des Pflegekonzeptes Basale Stimulation widmen.
Die Texte sind zwischen vier und fünfzehn Seiten lang und teilweise mit Fotos bebildert. Ein Text enthält Zeichnungen. Allen Texten sind Bilder der Verfasser vorangestellt. Die Texte sind nicht durch den Verlag bearbeitet sondern in ihrer ursprünglichen, individuellen Form, ihrem Schreibstil und der Ausdrucksform belassen.
Ergänzt wird der Hauptteil durch kurze Texte, Vorworte und Nachworte von namenhaften Autoren wie Prof. Christel Bienstein und Prof. Dr. Andreas Fröhlich.
1. Vom Körper zum Ich
Ein einseitiger Text von Anke Gebel-Schürenberg und Ansgar Schürenberg führt den Leser zum Inhalt des folgenden Kapitels hin.
Das erste Kapitel des Buches befasst sich mit Menschen die durch das Spüren ihres eigenen Körpers wieder zu einer, ihrer Persönlichkeit finden sollen. Acht Praxisberichte stellen die Anwendung basal stimulierender Pflege bei Menschen verschiedensten Alters mit unterschiedlichen Defiziten vor. Wobei ein deutlicher Schwerpunkt auf der intensivpflegerischen Betreuung von Neurologisch erkrankten Patienten liegt. Fünf Fallberichte befassen sich mit der Pflege von Kindern und Jugendlichen, drei Abschnitte mit der basal stimulierenden Versorgung Erwachsener. Bei vielen aber nicht allen Berichten ist der Tätigkeitsbereich (Akutklinik, Pflegeheim, ambulante Versorgung) der Pflegekraft erwähnt oder nachvollziehbar.
Ein deutlicher Schwerpunkt liegt in allen Berichten auf der Körperpflege. Ein Bericht stellt vestibuläre und vibratorische Angebote vor. Fast alle Berichte sind sehr detailliert geschrieben.
2. Vom Ich zum Du
Der zweite Teil des Bandes wird mit einem mehrseitigen Einführungstext von Peter Nydahl eröffnet. Dieser dient der Erläuterung des Kapitelthemas Vom Ich zum DU.
Anschließend sind sechs Praxisberichte zu lesen. Fünf Texte beschäftigen sich mit der Pflege eines erwachsenen Menschen, ein Text mit der Pflege eines Jugendlichen. Viele Berichte sind im Handlungsfeld der Intensivmedizin und Neurologie zu Hause. Ein Text beschreibt die Pflege eines Patienten auf einer geriatrischen Station eines Krankenhauses.
Insgesamt liegt der Fokus dieses Kapitels weniger als im ersten auf der basal stimulierenden Körperpflege. Die Haltung von Pflegenden den zu Pflegenden gegenüber wird in diesem Kapitel betont und beschrieben. Viele Texte sind sehr deutlich von persönlichen Empfindungen geprägt. Es steht das Verhältnis der Akteure des Pflegeprozesses im Mittelpunkt.
3. Du und Ich
Der dritte Teil des Buches wird durch einen mehrseitigen Einführungstext von Thomas Buchholz eröffnet. Das Thema des letzten Abschnittes ist das Miteinander von Pflegendem und Pflegebedürftigem. Hierbei steht weder die Körperpflege noch das konkrete Pflegehandeln im Fordergrund. Es geht um Beziehungsarbeit nach dem Konzept der Basalen Stimulation.
Die Berichte stammen aus heterogenen Arbeitsfeldern. Ein Bericht beschreibt die Pflege eines Pflegeheimbewohners, ein Bericht die Pflege eines Patienten in einem Hospiz, mehrere Berichte handeln von Pflegesituationen in einem Krankenhaus. Die Texte unterscheiden sich, wie im gesamten Buch, deutlich in ihrer Detailliertheit.
Diskussion
Das Buch liefert zahlreiche Umsetzungsbeispiele für das Konzept der Basalen Stimulation. Viel zu oft wird das Konzept auf beruhigende oder anregende Waschungen reduziert. Die gesamte Tragweite des Konzeptes wird von Pflegekräften oftmals nicht überblickt. Die Angst etwas falsch umzusetzen verhindert eine Anwendung oftmals, genauso wie der Mangel an theoretischem Hintergrundwissen. Diese Veröffentlichung macht einen ersten, großen Schritt dazu dieses Vakuum zu füllen. Pflegende können sich Anregungen zur Umsetzung in verschiedenen Fachgebieten aneignen und dabei hinaus noch den Blick über den Tellerrand des eigenen Fachgebietes wagen. Basiswissen zum Konzept der Basalen Stimulation setzt das Buch allerdings voraus. Wenn dieses vorhanden ist, macht es unheimlich Spaß darin zu lesen und von anderen Pflegenden Tipps und Tricks für die eigene Praxis abzuschauen. Das Buch ist übersichtlich gegliedert, die Herausgebertexte sind gut lesbar und geben kurze, theoretische Einführungen in die drei Kapitel des Buches und machen Neugierig auf die nachfolgenden Berichte. Was das Buch will und was nicht ist in gut lesbarer Interviewform als Vorwort voran gestellt. Die einzelnen Praxisbeispiele sind nicht aus ihrer ursprünglichen Form genommen worden und spiegeln damit die Individualität eines jeden Autors und einer jeden Umsetzung wieder. Gerade dieser Umstand, gepaart mit den sehr fachkundigen und gut geschrieben Herausgebertexten sowie Vor- und Nachworten macht das Buch gut lesbar und spannend für Pflegende denen das wirkliche Begegnen gegenüber ihren Patienten und Bewohner wichtig ist.
Das Buch füllt eine Lücke für all jene Pflegekräfte die in ihrer Einrichtung keinen Praxisanleiter für Basale Stimulation zur Seite haben aber dennoch dieses Pflegekonzept umsetzen wollen.
Fazit
Dieses Buch eignet sich sowohl für Auszubildende als auch für erfahrene Pflegende, es ist Pflegehelfern genauso zu empfehlen wie akademisierten Pflegefachkräften. Es hält interessante Praxisbeispiele, zahlreich aus der intensivmedizinischen Krankenpflege aber auch aus der Altenpflege und Begleitung Sterbender bereit. Kinderkrankenschwestern/pfleger finden genauso Anregungen
wie Pflegekräfte die erwachsene Menschen betreuen. Für alle Pflegenden, die den Blick über den Tellerrand wagen wollen, liefert dieser Band spannende Ausblicke. Praxisbeispiele können dem Buch entnommen und in der eigenen Pflegetätigkeit umgesetzt werden. Eine Bereicherung für alle, die mit ihrer Pflegetätigkeit mehr als nur „sauber und satt“ erreichen, die wirkliche Begegnungen mit Menschen ermöglichen und die Begegnungskultur in der Pflege verbessern wollen. Dieses Buch ist seinen Preis wert!
Rezensent
Michael Junge
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Zitiervorschlag
Michael Junge. Rezension vom 23.01.2010 zu: Thomas Buchholz u.a. (Hrsg.): Begegnungen. Basale Stimulation in der Pflege. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2010. 2., korr. und ergänzte Auflage. 313 Seiten. ISBN 978-3-456-84792-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8749.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.
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