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Hartmut Radebold, Hildegard Radebold: Älterwerden will gelernt sein

Cover Hartmut Radebold, Hildegard Radebold: Älterwerden will gelernt sein. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2009. 287 Seiten. ISBN 978-3-608-94526-3. 19,90 EUR, CH: 34,50 sFr.

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Thema

Der stetige Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung in der Moderne führt dazu, dass für eine nicht unerhebliche Anzahl älterer Menschen die Phase nach Berufleben und Familienphase länger ist, als Kindheit und Jugend zusammen. Diese ausgedehnte Zeitspanne, sehr oft verbunden mit relativ guter Gesundheit und materieller Absicherung, verlangt individuelle Gestaltung sowie ständige Lern- und Anpassungsprozesse. Veränderungen körperlicher Art und in sozialen Beziehungen müssen kompensiert und gemeistert werden und es geht darum, durch das Gestalten der eigenen Lebensumstände, die persönliche Autonomie möglichst lange (er-)lebbar zu machen. Nicht zuletzt stehen auch die Fragen nach Sinn und der eigenen Zufriedenheit beim Älterwerden im Mittelpunkt.

Autor und Autorin

Hartmut Radebold ist Arzt für Nervenheilkunde und psychotherapeutische Medizin sowie Lehr- und Kontrollanalytiker der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung. Von 1976 bis 1997 hatte er den Lehrstuhl für Klinische Psychologie am FB 04 der Universität Kassel inne und lehrte dort unter anderem im Aufbaustudiengang Soziale Gerontologie. Seine Spezialgebiete sind Psychotherapie/ Psychoanalyse für ältere Menschen und Psychosomatik Älterer. Bekannt sind seine Forschungsarbeiten zur Generation der Kriegskinder, die er seit ca. 15 Jahren durchführt und dazu auch veröffentlicht hat.

Hildegard Radebold ist Diplom-Bibliothekarin und war in unterschiedlichen Funktionen in Büchereien beschäftigt. Sie hat über viele Jahre hinweg Kinder- und Jugendbücher rezensiert.

Entstehungshintergrund

Hartmut und Hildegard Radebold sind ein Paar, das die Erfahrungen aus 46 Ehejahren in die gemeinsame Publikation einfließen lässt. Sie befinden sich beide in genau der Lebensphase, mit der sie sich in dem Buch auseinandersetzen. Die gemeinsame Autorenschaft schließt auch ähnliche kollektive Erfahrungen mit ein: als „Kriegskinder“ geboren, wesentlich geprägt auch durch die Nachkriegszeit sowie durch individuelle Krankheitsgeschichten, die es zu bewältigen galt. Die fast 3-jährige Arbeit an dem Buch verstehen sie als gemeinsames Projekt, in dessen Rahmen auch eigene Erfahrungen reflektiert werden und in dem sie der Leserschaft Anregungen zur eigenen Lebensgestaltung geben.

Aufbau und Inhalt

In ihrem einführenden ersten Kapitel erläutern die beiden Autoren die Hintergründe, die sie zu dem Buchprojekt veranlasst haben. Dazu referieren sie Zahlen, Daten und Fakten des demografischen Wandels und beschreiben Altern als mehrdimensionalen Prozess.

Einstellungen und Meinungen zum Altwerden stehen im Mittelpunkt des zweiten Kapitels, in dem es um das Selbstbild alternder Menschen geht, aber auch um gesellschaftliche Vorstellungen vom Alter und um Altersbilder.

Das dritte Kapitel geht der Frage nach, woher die individuellen und gesellschaftlichen Vorstellungen über das Älterwerden kommen, was dafür historische Wurzeln und Quellen sind und wie sich das in unterschiedlichen Medien widerspiegelt.

Das vierte Kapitel skizziert, wie das Altern als Chance für neue und weitere Entwicklungen gesehen und genutzt werden kann. Vorgestellt werden in diesem Kontext auch die Bedeutung von Entwicklungsaufgaben im höheren Lebensalter und welche Potenziale damit verbunden sind, denen es sich zu nähern gilt.

Im fünften Kapitel des Buches wird die Notwendigkeit der Bestimmung eigener Ziele für das ganz persönliche Altern erläutert und welche Aufgaben damit verbunden sind.

Notwendige Sach- und Fachkenntnisse für ein zufriedenstellendes Altern werden im sechsten Kapitel vorgestellt. Dabei geht es um Fakten, die die Älteren von heute unmittelbar betreffen. Schwerpunkte werden auch gelegt auf Genderaspekte, auf die Frage nach der Veränderungsfähigkeit älterer Erwachsener und nach deren kollektiven und zeitgeschichtlichen Erfahrungen.

Umfang und Art der persönlichen Vorbereitung auf das Altern stehen im Mittelpunkt des siebten Kapitels, als Bestandsaufnahme und Analyse der gegenwärtigen Lebenssituation des einzelnen Lesers oder der jeweiligen Leserin.

Im achten Kapitel werden ganz konkret neun Entwicklungsaufgaben im Alter beschrieben und mit Beispielen illustriert. Es geht jeweils um die Frage, welche Überlegungen in ihrem Kontext anstehen, welche Entscheidungs- und Handlungsalternativen dabei bestehen und welche Veränderungen vollzogen werden müssen, um zu einem als gelingend erlebten Altern zu kommen.

Im abschließenden Kapitel 9 werden zusammenfassend Perspektiven für eine befriedigende Zukunft aufgezeigt.

Zielgruppe

Das Buch versteht sich als Wegweiser in ein zufriedenstellendes Altern. Es zeigt konkrete Beispiele auf, gibt Anregungen und Tipps und ist damit eine anregende Lektüre für alle, die sich mit Fragen des Alterns beschäftigen. Es wendet sich damit an Menschen, die sich mit dem eigenen Älterwerden beschäftigen, aber auch an Angehörige und Begleiter.

Diskussion

Hartmut und Hildegard Radebold gelingt es, eine gute Balance zu finden zwischen empirischen Befunden und alltagsrelevanten Aspekten des Alterns. Sie geben Denkanstöße und kritische Hinweise, ohne dabei in den Grundtenor von Ratgeber-Literatur zu verfallen. Die Bewertung, die Umsetzung, die notwendigen eigenen Schritte bleiben den Leserinnen und Lesern überlassen. Sie machen aber Mut und fordern dazu auf, für sich selbst aktiv zu werden. Der letzte Gedanke des Buches heißt deshalb: „Älterwerden geschieht von allein! Zufrieden Älterwerden bedarf ständiger eigener Bemühungen und will gelernt sein.“

Fazit

Eine anregende und lohnenswerte Lektüre, die nachdenklich macht und wichtige Hinweise für das eigene Älterwerden liefert.


Rezensentin
Prof. Dr. Cornelia Kricheldorff
Katholische Hochschule Freiburg, Fachbereich Soziale Arbeit
Forschung und Lehre in angewandter Gerontologie, mit den inhaltlichen Schwerpunkten Geragogik, offene Altenarbeit, Bürgerschaftliches Engagement, neue Wohnformen, Soziale Arbeit in Pflege und Gesundheitswesen, Hospizarbeit.
Homepage www.kh-freiburg.de
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Zitiervorschlag
Cornelia Kricheldorff. Rezension vom 24.03.2010 zu: Hartmut Radebold, Hildegard Radebold: Älterwerden will gelernt sein. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2009. 287 Seiten. ISBN 978-3-608-94526-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8897.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.


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