Gisela Mötzing, Susanna Schwarz (Hrsg.): Leitfaden Altenpflege
Gisela Mötzing, Susanna Schwarz (Hrsg.): Leitfaden Altenpflege. Mit www.pflegeheute.de-Zugang. Elsevier GmbH, Urban & Fischer (München, Jena) 2010. 4., Auflage. 770 Seiten. ISBN 978-3-437-28430-4. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 46,00 sFr.
Reihe: Klinikleitfaden.
Thema
Der Beruf der Altenpflege befindet sich seit den Anfängen der geregelten Altersversorgung in einem Wandlungsprozess, der sich den tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen stetig angepasst hat. Die heutigen Herausforderungen machen die Altenpflege – ob nun ambulant, stationär oder teilstationär – zu einem ganzheitlich anspruchsvollen Beruf, der hohe Anforderungen an die Pflegekräfte stellt beziehungsweise von ihnen einen hohen Einsatz an Wissen, Erfahrung, Empathie und Energie abverlangt. Eine qualifizierte Ausbildung des Pflegepersonals ist daher unerlässlich. Hilfreich ist hierbei entsprechende Fachliteratur wie der vorliegende „Leitfaden Altenpflege“, der, laut Angaben auf dem Cover des Buches, „alle wichtigen Aspekte zu Betreuung, Begleitung und Pflege des alten Menschen“ vermittelt.
Herausgeber
Herausgegeben wird das „Kitteltaschenbuch“ (so die Verlagswerbung), das sich an Auszubildende und alle in der Altenpflege Tätigen wendet, von Gisela Mötzing aus Ahnatal und Susanna Schwarz aus Möschenfeld, wobei die einzelnen Beiträge aus der Feder von 15 Autorinnen und Autoren stammen.
Gisela Mötzing ist Krankenpflegefachkraft mit langjähriger Erfahrung in der Altenpflege und Dipl.-Sozialwirtin mit sozialpädagogischem Schwerpunkt. Sie arbeitete als Dozentin an Altenpflegeschulen und war lange als sozialpädagogische Fachkraft einer stationären Altenpflegeeinrichtung mit dem Schwerpunkt Aktivierung / Beschäftigung für Senioren und Konzeptentwicklung für tagesstrukturierende Angebote für Demenzerkrankte beschäftigt. Zurzeit ist sie in der gleichen stationären Einrichtung als Sozialdienstmitarbeiterin mit dem Schwerpunkt soziale Beratung, Angehörigenarbeit und der Koordination ehrenamtlicher Mitarbeiter tätig. Im Jahre 2005 veröffentlichte sie das Buch „Beschäftigung mit alten Menschen“ (vgl. die Rezension von Michael Brömse).
Dipl.-Ing. Susanna Schwarz ist Lehrerin für Pflegeberufe an der Berufsfachschule für Altenpflege in Baldham. Im Jahre 2007 legte sie das Buch „Prüfungswissen Altenpflege“ vor.
Entstehungshintergrund
Der „Leitfaden Altenpflege“ kann mittlerweile auf eine gut zehnjährige Geschichte verweisen. Im Jahre 1998 erschien – noch mit dem Untertitel „Begleitung, Betreuung, Pflege, Rehabilitation“ – die 1. Auflage (mit einem Umfang von 693 Seiten), der 2000 die 2. Auflage (mit einem Umfang von 720 Seiten) und 2006 die 3. Auflage (mit einem Umfang von 776 Seiten) folgten. Seit dem Jahre 2010 liegt nun die 4. Auflage (mit einem Umfang von 768 Seiten) vollständig überarbeitet und aktualisiert vor.
Zur Bedeutung ihres Buches schreiben die Herausgeberinnen im Vorwort: „Der ‚Leitfaden Altenpflege’ ersetzt kein grundständiges Lehrbuch, bietet aber dem Leser in kurzer und knapper Form Auskunft über wichtige Aspekte der Pflege, Betreuung, Begleitung und Therapie des zu pflegenden alten Menschen und orientiert sich an einem kundenorientierten Qualitätsanspruch. Als Nachschlagewerk für die tägliche Berufspraxis richtet sich das Buch vorwiegend an junge Berufskollegen, Auszubildende, aber auch andere Mitarbeiter in der Altenpflege.“
Aufbau
Der Leitfaden im Taschenbuchformat gliedert sich in die folgenden acht Kapitel:
- Tipps für die tägliche Arbeit (S. 1-166)
- Unterstützung bei den AEDL (S. 167-429)
- Pflege- und Arbeitstechniken (S. 431-550)
- Umgang mit Medikamenten (S. 551-570)
- Gerontopsychiatrische Erkrankungen (S. 571-627)
- Erkrankungen (S. 629-729)
- Erste Hilfe im Notfall (S. 731-751)
- Wichtige Adressen (S. 753-758).
Erschlossen wird der Korpus durch einen umfangreichen Index (S. 759-768).
Inhalt
Das 1. Kapitel („Tipps für die tägliche Arbeit“), an dem Peter Bergen, Gisela Degenhardt-Wiegmann, Marlies Ehmann, Gisela Mötzing, Karin Roxin, Rudolf Schramm, Johanna Schüler und Sabine Stelter beteiligt waren, behandelt – unterteilt in zehn Abschnitte – die folgenden Themen:
- Der Altenpflegeberuf
- Unterstützungsmöglichkeiten
- Materielle Unterstützung
- Tipps für die Arbeit in der ambulanten Pflege
- Tipps für die Arbeit in der stationären und teilstationären Altenpflege
- Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen und Institutionen
- Pflegetheorie, Pflegeprozess, Pflegeplanung und -dokumentation
- Hygiene
- Qualitätsmanagement
- Rechtliche Probleme.
Das 2. Kapitel („Unterstützung bei den AEDL“), das von Susan Holst, Waltraud Lange, Gisela Mötzing, Ricarda Raabe und Johanna Schüler stammt, widmet sich – unterteilt in dreizehn Abschnitte – den folgenden Themen:
- Kommunizieren können
- Sich bewegen
- Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten können
- Sich pflegen können
- Essen und trinken
- Ausscheiden können
- Sich kleiden können
- Ruhen und schlafen können
- Sich beschäftigen können
- Sich als Mann oder Frau fühlen
- Für Sicherheit und eine sichere Umgebung sorgen können
- Soziale Bereiche des Lebens sichern können
- Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen können.
Das 3. Kapitel („Pflege- und Arbeitstechniken“), geschrieben von Gisela Mötzing, Kerstin Protz, Johanna Schüler und Susanna Schwarz, setzt sich – unterteilt in neun Abschnitte – mit den folgenden Themen auseinander:
- Prophylaxen
- Wundbehandlung und -verbände
- Injektionen und Infusionen
- Katheder und Sonden
- Stomapflege
- Abführende Maßnahmen
- Physikalische Behandlungsmaßnahmen
- Intervention und therapeutische Konzepte
- Umgang mit Schmerzen.
Das 4. Kapitel („Umgang mit Medikamenten“), das Hans-Jachim Naurath erstellte, beschäftigt sich – unterteilt in drei Abschnitte – mit den folgenden Themen:
- Allgemeine Regeln
- Einteilung nach Stoffgruppen
- Naturheilkundliche Medikamente.
Das 5. Kapitel („Gerontopsychiatrische Erkrankungen“), das Ulrich Kastner und Gisela Mötzing verfassten, behandelt – unterteilt in zehn Abschnitte – die folgenden Themen:
- Allgemeines
- Demenzerkrankungen und akute Verwirrtheit
- Depression und Manie
- Suizidalität
- Angsterkrankungen
- Psychosomatische Erkrankungen
- Posttraumatische Belastungsstörungen
- Schizophrenie und andere Wahnerkrankungen
- Suchterkrankungen
- Akuter Notfall in der Gerontopsychiatrie.
Das 6. Kapitel („Erkrankungen“), von Maria-Anna Schoppmeyer und Ingrid Strauch bearbeitet, umfasst – unterteilt in zwölf Abschnitte – die folgenden Themen:
- Herzerkrankungen
- Kreislauf- und Gefäßerkrankungen
- Lungen- und Atemwegserkrankungen
- Erkrankungen der Verdauungsorgane
- Erkrankungen des Harnapparates
- Erkrankungen des Bewegungsapparates
- Stoffwechselerkrankungen
- Hauterkrankungen
- Augenerkrankungen
- Ohrenerkrankungen
- Bösartige Tumorerkrankungen
- Neurologische Erkrankungsbilder.
Das 7. Kapitel („Erste Hilfe im Notfall“), von Maria-Anna Schoppmeyer verfasst, widmet sich – unterteilt in vier Abschnitte – den folgenden Themen:
- Organisatorisches im Vorfeld
- Basismaßnahmen beim Notfall
- Wiederbelebung (Reanimation)
- Spezielle Notfallsituationen.
Das 8. Kapitel („Wichtige Adressen“) gliedert sich in die Abschnitte:
- Berufsverbände / Arbeitnehmerorganisationen
- Verbände der freien Wohlfahrtspflege
- Private Verbände
- Sonstige Verbände und Organisationen
- Betroffenen- und Patientenverbände
- Hospizgruppen
- Fachhandel
- Zeitschriften.
Im Vergleich zu den früheren Ausgaben wurden in der 4. Auflage die Erläuterungen zu gerontopsychiatrischen Erkrankungen, moderner Wundversorgung und Basaler Stimulation ausgebaut sowie die rechtlichen Neuerungen und Expertenstandards berücksichtigt.
Erleichtert wird die Lektüre durch vier verschiedene Kästen und Symbole. Im Einzelnen handelt es sich hierbei um:
- „Tipps, Tricks und Fallen“ mit ergänzenden Hinweisen zum jeweiligen Textabschnitt,
- „Pflegerische Erstmaßnahmen“ oder „Wichtig“ mit dem Hinweis auf wichtige Pflegemaßnahmen oder Beobachtungen bei der Pflege,
- „Aktuelles“ mit Hinweisen auf Neuerungen in der Pflegeversicherung, ergänzende Informationen zur Flüssigkeitsbilanz oder kleine Übungsanleitungen
- „Ergänzende Informationen und Materialien“, die im Internet abgerufen werden können.
Darüber hinaus enthält das Buch, das am Ende zwei Seiten Platz für eigene Notizen bietet, eine freizurubbelnde, persönliche PIN-Nummer, die den Zugang zu dem vom Verlag betreuten „PflegeHeute.de-Portal“ (www.pflegeheute.de oder www.elsevier.de) ermöglicht. Damit kann der Käufer beziehungsweise die Käuferin des Buches „ausschließlich für den eigenen Gebrauch“ – eine Nutzung durch Bibliotheken, Institute und Lehreinrichtungen ist nicht erlaubt – online
- auf unterschiedliche Themenbereiche zugreifen, etwa ausgewählte Checklisten zur Pflegeplanung und Krankheitslehre oder Hinweise zu speziellen Wundauflagen und Arzneimitteltabellen,
- mit exklusiven Zusatzinhalten zu dem Buch arbeiten, wie beispielsweise die Möglichkeit zum Herunterladen von Beispiel-Formularen und Mustervorlagen zum Ausdrucken
- viele weitere multimediale Angebote nutzen, zum Beispiel ein ausführliches Glossar oder das komplette Roche-Lexikon Medizin online.
Diskussion
Der „Leitfaden Altenpflege“ orientiert sich an den alltäglichen Anforderungen der Berufspraxis in unterschiedlichen Arbeitsfeldern, insbesondere in der ambulanten, stationären und teilstationären Altenpflege. Seinem selbst gestellten Anspruch, „in kurzer und knapper Form Auskunft über wichtige Aspekte der Pflege, Betreuung, Begleitung und Therapie des zu pflegenden alten Menschen“ zu geben, wird er gerecht. Insofern eignet sich das Buch ideal als Nachschlagewerk. Ersatz für ein entsprechendes Lehrbuch kann und sollte er aber nicht sein.
Fazit
Mit einigen Abbildungen und wertvollen Tipps für den Pflegealltag vermittelt der bewährte Leitfaden kompakt und praxisnah die wichtigsten Aspekte zu Betreuung, Begleitung und Pflege alter Menschen.
Rezensent
Dr. Hubert Kolling
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Zitiervorschlag
Hubert Kolling. Rezension vom 03.03.2010 zu: Gisela Mötzing, Susanna Schwarz (Hrsg.): Leitfaden Altenpflege. Elsevier GmbH, Urban & Fischer (München, Jena) 2010. 4., Auflage. 770 Seiten. ISBN 978-3-437-28430-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8993.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.
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