Thomas Heinze, Vera Lewinski-Reuter u.a. (Hrsg.): Innovation durch Kommunikation
Thomas Heinze, Vera Lewinski-Reuter, Kerstin Steimle (Hrsg.): Innovation durch Kommunikation. Kommunikation als Innovationsfaktor für Organisationen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. 262 Seiten. ISBN 978-3-531-16381-9. 34,90 EUR.
Herausgeber und Herausgeberinnen
Prof. Dr. Thomas Heinze ist ordentlicher Professor an der Freien Universität Bozen. Die Juristin Verena Lewinski-Reuter ist für den Bereich ‚Kulturmanagement’ als freiberufliche Fach- und Wissenschaftslektorin, sowie als Dozentin für Urheberrecht und Konfliktmanagement tätig. Dipl.-Kffr. Kerstin Steimle ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Distance und International Studies Center der TU Kaiserslautern.
Thema
Der vorliegende Sammelband widmet sich der Fragestellung, ob und inwieweit Kommunikationsvorgänge in verschiedene Innovationskontexte eingebunden ist, und unter welchen Bedingungen in welchen Facetten diese evozierbar scheinen.
Autoren
In dem vorliegenden Band kommen in 16 Beiträgen 15 Autoren aus Wissenschaft und Praxis zu Wort.
Entstehungshintergrund
Dieses Buch wurde anlässlich der vom BMBF geförderten Tagung „Innovation durch Kommunikation – Kommunikation als Erfolgsfaktor für Organisationen“ an der TU Kaiserslautern als Tagungsband konzipiert.
Aufbau
In seiner Gliederung legt der Band sich auf 5 zu betrachtende Themenbereiche fest:
- Einführung in das Kultur- und Non-Profit-Management
- Medien – Geschichte und Innovationserfolg
- Kommunikation und Recht
- Interkulturelle Kommunikation
- Kompetenz durch Selbstreflexion
Vor- und Schlusswort der Herausgeber, Literaturangaben nach jedem Einzelbeitrag und eine kurze Übersicht der Autoren mit jeweils signifikanten Informationen, sowie von den Herausgebern zusammengestellte Literaturempfehlungen zu den einzelnen Themenblöcken runden den Sammelband ab.
Die kurze inhaltliche Darstellung der Einzelbeiträge soll sich am oben dargestellten Aufbau des Buches orientieren. Der Rückgriff auf die Einzelbeiträge soll Struktur und die inhaltliche Konsistenz des Gesamtinhalts darstellen helfen.
Nach einer kurzen Einführung durch die Herausgeber, werden in Einzelbeiträgen aus interdisziplinärer Sicht, Relationen zwischen Innovation und Kommunikation dargestellt und in theoretische Argumentationen eingebettet.
1. Teil: Einführung in das Kultur- und Non-Profit-Management
In seinem ersten Beitrag skizziert Thomas Heinze die Kernthemen „innovatives“ und „nachhaltiges“ Kulturmanagement. Ausgehend von einer Definition von „Kultur“ und „Management“ stellt der Autor steuerungsrelevante Instrumente vor: Kulturfinanzierung und Förderung. Dabei geht der Autor insbesondere auf die schwierige Situation der Verantwortlichen ein, die zwischen den unterschiedlichen Systemlogiken des Wirtschafts- und Kulturbetriebs vermitteln müssen.
Anschließend widmet sich Thomas Heinze in seinem zweiten Beitrag in diesem Band dem Terminus des reflexiven Kulturmanagements und knüpft damit – wenn auch nicht explizit – an die im ersten Beitrag skizzierten Anforderungen an Verantwortliche an. Die Argumentation des Beitrags stützt sich im Wesentlichen auf die Kritische Theorie der Frankfurter Schule und fordert gewissermaßen „Interpenetrationsprozesse“ zwischen Kultur und Wirtschaft in dem Sinne, als dass Kunst als Impulsgeber von Sinnstruktur von der Wirtschaft entsprechende Wertschätzung zu erfahren habe.
Der Beitrag von Christian Koch betrachtet die Zusammenführbarkeit des „New Public Management“- Ansatzes mit dem Handlungsfeld des Non-Profit-Managements. Als Motor von feldspezifischen Entwicklungen sieht der Autor den wachsenden Innovationsdruck in diesem Sektor. Diese rasanten Entwicklungen haben weitreichende Konsequenzen, so der Autor, vor allem für den Umgang mit Medien und Kommunikationsinfrastruktur.
2. Teil: Medien – Geschichte und Innovationserfolg
Einen medienhistorischen Zugang hingegen wählt Joseph Garncarz in seinem Beitrag, der die Zusammenhänge zwischen Medien, Wissen und Unterhaltung fokussiert. Dabei wird zunächst das erforderliche Vokabular erarbeitet. Ausgehend von einem erklärenden Modell der Medienentwicklung wird eine Perspektive zur Medienetablierung gewonnen, die erklärt „warum sich bestimmte Medien schneller als andere haben etablieren können…“.
Gebhard Rusch erweitert den zeitgenössischen Medienbegriff auf der Basis seiner Darstellung des Facettenreichtums des Medienbegriffs selbst. Er erklärt die gegenseitige Einflussnahme von Instrumentierung von Kommunikation und Mediatisierung. Dieses Verhältnis wandelt sich bedeutsam, so der Autor, hinsichtlich der zunehmenden Möglichkeiten der Medienkonsumenten, selbst Medien zu produzieren. Daraus schließt Rusch, dass der Begriff der Medienkommunikation einem umfassenderen Begriff des Medienhandelns zunehmend Interesse weichen wird.
Einen epistemologischen Zugang hinsichtlich dreier Phänomenbereiche „Medien – Wissen – Kommunikation“ wählt Theo Hug. Der Autor stellt zunächst gegenwartsorientierte zeitdiagnostische Beschreibungsperspektiven vor und bettet diese in kulturtheoretische Zusammenhänge ein. Nach einer knappen Skizzierung des Medienbegriffs werden wissenstheoretische Überlegungen angestellt. Diese überführt der Autor in die Diskussion um den Zusammenhang zwischen Kommunikation und Wissen und diskutiert diesen anhand des Begriffes „Mikrolernen“.
Über den zunehmend beobachtbaren Konflikt zwischen Finanzierung und Leistungspotential der Massenmedien schreibt Christoph Müllerleile ins seinem Beitrag „Fundraising in den Massenmedien – Verstärkung und kritische Begleitung“. Der Autor stellt dabei heraus, dass die zu diagnostizierenden Entwicklungen – wie in den vorhergegangenen Beiträgen schon vorbereitet – auch Grund dafür sein könnten, die Finanzierungssituation im Medienbereich grundlegend zu verbessern. Doch auch negative Folgen bespricht der Autor.
Stefan Lüddemann betrachtet Kommunikationsprozesse im weiteren Kontext „Kunst“, wobei er den Terminus „Kunstkommunikation“ einführt und definiert. Dabei wird „Kunst“ nicht nur als Kommunikationsobjekt verstanden, sondern auch als Initiator von Kommunikationsprozessen. Dieser damit festgestellten Potentialität zur Innovationsinitiierung widmet sich der Autor schlussfolgernd in seinem Beitrag.
3. Teil: Kommunikation und Recht
Zunächst stellt Christian Heinze eine Betrachtung über Berührungspunkte zwischen Recht und Kommunikation vor. Dabei unterscheidet der Autor im Wesentlichen zwei verschiedene Fälle: der Schutz vor Kommunikation, der Schutz von Kommunikation.
Verena Lewinski-Reuter greift den letzten Aspekt wieder auf und stellt in ihrem Beitrag das Urheberrecht in die Mitte ihrer Betrachtungen. Dem Titel des Tagungsbandes wird die Autorin dahingehend gerecht, als das sie in ihrem Beitrag einen Fokus auf PR-Kommunikation legt und diese in Bezug zu organisationstheoretischer Argumentation setzt.
4. Teil: Interkulturelle Kommunikation
Im Rahmen eines nächsten thematischen Abschnittes, stellt Edith Broszinsky-Schwabe Interkulturelle Kommunikation in den Mittelpunkt. Interkulturalität bezieht die Autorin auf ihre Auswirkungen auf Kommunikation. Edith Broszinsky-Schwabe versucht in ihrem Beitrag aufzuzeigen, inwieweit dieser Herausforderung zu begegnen sei.
Helmart Hierdeis bezieht diese Aspekte auf den Kulturbegriff und zeigt dabei: Kultur hat eine wichtige Orientierungsfunktion – auch und vor allem in Bezug auf kommunikatives Handeln. Der Autor fokussiert die Notwendigkeit der eigenen Individualität und der eigenen Identität, wenn es darum geht, mit interkulturellen Einflüssen umzugehen.
Die ökonomische Dimension dieser Aspekte betont Ulrich Heitfeld in seinem Beitrag. Sollen interkulturelle Erfahrungen in individuelle Erfahrungswelten integriert werden, wird ein entsprechendes Wissen benötigt, welches den Entschlüsselungscode fremder Zeichen und Symbole beinhaltet. Dieses Wissen ist für ökonomische Institutionen kostbar, auch wenn dieser „De-Kodierprozess“ immer wieder auch fehlerhafte Deutungen produziert.
5. Teil: Kompetenz durch Selbstreflexion
Im fünften Teil werden diese Reflexionsprozesse im Beitrag von Saskia Reither in ihrem Beitrag „Innovation durch Selbstmanagement“ in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt. Nachdem die Autorin verschiedene Strategien der Selbstorganisation vorstellt, zeigt sie Parallelen zwischen Selbst- und Kulturmanagement, wobei sie zeigt, wie die Situation von „Kulturunternehmen“ als zwischen „Freiheit und Präkariat“ zu beschreiben ist.
Akteure in diesem Feld sind also verschiedenen Konfliktpotenzialen ausgesetzt. Jutta Kreyenberg geht in ihrem Beitrag der Frage nach, wie individuelle Strategien der Konfliktbewältigungen aussehen können. Dabei greift sie auf die Transaktionsanalyse zurück und untersucht, welche Grundüberzeugungen den „subjektiven Wahrnehmungen“ zugrunde liegen.
Klaus-Ove Kahrmann versucht in seinem Beitrag „Balance – Ästhetische Konstituenten kommunikativen Handelns“ neurologische Dispositionen von ästhetischer Wahrnehmung im Hinblick auf Innovationsfähigkeit zu identifizieren. Die Kombination ästhetischer und logischer Fähigkeiten bietet, so der Autor, Erfolgspotential für die Entwicklung von Kompetenzen und damit Innovaionsfähigkeit.
Diskussion
Dieser Beitrag versucht eine, wenngleich auch exemplarische, Rekonstruktion der Bedingungen für „Innovation durch Kommunikation“. Die Beiträge der einzelnen Autoren repräsentieren unterschiedlichste Facetten der Annäherung an dieses Thema. So unterschiedlich die Beiträge auch sind, eines ist ihnen gemeinsam: Sie alle rekurrieren auf Reflexivität der eigenen Handlungsfähigkeit und identifizieren somit eine wesentliche Vorraussetzungen für Innovationsfähigkeit.
Fazit
Der vorliegende Sammelband zeigt in bemerkenswerter Weise eine inhaltliche Stringenz. Die zu thematischen Blöcken gruppierten Beiträge sind vorbildlich inhaltlich aufeinander bezogen. Damit wird, trotz des immensen Themenspektrums, eine einheitliche Argumentation konstruiert, die für den Leser leicht nachvollziehbar ist. Obwohl der Titel des Buches gleichermaßen eine Auseinandersetzung mit Innovations- und Kommunikationstheorien verspricht, vernachlässigt der Band erstere. Dem ist auch die Tatsache geschuldet, dass in den vorliegenden Texten kaum innovationstheoretische Forschungsergebnisse integriert werden. Dennoch konnte herausgestellt werden, dass kommunikative Prozesse in unterschiedlichsten Facetten für Kompetenzerwerb und Bildung Voraussetzung sind. Organisationstheoretische Theoriezugänge werden ebenfalls weitestgehend ausgespart. Das Buch sei also jenen empfohlen, die sich insbesondere für die kommunikationstheoretische Perspektive auf Innovationen auf individueller Ebene interessieren. Der Band ist also aufgrund seiner inhaltlichen Konsistenz zu empfehlen, wenn eine Perspektivenerweiterung – vielleicht sogar ausgehend von organisationstheoretischen und innovationstheoretischen Zugängen – angestrebt wird. Die durchgängig verständlich gefassten Beiträge erschließen sich leicht, daher kann dieser Band z.B. in Lehrveranstaltungen gut eingesetzt werden.
Rezensent
Robert Fischbach
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Zitiervorschlag
Robert Fischbach. Rezension vom 23.03.2010 zu: Thomas Heinze, Vera Lewinski-Reuter, Kerstin Steimle (Hrsg.): Innovation durch Kommunikation. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. 262 Seiten. ISBN 978-3-531-16381-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9107.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.
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