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Deborah Plummer: (Wie) Kinder lernen, sich wertzuschätzen

Cover Deborah Plummer: (Wie) Kinder lernen, sich wertzuschätzen. Ein Trainingsprogramm mit Kopiervorlagen. dgvt-Verlag (Tübingen) 2009. 224 Seiten. ISBN 978-3-87159-087-0. 22,00 EUR.

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Autor

Deborah Plummer studierte Sprechwissenschaften am University College London und ist „Imagework“-Praktikerin sowie anerkannte Sprach- und Sprechtherapeutin in Leicestershire, England. Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Erwachsenen und Kindern, individuell wie in Gruppen.

Thema

Selbstachtung gilt als vorrangiger Faktor bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung sozialen und emotionalen Wohlbefindens. Kinder brauchen Hilfestellungen, positive Erfahrungen mit Bezugspersonen, um eine gesunde Selbstachtung auszubilden. Die Arbeit an und die Veränderung abgespeicherter Vorstellungsbilder hat Auswirkungen auf die Selbstachtung und andere Ebenen unseres alltäglichen Handelns.

Deborah Plummer entwickelte ein Handbuch zur Arbeit mit der eigenen Vorstellungskraft, als Hilfe für Erwachsene, die mit Kindern zu tun haben, deren Selbstwerterfahrungen unterentwickelt sind. Die einzelnen Teile, die als Kopiervorlagen enthalten sind, können für einzelne Arbeitssitzungen mit Kindern, aber auch als in sich geschlossenes Trainingsprogramm verwendet werden. Es bietet Hilfen bei der Entwicklung eigener Vorstellungsbilder und soll den Übergang zur praktischen Anwendung eigener Fertigkeiten im Alltagsleben erleichtern.

Die Anregung bezieht die Autorin von der Tradition des „Imagework“, das von Dina Glouberman entwickelt wurde und eine Form der therapeutischen Beeinflussung von „inneren Bildern“ (geronnene Formen von Erfahrungen, Ängsten, Blockierungen) darstellt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus zwei Teilen: Theorie und Praxis.

Teil 1: Theoretische Ableitung

Deborah Plummer gibt eine kurze Einführung in den Zusammenhang von Vorstellungskraft und Entwicklung von Selbstachtung. Sie betont die Bedeutung eines Archivs von Bildern im Laufe des Lebens, die unsere aktuellen Handlungen mit Informationen versorgen und beeinflussen. Kinder mit geringer Selbstachtung haben ein negatives Selbstbild und brauchen Hilfe, Bilder zu entwickeln, die ihnen aus den Schwierigkeiten helfen.

Als Elemente, die für die Ausbildung einer positiven Selbstachtung verantwortlich sind, und die wiederum durch ein hohes Niveau an Selbstachtung gefördert werden, benennt sie:

  • Ich kenne mich selbst
  • Ich im Zusammenhang mit anderen
  • Ich akzeptiere mich, wie ich bin
  • Ich bin mit meiner körperlichen Erscheinung im Reinen
  • Ich drücke mich aus
  • Ich vertraue mir
  • Ich bin mir meiner selbst bewusst

Darüber hinaus spricht sie die Rolle der Schule an, geht besonders auf Kinder mit Sprech- und Sprachschwierigkeiten ein, thematisiert die Rolle der Therapeuten oder Trainer, die auch ermuntert werden, unterstützend eigene Bilder aufzugreifen.

Teil II: Das Trainingsprogramm

Die vorgeschlagenen Übungen des Trainingsprogramms enthalten Stoff für Gespräche und für kindliche Zeichnungen, die in den einzelnen Sitzungen angefertigt werden sollen.

Die Übungsaufgaben werden in acht Bereiche gruppiert. Neben einem Kommentar der Autorin (kurze Einführung, Überlegungen zum Zweck der Aufgabe, Beschreibung u. ä.) gibt es jeweils ein dazugehöriges Arbeitsblatt, das kopiert werden kann. Jeder Bereich wird eingeführt, indem die Ziele explizit formuliert werden und das Material benannt wird, das für diese Aufgaben gebraucht wird. Die Bereiche sind:

  • Wie wir anfangen“: Mit diesen sieben Übungen wird das Konzept mit den Fantasiebildern und das System der Gruppenbelohnung eingeführt und individuelle Ziele identifiziert (z.B. Erstellen einer Arbeitsmappe, Entdecken der Schätze, die in uns liegen).
  • Wer bin ich“: Diese dreizehn Übungen sollen das Verständnis anbahnen, dass Menschen sich unterscheiden und sich auch ähneln, den Gedanken einführen, dass Veränderungen möglich sind, und die Kinder ermutigen, das wertzuschätzen, was sie sind (z.B. Zauberspiegel, sich und andere beschreiben).
  • Gefühle und Gefährten“: Diese siebzehn Aufgaben sollen die Fähigkeiten zur Kommunikation in Bildern weiterentwickeln, die Fähigkeit entwickeln, Partnern eine Frage zu stellen, sowie helfen, Gefühle zu erkunden und zu benennen, und zu erkennen, wie unterschiedliche Gefühle zu unterschiedlichen Verhaltensweisen führen, und zu erkunden, was eigentlich Freundschaft ist (z.B. Gefühle sind Farben, jemanden aufziehen, was macht einen guten Freund aus).
  • Im Großen und Ganzen bin ich okay“: Diese acht Übungen sollen das kindliche Selbstvertrauen stärken, den Blick in die Zukunft richten, Elemente vorstellen, die für das Zutrauen der Kinder in ihre eigenen Möglichkeiten bedeutsam sind, und helfen, ein Lob zu bekommen, es anzunehmen und wertzuschätzen (z.B. Worin ich Spitze bin, woran ich noch arbeiten muss, was ist Zutrauen).
  • Ich pass auf mich auf“: Diese neun Aufgaben sollen helfen, die eigenen Ressourcen ausfindig zu machen, und ein Bewusstsein zu entwickeln, was man braucht, um neuen und schwierigen Herausforderungen gewachsen zu sein, und mit der Angst des Versagens umzugehen (z.B. Spannung – Entspannung, ein Baum, der Sorgen nimmt).
  • Sprechen ist eine Kunst“: Diese acht Übungen dienen dazu, das Bewusstsein für die vielen unterschiedlichen Weisen zu wecken, wie wir uns ausdrücken und anderen verständlich machen können, unterschiedliche Elemente erfolgreicher Kommunikation zu identifizieren und Kindern zu helfen, ihre eigenen Stärken in der Kommunikationsfähigkeit zu erkennen und zu erweitern (z.B. Vorstellungen, innere Bilder zu den Themen „miteinander reden“, „zuhören“, „ansehen“, „Körpersprache“).
  • Probleme lösen“: Diese sechs Aufgaben haben zum Ziel, den Kindern zu zeigen, dass es viele Wege gibt, Probleme zu lösen und sie vermutlich bereits über eine Reihe von problemlösenden Verhaltensweisen verfügen (z.B. Bilder finden, mit dem Problem sprechen).
  • Ziele setzen“: Ziel dieser sechs Übungen ist es zu lernen, sich regelmäßig feste Ziele zu setzen, die bereits erworbenen Fähigkeiten zu erweitern und Möglichkeiten kennenzulernen, die eigenen Fortschritte zu beobachten und zu begleiten (z.B. Briefe aus der Zukunft, Werkzeugkasten). Den Abschluss bildet die Kopiervorlage für das „Diplom“.

Im Anhang finden sich u.a. ein Bogen zur Selbstevaluation und eine Check-Liste für mögliche Anzeichen von mangelndem Selbstwertgefühl und damit verbundener Angst/Ängstlichkeit.

Diskussion

Mit diesem Übungsprogramm greift Deborah Plummer einen wichtigen Schutzfaktor für die Entwicklung psychischer Gesundheit auf.

Die Arbeit mit inneren Bildern wird schrittweise eingeführt, dann den emotionalen und kognitiven Kompetenzen der Kinder gemäß immer vielfältiger und elaborierter. Die zunehmende Ausgestaltung enthält aber immer Wiedererkennungsmomente; so wird das Bild des Zauberspiegels immer wieder eingesetzt. Sowohl einzeln wie auch in Gruppen oder als komplettes Programm bereichern die Übungen das innere Erleben des Kindes und stärken die Kompetenzen im sozialen Miteinander.

Die Übungen geben dem Erwachsenen viele Anregungen, die auch zudem viel Spaß machen.

Das Programm wurde – nach den Angaben im Vorwort des Übersetzers – zuerst für das Vorschulalter konzipiert und dann auf das Grundschulalter ausgedehnt. Der Übersetzer hat versucht, den Akzent vom Vorschulalter auf die Schulphase zu verschieben. Dies wird deutlich; so erfordert das Bearbeiten vieler Arbeitsblätter den Umgang mit der Schriftsprache. Auch die Fallbeispiele betreffen in der Regel Grundschulkinder bzw. Kinder bis zum Alter von 11 oder 12 Jahren. Dies ist auch die obere Altersgrenze, bis zu der das Programm sinnvoll erscheint.

Es ist explizit ein praktisches Buch; die Theorie dazu ist knapp, aber dem Ziel entsprechend ausreichend.

Zielgruppen

TherapeutInnen, LehrerInnen, SozialarbeiterInnen, BeraterInnen, Krankenschwestern, Kindergärtnerinnen, PsychologInnen

Fazit

Ein Buch für die Praxis (siehe auch Deborah M. Plummer: Trau dich! Spiele zur Stärkung kindlicher Selbst-Achtung, vgl. die Rezension).


Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Betreuungszentrum Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 13.08.2010 zu: Deborah Plummer: (Wie) Kinder lernen, sich wertzuschätzen. dgvt-Verlag (Tübingen) 2009. 224 Seiten. ISBN 978-3-87159-087-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9149.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.


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