Wolfgang Petzold: EU-Förderprogramme
Wolfgang Petzold: EU-Förderprogramme. Für Organisationen in den Bereichen Bildung, Soziales, Kultur und Entwicklungszusammenarbeit. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2003. 144 Seiten. ISBN 978-3-936065-05-3. 19,00 EUR.
Hintergrund
Je knapper europäische Fördermittel werden, desto aufwändiger scheint ihre Beantragung. Ohne gute Hintergrundinformationen ist eine Antragstellung in einem europäischen Förderprogramm wenig aussichtsreich. Sicher kann ein Projektträger hier individuelle professionelle Beratung einholen, er kann aber auch erst mal nach einführender allgemeiner Literatur suchen - und zahlreiche Titel finden. Auch ich habe die vorliegende Neuerscheinung erst mal skeptisch zur Hand genommen und war dann sehr angetan.
Wolfgang Petzold arbeitet bei der Generaldirektion Regionalpolitik der Europäischen Kommission und kann daher Informationen aus erster Hand liefern. Seine Erfahrungen in Öffentlichkeitsarbeit und Lehre schlagen sich in der übersichtlichen Gliederung und der nutzerfreundlichen Aufbereitung nieder.
Aufbau und Inhalte
Das Vorwort bietet einen ausführlichen Überblick. Die Leserin, der Leser kann schnell das sie/ihn besonders interessierende Kapitel aufschlagen.
Für absolute EU-Laien gibt es unter A eine präzise Erläuterung des institutionellen Aufbaus der EU, des EU-Rechts, des EU-Haushalts sowie zukünftiger Perspektiven (so dass diese Inhalte also nicht nach der Osterweiterung im kommenden Jahr gleich wieder obsolet werden). Abschnitt B stellt Programm- und Projektmanagement dar und gibt ganz konkrete Hinweise zur praktischen Durchführung. Ein Muster für einen Ausgaben- und Einnahmenplan ist ebenso enthalten wie Beschreibungen der förder- und nicht förderfähigen Kosten. Sozialunternehmen und Nichtregierungsorganisationen ist ein Exkurs gewidmet. In beiden Teilen gelingt durch Schaubilder eine übersichtliche Darstellung der komplexen Abläufe. Die Abschnitte C bis H behandeln einzelne Programme nach Themenbereichen:
- Strukturfonds (Infrastrukturmaßnahmen, Stadterneuerung, grenzüberschreitende Zusammenarbeit)
- Sozial- und Gesundheitsbereich
- allgemeine berufliche Bildung und Jugend
- Kultur und Medien
- Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe
- Forschung, Umwelt, Informationsgesellschaft, Verbraucherschutz.
Bei jedem einzelnen Programm wird der Hintergrund erklärt. Laufzeit, Gesamtvolumen, Rechtsgrundlage, Fundstelle, Internetadresse, Kurzbeschreibung, förderfähige Organisation, Antragsverfahren und Kontaktadressen (leider keine individuellen Ansprechpartner) werden genannt. Wo möglich, wird auf Projektbeispiele verwiesen.
Abkürzungsverzeichnis, Glossar und Stichwortverzeichnis runden den Band ab.
Nützlichkeit
Ein Leitfaden für die im Untertitel angesprochenen Organisationen sollte dem Anspruch gerecht werden, die für sie relevanten und in Frage kommenden Programme schnell aufspüren zu können und grundlegende Informationen zu vermitteln. Dies wird gut geleistet.
Da eine Rezensentin ja nur zu gern auch was zum Kritisieren finden möchte, hier noch Verbesserungsvorschläge: Mir fehlt ein Hinweis auf die Förderdatenbank des BMWA. Für das Programm EQUAL ist nicht das BMBFSJ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) zuständig, sondern das BMWA und hier sollte auch auf die eigene Website der nationalen Koordinierungsstelle verwiesen werden (www.equal.de). Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass das Aktionsprogramm im Bereich der öffentlichen Gesundheit in die Zuständigkeit des BMFSFJ fällt, sondern hätte es spontan dem BMGS (Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherheit) zugeordnet. Aber bei einer Überprüfung habe ich weder auf den Websites der beiden Ministerien noch auf der Homepage zu diesem Aktionsprogramm der Europäischen Kommission Ansprechpartner in Deutschland gefunden. So wurde mir wieder deutlich, wie schwierig solche Informationen manchmal zu ermitteln sind - und wie viel Sucharbeit der vorliegende Überblick ersparen kann. Der Autor selbst weist auf das kurze Verfallsdatum der Informationen zu einzelnen Programmen und die daraus folgende Notwendigkeit zur individuellen Ermittlung der jeweils aktuellen Antragsbedingungen hin. Die Publikation bietet auf alle Fälle eine fundierte Ausgangsposition.
Fazit
Ein nützliches Nachschlagewerk sowohl für Anfänger wie für Fortgeschrittene! Auch wenn Detailinformationen rasch überholt sein werden, so kann die jeweils aktuelle Information auf dieser Grundlage selbst recherchiert werden. Grundsätzlich wird sich die EU-Förderpraxis sicher nicht so bald ändern, auch wenn neue Programme aufgelegt werden. Somit ist eine Publikation in dieser erschwinglichen Preislage auch einer umfangreicheren, teueren Loseblattsammlung, die den Vorteil der ständigen Aktualisierbarkeit böte, vorzuziehen.
Rezensentin
Sabine Pag
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Zitiervorschlag
Sabine Pag. Rezension vom 26.08.2003 zu: Wolfgang Petzold: EU-Förderprogramme. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2003. 144 Seiten. ISBN 978-3-936065-05-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/917.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.
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