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Angelika Ehrhardt: Methoden der sozialen Arbeit

Cover Angelika Ehrhardt: Methoden der sozialen Arbeit. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2010. 157 Seiten. ISBN 978-3-89974-476-7. 9,80 EUR.

Reihe: Wochenschau Studium. Grundlagen sozialer Arbeit.
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Thema

Das Buch mit dem Titel „Methoden der Sozialen Arbeit“ ist in der Reihe „Grundlagen der Sozialen Arbeit“ des Wochenschau-Verlags erschienen und setzt sich zum Ziel, eine allgemeine Einführung in die Methoden der Sozialen Arbeit zu geben. Es sollen die gängigsten Methoden und Entwicklungslinien aufgezeigt werden, um somit einen Einstieg in das komplexe Thema zu eröffnen. Dabei wird von einem ganzheitlichen Methodenverständnis ausgegangen, bei dem die Methoden ein wesentlicher Teil eines übergreifenden Konzepts und Theorieverständnisses von Sozialer Arbeit sind.

Inhalt

Die Publikation folgt einem klaren und verständlichen Aufbau in der Darstellung und ist insbesondere für Studierende der Sozialen Arbeit geeignet, die sich prägnant einen allgemeinen Überblick über das komplexe Gebiet der Methoden verschaffen wollen. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung, einem Abriss über die geschichtliche Entwicklung der jeweiligen Methode und entsprechende Definitionen. Ergänzend werden noch Prinzipien, Arbeitsweisen und Handlungsschritte vorgestellt. Teilweise folgen nach den einzelnen Abschnitten noch zusätzliche Reflexionsfragen und der Hinweis auf weiterführende Literatur.

In Kapitel 2 „Methoden in der Sozialen Arbeit – Einige Grundlagen und Ausgangsbedingungen“ wird einleitend zwischen „direkt interventionsbezogene Methoden mit Klientel“ und „Organisationsbezogenen Methoden“ unterschieden. Im ersteren wird Methode als eine Arbeitsform/Arbeitsprinzip definiert, welche sich in spezielle Tätigkeitsfelder auf Klientensysteme oder soziale System bezieht, um ein vorher vereinbartes Ziel zu erreichen. In diesem Sinne stellen Methoden ein Scharnier zwischen Theorie und Praxis her und sollen einen geplanten und nachvollziehbaren Unterstützungsprozess einleiten. Organisationsbezogene Methoden beziehen sich dagegen auf die Weiterentwicklung von Organisationen und deren Mitarbeiter.
Nach einer kurzen historischen Abhandlung über die allgemeine Methodenentwicklung der Sozialen Arbeit wird Bezug genommen auf die Einbindung des methodischen Handelns in gesellschaftliche Rahmenbedingungen. In diesem Zusammenhang wird auf das Spannungsfeld zwischen dem Interesse des Klienten und dem staatlichen Auftrag eingegangen. Diese Komplexität des professionellen Handelns spiegelt sich in den Begriffen „Doppeltes Mandat“ und „Tripelmandat“ wider. Methoden agieren immer im Kontext von theoretischen und wissenschaftlichen Grundlagen. Methoden sind in diesem Sinne - so ein Zwischenfazit - Ausdruck einer bestimmen wissenschaftlichen Haltung und insofern nicht beliebig verwendbar. Sie sind gekoppelt an die Bildung von professionellen Kompetenzen und orientieren sich an eine ganzheitliche Problemanalyse und gegenseitiger Vernetzung.

Das Kapitel 3 „Konzepte für die Arbeit mit Einzelnen, Paaren und Familien“ stellt die Methodenvielfalt auf der sogenannten Mikroebne dar. Ausgangspunkt ist die historische Entwicklung der Einzelfallhilfe und ihre spezifischen Handlungsschritte vom Erstgespräch hin zu den Phasen des Unterstützungsprozesses. Vertiefend wird die Problematik der Einzelfallhilfe am Beispiel der Kindeswohlgefährdung aufgezeigt. Im Bereich der sozialpädagogischen und psychosozialen Beratungsansätze findet das klientenzentrierte Konzept nach Rogers insofern eine besondere Beachtung, weil es eine wesentliche professionelle Grundlage für die Haltung des Beraters/Beraterin bietet und Techniken der Gesprächsführung aufzeigt. Dabei wird auch darauf eingegangen, inwieweit sich sozialpädagogische Beratung abgrenzt von Alltagsberatung und Psychotherapie. In der Weiterentwicklung zur sozialen Einzelfallhilfe wird das sogenannte „Case Management/Care Management“ mit seinen Zielsetzungen und Phasen der Fallbearbeitung eingehend dargestellt. In dem darauffolgenden Abschnitt „Arbeit mit Familien“ werden abschließend die Definitionen und die Arbeitsgrundlagen der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) und die Konzepte „Familie im Mittelpunkt“ (FiS) und „Familie im Stadtteil“ (FiM) vorgestellt.

Nach einem kurzen historischen Abriss werden in Kapitel 4 „Konzepte in der Arbeit mit Gruppen“ die Begriffe Gruppe und Gruppendynamik definiert. Die Prozesse sozialer Gruppenarbeit werden in Bezug zu Gruppenrollen und Führungsstilen näher erläutert. Beispielhaft wird die Methode der „Themenzentrierten Interaktion“ nach Ruth Cohn und deren Postulate erwähnt. Neuere Entwicklungen wie die sogenannte „Peer Group Education“ und die handlungsorientierte Methode der Erlebnispädagogik werden abschließend aufgeführt.

In Kapitel 5 „Konzepte für die Arbeit in Sozialräumen“ folgt dem gleichen Aufbau der vorangegangenen Kapitel. Die Entwicklung der Grundlagenkonzepte werden anhand der Begrifflichkeiten „Sozialraumorientierung“ und „Stadtteilarbeit“ aufgezeigt. Die Ziele und die vielfältigen Aufgaben von Quartiermanagement als eine moderne Form sozialer Stadtentwicklung kommen besonders in von Armut und Randständigkeit betroffen Lebensräumen zur Geltung. Als Experten für die Aktivierung der Bürger und Bürgerinnen nimmt Soziale Arbeit eine moderierende und vernetzende Rolle ein.

Das Kapitel 6 „Konzepte für die aufsuchende Arbeit“ befasst sich mit den Grundlagen und Arbeitsweisen von „Streetwork“. Aufsuchende Arbeit wird neben der Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit als „vierte Kraft“ verstanden und somit besonders hervorgehoben. Streetwork stellt ein aufsuchendes Konzept im Rahmen einer Geh-Struktur dar, bei dem Soziale Arbeit einen lebensnahen und niedrigschwelligen Arbeitsansatz praktiziert. Die zunehmende Ausdifferenzierung in sozialräumlich orientierte Projekte (mobile Jugendarbeit) und Projekte mit Milieubezug (z. B. Drogen- bzw. Prostitutionsszene) lässt jedoch einige gemeinsame Prinzipien und Arbeitsgrundlagen erkennen. Angelegt an die Methode der Sozialen Einzelhilfe wird von der „sozialen Fachkraft“ erwartet, dass sie sich den Szenestrukturen anpasst und nicht umgekehrt. Von besonderer Bedeutung ist die Vernetzungsfunktion mit anderen Beratungsstellen und Sozialverwaltungen.

Im Kapitel 7 werden abschließend noch „Konzepte zur Weiterentwicklung sozialwirtschaftlicher Organisationen und zur professionsbezogenen Selbstreflexion“ vorgestellt. Der kurze Überblick auf fünf Seiten wird damit begründet, da dieses Buch sich vor allem mit Methoden der Klientengruppen und deren Lebensräume befasst und insofern für dieses Thema eigenständige Publikationen erforderlich sind. Zu organisationsbezogenen Ansätzen gehören zum Beispiel Qualitätsmanagement, Sozialmanagement und Organisationsentwicklung. Bei den „selbstreflexiven Methoden“ werden Supervision, Coaching und die Arbeitsphasen der sogenannten „Kollegialen Beratung“ kurz erwähnt.

Diskussion

Die klaren und nachvollziehbaren Ausführungen folgen einem reduktionistischen Prinzip und machen das Buch insofern lesenswert, insofern es das weite Gebiet der Methodik der Sozialen Arbeit ordnet und übersichtlich gestaltet. Insbesondere Studienanfänger benötigen zu Beginn ihrer professionellen Ausbildung eine einführende Literatur, die weniger durch Quantität und Komplexität, sondern eher durch Reduktion und Übersichtlichkeit bestechen sollte. Soziale Arbeit bewegt sich in einem ständigen Spannungsfeld: Ein generalistisches Verständnis trifft auf hochspezialisierte Arbeitsfelder, die sich ständig weiterentwickeln. Besonders hervorzuheben ist, das die Autorin in aller Kürze auf neuere Entwicklungen in allen Methodenbereichen (z. B. die Differenzierung des Streetworks in Projekte der mobilen Jugendarbeit bzw. der aufsuchenden Arbeit im Drogenmilieu) hinweist. Die Publikation begnügt sich nicht mit der Darstellung der üblichen Methodentrias, sondern bemüht sich somit auf der Höhe aktueller Tendenzen zu sein.

Die Reduktion in der Darstellung hat konsequenterweise zur Folge, dass bestimmte Bereiche und Themen zu kurz kommen. Kritisch anzumerken und nicht ganz nachvollziehbar ist die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Kapitel und deren Methodendarstellung. Das Kapitel „Konzepte für die Arbeit mit Einzelnen, Paaren und Familien“ umfasst annähernd 50 Seiten, während das Kapitel „Konzepte für die Arbeit in Sozialräumen“ und hier insbesondere die Darstellung der Gemeinwesenarbeit nur 13 Seiten aufweist. Während auf das Konzept der klientenzentrierten Gesprächsführung im Vergleich zu anderen Konzepten sehr ausführlich eingegangen wird, kommt Supervision mit wenigen Sätzen nur am Rande vor. Eine derartige Einführung muss ein solch zentrales und wichtiges Konzept wie Supervision, welches besonders die Professionalität der Sozialen Arbeit auszeichnet, mehr Platz einräumen.

In diesem Kontext muss auch kritisch angemerkt werden, dass auf die Rolle der professionellen Sozialen Arbeit im Kontext der einzelnen Methoden kaum eingegangen wird. Überhaupt werden damit zusammenhängende Begrifflichkeiten nicht klar voneinander getrennt – mal wird von „Sozialarbeiter/Sozialarbeiterin“ gesprochen dann wieder von „sozialen Fachkräften“ oder von „Experten“. Auch der zu Beginn formulierte Anspruch, Basiskompetenzen für alle methodischen Interventionen abzuleiten ist nur ansatzweise erfüllt. Eine Verbindung bzw. zumindest ein Verweis auf das in der gleichen Reihe erschienene und vieldiskutierte Buch von Maus, F. u.a. (2008) „Basiskompetenzen der Sozialen Arbeit“ wäre wünschenswert gewesen. Diese Einwände sollen jedoch nicht die Qualität dieser wirklich gelungenen Publikation schmälern, sondern könnten auch als Hinweis für eine Überarbeitung in einer aktualisierenden Neuauflage verstanden werden.

Fazit

Der Anspruch des Buches, eine übersichtliche Einführung über die Methoden der Sozialen Arbeit zu geben, ist voll erfüllt. Das kompakte und fundierte Buch stellt eine äußerst empfehlenswerte Ergänzung im Bereich der Methodenliteratur dar und könnte zu einer Standardlektüre sowohl für Erstsemester der Sozialen Arbeit wie auch für praktizierende SozialarbeiterInnen, die sich einen schnellen Überblick über die Methodenvielfalt verschaffen wollen, avancieren.


Rezensent
Prof. Dr. Martin Albert
Homepage www.srh.de
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Zitiervorschlag
Martin Albert. Rezension vom 08.09.2010 zu: Angelika Ehrhardt: Methoden der sozialen Arbeit. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2010. ISBN 978-3-89974-476-7. Reihe: Wochenschau Studium. Grundlagen sozialer Arbeit. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9197.php, Datum des Zugriffs 30.07.2016.


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