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Martin Kornmeier: Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht

Cover Martin Kornmeier: Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht. Für Bachelor, Master und Dissertation. UTB (Stuttgart) 2009. 2. Auflage. 295 Seiten. ISBN 978-3-8252-3154-5. 11,90 EUR.

Reihe: UTB - 3154 - Arbeitshilfen.
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Thema

Bei dieser zu besprechenden Publikation handelt es sich um eine Arbeitshilfe, die das Abfassen eines wissenschaftlichen Werkes, samt seiner unabdingbaren Qualitätskrtiterien, erleichtert. In diesem Buch geht es vor allem um Inhalt und Stil einschlägiger Werke (als da beispielsweise wären Bachelor-, Master- oder Diplomarbeiten, Dissertationen) und um die Gründe für all die Anforderungen an Form, Inhalt und Stil.

Autor

Martin Kornmeier, Jahrgang 1966, hat Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim studiert. 2002 wurde der Autor mit einer Arbeit zur kulturellen Offenheit gegenüber Auslandsmärkten an der Technischen Universität Dresden promoviert. Seit 2002 ist Kornmeier Professor an der Dualen Hochschule Baden Württemberg Mannheim. Dort lehrt er im Studiengang International Business.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist als ein Backrezept für einen Gugelhupf - wissenschaftlich Schreiben nach dem Gugelhupf-Prinzip - geschrieben und gliedert sich in 8 Backeinheiten:

Das erste Kapitel enthält als Vorwort ein Backrezept für einen klassischen Gugelhupf.

„Am Beispiel Kuchenbacken erläutert ‚Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht‘, wie man eine wissenschaftliche Arbeit schreiben sollte und warum dabei gewisse Anforderungen und Vorschriften zu erfüllen sind“ (S. 19). Kornmeier benennt im Vorwort Aspekte, die seine Publikation nicht bedient, als da wären:

  • Hinweise zu Form und Formatierung;
  • Informationen zum Unterschied zwischen Autoren-, Schlagwort-, Signaturen-, Interims- oder Zeitschriftenkatalog;
  • Erläuterungen zu unterschiedlichen Bibliotheksverzeichnissen und Internetdiensten;
  • Angaben zu optimalen Arbeitsbedingungen oder detaillierten Konzepten zu Projekt- und Zeitplanung wissenschaftlicher Arbeiten.

„Diese und viele ähnlich gelagerte ‚Fragen und Probleme‘ zur Form und zur generellen Herangehensweise an wissenschaftliche Studien dürfen Sie aber auch ohne ‚Tipps‘ und dicke Bücher weitgehend problemlos bewältigen. Ihnen traue ich nämlich eine gehörige Portion Grips zu – schließlich hat man Ihnen die (Fach-)Hochschulreife bescheinigt – oder!?“ (S. 20). Am Schluss dieses Vorwortes wird dann noch das Backrezept für einen klassischen Gugelhupf dargeboten.

Das zweite Kapitel befasst sich mit dem Drama mit dem Gugelhupf.

  • 2.1 Thema Ihrer Bachelorarbeit: „Backen Sie einen Gugelhupf!“ Der Student des Bäckereiwesens soll zu o. g. Thema eine Bachelorarbeit schreiben. Der Backvorgang, vom erstmal Nachdenken bis zur Produktion (aus vielen Gugelhupfrezepten im Internet das Eine heraussuchen und nach wissenschaftlichem Duktus verarbeiten) führt schließlich zu einem modifizierten Arbeitstitel: „Dunklen Zwerg-Gugelhupf: Backresultat unter besonderer Berücksichtigung zusätzlicher Hitzezufuhr“. Das Resultat dieser Abschlussarbeit ist, dass der wissenschaftliche Betreuer den Studenten hat durchfallen lassen. An diesem Beispiel stellt Kornmeier anschaulich dar das es Parallelen zwischen dem Kuchenbacken und dem Anfertigen einer wissenschaftlichen Arbeit gibt. Ebenso gibt es dann auch Parallelen bei dem was bei der Arbeit schief gehen kann. „Beispielsweise sind in beiden Fällen die Zutaten sehr bedeutsam – statt Eiern, Mehl usw. eben Literatur, Ergebnisse empirischer Studien oder etwa Resultate einer eigenen Befragung“ (S. 29).
  • 2.2 „Scientific Googlehoopf“: Erfolgsfaktoren einer wissenschaftlichen Arbeit. Hier werden die wesentlichen Qualitätskriterien einer wissenschaftlichen Arbeit aufgeführt.
  • 2.3 Jetzt ganz neu: „Gugelhupfrezept mit Backblockadenblocker!“
    • 2.3.1 Piemont-Kirschen, Königsnüsse, Megaperls – und Schreibkrisen
    • 2.3.2 „Schreibprobleme“ lösen - aber wie?

Den Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit betrachtet in einem ersten Teil das dritte Kapitel. Mit dem Verweis auf das Backrezept bestimmt also die oder der Studierende des Bäckereiwesens welcher Gugelhupf serviert wird.

  • 3.1 Die Suche nach dem generellen Thema: Welchen Kuchen wollen Sie backen?
    • 3.1.1 Hilfe bei der Themensuche
    • 3.1.2 Was tun, wenn es Ihren Kuchen bereits gibt?
  • 3.2 Die Suche nach der zentralen Forschungsfrage: Welches Rezept soll‘s denn sein?
    • 3.2.1 Beschreibung (Deskription)
    • 3.2.2 Erklärung (Explikation)
    • 3.2.3 Prognose
    • 3.2.4 Gestaltung
    • 3.2.5 Kritik (Bewertung) und Utopie
    3.3 Formulieren Sie Ihr Thema möglichst präzise

In einem zweiten Teil befasst sich Kapitel vier zum Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit mit dem Verarbeiten der Gugelhupfzutaten.

  • 4.1 Das Leid mit der Literatur
    • 4.1.1 Qualität ist das beste Rezept
    • 4.1.2 Die besten Zutaten finden: Strategien der Literaturrecherche
      • 4.1.2.1 Methode der konzentrischen Kreise: Hierunter versteht man die rückwärts gerichtete Suche.
      • 4.1.2.2 Systematische Suche
      • 4.1.2.3 Vorwärts gerichtete Suche
    • 4.1.3 Kaufen Sie Ihre Zutaten nicht im nächstbesten Internetshop
  • 4.2 Die Zutaten bereitlegen: Lesen und Exzerpieren von Texten
  • 4.3 Nicht zu wenige und nicht zu viele Zutaten: Qualität der verarbeiteten Literatur
  • 4.4 Geriebene Zitronenschalen und ein paar Rosinen: Nicht nur die Literatur macht‘s

Teil drei zum Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit befasst sich mit dem Rühren der Zutaten und der daraus resultierenden korrekten Zusammenstellung.

  • 5.1 Die Zutaten Schritt für Schritt dazugeben: Stellenwert der Gliederung
  • 5.2 Die leidige „Einleitung“ (= 1. Kapitel)
  • 5.3 „Grundlagen und Definitionen“ (= 2. Kapitel)
    • 5.3.1 Eigentliche Bedeutung von „Grundlagen und Definitionen“
    • 5.3.2 Die Kurzgeschichte von der traurigen Definition mit ihren unendlich vielen Kindern
  • 5.4 „Hauptteil“: Das Herzstück ihrer Arbeit (= 3. Kapitel)
    • 5.4.1 Die Zutaten stehen bereit – und nun?
    • 5.4.2 Eigentliche Herausforderung: die Zutaten angemessen verarbeiten (= korrekter Umgang mit Hypothesen, Aussagen, Daten)
      • 5.4.2.1 Hypothesen
      • 5.4.2.2 Aussagen
    • 5.4.3 Analyse empirischer Daten
      • 5.4.3.1 Mehr als nur Häufigkeiten
      • 5.4.3.2 Mit univariaten Verfahren in die eigentliche Analyse einsteigen
      • 5.4.3.3 Mit bivariaten Analyseverfahren einfache Zusammenhänge entdecken.
      • 5.4.3.4 Klarheit im Datenwust: Multivariate Analyseverfahren
  • 5.5 Der vernachlässigte „Schluss“ (= 4. Kapitel)
  • 5.6 Die Zubereitung variieren: Mögliche Gliederung einer wissenschaftlichen Arbeit

Kapitel 6 nimmt den Stil wissenschaftlicher Arbeiten in den Blick. Ein Gugelhupf gelingt nämlich nur, wenn man mit dem richtigen Händchen an die Arbeit geht.

  • 6.1 Sie backen – schreiben – für Leser. „Die Kunst, unverständlich zu formulieren, sei Gütesiegel eines erfolgreich abgeschlossenen Studiums. Leider – muss man hinzufügen. Denn an diese ‚Kunstrichtung‘ glauben sehr viele Studenten – aber auch manche Professoren samt Mitarbeiterstab“ (S. 163). Diesbezüglich ist bei Pierre Bourdieu (1987, 14) dieser eine Satz zu lesen: „Der Stil nun, der Gefahr läuft, durch seine langen verwickelten Sätze selbst den gutmütigsten Leser zu verprellen, tatsächlich doch in seinem Aufbau die komplexe Struktur der sozialen Welt wiederzugeben sucht, und dies mittels einer Sprache, die Disparatestes zu einer – in sich zugleich durch eine rigorose Perspektive hierarchisierten – Einheit fügt, verdankt sich dem Willen, die traditionellen Formen des Ausdrucks aus Literatur, Philosophie und Wissenschaft so weit wie möglich auszuschöpfen, um auf diese Weise nicht nur Dinge zu Wort kommen zu lassen, die bislang daraus de facto oder de jure verbannt waren, sondern auch jedes Abgleiten von der Lektüre in die Vereinfachungen des weltläufigen Essayismus oder der politischen Polemik zu hintertreiben.“
  • 6.2 Verwenden Sie die richtigen Wörter – und verwenden Sie die Wörter richtig!
    • 6.2.1 Verben
      • 6.2.1.1 Leisten Sie Verzicht auf Funktionsverben
      • 6.2.1.2 Achten Sie auf die „Stilhöhe“!
      • 6.2.1.3 Reanimieren Sie tote Verben!
      • 6.2.1.4 Doppelt quält besser: Pleonasmen und Verben mit unnötigen Vorsilben
      • 6.2.1.5 Beizeiten das Tempus beherrschen
      • 6.2.1.6 Hätte da was im Konjunktiv stehen müssen?
      • 6.2.1.7 Sollten Passivsätze seitens des Autors vermieden werden?
      • 6.2.1.8 Infinitive ad infinitum?
    • 6.2.2 Substantive
      • 6.2.2.1 Nominalkonstruktionen? No!
      • 6.2.2.2 Ein konkretes Substantiv für einen konkreten Sachverhalt
      • 6.2.2.3 Zu Ihrer Rückerinnerung ein Testversuch als Gratisgeschenk: keine pleonastischen Substantive!
      • 6.2.2.4 (Wort-)Blähungen der besonderen Art
      • 6.2.2.5 Das Substantivaneinanderreihungsproblem
      • 6.2.2.6 Geeignete Synonyme statt Wortwiederholungen
      • 6.2.2.7 Männliche und / oder weibliche Ausdrucksformen?
    • 6.2.3 Adjektive
      • 6.2.3.1 Misstrauen Sie Adjektiven!
      • 6.2.3.2 Wählen Sie präzise Adjektive!
      • 6.2.3.3 Sperren Sie schwarze Raben in die Vogelvoliere! Die den Gugelhupf auffressenden Raben sind die überflüssigen Häufungen sinngleicher bzw. –verwandter Adjektive, als da beispielsweise wäre: die schwache Brise oder eben der schwarze Rabe.
      • 6.2.3.4 Adverb ungleich Adjektiv
      • 6.2.3.5 Die maximalste Steigerungsstufe ist immer die optimalste! Oder etwa nicht?
      • 6.2.3.6 Sie arbeiten nicht in der Kreativabteilung
    • 6.2.4 „Simpel = unwissenschafdtlich“? Zum Umgang mit Fachbegriffen, Fremdwörtern und Amerikanismen / Anglizismen
      • 6.2.4.1 Muss man kasuistisch auf ein Kompendium extraordinärer Termini rekurieren?
      • 6.2.4.2 Fremdwort ungleich Fachbegriff
      • 6.2.4.3 Weitere coole Infos. Hier geht es um Sprachmist, Business-Gebrabbel, Modeanglizismen und falsche Freunde.
    • 6.2.5 Präpositionen
    • 6.2.6 Hinweise zur Wortwahl
      • 6.2.6.1 Nicht journalistisch, nicht salopp
      • 6.2.6.2 Der Kontext Ihrer Wörter ist wichtig
      • 6.2.6.3 Versenken Sie Wortdreimaster!
      • 6.2.6.4 Ich, wir oder man?
      • 6.2.6.5 Anthropomor… was?
  • 6.3 Sätze
    • 6.3.1 Generelle Hinweise zur Formulierung von Sätzen
    • 6.3.2 In der Kürze liegt die Würze! Nachdem ich als Fahrschüler nach der notwendigen Anzahl theoretischer Unterrichtsstunden meine theoretische Prüfung ablegen sollte und ich meiner Fahrlehrerin gegenüber meine Zweifel zu dieser Maßnahme äußerte, quittierte ebendiese Fahrlehrerin meine Worte mit: „In der Kürze liegt die Würze!“ So kann und soll dann auch eine wissenschaftliche Arbeit aussehen.
    • 6.3.3 Keine „russischen Puppen“!
    • 6.3.4 Achten Sie auf den Satzbau!
    • 6.3.5 Zeichnen Sie (Sprach-)Bilder!
    • 6.3.6 Redewendungen sollten Sie korrekt aufs „Trapez“ bringen!
    • 6.3.7 War da was? Achten Sie auf Korrelationen!
  • 6.4 Den Teig immer mal wieder probieren: Überarbeiten und korrigieren Sie Ihren Text gewissenhaft!
    • 6.4.1 Machen Sie Ihre Arbeit zu einem eigenständigen Werk!
    • 6.4.2 Stehlen Sie Ihren Lesern nicht die Zeit!
    • 6.4.3 Lesen Sie den Inhalt Ihrer Arbeit laut vor!
    • 6.4.4 Machen Sie den „Muttitest“! Versteht Mutti, die mit der Materie nichts zu tun hat, das Geschriebene?

Das siebte Kapitel befasst sich mit der Form wissenschaftlicher Arbeiten, d. h. der Gugelhupf soll auch wie ein Gugelhupf aussehen.

  • 7.1 Funktionen der Form
  • 7.2 Stellenwert ausgewählter Formvorschriften
    • 7.2.1 Rechtschreibung und Grammatik
    • 7.2.2 Interpunktion: mehr als Punkt und Komma
      • 7.2.2.1 Komma
      • 7.2.2.2 Doppelpunkt
      • 7.2.2.3 Gedankenstrich
      • 7.2.2.4 Semikolon
    • 7.2.3 Korrekte Zitierweise der verarbeiteten Literatur
      • 7.2.3.1 Belegen der Literatur im Text
      • 7.2.3.2 Ergänzende Hinweise zur korrekten Zitierweise … als da wäre die Harvard-Zitierweise.
      • 7.2.3.3 Angaben zu Quellen im Literaturverzeichnis
    • 7.2.4 Abbildungen, Tabellen, Grafiken
      • 7.2.4.1 Stellenwert von Schaubildern
      • 7.2.4.2 Hinweise zur Gestaltung von Schaubildern
      • 7.2.4.3 Schaubildtypen
    • 7.2.5 Mathematische Formeln und Gleichungen
    • 7.2.6 Abkürzungen und Symbole
    • 7.2.7 Zahlen, Zahlwörter und Einheiten
    • 7.2.8 Kapitel, Absätze, Aufzählungen / Auflistungen, Hervorhebungen

Das letzte Kapitel gibt nun Hinweise zur Fristenregelung. Der Studierende des Bäckereiwesens soll sich beim Backen der Gugelhupf-Bachelorarbeit an die Backzeit halten. Kornmeier merkt an: „Seit ich in der Wissenschaft arbeite, hat kein Student, dem ich eine verlängerte Bearbeitungszeit gewährt habe, anschließend eine wirklich gute Arbeit vorgelegt“ (S. 281).

Es folgen ein zweiseitiges Literaturverzeichnis und ein neunseitiger Index. Letzterer hat die Funktion des leichteren Auffindens einzelner Backphasen.

Diskussion

Ich erinnere mich noch sehr genau, dass mein Pädagogiklehrer in der gymnasialen Oberstufe einer Kölner Sonderschule, im Rahmen des wissenschaftspropädeutischen Arbeitens, immer sehr auf das korrekte Zitieren o. ä. in Hausarbeiten oder Klausuren achtete. Das Nichtbeachten dieses Regelwerkes konnte dann auch schon mal zu einem Punktabzug in der B-Note führen. Und das war gut so! Denn wenn hier zu sehr geschludert wird, so meine Erfahrungen in der Hochschullehre, ist das in dem fortgeschrittenen Akademikeralter nur sehr schwer aufzuholen.

Martin Kornmeier verpackt seine Ausführungen zum Verfassen wissenschaftlicher Texte in ein Gugelhupf-Backrezept. Das klingt schon bei der Lektüre des Inhaltsverzeichnisses sympathisch und lässt auf eine humorvolle Art und Weise des Umgangs mit der Thematik schließen. Im weltweiten Netz sind unter der URL http://www.chefkoch.de/rs/s0/gugelhupf/Rezepte.html [Download: 15.02.2010] 384 Gugelhupf-Rezepte zu finden. Das zu besprechende Werk ist also das 385. Rezept. Und die einzelnen Gugelhupfe reichen von sehr simpel bis sehr aufwendig. Wenn man sich also quasi von Kindesbeinen an mit dem Verfassen wissenschaftlicher Texte befasst, dann wird diese zunächst harte Bandage mit etwas Übung immer weicher. Der Autor weist auf Seite 7 darauf hin – und dabei nimmt er auf den Buchtitel „Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht“ Bezug -, dass „wissenschaftlich zu arbeiten […] ein äußerst hoher Anspruch (ist – CR); trotz Buch ist – und bleibt – das Schreiben eines wissenschaftlichen Werks harte Arbeit. Leider!“ Aber früh genug mit der Arbeit begonnen – und hier sei auf den ersten Absatz der Diskussion verwiesen – verfestigt sich die Methode und es macht dann – erfahrungsgemäß – immer wieder Spaß mit ihr zu arbeiten. „Wer es […] nicht gewohnt ist, regelmäßig wissenschaftlich zu arbeiten, findet plausiblerweise nicht immer gleich den richtigen Zugang zur Arbeit – bspw. aus Mangel an Erfahrung“ (S. 21).

Das Buch folgt einem handlungs- bzw. anwendungsorientierten Ansatz mit vielen konkreten Beispielen, die aufgrund der Herkunft des Autors in der Mehrzahl den Wirtschaftswissenschaften entnommen sind. „Sie sind aber derart ausführlich dargelegt und allgemein verständlich, dass Vertreter aller Wissenschaften den Inhalt problemlos nachvollziehen und für sich nutzen können“ (S. 22).

Als häufiger Anwender und Moderator von Zukunftswerkstätten erfreut mich in herausragendem Maße Kapitel 3.2.5, welches sich mit Kritik (Bewertung) und Utopie befasst. Bei der Sozialen Problemlösemethode Zukunftswerkstatt (Kuhnt/Müllert 1996) ist ja die Phantasie- und Utopiephase sehr bedeutsam. „Wissenschaft soll nicht nur Wissen schaffen und Gestaltungsempfehlungen geben, sondern vielmehr auch Kritik am Bestehenden üben und außerdem Utopien entwerfen“ (S. 65). Aber gerade die Phantasiephase ist Gerd Koch folgend nicht unproblematisch: „Das Phantasieren, Träumen will auch gelernt sein; denn es wird uns ja im gesellschaftlichen Diskurs nicht als ein lobenswertes Vorgehen gestattet!“ (Koch 1999, 7). In meiner Dissertation (Rensinghoff 2008) habe ich die Soziale Problemlösemethode Zukunftswerkstatt als Forschungsmethode angewendet. Eine derartige Forschungsmethode stößt in der professoralen Riege – und das musste ich in einigen Gesprächen erfahren – vielfach auf heftige Kritik.

Ich finde die Kuchenbackidee großartig! Jede Autorin oder jeder Autor sollte ihrem oder seinem Werk ein Backrezept beifügen. Je happiger die Lektüre, desto umfangreicher die Rezeptur. Ich erinnere mich an meine eigene Studienzeit, in der es noch keine Handys oder E-Mails gab: Bei Kaffee und Kuchen verdauten wir in den 1990er Jahren die komplexe Literaturkost. Das waren immer ganz wunderbare Nachmittage, die dann zumeist in ein opulentes Abendessen mündeten. Also: Wenn der Kuchen schmeckt, dann klappt es auch mit der intensiven Auseinandersetzung der Fachliteratur! Im Literaturkreis bei Kaffee und Kuchen bleiben die Autorinnen und Autoren dann auch im Gespräch – und das wollen sie und Sie doch auch bleiben oder?!

Fazit

Martin Kornmeier versteht es ein nicht ganz leichtes Thema auf humorvolle Art und Weise an die Frau oder den Mann zu bringen. Es bringt einen gewissen Schwung in die Scientific Community. Es ist eine Alternative zur Lektüre der ‚alten‘ und knorrigen Literatur aus diesem Feld.

Von der Rezensentenseite her sei diese schmackhafte Lektüre sehr empfohlen. Die Zutaten und das technische Equipment dürfte in jedem Studierendenhaushalt oder im Hotel Mama vorrätig sein. Guten Appetit!

Literatur

  • Bourdieu, Pierre: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt/Main 1987.
  • Koch, Gerd: Die Methode „Zukunftswerkstatt“ in der Sozialpädagogik. Berlin ²1999.
  • Kuhnt, Beate/Müllert, Norbert R.: Moderationsfibel Zukunftswerkstätten: verstehen – anleiten – einsetzen. Das Praxisbuch zur Sozialen Problemlösemethode Zukunftswerkstatt. Münster 1996.
  • Rensinghoff, Carsten: Peer Support in der beruflichen Habilitation schwer hirnverletzter Jugendlicher und junger Erwachsener. Saarbrücken 2008.

Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 06.03.2010 zu: Martin Kornmeier: Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht. Für Bachelor, Master und Dissertation. UTB (Stuttgart) 2009. 2. Auflage. ISBN 978-3-8252-3154-5. Reihe: UTB - 3154 - Arbeitshilfen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9226.php, Datum des Zugriffs 27.08.2016.


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