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Charles Fernyhough: Das Kind im Spiegel

Cover Charles Fernyhough: Das Kind im Spiegel. Wie Bewusstsein entsteht - die ersten drei Lebensjahre. DVA Deutsche Verlags-Anstalt (München) 2010. 352 Seiten. ISBN 978-3-421-04396-2. D: 22,95 EUR, A: 23,60 EUR, CH: 39,90 sFr.

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Autor

Dr. Charles Fernyhough ist promovierter Entwicklungspsychologe und arbeitet als Dozent für Psychologie. Neben Fachartikeln hat er auch einen Roman veröffentlicht.

Thema

Die bedeutsamen Entwicklungsschritte im Kleinkindalter, von der Entscheidung, schwanger zu werden bis zum dritten Geburtstag, sind Thema des Buches. Am Beispiel seiner Tochter Athena beschreibt er die Entwicklung des Säuglings hin zu einer sozialen, moralischen, intelligenten, wortgewandten und ihrer selbst bewussten Person.

Aufbau und Inhalt

Fernyhough beginnt seinen Bericht, seine „Geschichte“ mit dem Zeitpunkt der Entscheidung des Paares, Eltern werden zu wollen; er geht auf elterliche Phantasien und Wünsche („Präkonzeptionen“) ein sowie auf die vorgeburtliche Entwicklung des Gehirns, der Wahrnehmung, des Lernens.

Diese Themen werden auch für den Zeitraum nach der Geburt wieder aufgegriffen, erweitert um Themen der sozialen Entwicklung, der sozialen Interaktion. An den Themenbereichen entlang, die die Beobachtungen von Athenas Entwicklung vorgeben, werden alle wichtigen Entwicklungsstränge der frühen Kindheit dargestellt, z.B.

  • Verständnis eines Babys für die objektive Wirklichkeit,
  • Kommunikation und Spracherwerb,
  • Emotionen und Emotionsverständnis,
  • Spielentwicklung (Symbolspiel, Als-ob-Spiel),
  • Entwicklung des Selbst(-bewußtseins),
  • Theory of Mind,
  • Perspektivenübernahme, Egozentrismus,
  • präoperationales Denken,
  • Traum,
  • Zeichnen,
  • Bindung (sichere Basis, innere Arbeitsmodelle),
  • Trauer und Tod,
  • Gottesbild.

Abschließend stellt Fernyhough sich die Frage, ob und unter welchen Umständen es vertretbar ist, das eigene Kind zu beobachten und darüber zu schreiben.

Diskussion

In der Darstellung Fernyhough´s finden sich alle relevanten Theorien mit ihren klassischen Vertretern wieder, von Darwin über Wygotsky und Piaget bis zu Bowlby. Aber auch neuere Arbeiten z. B. von Tomasello finden Beachtung. So zeigt der Autor etwa mit der Bedeutung, die er dem „Mentalisieren“ einräumt, dass er auf der Höhe der zeitgenössischen Forschung ist. Darüber hinaus wird die Bedeutung der Interaktion, die Einbettung in eine soziale Umwelt, für die kindliche Entwicklung deutlich.

Der lockere Schreibstil, in dem all das Wissen vermittelt wird, soll an einem Beispiel dargestellt werden. So schreibt Fernyhough: „Auch wenn unsere Erstgeborene kein großes Aufhebens davon machte, war sie doch bereits eine Expertin in menschlicher Phonologie“ (S.97). Er bezieht sich dabei auf die Fähigkeit der Babys, die Lauteinheiten aller Sprachen unterscheiden zu können, später in der Entwicklung jedoch nur mehr die der eigenen Sprache. Als er dann darauf eingeht, dass die Eltern auf kindliche Lautäußerungen reagieren, als ob es sinnhafte Äußerungen wären, kommentiert er: „Bald sahen wir die Früchte unsere gewissenhaften Überinterpretation“ (S.103). Sie erkannte, „dass die Geräusche, die sie von sich gab, bestimmte Effekte bei uns hervorriefen“ (S.103).

Fazit

Als ich das Buch in die Hand nahm, sprach mich das Bild des blond gelockten kleinen Mädchens im weißen Kleidchen sofort an. Besonders faszinierten mich der Blick und die Mimik des Kindes, wie es sich selbstbewusst im Spiegel betrachtet.

Die Faszination des Autors für die frühe Entwicklung der Kinder kommt im ganzen Buch zum Ausdruck. Es liest sich wie ein Roman, vermittelt zugleich viel Wissen, stets auf dem aktuellen Stand der Forschung.


Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Betreuungszentrum Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 20.07.2010 zu: Charles Fernyhough: Das Kind im Spiegel. DVA Deutsche Verlags-Anstalt (München) 2010. 352 Seiten. ISBN 978-3-421-04396-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9258.php, Datum des Zugriffs 07.02.2012.


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