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Bärbel Ekert, Christiane Ekert: Psychologie für Pflegeberufe

Cover Bärbel Ekert, Christiane Ekert: Psychologie für Pflegeberufe. Georg Thieme Verlag (Stuttgart) 2010. 2., überarbeitete Auflage. 343 Seiten. ISBN 978-3-13-138962-6. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 50,90 sFr.

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Autorinnen

Die beiden Autorinnen, Bärbel Ekert, promovierte Dipl. Psychologin und Theologin aus Gomadingen und Christiane Ekert, Dipl. Psychologin aus Stuttgart, legen Anfang des Jahres 2010 eine zweite, überarbeitete Auflage des bereits vielfach verwendeten Lern- und Praxisbuches Psychologie für Pflegeberufe vor (vgl. die Rezension zur ersten Auflage).

Entstehungshintergund

Seit Inkrafttreten der aktuell geltenden Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Berufe der Krankenpflege (KrPflAPrV) und der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für den Beruf der Altenpflegerin und des Altenpflegers (AltPflAPV; BGBL, 2007: 2686), kommt der Psychologie als unverzichtbarer Wissens-, Reflektions-, Entscheidungs- und Handlungsrahmen in der klinischen und ambulanten Pflegeausbildung eine hohe Bedeutung zu. Diesem Anspruch und Bedarf nach mehr psychologisch geschulten professionell Pflegenden kommen die Autorinnen mit methodischem und graphischem Geschick und mit inhaltlicher Präzision nach.

Aufbau

Der Aufbau der zweiten Auflage ist mit dem der ersten Auflage identisch. Die Rezension geht deshalb insbesondere auf Änderungen des Inhalts ein.

Inhalte

Eine in der zweiten Auflage neu aufgenommene detaillierte, dem Inhaltsverzeichnis vorgeschaltete Orientierung zeigt die inhaltliche Verknüpfung der 19 Kapitel des Buches mit den einzelnen Lernfeldern der Altenpflegeausbildung (AltPflAPV) und der jeweiligen Themenbereiche der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Berufe der Krankenpflege (KrPflAPrV; (S. V-IX) auf.

Von den Autorinnen inhaltlich und graphisch überarbeitet wurde das Kapitel 3 (Einführung in die Entwicklungspsychologie) einschliesslich der farbigen Tabelle 3.1. zur psychosozialen Entwicklung des Menschen (Erikson) und der Entwicklungsaufgaben (Havighurst) nach Flammer (1996) und Faltermaier (2002; S.22-37).

Der Abschnitt 7.4 Mittleres und hohes Alter (ab 70. bzw. 80. Lebensjahr) könnte stärker auf die tatsächliche Realität, die Ressourcen älterer und hochaltriger Menschen, aber auch auf deren erhöhte biopsychosoziale Verletzlichkeit fokussieren. Neben den im mittleren und hohen Lebensalter zu bewältigenden Entwicklungsaufgaben stehen immer auch die unter bestimmten Bedingungen resultierenden Entwicklungskonflikte. Beispielsweise die Bewältigung und Auseinandersetzung mit der (begrenzten) Zeit und Vergänglichkeit; Auseinandersetzung mit Berentung und Übergang in den Ruhestand: Auseinandersetzung mit Sinn- und Identitätsfindung; Auseinandersetzung mit geschlechtlicher Identität und Sexualität; Auseinandersetzung mit Objektbeziehungen und Objektverlusten; Auseinandersetzung mit dinglich-räumlicher und materieller Lebenswelt und schliesslich die Entwicklungsaufgabe und Auseinandersetzung mit Altersabbau, Krankheit und Tod (vgl. M. Peters, 2004, 2009).

Kapitel 9.2.4 (Intelligenzentwicklung im höheren Lebensalter) dürfte besser aufgestellt sein, wenn Abb 9.12 ausgetauscht würde gegen empirisch gesicherte aktuelle Befunde zur Intelligenzentwicklung im Alter (vgl. Seattle Longitudinal Study / SLS, 2004). Die SLS beispielsweise unterscheidet nicht allein die durch R. Catell (1972) eingeführte fluide und kristalline Intelligenz, sondern insgesamt fünf Primärfähigkeiten der Intelligenz (Induktives Denken, räumliche Orientierung, Zahlenfertigkeit, verbale Fähigkeiten, Wortflüssigkeit). Die Ergebnisse dieser über eine Zeitspanne von 14-Jahren laufende Längsschnittuntersuchung an Studienteilnehmern zwischen dem 60. und 81. Lebensjahr weisen in allen drei Altersgruppen hohe interindividuelle Unterschiede auf. Beispielsweise ergab die Gruppe der hochaltrigen Probanden (74-81 J.) bezüglich der Intelligenzentwicklung einen Anteil von 8 % Gewinne, 40 % Verluste und 52 % Stabilität (Schaie & Baltes, 1996)(vgl. die Rezension zur ersten Auflage).

Diskussion

Trotz der genannten insgesamt geringfügigen inhaltlichen Lücken überzeugt auch die zweite, überarbeitete Auflage durch ihre inhaltliche Ausgewogenheit zwischen Theorie und Praxis und durch ein hohes Mass an Anschaulichkeit. Die zahlreichen farbigen Abbildungen und Grafiken, Fallvignetten und pflegebezogenen Aufgaben regen den Lern-, Motivations- und Behaltensprozess an. Die vorliegende Neuerscheinung ist verständlich geschrieben und zuweilen spannend zu lesen. Ein besonderes Merkmal liegt im integrativen Ansatz für die Gesamtheit der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe und Altenpflegerinnen und Altenpfleger. Für diese Leserinnen- und Lesergruppe berufsübergreifenden Wissenserwerb und eine gemeinsame Fachsprache in psychologischen Fragestellungen zur Verfügung zu stellen, dürfte für alle, die im Berufsfeld der Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und der Altenpflege tätig sind, ein nachhaltiger Gewinn sein.

Fazit

Ich empfehle allen Betroffenen und Interessierten dieses Lern- und Praxisbuch anzuschaffen.


Rezensentin
Prof. Dr.rer.medic. Christa Winter von Lersner
Professorin für Pflegewissenschaft, Pflegepraxis, Pflegeforschung, Dipl.Psych., Lehrerin für Pflegeberufe
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Zitiervorschlag
Christa Winter von Lersner. Rezension vom 23.06.2010 zu: Bärbel Ekert, Christiane Ekert: Psychologie für Pflegeberufe. Georg Thieme Verlag (Stuttgart) 2010. 2., überarbeitete Auflage. 343 Seiten. ISBN 978-3-13-138962-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9278.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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