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Eva Douma: Mitarbeiterführung

Cover Eva Douma: Mitarbeiterführung. Cornelsen Verlag (Berlin) 2010. 127 Seiten. ISBN 978-3-589-23771-5. 17,95 EUR.

Reihe: Crashkurs! Mit CD-ROM.

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Autorin

Dr. Eva Douma, ist seit 1997 Inhaberin eines Fortbildungs- und Beratungsunternehmens mit dem Schwerpunkt Personal- und Organisationsentwicklung. Als Trainerin und Beraterin ist sie für die Privat- und die Sozialwirtschaft sowie für die öffentliche Verwaltung tätig. Sie studierte Geschichts-, Rechts- und Sozialwissenschaften an der Universität Bielefeld und schloss mit dem Staatsexamen für das Lehramt der Sekundarstufe II ab. Sie absolvierte ein Aufbaustudium an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer (Schwerpunkt Organisation und Personalwesen) mit dem Abschluss Magister der Verwaltungswissenschaften. Promotion zum Dr. phil. an der Universität Bielefeld.

Entstehungshintergrund

Die Publikation zählt im Verlag zur Thematik «Berufskompetenz erwerben». Sie wird als «Crashkurs» bezeichnet, mit dem Führungsnachwuchs- und Führungskräfte ihre Kompetenz ausbauen können. Der Begriff Crashkurs ist semantisch unterschiedlich belegt; in der Berufsbildung ist es ein Kurs, der in verkürzter Zeit verdichtete Inhalte vermittelt. Synonyme hierfür sind Intensiv- oder Schnellkurs.

Die Autorin will augenscheinlich verdichtet Führungswissen, basierend auf einem partizipativen Führungsverständnis, vermitteln. Hierzu wurde offensichtlich ein entsprechendes Führungsseminar in Schriftform umgesetzt, wobei Hilfsmittel auf einer CD-ROM den Transfer auf die eigene Arbeitssituation erleichtern sollen.

Aufbau

Die Publikation ist als Kurs aufgebaut, das Layout des Textes zweifarbig (Blau/Schwarz) und Gliederung und Text sind mit zahlreichen Icons versehen, um auf Praxisübungen hinzuweisen. Wichtige Begriffe im Text sind in blauer Farbe hervorgehoben.

Der Kurs ist in vier inhaltliche Kapitel gegliedert, an die sich ein kurzes Literaturverzeichnis, eine Kurzinformation über die Autorin sowie ein Stichwortverzeichnis anschließen. Vor dem eigentlichen Text wird der Inhalt er CD-ROM aufgelistet.

Inhalte

In einer kurzen Einleitung begründet die Autorin kurz ihr Führungsverständnis, das sie als systemisch im Sinne von Niklas Luhmann versteht. Sodann beschreibt sie, warum sie welche Inhalte darstellt und schließt mit der Bitte an die Leser/innen ab, ihr deren eigene Gedanken und Meinungen zum Buch zu übersenden.

Kapitel 1: Führungskraft werden (S.9-20) beginnt mit einer kurzen Beschreibung, was eigentlich eine Führungskraft ausmacht. Sodann wird die Bedeutung des Menschenbildes beschrieben, allerdings ohne die klassischen Bezüge zu den einflussreichen Philosophen wie Macchiavelli, Hobbes, Locke und anderen. Es folgt dann Aufgabe 1 «Analyse eigener Führungserfahrung» in Form eines halbstandardisierten Fragebogens. Was eigene Führungserfahrung mit dem Menschenbild zu tun hat, erschließt sich nicht. Kapitel 1.2 lautet «Den eigenen Platz im Unternehmen finden», Kapitel 1.3 «Den richtigen Führungsstil für meine Firma und mich entwickeln», wobei immer wieder Aufgaben, Übersichten und Tabellen integriert sind.

Kapitel 2: Den Führungsalltag steuern – Grundlagen der Personalführung (S. 21-84). Schon die Seitenzahl zeigt, dass es sich um das Schwerpunktthema handelt. Inhalte sind die Aufgabenstruktur und Betriebsorganisation, Stellenbeschreibungen mit verschiedenen Kompetenzstufen (nicht zu verwechseln mit der derzeitigen Diskussion um Kompetenzen und Qualifikationsrahmen), Bestimmung des Personalbedarfs, Fort- und Weiterbildung (Wo ist die Ausbildung?) und Personalgewinnung. Die Kapitel 2.1 bis 2.5 sind für Personalführung eher ungewöhnlich, bilden sie doch die Instrumente der Personalarbeit und eben nicht die der Führung ab. Natürlich lässt es sich dadurch begründen, dass allen Instrumenten immer auch personalpolitische Entscheidungen zugrunde liegen, üblich ist es aber nicht.
Erst die Kapitel 2.6-2.12 sind der Personalführung im engeren Sinne zuzuordnen: Klare Führung leitet, Delegieren, Mitarbeitergespräche, Zielvereinbarungen, Mitarbeiterbeurteilung (Warum kein Management Appraisal?), Krisen und Konflikte lösen sowie der Umgang mit Frustrationen und Emotionen. Es wirkt schon ein wenig optimistisch, wenn in drei kleinen Stufen auf S. 79 die Frustrationen im Betrieb abgebaut werden. Weder mit der Realität noch mit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung sind diese Stufen zu begründen. Ob Kapitel 2.13 «Die Kündigung – der letzte Schritt» ein Führungsinstrument ist, lassen wir einmal dahingestellt.

Kapitel 3: Die Zukunft des Unternehmens sichern – von der Personalführung zur Personalentwicklung (S. 85-110) ist zumindest ungewöhnlich: normaler Weise ist Personalführung ein Teil des HR-Managements und Personalentwicklung ein anderer. Es wäre auch mehr als ungewöhnlich, wenn eine Personalführungskraft sich zum Personalentwickler «entwickeln» würde, eher ist es umgekehrt. Letztlich geht es dann auch im Kapitel um andere Themen: Arbeitsumfeld gestalten, eher ein organisatorisches Thema sowie Arbeitsmotivation gestalten (?) - klar, Motivation ist Bestandteil der Führung, wenn auch eher ein Mythos. Interessant ist Kap. 3.3 Corporate Volunteering, worunter der Einsatz von Mitarbeitern in gemeinnützigen Organisationen verstanden wird. Ob das nordamerikanische Modell in Europa allerdings tragfähig ist – man darf Zweifel haben.

Kapitel 4: Als Führungskraft weiterkommen (S. 111-122) beschreibt jetzt Verfahren des Management Appraisals und geht auf die Einsamkeit der Führungskraft ein. Dass es noch Peer-Reviews (hier als kollegiale Beratung bezeichnet) und «Frau reden – Männer handeln» als Themen gibt, schließt den Kurs ab. Der letzte Tipp lautet: «Tun Sie sich mit anderen Führungskräften zusammen» …, allerdings besser noch, Sie engagieren einen Coach …

Diskussion

Der Begriff «Crashkurs» ist sicherlich richtig. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Führungs- oder Managementtheorien erfolgt nicht, es gibt auch keinen erkennbaren wissenschaftlichen Metarahmen. Zwar werden immer wieder Bezüge zu Theorien hergestellt – Mitbegründer der Organisationspsychologie Edgar Schein … – ohne diese aber in ein Modell oder Paradigma einzubinden. Daher kann auch keine Zuordnung zu einer Bezugswissenschaft erfolgen, sondern es werden aus unterschiedlichen Wissenschaften Bruchstücke zusammengefügt. Einer wissenschaftlichen Bewertung entzieht sich diese Publikation damit; wahrscheinlich war dieses auch nicht intendiert.

Die Publikation hat rezeptologischen Charakter und ist ganz amüsant zu lesen, wenn man auf Tiefgang verzichten will und kann. Die Sprache ist einfach und verständlich und wer zum ersten Mal ein Beurteilungsgespräch führen muss, findet sicher zahlreiche hilfreiche Vorgaben. Man kann den Eigenanteil der Leistung hiermit deutlich reduzieren – auch um den Preis, keine individuellen und dem Unternehmen entsprechende Informationen zu erhalten.

Fazit

Eine fundierte Auseinandersetzung mit Führungs- und Managementlehren erfolgt nicht, sondern es werden viele Bruchstücke aneinandergereiht. Man gewinnt den Eindruck, dass hier Seminare die Grundlage der Publikation bildeten. Die Dimensionen von Führung wie institutionelle Basis, Persönlichkeit, funktionelle Aufgaben werden ebenso wenig ausführlich und stringent diskutiert wie moderne Handlungsfelder. Anstelle dessen gibt es viele «Rezepte», als Praxistipps, Beispiele oder Checklisten bezeichnet.

Dem nicht wissenschaftlich vorgebildeten Leser mag dies das Verständnis erleichtern, ebenso wird ein rascher Transfer möglich. Doch die Gefahren, die hieraus resultieren, sollten jedem bewusst sein: Führen ist immer auch situativ und muss der Unternehmensphilosophie des eigenen Unternehmens angepasst werden. Dieses ist ein nachhaltiger und komplexer Prozess, der viel Wissen und Erfahrung voraussetzt. Führen kann nur zu einem kleinen Teil standardisiert werden, sonst hätte man es schon längst in Computerprogramme überführt.

Für Personen, die noch nie mit Führungsaufgaben in Berührung gekommen sind, kann dieser Crashkurs durchaus einen ersten Einstieg bilden – es muss jedoch deutlich darauf hingewiesen werden, dass man am Ende eben noch keine Führungskraft ist, sondern lediglich einige Facetten von «Führen» kennen gelernt hat.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
Professor für Human Resource Management an der Fachhochschule Koblenz
RheinAhrCampus Remagen
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 19.06.2010 zu: Eva Douma: Mitarbeiterführung. Cornelsen Verlag (Berlin) 2010. 127 Seiten. ISBN 978-3-589-23771-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9370.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.


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