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Valerie Clarke: Unerhört (Gehörlosigkeit und Gebärdensprache)

Cover Valerie Clarke: Unerhört. Eine Entdeckungsreise durch die Welt der Gehörlosigkeit und Gebärdensprache. ZIEL Verlag (Augsburg) 2010. 2., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-940562-40-1. D: 15,80 EUR, A: 16,30 EUR, CH: 28,00 sFr.
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Autorin und Thema

Die Autorin dieses Buches hat aufgrund ihres beruflichen Werdegangs (Sozialarbeit, Gebärdensprachdolmetscherin u.v.m) aus eigenem Erleben sehr treffend beschreiben können, wie es Gehörlosen geht und auch den hörenden Menschen, die mit ihnen und anderen Schwerhörigen umgehen wollen-müssen-sollen.

Aufgrund dieser Erfahrungen war ihr mehr als bewusst, wie wenig Informationen „normale“ Menschen über das Thema Schwerhörigkeit/Hörbehinderung haben. Wie hilflos daher z.B. viele Eltern von schwerhörig oder gehörlos geborenen Kindern sind und kaum unterscheiden können, welche der vielen Ratschläge, die sie erhalten, wirklich sinnvoll sind.

Aufbau und Inhalt

Sehr strukturiert wird das Thema Hörbehindert sozusagen von der Pike auf erläutert. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Begriffen wie gehörlos und schwerhörig werden benannt. Auch die geschichtliche Entwicklung der Gebärdensprache bzw. der Wahrnehmung hörbehinderter Menschen in der Gesellschaft werden dargestellt. Beispiele aus den verschiedensten Lebenssituationen zeigen, wie hörbehinderte Menschen ihren Alltag erleben

Obwohl sich das Buch schwerpunktmäßig mit Gehörlosen befasst, sind sehr viele Informationen auch für das Verständnis der Situation schwerhöriger Menschen darin enthalten.

Gut verständlich, informativ und nie langweilig wird von der Feststellung der Hörbehinderung und deren Ursachen bis zum Leben erwachsener Betroffener gut nachvollziehbar erzählt, wie die Lebenssituation der so behinderten Menschen aussieht.

Viele Beispiele aus der Praxis machen die Beschreibungen gut nachvollziehbar und somit verständlich.

Diskussion

Was mir nicht so ganz gefallen hat war die Erklärung des Cochlear-Implantates, welche von aus meiner Sicht nicht so ganz auf dem neuesten technischen Stand ist. Was die Qualität des Buches aber nicht beeinträchtigt.

Nicht gefallen hat mir auch, das immer wieder von „ablesen vom Mund“ gesprochen wird. Ich würde mir wünschen das solche Publikationen den Begriff „absehen“ verwenden würden, da ablesen bei einem hörenden Menschen doch schnell impliziert, es sei leicht vom Mund abzulesen. Es ist ja auch leicht, die Zeitung oder ein Buch zu lesen, wenn der Mensch lesen kann. Aber – und das wird an anderer Stelle dann doch gesagt – es kann nicht so viel nur durch absehen verstanden werden, dass es für eine erfolgreiche Kommunikation reichen würde.

„Unerhört“ zeigt auch gut auf, dass Förderung von betroffenen Kindern wichtig ist, dass sie nicht nur über ihre Behinderung definiert werden dürfen, sondern mehr auf ihre Fähigkeiten geachtet werden soll. Auch hierzu gibt es Beispiele in dem Buch.

Fazit

Das Buch ist meines Erachtens für jeden zu empfehlen, der sich für Hörbehinderung und deren so vielfältigen Facetten interessiert, der gern verstehen möchte, warum diese Behinderung nicht so einfach erklärt werden kann. Und auch für Menschen, die beruflich mit Hörbehinderten umgehen müssen und in manchen Situationen doch recht hilflos reagieren.

Eltern von betroffenen Kindern erfahren hier sicher auch sehr vieles, was ihnen helfen kann, sich eine eigene Meinung zur Förderungsmöglichkeit ihrer Kinder zu bilden, da der Leser anhand der vielen Beispiele leichter begreift, dass es hier nicht einfach nur um einen Verlust an Lautheit geht, sondern dass die wirkliche Belastung der Betroffenen von ganz anderer Perspektive her gesehen werden muss.


Rezensentin
Erika Classen
Spätertaubt und CI-Trägerin seit Februar 2000. Ca. 12 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit bundesweit in der Hörbehinderten-Selbsthilfe
3-jährige ergotherapeutische Ausbildung


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Zitiervorschlag
Erika Classen. Rezension vom 08.09.2010 zu: Valerie Clarke: Unerhört. Eine Entdeckungsreise durch die Welt der Gehörlosigkeit und Gebärdensprache. ZIEL Verlag (Augsburg) 2010. 2., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-940562-40-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9447.php, Datum des Zugriffs 30.07.2016.


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