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Benjamin von Stückrad-Barre: Auch Deutsche unter den Opfern

Cover Benjamin von Stückrad-Barre: Auch Deutsche unter den Opfern. Verlag Kiepenheuer & Witsch (Köln) 2010. 333 Seiten. ISBN 978-3-462-04224-5. 14,95 EUR.

Reihe: KiWi - 1164 - Paperback.

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Autor

  • Geboren am 27. 1. 1975 in Bremen als viertes Kind einer Pastorenfamilie.
  • 1987-1990: Besuch des Ratsgymnasiums in Rotenburg/Wümme.
  • Seit 1993 Arbeit als freier Schriftsteller.
  • 1994: Abitur in Göttingen, Umzug nach Hamburg. Diverse Praktika (taz, L’Age d’Or, NDR etc.) Versuch eines Germanistik-Studiums.
  • 1995-1996: Redakteur bei der Zeitschrift Rolling Stone.
  • 1996-1997: Produktmanager beim Plattenlabel Motor Music/Hamburg.
  • 1997: Umzug nach Köln, Mitarbeit in der Redaktion der ARD-Sendung „Privatfernsehen“ von Friedrich Küppersbusch.
  • 1998-1999: Autor für die Harald-Schmidt-Show. Es erscheint sein Debütroman „Soloalbum“.
  • 1999: Umzug nach Berlin. Bis 2000 Redakteur bei den „Berliner Seiten“ der FAZ. Es erscheinen die Textsammlung „Remix 1“, die Erzählung „Livealbum“ und das Hörbuch „Liverecordings“.
  • 2000: Deutschlandtournee. Es erscheinen Erzählungsband und Hörbuch „Blackbox“.
  • 2001: Es erscheinen „Transkript“, das Hörbuch „Voicerecorder“ und die Textsammlung „Deutsches Theater“. Moderation der MTV-Sendung „Lesezirkel“.
  • 2002: Umzug nach Zürich, 4 Monate „Writer in Residence“ bei der Weltwoche. Große Lesereise. Es erscheinen die Klassik-CD „BvS-B trifft Johannes Brahms“ und das Hörbuch „Deutsches Theater“. Es entsteht der Dokumentarfilm „Ich war hier“ vom NDR (bis 2003).
  • 2003: Die Verfilmung des Romans „Soloalbum“ kommt in die Kinos. Im Herbst erscheint die Compilation „Autodiscographie – Balladen vom äußeren Leben“.
  • Herlinde Koelbl dreht ihren Dokumentarfilm über die Depressionen und körperlichen Folgen seines Kokain-Entzugs. Er erscheint 2004 unter dem Titel „Rausch und Ruhm“.
  • 2004: Herausgeber des Hörbuchs „Poesiealbum Udo Lindenberg“. Es erscheint die Textsammlung „Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft – Remix 2“ zusammen mit dem Hörbuch.
  • 2005: 9-teilige TV-Reihe „Stuckrad bei den Schweizern“ bei 3sat. Buch und Hörbuch „Was.Wir.Wissen“ erscheint.
  • 2006: Umzug nach Frankfurt a. M. Radio-Moderation der Sendung „Nightline“ beim Hessischen Rundfunk, Mitarbeit an der Jubiläumsausgabe der Zeitschrift Tempo.
  • 2007: Umzug nach Berlin, Arbeit an einem Drehbuch zusammen mit Helmut Dietl.
  • 2008: Es erscheinen die erweiterte Neuausgabe von „Deutsches Theater“ und „Am Trallafitti-Tresen“ (mit Moritz von Uslar). Beginn der Arbeit an dem Buch „Auch Deutsche unter den Opfern“.

Lieferbare Titel:

  • Remix. Texte 1996-1999. Kiepenheuer & Witsch 2004
  • Soloalbum. Roman. Kiepenheuer & Witsch 2005.
  • Blackbox. Kiepenheuer & Witsch 2005.
  • Livealbum. Erzählung. Kiepenheuer & Witsch 2005.
  • Remix 2 – Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft. Autodiscographie. 2004.
  • Soloalbum, mp 3-CD. Autorenlesung. 2008.
  • Auch Deutsche unter den Opfern (CD, Sprecher: Christian Ulmen und der Autor). 2010.
  • Stuckrad bei den Schweizern. DVD 2006.

Vergriffen:

  • Transkript. Kiepenheuer & Witsch 2001.
  • Was. Wir. Wissen. Rowohlt 2005.
  • Poesiealbum Udo Lindenberg. CD 2004.

Vorbemerkung

Nach des Autors eigenem Bekunden ist das vorliegende Buch eine erweiterte und überarbeitete Sammlung von Texten, die zuvor in der BZ, BZ am Sonntag, Rolling Stone, Welt, Welt am Sonntag erschienen sind. Daher erscheint auf den ersten Blick ihre Zusammenstellung eher dem Prinzip der Zufälligkeit zu folgen, und erst bei näherem Hinsehen lassen sich drei augenfällige Themenkreise benennen, unter deren Dach sich mit einiger Phantasie auch die zahlreichen anderen, mal sehr kurzen, mal umfangreicheren Artikel thematisch fassen lassen.

Wahlkampf 2008

Im Hamburger Wahlkampf – „Kitsch-Saison“ und „Plattitüden-Wettstreit“ – interessiert vor allem der Blackout des SPD-Kandidaten Michael Naumann im TV-Duell mit Ole van Beust. Der Kandidat, ein „Höchstgebildeter“ und Ehemaliger (Verleger, Kulturstaatsminister, Herausgeber) tut danach weiterhin tapfer seine Pflicht, stellt ein sogenanntes Kompetenzteam zusammen, offenbar auch hier Allheilmittel der kämpfenden SPD-Altherrenriege, und verdient ob seiner „Schlagfertigkeitskrise“ unser aller Mitleid.

Frank-Walter Steinmeier indes lässt sich am „Tag des deutschen Bieres“ in der Bayerischen Landesvertretung zu dessen Botschafter küren. Der „Seehoferhorst“ ist dabei und Markus Söder, und der Außenminister, populistisch und publikumswirksam, simpel und „bierzeltig“, meistert auch die späteren „Nahkampfprüfungen“ problemlos, den „bräsigen“ Kandidaten Kurt Beck locker überholend.

Da ist die Zugfahrt mit der Juso-Vorsitzenden Franziska Drohsel, „attraktiv und voller Ideale“ (Bunte), die über Thesenpapiere, Bahnreform, FAZ-Artikel, Andrea Nahles und Kurt Beck schwadroniert, auch nicht gerade dazu angetan, Hoffnung zu entwickeln bei dem Gedanken an die Zukunft der SPD.

Und schließlich – ach – die Klausurtagung, das SPD-Theater am schönen Schwielowsee: Aufregungen, Heimlichkeiten, Abwiegelungen, Putschgeflüster, Hinterzimmerpolitik – und keinerlei Zukunftsperspektive. Ebenso wenig, wie jene Linkspartei sie zu bieten hat, „dieser öde Haufen“, der „mit seinen zwei begabten Rhetorikern die gesamte Republik in Panik versetzen kann“.

Wahlkampf in Bayern in Begleitung von Hans Magnus Enzensberger, auch dies ein eher „unreines Vergnügen“. Begriffe wie Gerechtigkeit, Arbeitnehmer statt wie früher Arbeiter, Verantwortung, alles nicht zu wörtlich zu nehmen, die Welt der Politik eine „unergiebige Abraumhalde“, der Wahlkampf mit seinen „teilweise absurden Dramatisierungen“ Ausdruck lediglich für einen „hohen Angstbedarf“. Anstelle des „Gerechtigkeitsblaba“, des schaumigen Geredes über die globalisierte Welt sei besser über die Stromrechnung zu sprechen, befindet der Autor. Und worüber ein Politiker nun einmal gar nicht sprechen darf: dass er „tief enttäuscht ist von den Wählern“!

Und was macht derweil Guido Westerwelle, ein gefragter Mann mit den stabilen Umfragewerten seiner FDP im Rücken, der, so ist zu vermuten, in diesem Wahlkampf „die schönste Phase seiner Karriere erlebt“ und bei Mittelstandsvertretern in der Rolle des „ solitären Heilsbringers“ sich feiern lässt, gestern als „oberster Einzelhändler“ bei Edeka triumphierend und heute als „großer Bauernversteher“? Und zwischendurch immer mal wieder in vertraulichem Kontakt mit der Kanzlerin! Und der, abseits von Rampenlicht und Bühnenmodus, ein „bescheidener, angenehmer, intelligenter und lustiger“ Zeitgenosse sein kann, der sich ganz offensichtlich der Sympathie des Autors erfreuen darf.

Hingegen ist weiterhin wenig Gutes zu vermelden vom SPD-Wahlkampf Frank-Walter Steinmeiers: kein Aufwärts nach dem Debakel am Schwielowsee, stattdessen ein steter Abwärtstrend trotz Deutschland-Plan und der Vorstellung (auch hier!) eines Kompetenzteams, trotz der Reise zu „Kompetenzzentren“ und Zukunftsstandorten, trotz der vielen Schlagworte, als da sind: Strukturwandel, Energieträger der Zukunft, Arbeitsplätze von morgen, Kreativwirtschaft. Am Ende der Reise bleibt im Gedächtnis: das Geschenk eines kleinen Mutmachroboters. Auf dessen Vorderseite die Aufschrift „No 1“, auf dessen Rückseite „k. o.“

Derweil möchten die Grünen glänzen mit einem Kulturwahlkampf und Cem Özdemir spricht von der Variante Schwarz-Grün, der „neuen Machtarithmetik im Fünfparteiensystem“. „Spannend“ und „cool“ sind dabei die Lieblingswörter dieses „vorwärtsgerichteten Anti-Ströbele“, dessen Partei „nichts mehr zu fürchten scheint als Veränderung“.

Und die Kanzlerin? Sie fährt von West (Bonn, Adenauer-Grab in Rhöndorf) nach Ost (Berlin, futuristische Kommandozentrale Adenauer-Haus) mit dem Rheingold-Express und gedenkt dabei der 60 Jahre Bundesrepublik. Der Mitreisende allerdings gedenkt wehmütig der früheren grandiosen Parlamentsdebatten, der „gewitzten Beschimpfungen“, der „sogenannten Charakterköpfe“, der „hochintelligenten Generalsekretäre“. Und findet, öffnet er die Augen, einen Ronald Pofalla, muss an Hubertus Heil und Dirk Niebel denken. Die Kanzlerin, überall in den Medien „durchporträtiert und biographiert“, zu der auch den besten Witzemachern inzwischen nicht viel Neues mehr einfällt, eine Politikerin ohne Standpunkt, aber stets alle nur denkbaren Positionen umreißend, sich Konfrontationen verweigernd, sie sitzt – die meiste Zeit der Reise allein – „mit dem Rücken zur Fahrtrichtung im Panoramawagen und ist mit ihrem Handy beschäftigt“.

Da haben es im Straßenwahlkampf Petra Pau (Die Linke), die sich in Berlin freundlicher Reaktionen der Umstehenden sicher sein darf, und Roland Koch, der ein glückliches Händchen beim „nötigen Wendemanöver“, dem Kartoffelpuffer-in-die-Luft-Schleudern (Erlös für den Wiederaufbau der Berliner Garnisonkirche) hat, sichtlich besser getroffen.

Und dann – am Ende - noch einmal die SPD am Wahlabend im Willy-Brandt-Haus: die Stimmung dort zwischen Fatalismus und Fassungslosigkeit trotz tapferem Applaus für die Kandidaten, Verstörung im Präsidium, ein „bitterer Tag und eine bittere Niederlage“(Steinmeier).

Musik

z. B. Udo Lindenberg, Falco, Grönemeyer vs. Westernhagen.

Man liest es mit leichtem Bedauern: auch BvSB, wie er sich abkürzt, mag das Hut-Geheimnis des Sängers („Tonsurtarnung“ oder nicht) nicht lüften, denn Hut und Sonnenbrille als „ikonographische Merkmale des Udo Lindenberg“ gehören inzwischen als unveränderliche Kennzeichen zur Person, so wie sein Refugium im Hamburger Hotel „Atlantic“. Als „erklärter Ultrafan“ des Sängers und ihm überdies seit langem freundschaftlich verbunden, bewundert der Autor ihn als „songsingenden Geschichtenerzähler“, spricht von der spielerischen „lindenberglyrischen Hausapotheke“. Anlass des überaus freundlichen Artikels ist das gelungene musikalische Comeback des Sängers mit dem Album „Stark wie Zwei“, auf dem endlich mal wieder alles drauf zu sein scheint: „Liebe, Trauer, Kampf, Kapitulation, Überschwang, Naivität, Einsicht, Provokation, Spielerei, Kitsch und Quatsch – wunderschöne kleine Geschichten“ zu kongenialer Musik.

Ganz anders die Reportage zum 10. Todestag des österreichischen Sängers Falco ((„Rock me Amadeus“), mit bürgerlichem Namen Hans Hölzel, den die Wiener „Erinnerungsfanatiker“ auch nach seinem Ableben noch immer gnadenlos vermarkten. Postume Liedveröffentlichungen sollen die zuletzt eher irrlichternden Comeback-Versuche des Sängers vergessen machen und gewinnbringend an jenen Falco erinnern, der seinerzeit mit einer neuen Art des Textens den Grundstein legte für deutschsprachigen HipHop. Die „Mythos-Beschützer“ und „Erben-Bewacher“ des Künstlers, der in einer Art verlängertem Selbstmord schließlich in der Dominikanischen Republik bei einem Autounfall ums Leben kam, scheren sich kaum um das, was dieser wirklich war: „Genie und Depp, Charmeur und Arschloch, reich und verschuldet, manisch und depressiv, Angeber und Angsthase, nüchtern ein Engel, berauscht aber der Teufel“.

Und schließlich der Vergleich zweier Größen anspruchvoller Popmusik: Marius (Müller-)Westernhagen und Herbert Grönemeyer. Beide als Schauspieler einst berühmt geworden und aktuell als Sänger und Liedermacher ohne Konkurrenz (Grönemeyer) und „gewissermaßen außer Konkurrenz“ (Westernhagen). In seinen jungen Jahren hatte Westernhagen Humor, „er war lässig, sexy sowieso“, er „sang über Hehler, Nutten, Suff, Spießer, Denunzianten, geil und laut. Heute singt er schön. Das ist das Problem“, so der Autor lapidar. Seine Sympathien schwanken zwischen den beiden Protagonisten, die einst zum musikalischen Repertoire seiner Pubertät gehörten, und denen er seit damals in Treue verbunden ist. Der Einzigartigkeit, dem kruden Satzbau eines jeden Grönemeyer-Konzertes kann die perfekte aber aseptische Westernhagen-Show heute den Rang nicht ablaufen. Und dennoch bleiben die alten Westernhagen-Songs unübertroffen.

Persönlichkeiten

Es gereicht dem Autor durchaus zur Ehre, dass er nach einer Lesung des Nobelpreisträgers Günter Grass (das nachgereichte 1990er Tagebuch „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland“) dem „Hamit“-Tagebuch von Walter Kempowski, der das Wiedervereinigungsjahr so ganz anders beschrieb und dem Grass’schen „Gedröhne“ und „Grundsatzgestammel“ weit überlegen ist, eindeutig den Vorzug gibt. Es macht ihm auch nichts aus, dass er bei dieser Lesung zum „Partyschreck“ und zur „Nervensäge“ avanciert mit seinen Fragen nach Parallelen der Tagebücher und der Novelle „Im Krebsgang“, die den Untergang des Flüchtlingsschiffes „Wilhelm Gustloff“ thematisiert lange, nachdem der von Grass als rechtslastig abqualifizierte Rostocker Walter Kempowski dies in seinem „Echolot“ getan hat. Unbeirrt von des Großdichters abwimmelnder Ironie formuliert der Autor sein Fazit: „Störer lächerlich zu machen, ist für einen Bühnenprofi (wie Grass) die leichteste Übung.“

Ein kleines Highlight auch der Fernsehabend im Hause Dieter Hildebrandts. Anlass ist die erste Sendung von Mathias Richlings „Satire Gipfel“, der Nachfolgesendung von Hildebrandts „Scheibenwischer“. Vorangegangen war eine medienwirksame Auseinandersetzung zwischen Hildebrandt und Richling über die Verwendung des alten Titels in neuem Gewand, die Hildebrandt schließlich erfolgreich verhindern konnte. Die Überreaktion von Mathias Richling im Vorfeld der neuen Sendung als „Hass“ zu bezeichnen, fällt schwer, wenn hier während eines beinahe familiären Fernsehabends (zwei Wollknäuel-Hunde und die Ehefrau gehören auch dazu) Gutes und weniger Gutes dieser ersten Richling-Ausstrahlung eher mitfühlend, denn kritisch oder gar abschätzend kommentiert werden.

Von großem Mitgefühl diktiert ist auch der Essay zu Christoph Schlingensiefs „Tagebuch einer Krebserkrankung“. Dieses Buch des „begnadeten Anstifters“ Schlingensief, einst enfant terrible der deutschen Theaterszene, ein Regisseur, dem bisher alles, die Welt, das Leben, zum Theater geriet, ist „mal Klageschrift, mal Weltumarmung“, eine „Hymne auf das Leben“ und ein Lamento über dessen Ende, abgetrotzt dem dräuenden Tod. Effekthascherei habe man dem Autor des Tagebuchs vorgeworfen, Exhibitionismus, Vermarktung der eigenen Krankheit. Für BvSB sind die Aufzeichnungen dieses „Schmerzensmannes“ mehr als verstörend: ein Theaterstück letzten Endes auch dies, eine Provokation, aber darüber hinaus ein „theologisch brisantes Werk“, dessen „Ratlosigkeit“ es zu einem „wahrhaftigen Ratgeber“ macht.

Darüber hinaus treten in kürzeren Artikeln auf: Der Regisseur Leander Hausmann als Pädagoge, Barak Obama am Brandenburger Tor, der Maler Jonathan Meese als Warhol-Zeichner, Tom Cruise auf dem roten Teppich in Berlin und Til Schweiger im Kino, Starfriseur Udo Walz auf seinem Polterabend und zuletzt Alexander Kluge im Gespräch mit dem Autor.

Fazit

Es bleibt festzuhalten: der wohlerzogene, ob zu Recht oder Unrecht einst zum Popliteraten hochgejubelte Autor Benjamin von Stuckrad-Barre ist zweifellos ein ganz passabler Journalist von beträchtlicher Formulierungskunst, leisem Sarkasmus und häufigem Humor mit einem Hauch von Ruppigkeit, ein Freund griffiger Formulierungen auch dann, wenn sie ihm zuvor aus der Schnoddrigkeiten-Kiste zugewinkt haben. Erstaunlich oft erweist er sich aber auch als ein sensibler Schreiber mit plötzlicher Empathie für jene, die er eigentlich kritisch aufs Korn zu nehmen gedachte. Jedoch: ein schreibender Nachkomme eines Karl Krauss, Alfred Kerr oder gar Kurt Tucholsky – ein Vergleich, zu dem sich Helmut Dietl in seinem Vorwort versteigt – ist er nun wirklich nicht. Die zum Teil hübschen Belanglosigkeiten seiner Artikel sind weit davon entfernt, ein repräsentativer Querschnitt deutscher Befindlichkeiten im Vorfeld der Wahl von 2009 – gar ein deutsches „Sittengemälde“ – zu sein. Vergnüglich zu lesen allerdings sind sie allemal!


Rezensentin
Dorothea Dohms
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Zitiervorschlag
Dorothea Dohms. Rezension vom 24.08.2010 zu: Benjamin von Stückrad-Barre: Auch Deutsche unter den Opfern. Verlag Kiepenheuer & Witsch (Köln) 2010. 333 Seiten. ISBN 978-3-462-04224-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9465.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.


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