Claire Horst: Andere besser verstehen
Claire Horst: Andere besser verstehen. Interkulturelle Kommunikation für Frauen. Dashöfer (Hamburg) 2009. 60 Seiten. ISBN 978-3-941201-49-1. 29,75 EUR.
Reihe: Soziale Kompetenz - Persönlichkeitsentwicklung.
Thema
Die Fachbroschüre „Andere besser verstehen. Interkulturelle Kommunikation für Frauen“ will den Leserinnen „zu einem besseren Bewusstsein für interkulturelle Konflikte verhelfen“ (S. 7). Interkulturelle Kommunikation ist insbesondere in der Arbeitswelt ein wichtiges Instrument für Erfolg geworden. Sie wird nicht nur benötigt, wenn man/frau in einem internationalen Unternehmen tätig ist oder im Ausland arbeitet. Auch in beruflichen Kontexten im eigenen Land gehört es zunehmend zum Alltag, mit Angehörigen anderer Kulturen zu kommunizieren. Claire Horst spricht mit dieser Einführung speziell die Zielgruppe Frauen an.
Autorin
Die Autorin Claire Horst ist studierte Germanistin sowie Kulturmanagerin. Sie arbeitet mit jugendlichen Migrantinnen und Migranten und in der Erwachsenenbildung. Weitere interkulturelle Erfahrungen konnte sie u.a. in Südkorea sammeln, wo sie ein Jahr an einer Universität unterrichtet hat. Sie integriert ihre persönlichen Erfahrungen als Praxisbeispiele in die Broschüre.
Aufbau und Inhalt
Die Broschüre ist in vier Abschnitte unterteilt. Neben der Einleitung und dem Schluss führt der Text in den beiden Hauptkapiteln in das Thema Kommunikation und in den Begriff „Kultur“ ein, um die Leserinnen für die verschiedenen Ebenen und Facetten beider Felder zu sensibilisieren. Es ist die Strategie der Autorin, auf mögliche Konfliktquellen interkultureller Kommunikation aufmerksam zu machen und allgemeine Lösungsmöglichkeiten zu vermitteln. Sie will explizit keinen spezifischen Länderkatalog mit Handlungsoptionen für verschiedene Konflikte bieten. Die vier Kapitel enthalten als durchgehende Elemente Informationsboxen mit Beispielen, Übungen, Definitionen und einigen Tipps.
In der Einleitung stellt die Verfasserin dar, warum interkulturelle Kommunikationsfähigkeit heute zu den Schlüsselkompetenzen für Berufstätige gezählt wird. Zunehmend wird von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Internationalität und Mobilität gefordert. Interkulturelle Kontakte nehmen zu und können ein Gewinn sein. Doch sie bergen auch die Gefahr von Missverständnissen und Konflikten. Horst wendet sich mit dieser Broschüre aus zwei Gründen speziell an Frauen. Zum einen arbeiten diese häufig in Bereichen, in denen Kommunikationsstärke gefragt ist, vermehrt auch in interkulturellen Zusammenhängen, wie das Beispiel einer Erzieherin zeigt, die auch Kinder mit Migrationshintergrund betreut. Zum zweiten führt die Autorin kulturell geprägte unterschiedliche Rollenbilder für Frauen und Männer als Grund an sowie andere geschlechtsspezifische Zuschreibungen, denen Frauen in fremden Kulturen ausgesetzt sein können. Des Weiteren erläutert Horst in der Einleitung verschiedene Lösungsmöglichkeiten für interkulturelle Konflikte. Sie betont, dass sie für unterschiedliche Kommunikationsabläufe sensibilisieren und Frauen insbesondere für Situationen ausrüsten will, die aufgrund der Geschlechterrollen zu Missverständnissen führen können.
Das zweite Kapitel führt allgemein in das Thema Kommunikation ein. Neben einer Begriffserklärung werden einige wissenschaftliche Modelle genannt, die erklären, welche Bandbreite unter dem Begriff Kommunikation verstanden werden kann. Um mögliche interkulturelle Missverständnisse frühzeitig zu erkennen oder sie auflösen zu können, ist es hilfreich, auch für sogenannte intrakulturelle Kommunikationsschwierigkeiten sensibel zu sein. Im Hauptteil des Kapitels unterscheidet die Autorin drei verschiedene Arten von Verständigung: die verbale, die paraverbale und die nonverbale Kommunikation. Dies ist für das Verstehen von interkultureller Kommunikation und möglichen Konflikten wichtig. Denn zur Kommunikation gehören nicht nur die Sprache (verbale Kommunikation), sondern auch Dialekte, das Lachen, die Sprechgeschwindigkeit, die Lautstärke oder die Tonhöhe (paraverbale Kommunikation) sowie Berührungen, die Körperhaltung oder die Kleidung (nonverbale Kommunikation).
Das dritte Kapitel definiert den Begriff „Kultur“ und führt in die Kulturtheorie von Geert Hofstede ein. Neben den kulturellen Werten nach Hofstede werden im Folgenden auch die Kategorien Kulturschock, Stereotype und Kulturstandards erklärt. Anhand dieser verschiedenen Begriffe erläutert Horst, welche Faktoren Kulturen voneinander unterscheiden und so zu Konflikten in der interkulturellen Kommunikation führen können. Am Beispiel des Kulturschocks benennt die Autorin verschiedene konkrete Strategien, die auch für eine gelingende interkulturelle Kommunikation angewandt werden können, wie zum Beispiel:
- sich nicht frustrieren lassen
- die eigene Neugier bewahren
- sich nicht zurückziehen
- sich auf Neues einlassen
- alles auszuprobieren
- Eigeninitiative
Ein Kulturschock kann aufzeigen, dass man/frau selbst von einer Kultur und deren Konventionen geprägt ist. Des Weiteren führt Horst aus, dass es für eine funktionierende interkulturelle Kommunikation wichtig ist, sich die eigenen Stereotype bewusst zu machen. Kulturstandards dagegen stellen Regeln für die jeweilige Kultur dar, ohne wie Stereotype zu verallgemeinern. Zusammenfassend stellt die Verfasserin fest, dass interkulturelle Kommunikation, die problematisch verläuft, zu negativen Gefühlen auf beiden Seiten führen kann. Darum plädiert sie für Offenheit und Verständnis in der Kommunikation. Sie gibt den Tipp, die eigene Verwirrung in einer konkreten Situation direkt anzusprechen und offen mit möglichen Missverständnissen umzugehen.
Das vierte Kapitel schließt die Broschüre ab und fasst die Ziele eines interkulturellen Kommunikationstrainings zusammen: die positive und erfolgreiche Verständigung von Menschen unterschiedlichster Kulturen. Um dies zu erreichen ist es essentiell, offen zu sein sowie sensibel für die eigene Kultur, die einen geprägt hat. Es ist wichtig, die eigene Perspektive darstellen zu können und gewillt zu sein, dies zu tun. Bedeutsam hierfür sind genauso Einfühlungsvermögen, Empathie, Neugier und Interesse, sowie Selbstbewusstsein und die Fähigkeit zur Selbstkritik. Mit diesen Strategien kann interkulturelle Kommunikation nicht nur gelingen, sondern auch bereichern. Mit interkultureller Kompetenz können mögliche Konflikte in der Kommunikation früher erkannt und auch gelöst werden. Sie kann darüber hinaus auch in intrakulturellen Konfliktsituationen eingesetzt werden, wie beispielsweise zwischen Frauen und Männern.
Fazit
Der Autorin gelingt es, anhand der zahlreichen Beispiele aus der Praxis, für die verschiedenen Arten von Kultur und Kommunikation zu sensibilisieren und so auch für zahlreiche mögliche Konfliktpunkte. Mit dieser Herangehensweise gibt Horst den Leserinnen die Möglichkeit, eigene und spezifische Konfliktlösungen zu entwickeln. Die Broschüre bietet darum den Leserinnen, die über wenig Vorwissen in diesen Bereichen verfügen, einen allerersten Einstieg in das Thema interkulturelle Kommunikation.
Die Broschüre richtet sich zwar speziell an Frauen und benennt Beispiele für diese Zielgruppe. Doch es erschließt sich kaum, welchen Mehrwert insbesondere Frauen von der Broschüre haben, denn die genannten Strategien können ebenso für Männer hilfreich sein. Interessant wäre es gewesen, die Begriffe Kommunikation und Kultur auch aus einer Gender-Perspektive zu beleuchten und ein Kapitel zu geschlechtsspezifischen Rollenbildern und Stereotypen zu integrieren. Des Weiteren steht der Preis von 29,75 € in keinem Verhältnis zum Umfang und Inhalt und der nicht sehr hochwertigen Verarbeitung der Broschüre.
Rezensentin
Claudia Pralle
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Zitiervorschlag
Claudia Pralle. Rezension vom 25.08.2010 zu: Claire Horst: Andere besser verstehen. Dashöfer (Hamburg) 2009. 60 Seiten. ISBN 978-3-941201-49-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9471.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.
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