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Nicolas Apostolopoulos, Ulrike Mußmann u.a. (Hrsg.): Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens

Cover Nicolas Apostolopoulos, Ulrike Mußmann, Klaus Rebensburg, Andreas Schwill, Franziska Wulschke (Hrsg.): Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens. E-Kooperationen und E-Praxis. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2010. 344 Seiten. ISBN 978-3-8309-2326-8. 24,90 EUR.

Tagungsband GML2 2010 11.-12. März 2010.
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Thema

Der vorliegende Tagungsband versammelt die Artikel, die den Vorträgen der gleichnamigen Tagung zugrunde lagen. Deren Schwerpunkt sollte innovativen Kooperationen beim E-Learning gelten. Die Grundthese lautet: „Durch die Überwindung des Raums mit Hilfe des Internet können Partner voneinander durch Know-How-, Erfahrungs- und Technologietransfer sowie dem Austausch von Inhalten profitieren und so Synergieeffekte erzielen.“ (Vorwort der HerausgeberInnen, S. 5)

HerausgeberInnen

Professor Dr. Nicolas Apostolopoulos leitet das Center für Digitale Systeme – das Kompetenzzentrum für E-Learning und Multimedia der Freien Universität Berlin. Dort sind Ulrike Mußmann und Franziska Wulschke als Mitarbeiterinnen tätig.

Professor Dr.-Ing. Klaus Rebensburg ist Mitglied des IT-Service-Centers der Technischen Universität Berlin sowie Honorarprofessor für Netzwerktechnologien und multimediale Teledienste an der Universität Potsdam. Ebenfalls der Universität Potsdam gehört Dr. Andreas Schwill an, als Professor für Didaktik der Informatik.

Entstehungshintergrund

Die jährliche Tagung unter dem Kürzel „GML“ („Grundfragen Multimedialer Lehre“, 2003), später dann „GML²“ („Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens“), fand 2010 zum achten Male statt. Am Anfang stand die Einsicht, dass das Lernen mit neuen Medien die auf es gerichteten Erwartungen nur einlösen kann, wenn geeignete didaktische und methodische Modelle und Konzepte entwickelt würden.

Aufbau

Der Inhalt gliedert sich in sechs Teile von höchst verschiedenem Umfang: zwischen 3 und 116 Seiten. Davon gelten zwei Teile den Keynotes – Beiträgen, die üblicherweise die wichtigsten Themen einer Tagung vorwegnehmen sollen. Der Teil „E-Praxis, E-Kooperationen und E-Visionen“ ist der umfangreichste; seinem Inhalt nach ist er nicht trennscharf von einem anderen Teil namens „E-Kooperationen“ abzugrenzen. Ein weiterer Teil gilt dem „Einsatz digitaler Medien im schulischen Kontext“. Und eher eine Präsentationsform als einen inhaltlichen Schwerpunkt bezeichnet der letzte Teil des Bandes, „Interaktive Thementische“ (vermutlich Vorträge, zu denen die ZuhörerInnen Fragen stellen können).

Inhalt

Was sind, wenn man die Keynotes heranzieht, die wichtigsten Themen der Tagung? Der Band beginnt programmatisch: „Neue Medien braucht das Land“ (Oliver Vornberger). Aus Sicht der Informatik geht es um digitale Medien, die in Verbindung mit schnellen Netzwerken neue Qualitäten des E-Learning erlaubten, hier bezogen auf Hochschullehre. Die Zusammenarbeit von Hochschullehre und Unternehmenspraxis ist das Thema der zweiten Keynote: „Open (e)Cooperation“ (Andrea Back). Es handelt sich um einen Erfahrungsbericht vom Standpunkt der Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik aus. Eine Kooperation nimmt auch die dritte und letzte Keynote in den Blick: „Weiterbildung als Ko-Kreation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“, vorgetragen von Ada Pellert, der Präsidentin der 2009 in Berlin eröffneten Deutschen Universität für Weiterbildung.

Die Mehrzahl der Beiträge bezieht sich auf das Hochschulwesen. Etwa 20 der 29 Beiträge (einschließlich Keynotes) lassen sich entsprechend zuordnen, dabei schildern sie zum Teil institutionsübergreifende Kooperationen mit Unternehmen. Sofern es um Schule geht, befassen sich die Themen mit dem alltäglichen Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie im Unterricht, mit Unterrichtsprojekten mittels interaktiver digitalisierter Medien oder mit der online-basierten Überprüfung der Leistung von SchülerInnen. Beiträge zum Juniorstudium und zur Ausbildung von LehrerInnen stehen an der Schnittstelle zwischen Universität und Schule. Andere Beiträge betreffen die Vermittlung komplexer Software-Systeme, Lernprogramme für Führungskräfte im Mittelstand, den Einsatz von Web 2.0-Technologien bei Wissensmanagementsystemen in der Druck- und Medienbranche oder bei der beruflichen Erstausbildung zum Kfz-Mechatroniker.

Ein Beitrag, der für das Sozialwesen interessant ist, entwirft eine „Vision“ der Hochschulbildung für Strafgefangene: unter dem Titel „VOLLZUG (innoVatives OnLine Lernen – Zukunft sichernde Uni hinter Gittern)“ (S. 224–229). Entwickelt wurde das Konzept am Institut für Informatik der Universität Rostock (Christian Schönfeldt, Anja Thomanek und Djamshid Tavangarian). Es soll mit diesem Konzept „die Ausgrenzung bzw. der erschwerte Zugang zu akademischen Lehrinhalten für Gefängnisinsassen aufgebrochen und Häftlingen nachhaltige Perspektiven“ ermöglicht werden (S. 224). Falls eine Pilotphase erfolgreich verläuft, solle das Projekt auf Dauer eingerichtet und ausgebaut werden:

  • Angedacht ist ein Konzept des Blended Learning – hierbei werden computergestützte Lernphasen mit Präsenzveranstaltungen verknüpft. Die Leitidee ist die eines unterstützten multimedialen Studiums.
  • Den inhaltlichen Kern sollen reale Vorlesungen der Universität Rostock bilden, die aufgezeichnet wurden und die über ein so genanntes „Lehr- und Lernmanagementsystem“ (S. 225) online wiederholt angesehen werden können.
  • Dieses System soll es zudem ermöglichen, dass sich die Häftlinge mit den akademischen BetreuerInnen und KommilitonInnen austauschen oder gemeinsam Aufgaben bearbeiten können. Dazu soll mittels des Systems Material herunter- sowie Aufgabenlösungen und Ähnliches hochgeladen werden können.
  • Autorin und Autoren haben sich auch über die in vielen Studiengängen üblichen Exkursionen Gedanken gemacht. Einschränkungen sollen durch Einsatz einer computergenerierten 3-D-Welt „abgemildert werden“ (S. 226) – etwa via „Second Life“, einer bekannten virtuellen Welt im Internet.
  • Die Präsenzveranstaltungen sollen in der Regel in der Vollzugsanstalt selbst stattfinden, indem jeweils mehrere Insassen an den Gruppen teilnehmen.
  • Eine tutorielle Betreuung soll über eine Zusammenarbeit von SozialarbeiterInnen und DozentInnen bewerkstelligt werden. Innerhalb dieser Betreuung soll speziell vor der Entlassung das Angeeignete analysiert werden, „um einen entsprechenden Ausbildungsplatz bzw. Studiumsplatz zu erhalten“ (S. 227).

Diskussion

Wenn der Titel des Bandes von „Grundfragen“ spricht, mag das zu der Annahme verleiten, hier könnten auch LeserInnen einen Einstieg finden, die sich bisher wenig mit dem Thema befasst haben. Das ist eher nicht der Fall; dagegen setzen viele Beiträge einschlägige Kenntnis voraus: etwa, was Lern-Software, Lernplattformen, Datenformate oder Softwaretechnik betrifft, um nur einige Beispiele zu nennen.

Auffällig ist, dass E-Learning weiterhin stark eine Domäne der Hochschulen ist; aber auch hier sollte man die immer noch bestehenden Hürden nicht unterschätzen. Ein Schlaglicht hierzu soll genügen: So berichtet Franz Lehner über eine virtuelle Massenvorlesung („Betriebliche Informationssysteme“), dass die Ergebnisse einer Klausur „um einen Notengrad schlechter aus[fielen] als im Vorjahr, wo die gleiche Lehrveranstaltung als Präsenzveranstaltung durchgeführt worden war“ (S. 192). Das größte Problem bestehe darin, die Studierenden auf die neue Form des Lernens vorzubereiten.

Auch der Zeitaufwand für die Erstellung multimedialer Selbstlerneinheiten sollte von vornherein angemessen berücksichtigt werden: Für eine webbasierte Trainingseinheit von 30–35 Minuten werden von Martin Gersch, Christian Lehr und Corinna Fink (Betriebswirtschaftslehre) erfahrungsgemäß circa 180–200 Personenstunden an Vorbereitungszeit veranschlagt (S. 201).

Der Tagungsband findet sich auch als PDF-Datei unter URL: http://www.gml-2010.de/tagungsband/Tagungsband_GML2010.pdf (03.06.2010) – eine empfehlenswerte Alternative, nicht nur, weil sich hier die digitale Suchfunktion nutzen lässt, sondern auch, weil das gedruckte Exemplar beim Lesen fast völlig aus dem Leim ging.

Fazit

Der Band eignet sich am besten für LeserInnen mit Vorkenntnissen und eigenen praktischen Erfahrungen mit E-Learning. Themen aus der Sozialwirtschaft kommen nur am Rande vor.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Beck
Pädagogische Forschung und Lehre
Homepage www.cbeck-aktuell.de


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Zitiervorschlag
Christian Beck. Rezension vom 06.07.2010 zu: Nicolas Apostolopoulos, Ulrike Mußmann, Klaus Rebensburg, Andreas Schwill, Franziska Wulschke (Hrsg.): Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens. E-Kooperationen und E-Praxis. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2010. ISBN 978-3-8309-2326-8. Tagungsband GML2 2010 11.-12. März 2010. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9477.php, Datum des Zugriffs 05.12.2016.


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