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Carsten Rensinghoff: Zu Wahrheit, Erkenntnis, Interesse

Cover Carsten Rensinghoff: Zu Wahrheit, Erkenntnis, Interesse. Das "Projekt Ruhrlandheim". Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2010. 120 Seiten. ISBN 978-3-643-10691-9. 19,90 EUR, CH: 31,90 sFr.

Reihe: Forum Behindertenpädagogik - 13.
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Thema

"…macht Rhizom, nicht Wurzeln, pflanzt nichts an! Sät nicht, stecht!" (aus Deleuze/Guattari,1977, Das Rhizom, S. 41). Behinderte Juristinnen und Juristen verstehen unter Behinderung: Maßnahmen, Strukturen und Verhaltensweisen, die Menschen mit Einschränkungen Lebensmöglichkeiten nehmen, beschränken oder erschweren. Vielfältige Barrieren werden aufgerichtet, Barrieren, die die Teilhabe von Menschen mit Einschränkungen am (gesellschaftlichen) Leben erschweren bis verunmöglichen. Der Autor, Dr. Carsten Rensinghoff, hat in seinem Leben (erschwert durch massives Schädel-Hirn-Trauma, erlitten im Alter von 12 Jahren) immer wieder Erfahrungen des "behindert Werdens" machen müssen. Er sieht sich und ist offensichtlich Experte in Sachen (ver-), und behinderter (aber auch gelungener und gelingender) Teilhabe. Aus der Perspektive wacher, geschärfter Sensibilität heraus ist ein umfängliches Vorlesungsskript entstanden, das als Band 13 des "Forums Behindertenpädagogik" im Lit Verlages veröffentlicht wurde.

Aufbau und Inhalt

Die vorliegende Arbeit gliedert sich im wesentlichen in einen theoretischen und einen praktisch- "angewandten" Teil.

Im theoretischen Teil werden terminologische Klärungen zum Thema "Wahrheit, Erkenntnis und Interesse- wissenschaftstheoretische Grundlagen für die Soziale Arbeit" vorgenommen, die ihrerseits wiederum die Basis zum vorgestellten "Forschungsprojekt Ruhrlandheim" bilden sollen.

Das "Projekt Ruhrlandheim" als Beispiel "zugespitzter" qualitativer Sozialforschung thematisiert die bis dato fehlende Anbindung des Ruhrlandheims ("ein Ort zum Leben" für Menschen mit geistiger Behinderung) an den öffentlichen Nahverkehr der zuständigen Bochum- Gelsenkirchener Straßenbahn AG. Exemplarisch wird dem Leser der "Kern der Sache":

"die Nichtbeachtung der Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung zu einer selbstbestimmten Lebensführung" vor Augen geführt. Begriffe, wie: Isolation, Selbstbestimmung , Empowerment, Normalisierung, Behinderung und Behindertenrechtskonvention werden vor diesem Hintergrund "lebendig" und "greifbar". Und am Ende steht, wenn auch kein "happy end", so doch ein konkretes Ergebnis.

Zielgruppen

Das Buch sollte für Studierende und Berufstätige in Arbeitsfeldern von Sozial-, Heil- und Behindertenpädagogik, der Sozialen Arbeit sowie für alle an kritischer Öffentlichkeit interessieren Leser der "Zivilgesellschaft" von Interesse sein.

Diskussion

Um das eingangs angeführte Zitat von Deleuze/Guattari aufzugreifen: der Autor "macht Rhizom". Textfragmente unterschiedlichen Charakters bilden einen "fortwirkenden Wurzelspross". Da finden sich solide aufbereitete und fundierte theologische, philosophische, sozialwissenschaftliche "De-territoritalisierungslinien" ebenso, wie satirisch zugespitzte, "investigativ" publizistische Anteile im Stile eines Günther Wallraff und der Redakteure des "Mondkalbs", der Internetzeitschrift für "das organisierte Gebrechen".

Fazit

Der "Rhizommacher" Rensinghoff sticht, das tut weh, lästig fällt das Vorgelegte an keiner Stelle! Wie schreibt doch Deleuze weiter: "Seid der rosarote Panther und liebt euch wie Wespe und Orchidee, Katze und Pavian."


Rezensent
Prof. Dr. Manfred Jödecke
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Zitiervorschlag
Manfred Jödecke. Rezension vom 06.08.2010 zu: Carsten Rensinghoff: Zu Wahrheit, Erkenntnis, Interesse. Das "Projekt Ruhrlandheim". Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2010. ISBN 978-3-643-10691-9. Reihe: Forum Behindertenpädagogik - 13. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9533.php, Datum des Zugriffs 04.12.2016.


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