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Alina Kirschniok: Circles of Support

Cover Alina Kirschniok: Circles of Support. Eine empirische Netzwerkanalyse. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2010. 200 Seiten. ISBN 978-3-531-17248-4. 29,90 EUR.
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Thema

Die zu besprechende Studie untersucht Circles of Support – das sind Unterstützungsnetzwerke für Menschen mit Behinderung – basierend auf relevanten netzwerkanalytischen Kategorien. Es wir hierbei davon ausgegangen, dass sich Netzwerke bezüglich ihrer Lebenszeit, Qualität und Funktion einem permanenten Wandel unterworfen sind.

Autorin

Alina Kirschniok ist an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln in der Lehre und der Projektevaluation tätig. Als pädagogische Leiterin bei VIANOVA in Reutte ist Kirschniok für Prozessmanagement und Qualitätssicherung zuständig.

Entstehungshintergrund

Bei der vorliegenden Publikation handelt es sich um eine Dissertation, die von der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln angenommen wurde.

Aufbau

Die Arbeit ist sehr schön strukturiert - die Struktur ist geradezu vorbildlich. Nach Abkürzungsverzeichnis, Abbildungsverzeichnis, Tabellenverzeichnis und Wortlegende folgen sechs Kapitel (hier ohne Untergliederungen):

  1. Einleitung
  2. Theoretische und analytische Dimensionen der Netzwerkanalyse
  3. Netzwerke und soziale Unterstützung im Kontext von Behinderung
  4. Erhebungs- und Auswertungsdesign
  5. Analyse der Datensätze II – III und theoretische Reflexion
  6. Abschlussdiskussion

Die Publikation wird durch Literaturverzeichnis und Anhang abgerundet. Weiterhin wird darauf verwiesen, dass im Online PLUS Portal des VS Verlages für Sozialwissenschaften der empirische Datensatz II und III der Studie abrufbar ist.

Unter der URL http://app.gwv-fachverlage.de/ds/resources/w_37_4227.pdf (Download: 04.07.2010] ist der Anhang zur Dissertation „Circles of Support am Dortmunder Beispiel. Eine empirische Netzwerkanalyse“ abrufbar.

Inhalt

In der Einleitung befasst sich die Autorin hauptsächlich mit dem Netzwerk. Das Netzwerk, hier das soziale Netzwerk, ist gewissermaßen die Basis für die Circles of Support. Am Dortmunder Beispiel des Circles of Suppport ist es Kirschnioks Anliegen die systematische Erkenntnis zur Struktur und Funktion der Circles of Support aus der Perspektive aller im Kontext des Circles of Support teilnehmenden Akteure - als da beispielsweise wären die Fokusperson oder die Studierenden – zusammenzutragen. Mit dieser Erkenntnis leistet die Verfasserin einen originären Beitrag zur theoretischen Fundierung des Konzepts des Circle of Support. Als Forschungsmethode widmet sich Kirschniok der qualitativen Inhaltsanalyse.

In Kapitel 2 wird das Begriffsfeld des sozialen Netzwerks betrachtet. In ihrem Fazit kommt Kirschniok zu der Feststellung, „dass soziale Netzwerke einen handlungsorientierten Bezugsrahmen aufweisen, oder anders formuliert: ohne das soziale Tun und Schaffen kein soziales Netzwerk. […] Ein soziales Netzwerk (kann – CR) nur dann als solches bezeichnet werden […], wenn eine definierte Anzahl von Akteuren in sozialer Beziehung zueinander steht“ (S. 27). Bei der Darstellung der Funktion und der Ressourcen sozialer Netzwerke befasst sich die Autorin u. a. mit sechs Ressourcen, welche das soziale Kapital kennzeichnen – und das sind:

  1. Familien- und Gruppenzugehörigkeit
  2. Vertrauen in universalistische Normen
  3. Information
  4. Macht durch strukturelle Autonomie
  5. Selbstorganisation von Kollektiven
  6. Macht durch sozialen Einfluss.

Mit der hierauf folgenden Befassung mit den Dimensionen der Netzwerkanalyse wird herausgestellt, dass mit der Netzwerkanalyse „soziale Strukturen und deren Eigenschaften analysiert werden“ (S. 34) können. Die Historie der Netzwerkanalyse basiert auf der sozialpsychologischen und der anthropologischen Forschungstradition. Sie nimmt ihren Beginn im Jahre 1930.

Das dritte Kapitel nimmt zunächst den Begriff Behinderung im gesellschaftlichen Kontext in den Blick. In Anlehnung an Metzler/Wacker wird Behinderung als Abweichungszustand zur Normalität betrachtet. Behinderung wird gegenwärtig vorwiegend nach dem medizinischen Modell definiert. Die soziale Perspektive der Disability Studies wird hierbei vernachlässigt oder gar nicht wahrgenommen. Nach dem sozialen Modell ist Behinderung das Produkt gesellschaftlicher Strukturen und Prozesse. Ziel der Disability Studies ist „‘die Veränderung sozialer, politischer und kultureller Handlungsweisen.‘ Hier scheint eine bipolare Sichtweise auf Behinderung durch: Die Disability Studies nehmen einerseits Bezug auf Behinderung im individuellen Sinne und weiten gleichzeitig ihren Blick auf Behinderung im gesellschaftlichen Sinne aus“ (S. 41). Für einen Paradigmenwechsel in den Rehabilitationswissenschaften sorgte maßgeblich die aus den Reihen der Behinderten entspringende Selbstbestimmt Leben-Bewegung. Kirschniok befasst sich in 3.1.1 mit dem autistischen Kontnuum. Gleich zu Beginn hält sie fest, dass Menschen mit Autismus im humanwissenschaftlichen und gesellschaftlich sozialen Raum zum behinderten Personenkreis gehören. Dem Thema Selbstbestimmung widmet sich die Autorin mit der Feststellung „dass den als behindert bezeichneten Menschen Mangel, Unfertigkeit und Schädigung unterstellt wird […] (und darüber hinaus (CR)) wird ihnen auch Selbständigkeit und Selbstbestimmung abgesprochen“ (S. 51). Der auf philosophische Diskurse zurückzuführende Begriff der Selbstbestimmung meint Freiheit, gesellschaftliche Teilhabe, Emanzipation, Mündigkeit und Selbständigkeit. Für den behindertenpolitischen und -pädagogischen Diskurs ist zu konstatieren das die Verwirklichung von Selbstbestimmung immer noch begrenzt ist. „Waldschmidt merkt an, dass für die Realisierung von Selbstbestimmung Verwirklichungsbedingungen vorhanden sein müssen. ‚Entsprechend müssen die Individuen, die Autonomie fordern, versuchen, der Selbstbestimmung einen Gehalt zu verleihen, der im Kontext der persönlichen Lebenssituation und als Ergebnis biographischer Erfahrungen einen spezifischen Sinn ergibt.‘“ (S. 53). Für die Selbstbestimmung von Menschen mit autistischem Kontinuum zitiert Kirschniok Heike Frank, eine Frau mit Asperger-Syndrom: „‘Selbstbestimmt leben heißt, offen zu sein für die Bereiche des Lebens, in denen man Hilfe benötigt, und Hilfe annehmen zu können. Selbstbestimmt leben heißt auch, die Bereiche des Lebens, in denen man Stärken hat, kreativ zu gestalten und zur Freude vieler einzusetzen. Für Fachpersonal bedeutet dies, den betroffenen Menschen Spezialist sein zu lassen für sein eigenes Leben und notwendige Hilfestellung immer mit dem Ziel zu leisten, die eigene Hilfe überflüssig zu machen – selbst wenn dieses Ziel nie erreicht werden wird‘“ (S. 55). Am Ende dieses Abschnitts legt Kirschniok ihr Interesse für die Bewältigung der Behinderungsbarrieren dar. Überblicksartig stellt die Verfasserin die unterschiedlichen Zielgruppen hinsichtlich ihrer Netzwerkgröße und ihrer Mobilisierung von sozialer Unterstützung dar, als da beispielsweise wären:

  • das Ergebnis von Windisch/Kniel, welches eine verstärkte Einsamkeit und erhöhte Abhängigkeit bei einem geringeren Netzwerkumfang aufzeigt;
  • das Ergebnis von Niehaus, welches hervorhebt, „dass Angebote zur Stützung des informellen Netzwerkes und sozialpolitische Initiativen zum Ausbau formeller Unterstützung im sozialen Nahraum behinderter Menschen erwünscht sind“ (S. 56);
  • das Ergebnis von Schiller, welches aufzeigt, „dass die Netzwerke von körperbehinderten Menschen größer sind als die der sehbehinderten Personen“ (S. 56).

Gesondert betrachtet Alina Kirschniok dann die sozialen Beziehungen im Kontext von Autismus. In diesem Kontext haben Freundschaften und Beziehungen einen unterschiedlichen Stelenwert.

Kapitel 4 befasst sich mit dem Erhebungs- und Auswertungsdesign. Hier gibt die Autorin die Schritte ihres Forschungsprozesses an:

  1. „Durchsicht des Datensatzes I (Berichte und Protokolle von COS (Circle of Support – CR)-Studierenden)
  2. Erstellung eines Code-Baums zur Systematisierung des Datensatzes I
  3. Literatursichtung und Aufdeckung von Forschungslücken bzw. Forschungsbedarf
  4. Wahl der Erhebungsmethodik: Das problemzentrierte Interview nach Witzel (1982)
  5. Entwicklung des Interviewleitfadens (Datensatz II)
  6. Bestimmung der InterviewpartnerInnen und Durchführung der Interviews
  7. Trnskription der Interviews
  8. Entwurf theoretischer Skizzen zum Stand der Forschung
  9. Entwicklung und Versand der Fragebögen (Datensatz III)
  10. Auswertung der Datensätze II und III unter Berücksichtigung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (1994) und nach netzwerkanalytischen Kriterien
  11. Verfeinerung der theoretischen Kapitel zum Stand der Forschung
  12. Darstellung der Datenanalye und theoretische Reflexion der Ergebnisse (Schritt 11 und 12 im zirkulären Prozess)
  13. Zusammenfassung (Abschlussdiskussion) und Skizzierung der Konsequenzen für Forschung und Praxis“ (S. 62).

Das fünfte Kapitel analysiert die erhobenen Datensätze.

Die kritische Abschlussdiskussion im sechsten Kapitel nimmt insbesondere folgende Aspekte in den Blick:

  • die curricularen Strukturen eines Circles of Support,
  • die Netzwerk- und Akteursstruktur,
  • die innere und äußere Struktur eines Circles of Support,
  • die Einbettung der Circle of Support-Struktur in die gesellschaftlichen Strukturen,
  • die thematische Relevanz des Circles of Support (nach den – von der Autorin gemachten – Dortmunder Erfahrungen, lassen sich vier Schwerpunkte festlegen: „1. Behinderung der Fokusperson, 2. Unterstützung, Spannungsfeld der Unterstützung, 3. Selbst- und Fremdbestimmung und 4. Lernprozesse“ (S. 142)),
  • Akteure mit differenten Motivationsrelevanzen und Interessen,
  • Ziele der Subgruppen,
  • Kulturell differente Akteure,
  • Positionen und Rollen,
  • Informelle Charakteristika und uniplexe Beziehung,
  • Handlungen,
  • Behinderung als soziale Kategorie,
  • Funktion,
  • Ressourcen
  • Vergleich zur englischen Circle of Support-Studie,
  • Grenzen des Circles of Support am Dortmunder Beispiel
  • Netzwerkanalytische Perspektive im Kontext von Behinderung und Konsequenzen für die Forschung,
  • Erforschung der Praxis des Circle of Support,

und

  • Definition von Circle of Support und Abgrenzung.

Ein umfangreiches fünfzehnseitiges Literaturverzeichnis rundet das Werk ab.

Der Anhang besteht aus einem Fragebogen für die Fokusperson, einem Fragebogen für die Studierenden und einem Interviewleitfaden.

Diskussion

Eleganter hätte man m. E. das Auffinden des Datensatzes aufbereiten können. Die Onlinelösung, d. h. der Verweis auf das Online PLUS Portal des VS Verlages empfinde ich als ein sehr kompliziertes Vorgehen.

Irritierend ist die Unterscheidung von Menschen mit Behinderung und Menschen mit Autismus. Nach Ansicht des Rezensenten handelt es sich bei der zuletzt genannten Gruppe doch um einen Teil der Gruppe der Menschen mit Behinderung. Dieser Umstand rührt aber wohl daher, dass es sich hierbei um das „EU-India-Forschungsprojekt ‚Circles of Support for people with disabilities and autism in India an the EU‘“ (S. 63) handelt. Im Projekt selber wird also die Unterscheidung getroffen.

Hoch anzurechnen ist Kirschnioks kritische Bewertung aus der Perspektive der Fokusperson, als da beispielsweise wären:

  1. „Es ist […] zu kritisieren, dass die Reflexionsrunden bisher nur für die Studierenden angeboten werden und die Fokuspersonen keine Reflexionseinheiten erhalten“ (S. 91).
  2. „Insgesamt ist zu kritisieren, dass es keine schriftlichen Berichte zu COS und zum egozentrischen Netzwerk aus Sicht der Fokuspersonen gibt“ (S. 94).

Fazit

Eine sehr lesenswerte Publikation, die einmal mehr verdeutlicht, dass Behinderte selbstbestimmt leben können. Die paternalistische Gewaltausübung in Samthandschuhen, als da wären:

  • „der Anspruch, die wirklichen Interessen der Benachteiligten besser verstehen zu können als diese selbst;
  • der Anspruch moralischer Überlegenheit gegenüber der Gruppe der Benachteiligten und die damit verbundene beanspruchte letzte Entscheidungsgewalt über deren wirkliche Interessen;
  • die emotionale Bekundung der Wohltäterschaft;
  • die Nachahmung von Eltern-Kind-Beziehungen;
  • die Kriminalisierung der Benachteiligten bei Durchbrechen der von den Überlegenen vorgegebenen Grenzen […];
  • die Überprüfung der Würdigkeit, Leistungen oder Zuwendung zu erhalten;
  • die sentimentale Selbstdefinition der vorgeblichen Wohltäter und Wohltäterinnen, wobei Sentimentalität schnell in Terror umzuschlagen vermag, sobald sich ihr Objekt nicht als dankbar erweist“ (Jantzen 2001, 65)

bekommt mit Kirschnioks Arbeit einen weiteren nicht unerheblichen Seitenhieb verpasst.

Literatur

Jantzen, Wolfgang: Unterdrückung in Samthandschuhen – Über paternalistische Gewaltausübung (in) der Behindertenpädagogik. In: Müller, Armin (Hg.): Sonderpädagogik provokant. Luzern 2001, 57-68.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
E-Mail Mailformular


Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension wurde am 26.7.2010 veröffentlicht und am 15.11.2010 um einen Kommentar von Dr. Anke Langner ergänzt.

Kommentar zur Rezension

von Dr. Anke Langner, Universität Köln, Modellkolleg „Bildungswissenschaften“, Schwerpunkt „Inklusion“

Die Rezension von Carsten Rensinghoff zum Buch von Alina Kirschniok kann so meines Erachtens nicht stehen gelassen werden. Der folgende Kommentar stellt weniger eine Bewertung der Arbeit von Kirschniok dar, sondern kritisiert den von Rensinghoff gezogenen Vergleich zwischen der Arbeit von Kirschniok und dem Beitrag von Wolfgang Jantzen „Unterdrückung mit Samthandschuhen“. Kirschniok hat die Arbeit von Jantzen nicht widerlegt und auch nicht infrage gestellt, denn die Arbeit von ihr ist nicht vergleichbar mit dem Beitrag von Jantzen, zum einen was die methodologische Fundierung anbelangt und zum anderen was die herauszustellende Problematik des Artikels betrifft – es geht hier um zwei differente Formen der Behindertenarbeit. Letzteres soll im folgenden genauer betrachtet werden. Kirschniok bezieht sich in ihrem Beitrag auf eine Bewegung, die aus dem anglo-amerikanischen Raum stammt – die selbstbestimmt Lebenbewegung. Dessen AdressatInnen sind vor allem Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen, körperlichen Beeinträchtigungen und/ oder leichten Lernbeeinträchtigungen. Jantzens Beitrag hingegen problematisiert die Behindertenarbeit, dessen AdressatInnen insbesondere Menschen mit geistiger Behinderung und/oder Menschen mit schwersten Beeinträchtigungen sind. Er thematisiert in seinem Aufsatz die strukturellen Gewaltformen in der Behindertenarbeit, die auch durch einen bestehenden Paternalismus der Professionellen genährt werden. Er zeigt, dass vor allem Menschen mit stärkeren Beeinträchtigungen in hohem Maße struktureller Gewalt ausgeliefert sind wie z. B. Isolation, Bevormundung, Infantilisierung u.v.a.m..

Das Konzept des COS, mit dem sich Kirschniok beschäftigt, kann die Gewaltverhältnisse, wenn diese Circel auch für Menschen mit schwerer Behinderung initiiert werden, sicher minimieren und aufdecken aber nicht verhindern, weil Menschen mit Behinderung durch einen COS eine Stimme erhalten und in ihrer Position bestärkt werden. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn die COS keine Übergangshilfen sind, sondern Unterstützungssysteme darstellen, die über viele Jahre bestehen bleiben und die sich nicht aus Professionellen sondern aus „Freunden“ konstituieren.

Der missglückte Vergleich dieser Rezension von Rensinghoff verdeutlich, dass es unbedingt notwendig ist, zu differenzieren, wer die AdressatInnen sind und um welche Form der Unterstützung innerhalb der Behindertenarbeit es sich handelt. Das gilt auch für die Frage danach, ob Behindertenarbeit nur noch in Form einer Selbstbestimmt-Lebenbewegung erfolgen soll. Ohne Frage ist das Bestärken und Unterstützen ein Ziel der Behindertenarbeit, aber über das wie muss diskutiert werden können. So kann eine Praxis von Vereinen, die nach dem Konzept von Selbstbestimmt Leben arbeiten und in ihrer Praxis Behinderung einfach dekonstruieren, nicht für sinnvoll erklärt werden. Hierzu ein kurzes Beispiel: Eine junge Frau mit Trisomie 21, die selbst Kurse für Menschen mit Lernschwierigkeiten für einen Verein anbietet, kann am späten Abend nicht allein nach Hause fahren, da keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr fahren, wendet sie sich mit der Bitte um Unterstützung an den Verein. Er antwortet ihr darauf, dass sie keine Behinderung hätte, daher müsste sie auch den Weg nach Haus allein finden. Das ist nichts anderes als paternalistische Gewalt, es werden Bestimmungen/ Bekundungen getroffen durch die BegleiterInnen, die gekennzeichnet sind durch Wohltäterschaft und dem Besserwissen als der Betroffenen/ die Betroffene.

Dramatisch an der Rezension von Rensinghoff ist, dass diese die immer noch bestehenden Gewaltverhältnissen in der Behindertenarbeit, die Menschen in ihrer Entwicklung extrem behindern, negiert. Auf diesem Wege wird dieser Gewalt nicht die Legitimität entzogen, sondern sie kann sich weiter in der Praxis manifestieren.


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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 15.11.2010 zu: Alina Kirschniok: Circles of Support. Eine empirische Netzwerkanalyse. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2010. ISBN 978-3-531-17248-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9546.php, Datum des Zugriffs 24.07.2016.


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