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Michael Wagner: Aufgaben im Krankenhaus neu aufteilen

Cover Michael Wagner: Aufgaben im Krankenhaus neu aufteilen. Chancen für Pflege, Medizin und Verwaltung. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2009. 130 Seiten. ISBN 978-3-17-020586-4. 19,80 EUR, CH: 34,50 sFr.

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Thema

Die Frage, welche Tätigkeiten im Krankenhaus von welcher Berufsgruppe übernommen werden können und sollen, ist das zentrale Thema des Buches. Der Autor sieht darin sehr viel Sprengstoff für die Pflege und darüber hinaus im Gesundheitswesen.

Autor

Der Autor, Michael Wagner, ist Krankenpfleger, Diplom-Pflegewirt (FH) und arbeitet in der Pflegedienstleitung der Sozialstiftung Bamberg.

Entstehungshintergrund

In einem Vorwort beschreibt Wagner den Hintergrund für die Entstehung des Buches. Im Rahmen seiner Diplomarbeit begleitete Wagner im Jahr 2006 ein Projekt „Tätigkeitsverschiebung im Krankenhaus zwischen dem Pflegedienst, dem ärztlichen Dienst und Assistenzpersonal“ an einem 600-Betten-Haus.

Das Buch wendet sich vor allem an Leitungskräfte im Krankenhaus, die sich mit der Veränderung von Aufgabenzuordnungen beschäftigen.

Aufbau und Inhalt

Nach dem Vorwort und einer kurzen Einleitung werden im 1. Kapitel zunächst organisatorische Grundlagen dargestellt, die für die Thematik relevant sind: Stellenbeschreibung, Weisungsrecht fachlicher wie dienstlicher Art, die Unterscheidung zwischen Delegation und Tätigkeitsverschiebung, Ablauf- und Aufbauorganisation, Stellen, Organigramm. Den Abschluss des Kapitels bildet ein kurzer Abriss des Stationsalltags.

Kapitel 2 ist überschrieben mit „Verlagerung von ärztlichen Tätigkeiten in den Pflegedienst“. Ein Unterkapitel ist der Professionalisierung der Pflege gewidmet. Daran schließt die Darstellung der historischen Entwicklung in der Pflege an, bevor Stellungnahmen und Äußerungen der verschiedenen Interessengruppen zusammengetragen werden. Detailliert vertreten sind:

  • Dr. jur. Gerhard Igl als namhafter Gutachter im sozialen Bereich
  • Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätsklinika Deutschlands e.V. (VPU)
  • Deutsche Krankenhausgesellschaft
  • Pflegerische Berufsverbände (ADS, DBfK, DPR)
  • Ärzte (Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Deutscher Fachärzteverband, Marburger Bund, 111. Deutscher Ärztetag)
  • Betreiber von Kranken- und Pflegeeinrichtungen
  • Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen

Ein zusammenfassender Ausblick schließt das 2. Kapitel ab.

Die derzeitige Rechtslage wird im 3. Kapitel dargestellt. Mit Bezug zu den jeweiligen Gesetzestexten und Berufsordnungen werden die rechtlichen Grundlagen und Voraussetzungen für die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten durch die Pflege beleuchtet, insbesondere die Anordnungs- und Durchführungsverantwortung.

Die „Verschiebung von Tätigkeiten aus dem ärztlichen Dienst zum professionellen Pflegepersonal“ ist Inhalt des 4. Kapitels. Zunächst beschreibt Wagner die heutige Situation in den Krankenhäusern. Es folgt ein Unterkapitel zum Projektaufbau, das allerdings eher eine knappe Darstellung zum Projektmanagement allgemein ist. Das folgende Unterkapitel „Checkliste zur Einführung des Projekts „Tätigkeitsverschiebung im Krankenhaus“ besteht aus einer allgemeinen Auflistung von Projektphasen mit einzelnen Teilschritten, anschließend werden in den weiteren Unterkapiteln die dort benannten Begriffe und Teilschritte abgearbeitet:

  • Ziele setzen
  • Projektinitiierung
  • Projektstart
  • Vorbereitung der Durchführung
  • Durchführung und Controlling
  • Projektabschluss
  • Nachprojektphase

Hierbei handelt es sich um allgemeine Ausführungen, die gelegentlich durch Beispiele (in grauen Kästen) untermauert werden. Das Kapitel schließt mit Schlussfolgerungen zum Projekt.

Im kurzen Kapitel 5 widmet sich Wagner den arztassistierenden Berufen als Alternative zur Tätigkeitsverschiebung zwischen Ärzten und Pflegekräften. In Kapitel 6 zieht Wagner ein Fazit und gibt einen Ausblick, bevor er mit einem Schlusswort, einem persönlichen Appell, sich offen mit der Thematik auseinanderzusetzen und mit den anderen Berufsgruppen im Krankenhaus zu kommunizieren, endet.

Das Literaturverzeichnis ist aufgeteilt in Bibliographie (40 Quellen), Internetadressen (20) sowie sonstige Quellen (2). Bei den beiden sonstigen Quellen handelt es sich offensichtlich um Krankenhaus-interne Unterlagen, die vermutlich im Rahmen des vom Autor begleiteten Projektes entstanden sind; zumindest handelt es sich nicht um vollständige Quellenangaben.

Diskussion

Im Vorwort macht Wagner neugierig auf die Erfahrungen aus dem Projekt. Diese Erwartung wird enttäuscht, denn das reale Projekt wird nicht ausführlich explizit beschrieben. Gelegentliche Hinweise und vermutlich die eingestreuten Beispiele sind auf das Projekt zurück zu führen. Insgesamt ist die Grenzziehung zwischen allgemeinen Aussagen und konkreten Erfahrungen nicht immer klar ersichtlich.

Sehr überzeugend gelingt dem Autor die – aus meiner Sicht dringend notwendige – Abgrenzung zwischen Delegation und Tätigkeitsverschiebung einerseits und die Argumentation, warum in den verwendeten Quellen diese Begriffe häufig synonym verwendet werden. So trägt die Lektüre des Buches dazu bei, die derzeit stattfindende Diskussion in den Krankenhauszeitschriften zum Thema fachlich zu bereichern.

Manche Inhalte, insbesondere der Kapitel 2 und 4, sind zum Teil redundant, wie auch schon die beiden sehr ähnlichen Überschriften vermuten lassen. Das mag den vorinformierten Leser stören, für den Neuling mag es sinnvoll sein. Der Praktiker stört sich vielleicht auch nicht, dass an manchen Stellen ein Beispiel eine Definition oder allgemeine Erläuterung ersetzt.

Das Buch eignet sich als Anleitung und Ermutigung für den Praktiker und darüber hinaus auch für die anwendungsorientierte Lehre an Hochschulen, indem es grundlegende Begriffe der Organisation vermittelt und gleichzeitig im Beispiel verwendet, auch wenn dafür mehr Struktur zu wünschen wäre.

Abkürzungs- und Abbildungsverzeichnis fehlen. Beide wären sinnvoll. Wagner verwendet einerseits selbstverständlich die üblichen Fach-Abkürzungen, erklärt sie aber nicht immer bei der ersten Nennung. Das Abbildungsverzeichnis würde gerade für den Neuling die Auffindbarkeit nützlicher Informationen steigern.

Fazit

Trotz der Unstrukturiertheit und Redundanzen gibt das Buch Praktikern und Lernenden wichtige Impulse in der momentan beginnenden Auseinandersetzung mit dem Thema „Neuordnung von Schnitt- bzw. Nahtstellen“, so dass man es empfehlen kann!


Rezensentin
Prof. Dr. Brigitte Bürkle
Evangelische Hochschule Nürnberg
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Zitiervorschlag
Brigitte Bürkle. Rezension vom 14.07.2010 zu: Michael Wagner: Aufgaben im Krankenhaus neu aufteilen. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2009. 130 Seiten. ISBN 978-3-17-020586-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9659.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.


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