Matthias Jerusalem, Hannelore Weber (Hrsg.): Psychologische Gesundheitsförderung
Matthias Jerusalem, Hannelore Weber (Hrsg.): Psychologische Gesundheitsförderung. Diagnostik und Prävention. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2003. 781 Seiten. ISBN 978-3-8017-1003-3. 59,95 EUR.
Einführung ins Thema
Spätestens mit der Ottawa-Charta der WHO ist die Gesundheitsförderung in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt worden. Sie zielt auf die Darstellung, Einübung und Förderung von generellen, gesundheitserhaltenden Lebens- und Verhaltensweisen. Die Prävention im engeren Sinne wird damit überschritten. Um Förderung der Gesundheit bemühen sich verschiedene Disziplinen (z.B. Public Health, Sozialarbeit, Psychologie, Medizin und Ernährungsberatung).
Die psychologische Gesundheitsförderung basiert auf gesundheitspsychologischen Konzepten. Die Gesundheitspsychologie konzentriert sich, im Unterschied zu Klinischer und Medizinischer Psychologie, auf die primäre Prävention. Ihr geht es um die Erforschung der Entstehungs- und Aufrechterhaltungsbedingungen von Gesundheit, insbesondere der individuellen, verhaltensbezogenen, kognitiven und emotionalen Dimensionen.
In der Psychologie ist die Gesundheitspsychologie noch ein sehr junges Fach. Vor ca. 15 Jahren haben sich in der Bundesrepublik nur einige Protagonisten damit beschäftigt. Mittlerweile hat diese Sparte eine rasante Entwicklung vollzogen, was durch den Reader von Jerusalem und Weber eindrucksvoll demonstriert wird.
Inhaltsübersicht
Das Buch gliedert sich in drei Haupteile:
Der Teil I "Diagnostik gesundheitlicher Ressourcen und Risiken" behandelt sowohl die individuumsbezogene Diagnostik, z.B. gesundheitsbezogener Ziele (B. Renner & H. Weber), subjektiver Theorien von Gesundheit und Krankheit (T. Faltermaier), als auch die Erhebung des sozialen Netzwerkes sowie sozialer Unterstützung (T. Fydrich & G. Sommer).
In Teil II "Methodische Ansätze" werden vielfältige Verfahren beschrieben: Veränderungsmessung und Kausalanalysen (M. Eid), Qualitätssicherung (W. Mittag), Selbstmonitoring (J. Fahrenberg), Public Health-Ansätze (L.R. Schmidt) und sozialepidemiologische Beiträge (P. Kolip & U. Helmert).
Der Teil III "Gesundheitspsychologische Prävention: Ressourcenstärkung und Risikoprophylaxe" bildet den Schwerpunkt des Buches. Dieser Teil ist untergliedert in:
- Prävention von Risikoverhalten: In einzelnen Kapiteln wird auf risikohaftes Verhalten wie Alkoholkonsum (U. Hapke), Medikamentenkonsum (E. Happel), Rauchen (H. Unland & P. Lindinger), Sexualverhalten (A. Pant), Verhalten im Straßenverkehr (V. Linneweber), Sonnenexposition ( M. Eid), Sport und Bewegung (W. Schlicht), Ernährung und Gewichtskontrolle (I. Diedrichsen) sowie Stress (G. Kaluza) eingegangen.
- Prävention in verschiedenen Lebensaltern: Die Spezifika der Prävention werden entsprechend den Lebensphasen aufgezeigt, also nach Kindheit (C.E. Elben & A. Lohaus), Jugend (M. Roth, E. Rudert & H. Petermann), Erwachsenenalter (G. Krampen) und Alter (S. Zank).
- Prävention auf der Ebene von Gruppen und Organisationen: Beginnend mit Kleingruppen wie Paare und Familien (G. Bodenmann & K. Hahlweg), behandelt man die Prävention auch in größeren sozialen Einheiten wie Schulen (M. Jerusalem), Sportvereinen (W. Brehm & R. Sygusch), Betrieben (A. Ducki) und Gemeinden (B. Röhrle).
- Prävention angesichts schwerer Erkrankungen und kritischer Lebensereignisse: Die chronischen Krankheiten Asthma (P. Warschburger), Diabetes Mellitus (N. Herrmanns & C.-W. Kohlmann), koronare Herzerkrankungen (F.A. Muthny & U. Dörner), Neurodermitis (C. Salewski), Tinnitus (F. Gerhards), Krebs (H. Faller) sowie Schmerz (B. Kröner-Herwig) und posttraumatische Belastungsstörungen (A. Maerker) werden erläutert.
- Übergreifende Aspekte gesundheitspsychologischer Prävention: Hier werden die Themen Gesundheitsverhaltensänderung (F.F. Sniehotta & R. Schwarzer), Compliance (F. Petermann), Gesundheitsförderung in der Rehabilitation (J. Bengel& J.E. Herwig), genetische Diagnostik (A. Mehnert & C. Bergelt) sowie Healthismus und Lebensqualität (H. Schröder) dargelegt.
Zielgruppen
Das Buch wendet sich an Praktiker, Lehrende und Studierende, die in den Bereichen Gesundheit, Prävention und Rehabilitation arbeiten.
Fazit
Mit dem vorliegenden Werk erhält der Leser einen fundierten Überblick über die Anwendungsfelder der Gesundheitspsychologie. Es verhilft zu einer innovativen und qualifizierten Gesundheitsförderung, außerdem erspart es einem Interessierten aufwendige Literaturrecherchen und Bibliotheksgänge.
Rezensent
Prof. Dr. Hans-Peter Michels
Dipl.-Psychol.
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Michels. Rezension vom 12.08.2003 zu: Matthias Jerusalem, Hannelore Weber (Hrsg.): Psychologische Gesundheitsförderung. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2003. 781 Seiten. ISBN 978-3-8017-1003-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/968.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.
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