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Andreas Hinz, Ingrid Körner u.a.: Auf dem Weg zur Schule für alle

Cover Andreas Hinz, Ingrid Körner, Ulrich Niehoff: Auf dem Weg zur Schule für alle. Barrieren überwinden - inklusive Pädagogik entwickeln. Lebenshilfe-Verlag (Marburg) 2010. 320 Seiten. ISBN 978-3-88617-316-7. 19,50 EUR.
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Thema und Entstehungshintergrund

Zusammen mit elf weiteren Organisationen hat die Lebenshilfe in Offenbach vom 12. bis 14. November 2009 eine Fachtagung zum Thema inklusive Schulen veranstaltet. „Einige der dort präsentierten Inhalte werden – ergänzt durch weitere fachliche Beiträge – in diesem Buch publiziert“ (S. 9 f.).

Der Nukleus dieser Offenbacher Tagung ist dann schließlich die Offenbacher Erklärung. Letztere fasst die Ergebnisse und Forderungen der 380 Tagungsteilnehmerinnen und –teilnehmer zusammen.

Herausgeberin und Herausgeber

Andreas Hinz ist Professor für Allgemeine Rehabilitationspädagogik und Integrationspädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Ingrid Körner ist kooptiertes Vorstandsmitglied des Bundesvorstandes der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V.

Ulrich Niehoff ist Mitglied der Bundesgeschäftsstelle der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V. Hier widmet er sich schwerpunktmäßig den folgenden Themen:

  • Selbstbestimmung;
  • Inklusion;
  • Gemeinwesenarbeit.

Niehoff ist Ansprechpartner im:

  • Ausschuss Kindheit und Jugend;
  • Rat behinderter Mensch;
  • Beirat Arbeit und Wohnen.

Aufbau

Die zu besprechende Publikation ist nach dem Vorwort in 5 Kapitel aufgeteilt:

Einleitung

  • 1. Valentin Aichele: Das Recht auf inklusive Bildung gemäß Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention: Inhalt und Wirkung
  • 2. Ulrich Niehoff: Diversity-Management – eine hilfreiche Anregung auf dem Weg zu einer inklusiven Schule
  • 3. Theo Klauß: Auf dem Weg zur Schule für Alle

Grundlagen/Theorien

  • 4. Matthias von Saldern: Heterogenität – eine Herausforderung für die Bildung
  • 5. Andreas Hinz: Schlüsselelemente einer inklusiven Pädagogik und einer Schule für Alle
  • 6. Rosa Anna Ferdigg: Eine Schule für alle, wirklich für alle? Traumvorstellung oder Wirklichkeit? Das Schulsystem in Südtirol
  • 7. Andrea Platte: Inklusiver Unterricht – eine didaktische Herausforderung
Positionen
  • 8. Ingrid Körner: Inklusiver Unterricht – (k)eine Frage für die Familie und den Elternverband Lebenshilfe?!
  • 9. Ines Boban, Patricia Netti: Schlüsselelemente schulischer Inklusion im Rückblick einer ehemaligen Schülerin
  • 10. Peter Heyer: Die Grundschule auf ihrem langen Weg zu „Einer Schule für alle“
  • 11. Marianne Demmer: Aus Pisa-Studien lernen: Warum ein inklusives Schulsystem mit den Ergebnissen der internationalen Vergleichsstudien begründet werden kann
  • 12. Sibylle Hausmanns: Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen als Grundlage und Messlatte von Bildungs- und Behindertenpolitik
Und es geht doch! Praxisbeispiele und Erfahrungen
  • 13. Wiltraud Thies: Aus Maulwürfen werden Schmetterlinge. Die Sophie-Scholl-Schule der Lebenshilfe Gießen auf dem Weg zu einer inklusiven Schule
  • 14. Irmtraud Schnell: Die Grundschule Berg Fidel. Inklusive Schulentwicklung im sozialen Brennpunkt – neue Erfahrungen für Studierende der Sonderpädagogik
  • 15. Angelika Fiedler: Die Clara-Grunwald-Schule auf dm Weg zur inklusiven altersgemischten Primarschule
  • 16. Niklas Gidion: Der Beitrag der „Demokratischen Schulen“ zu einem inklusiven Schulsystem
  • 17. Andrea Platte, Barbara Brokamp: Unterstützung inklusiver Schulentwicklung in Nordrhein-Westfalen: Moderation, Qualifizierung und Vernetzung
  • 18. Andreas Hinz, Christine Jesumann: Eine Region macht sich verstärkt auf den inklusiven Weg – der Kreis Schleswig-Flensburg und die Stadt Flensburg
  • 19. Ines Boban, Gero Engeser: Teilmächtiges Denken und Fühlen für eine inklusive Schule. Bilder einer Zukunftsplanung für Orte prinzipieller Richtigkeit
  • 20. Hedwig Matt, Sabine Koller-Hesse: Kinder mit schweren Behinderungen gehören dazu. Gemeinsamer Unterricht an einer Berliner Grundschule – Konzepte und Erfahrungen
  • 21. Michael Schwager, Daniela Pilger: Die IGS Köln-Holweide – eine Schule in Teamstrukturen auf dem Weg zur inklusiven Schule
Herausforderungen
  • 22. Theo Klauß: Qualifizierung von Lehrerinnen und Lehrern für eine Schule für Alle
  • 23. Bruno Achermann, Ivo Grossrieder: Stärkung der Inklusionskraft der allgemeinen Schule
  • 24. Ute Erdsiek-Rave: Ein System unter Druck. Aufgaben für die Politik.

Der Anhang enthält die Offenbacher Erklärung

Inhalt

Mit Bezugnahme auf Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention fordern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Offenbacher Fachtagung ein inklusives Schulsystem. In Anlehnung an Vernor Munoz‘ (2007) Bericht über das Recht auf Bildung wird eine inklusive Schule gefordert. Diese inklusive Schule ist für alle zugänglich und ermöglicht eine umfassende Bildung. Hierbei handelt es sich also um „‚Eine Schule für Alle!‘“ (S. 319).

In einem inklusiven Schulsystem muss sich die allgemeine Schule konsequent auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse aller Schülerinnen und Schüler einstellen. Hierfür muss sie personell und materiell entsprechend ausgestattet sein. „Sie benötigt Lehrpersonen, die dafür ausgebildet sind, Lerngruppen aus unterschiedlichen Schülern (Heterogenität/Diversity) so zu unterrichten, dass alle Kinder und Jugendlichen erfolgreich lernen und zusammenarbeiten können“ (S. 319).

Die Offenbacher Erklärung fordert eine Umkehrung der Anpassungsleistung. Die behinderten Schülerinnen und Schüler sollen sich nicht mehr – wie früher im integrativen System - dem System anpassen, sondern das System soll sich – im inklusiven System – den behinderten Schülern anpassen.

Wie Theresia Degener (2009) auch fordert die Erklärung mit Bezug auf die UN-Behindertenrechtskonvention „eine umgehende Überarbeitung der Schulgesetze in allen Bundesländern und inklusive Bildungs- und Lehrpläne“ (S. 319).

Fazit

Die Publikation lohnt sich für diejenigen, die sich kritisch mit dem hierin Geschriebenen auseinandersetzen. Es sind hier viele Luftschlösser erkennbar, wie im Diskussionsbeitrag erkennbar. Anspruch und Wirklichkeit liegen meilenweit auseinander. Es kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die heute noch Lebenden und von der separierenden Erwerbsarbeit ihren Lebensunterhalt Bestreitenden an dem gegenwärtigen Zustand in der bunten Republik Deutschland nichts ändern werden. Mit Winfried Palmowski kann man da nur sagen: „Wenn es viele neue Ideen gibt und viele alte Kollegen, die dagegen sind, dann muß man warten, bis sie gestorben sind“ (ders. 1996, 135).

Literatur

Degener, Theresia: Welche legislativen Herausforderungen bestehen in Bezug auf die nationale Implementierung der UN-Behindertenrechtskonvention in Buind und Ländern. In: Behindertenrecht o. J.(Heft 2/2009)34-51.

Munoz, Vernor: Umsetzung der Resolution 60/251 der Generalversammlung vom 15. März 2006 „Rat für Menschenrechte.“ Das Recht auf Bildung . Berlin 2007.

Palmowski, Winfried: Der Anstoß des Steines. Systemische Beratungsstrategien im schulischen Kontext. Ein Einführungs- und Lehrbuch. Dortmund ²1996.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 30.07.2010 zu: Andreas Hinz, Ingrid Körner, Ulrich Niehoff: Auf dem Weg zur Schule für alle. Barrieren überwinden - inklusive Pädagogik entwickeln. Lebenshilfe-Verlag (Marburg) 2010. ISBN 978-3-88617-316-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9797.php, Datum des Zugriffs 28.09.2016.


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