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Kathrin Meiners, Gerd E. Schäfer u.a. (Hrsg.): Kinderwelten - Bildungswelten

Cover Kathrin Meiners, Gerd E. Schäfer, Roswitha Staege (Hrsg.): Kinderwelten - Bildungswelten. Unterwegs zur Frühpädagogik. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2010. 208 Seiten. ISBN 978-3-589-24621-2. 21,95 EUR, CH: 39,50 sFr.
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Thema

Das Anliegen dieses Bandes ist, die Welten der Kinder in institutionellen Kontexten der Frühpädagogik aufzuspüren, weshalb dieses Buch vor- und außerschulische Bildungsprozesse aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und an anschaulichen Beispielen verdeutlicht.

Herausgeber und Herausgeberinnen

Kathrin Meiners ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Bewegungserziehung und Bewegungstherapie an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln.

Prof. em. Dr. Gerd E. Schäfer war Professor für Pädagogik der frühen Kindheit, Familie, Jugend der Universität zu Köln.

Dr. Roswitha Staege ist Akademische Rätin am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Osnabrück und forscht und lehrt im Arbeitsbereich Frühkindliche Bildung und Elementarpädagogik.

Aufbau

Der vorliegende Band ist in drei Teile gegliedert, welche mit

  1. Didaktik,
  2. Bildungsorte und -beziehungen sowie
  3. Blickrichtungen auf Kinder

überschrieben sind.

Zum ersten Teil

Der erste Teil umfasst drei lesenswerte Beiträge.

Ludwig Liegle stellt im ersten Beitrag seine Vorstellung einer so genannten Didaktik der indirekten Erziehung vor. Ausgehend von dem Gegensatzpaar direkte versus indirekte Erziehung stellt der Autor Argumente für eine vorrangige Bedeutung von Formen und Dimensionen einer indirekten Erziehung in der Frühpädagogik vor.

In einem zweiten Beitrag thematisiert Ludwig Duncker das methodisch-systematische Lernen im Kindergarten und den damit verbunden Balanceakt. Der Autor greift eine bereits in den 1970er Jahren behandelte Fragestellung auf, die sich bereits damals mit dem Gegensatz von methodisch-systematischen, d.h. vorwiegend angeleitetem Lernen und einem spielerischen, d.h. vorwiegend spontanen Lernen auseinandersetzte. Dabei entwickelt Duncker eine Position des „sowohl als auch“, die er in 8 Thesen begründet.

Abgeschlossen wird dieser Teil mit einem Beitrag von Gerd E. Schäfer zum Thema „Fachfrau für den kindlichen Anfangsgeist“. Ausgehend von dem Konstrukt pädagogische Fachlichkeit als Umwandlung biografisch verinnerlichter Pädagogik fokussiert der Autor auf die Bewusstwerdung von Aspekten internalisierter Alltagspädagogik bei den Fachkräften in der Frühpädagogik.

Zum zweiten Teil

Im zweiten Teil werden fünf Beiträge angeboten, die aus unterschiedlichen Perspektiven sehr zum Mitdenken anregen.

Ursula Stenger beschäftigt sich mit der Krippe als Bildungsort. Die Autorin fokussiert auf die Phase der Eingewöhnung und ihre Bedeutung für Bindung und Bildung.

Daran anschließend problematisiert Ursula Rabe-Kleberg den Begriff der Bildungsgemeinschaft und dem ungeklärten Verhältnis von Erzieherinnen und Eltern. Ausgehend von der Tatsache, dass der Prozess des Aufwachsens von Kindern meistens und mindestens an zwei Orten stattfindet - in der Familie und in Institutionen – beleuchtet sie die aktuellen politischen, fachlichen und wissenschaftlichen Reformdiskurse innerhalb der Frühpädagogik.

Ein dritter Beitrag von Wilfried Datler, Margit Datler und Nina Hover-Reisner zum Alltagserleben von Krippenkindern unter dem Aspekt von Bildung nimmt seinen Ausgangspunkt in dem österreichischen Forschungsprojekt „Wiener Krippenkinder Studie“. Anhand eines konkreten Fallbeispiels wird hier anschaulich aufgezeigt, wie groß der Einfluss auf das Beziehungsgeschehen ist, welches sich zwischen Kind und pädagogischem Personal ereignet.

„Kinder mit Zollstöcken – Versuch einer Annäherung im Alltag eines Kindergartens“ lautet der Titel des vierten Beitrags von Antje Steudel. Am Beispiel von drei kleinen Jungen wird aufgezeigt, wie Alltagsszenen in einem Kindergarten den Ausgangspunkt für Verstehensprozesse werden können, wenn sie mit Hilfe von Videoaufnahmen für eine nachträgliche Bearbeitung „konserviert“ werden können.

Im fünften und letzten Beitrag problematisiert Burghard Müller Aspekte einer außerschulischen Bildung im Grundschulalter. Exemplarisch dient ihm dazu ein Aktivspielplatz mit einem „Kinderbüro“. Sehr einfühlsam zeichnet der Autor kindliche Selbstbildungsprozesse nach, die in einem von Erwachsenen strukturierten Lernraum stattfinden.

Zum dritten Teil

Im dritten Teil finden sich vier Beiträge, welche auf unterschiedliche Weise von Bewegung ausgehen.

Klaus Fischer beginnt mit einem Beitrag, der die Bedeutung von Bewegung für Bildung und Entwicklung zum Thema hat. Der Beitrag ist ein Plädoyer für die Überzeugung, dass Bildung mehr sein muss als nur die kognitive Förderung von kognitiven Wissensbeständen bei Kindern.

Aus einer phänomenologischen Perspektive behandelt Claus Stieve die Anfänge von Bildung. Mit deutlichen Bezügen zu der bei Liegle angeführten indirekten Erziehung favorisiert er ein Konzept der Schaffung von Erfahrungsspielräumen, welches Bildung als Antwortgeschehen begreift.

Der dritte Beitrag vom Andreas Yasin Herrmann und Gerold Scholz beschäftigt sich mit der Fähigkeit von jüngeren Kindern zum „Weltenwechsel“, d.h. zur Fähigkeit des Als-Ob-Spiels. Am Beispiel von zwei Kindern aus einem Kindergarten wird verdeutlicht, wie Kinder es vermögen, gleichzeitig in zwei Welten – der realen und der spielfiktionalen – zu koexistieren.

Im vierten und letzten Beitrag behandelt Johannes Bilstein „Kinder als Helden“. Der Autor beschäftigt sich mit der Imaginationskraft von jüngeren Kindern und der Bedeutung dessen, welche Bedeutung die pädagogischen Kräfte diesen auf inneren Bildern gründenden Verhaltensweisen zusprechen.

Diskussion

Der vorliegende Band ist sehr informativ und behandelt viele wichtige Aspekte von Frühpädagogik. Alle Beiträge weisen ein hohes fachliches Niveau aus. Die am Ende zu findenden umfangreichen Literaturangaben sind für jeden Beitrag einzeln ausgewiesen. Die angeführte Literatur ist auf dem aktuellen Stand und bietet sehr viele Anregungen zur persönlichen Vertiefung. Eine ansprechende Grafik und pointierte Heraushebungen in den einzelnen Texten erleichtern die Beschäftigung mit den Inhalten. Durch die vielen Praxisbezüge in den einzelnen Beiträgen wird die notwendige theoretische Beschäftigung mit den wissenschaftlichen Inhalten gut unterstützt.

Zielgruppen

Zum einen kann dieses Buch Fachkräften bzw. Studierende in sozialen und erzieherischen Berufen empfohlen werden. Darüber hinaus eignet es sich für Menschen, die sich auch ohne professionellen Hintergrund für Fragen der Erziehung jüngerer Kinder interessieren.

Fazit

Es ist ein lesenswertes Buch, welches mit einem durchaus kritischen Grundton aktuelle Fragen von Früherziehung und Bildung aufgreift. Bedingt durch die Breite der Themenstellung werden viele Aspekte angesprochen, die in der Beschäftigung und Diskussion über Fragen der Frühpädagogik hilfreich sein können.


Rezensent
Prof. Dr. Peter Bünder
Fachhochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf. Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 29.12.2010 zu: Kathrin Meiners, Gerd E. Schäfer, Roswitha Staege (Hrsg.): Kinderwelten - Bildungswelten. Unterwegs zur Frühpädagogik. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2010. ISBN 978-3-589-24621-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9826.php, Datum des Zugriffs 05.12.2016.


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