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Rolf Krüger: Kommunale Jugend- und Sozialpolitik

Cover Rolf Krüger: Kommunale Jugend- und Sozialpolitik. Grundlagen, Strukturen und Handlungsmethoden für die Sozialarbeit. Lehmanns Media (Berlin) 2010. 90 Seiten. ISBN 978-3-86541-249-2. 14,00 EUR.

Reihe: Lüneburger Schriften zur Sozialarbeit und zum Sozialmanagement - Band 9.

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Thema

Kommunale Sozialpolitik ist deshalb für die Soziale Arbeit immer bedeutsamer, weil die mit den sozialen Strukturen und Bedingungen des Lebens auch die Probleme zusammenhängen, mit denen Soziale Arbeit konfrontiert ist. Gleichzeitig ist Soziale Arbeit immer auch von den ökonomischen, finanziellen, politischen und sozialen Bedingungen abhängig, unter denen eine Kommune Sozialpolitik versteht und betreibt. Deshalb wird Soziale Arbeit auch immer mehr zur Vermittlungsstelle von sozialpolitischen Anforderungen einerseits und den politischen Gegebenheiten anderseits; sie wird immer mehr zur intermediären Instanz zwischen kommunaler Politik und ihrer Klientel. Dabei wird auch immer deutlicher, dass sich die Einmischungsstrategie Sozialer Arbeit nicht immer nur auf die Gestaltung des Sozialen beziehen kann, sondern auf deren Bedingungen, die außerhalb des Sozialen liegen. Es geht also auch um das politische Mandat der Sozialen Arbeit.

Autor

Rolf Krüger ist Sozialoberamtsrat und lehrender Sozialarbeiter an der Fachhochschule Nordostniedersachsen und an der Universität Lüneburg. Seine Lehrgebiete sind Jugend- und Sozialhilfe, Sozialmanagement und Betreuungsrecht. Außerdem ist er in mehreren Vorständen und Aufsichtsräten freier Träger engagiert.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in zwei große Teile.

  1. Der erste Teil beschäftigt sich vornehmlich mit den theoretischen, strukturellen und politischen Voraussetzungen und Prämissen Sozialer Arbeit.
  2. Im zweiten Teil werden dann Orte, Mittel und Strategien vorgestellt, wo und wie Jugend- und Sozialpolitik auf die Rahmenbedingungen des Lebens in einer Kommune konkret Einfluss nehmen kann.

Inhalt

Das Buch versteht sich selbst als eine Art Anleitung für eine "Umsetzungsstrategie" des politischen Mandats der Sozialen Arbeit in die Praxis. Deshalb beschäftig sich der Autor im ersten Teil mit den Rahmenbedingungen fortgeschrittener Gesellschaften mit kapitalistischer Prägung.

In den ersten beiden Kapiteln versucht der Autor in knappen und damit manchmal auch provokativen und auch missverständlichen Argumenten, die von Marx scharfsinnig diagnostizierten Widersprüche zwischen Arbeit und Kapital auf die heutige Zeit zu übertragen. Damit kann auch Sozialpolitik in ihrer Funktion nur betrachtet werden, als ein Instrument der herrschenden Klasse zur Aufrechterhaltung einer bestimmten gesellschaftlichen Ordnung. Der Lehrende weiß, wie viele Zwischenschritte der Argumentation notwendig sind, um diese Überlegungen in der Ausbildung von Sozialarbeitern überzeugend zu vermitteln.

Es folgen dann zwei Kapitel, die sich mit der Verwaltungsorganisation und den kommunalrechtlichen Voraussetzungen kommunaler Jugend- und Sozialpolitik beschäftigen (Gemeindeordnung, SGB XII, SGB VIII etc.).

Im darauf folgenden Kapitel über Ziele, Felder und Akteure kommunaler Sozialpolitik geht es weniger um die Ziele selbst als um Fragen, wie man zu Zielen kommt. Der "Operationalisierungsprozess" von der in den ersten beiden Kapiteln vorgetragenen gesellschaftlichen Gesamtanalyse eines kapitalistisch verfassten Systems mit der ihm eigenen Logik sozialpolitischen Handelns zu den konkreten Zielen wird reduziert auf die praktischen Möglichkeiten der Akteure und der Prozesse im Rahmen der gegebenen Strukturen. Zum Teil sind es auch Dinge, die einer guten Gemeinwesenarbeit oder dem Quartiersmanagement im Rahmen des Programms der "Sozialen Stadt" durchaus auch vertraut sind. Auch das Kapitel über das vom Autor selbst entwickelte Planspiel geht über gutes handwerkliches Gestalten nicht hinaus.

Warum ausgerechnet Kinderfreundlichkeit als besonderes Thema herausgegriffen wird, mag daran liegen, dass sich die allermeisten Kommunen so genannten "Kinderfreundlichkeitsprüfungen" unterziehen; eine inhaltliche Begründung für die Auswahl erfolgt eigentlich nicht.

Diskussion

Das gesamte Buch ist eine gut aufgebaute Anleitung zum praktischen Handeln. Die grundsätzlichen Gedanken der Kapitel am Anfang werden eigentlich nicht mehr aufgegriffen. Sie stehen als Debattenbeiträge für sich gesondert. Die folgenden Kapitel folgen einer immanenten Logik gesellschaftlicher Erwartungen und bürokratischen Handelns und sind in der letzten Konsequenz keine Auseinandersetzung mit dem politischen Mandat der Sozialen Arbeit. Sie sind nämlich auch keine Auseinandersetzung mit einer Sozialpolitik, wie sie in kapitalistischen Gesellschaften nur verstanden werden kann: "Der Einbau des Gegenprinzips in den Bau der Kapitalherrschaft und Sachgüterordnung; es ist die Verwirklichung der sozialen Idee im Kapitalismus gegen den Kapitalismus" (E. Heimann, Soziale Theorie des Kapitalismus - Theorie der Sozialpolitik, Tübingen 1923/1980, S. 167).

Da wird das Buch dem Anspruch seiner ersten beiden Kapitel auch nicht gerecht. Eine ausführlichere und differenziertere Betrachtung dieser von Heimann angesprochenen Dialektik hätte dem Buch und seinem Anspruch gut getan, zumal die Debatte um die sozialpolitische Funktion Sozialer Arbeit und das politische Mandat für die Soziale Arbeit angesichts der sich entwickelnden sozialen Probleme immer wichtiger wird.

Fazit

Wer sich auf die Praxis vorbereiten will, vor allem auf die Praxis im Jugendamt oder beim freien Träger, der findet hier gewiss eine ganze Reihe guter Anleitungen und Anregungen für die Praxis und sicher auch so manchen Trost, wenn Praxis nicht immer gelingt!


Rezensent
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor für Soziologie mit den Schwerpunkten Soziale Probleme, Kommunale Sozialpolitik, Stadtsoziologie, insbesondere Soziale Probleme der Stadtentwicklung, Segregationsprozesse, Stadtumbau
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 26.07.2010 zu: Rolf Krüger: Kommunale Jugend- und Sozialpolitik. Lehmanns Media (Berlin) 2010. 90 Seiten. ISBN 978-3-86541-249-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/9848.php, Datum des Zugriffs 07.02.2012.


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