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Auch gemeinnützige Organisationen dürfen sozial sein

28.06.2014    Christian Koch

In den letzten Jahren hat sich Corporate Social Responsibility (CSR) langsam vom Modethema zum Standard entwickelt. Aufgekommen ist die Diskussion im Zusammenhang mit internationalen Konzernen, deren teilweise rücksichtsloses bis kriminelles Auftreten - von der Urwaldzerstörung bis zur mutmaßlichen Ermordung von Gewerkschaftern - für Empörung gesorgt hat.

Ausgehend von der Frage nach ethischem Verhalten von Unternehmen wurden zunehmend konkretere Anforderungen entwickelt. Relevante Aspekte sind z.B.

  • verantwortungsvolle Organisationsführung: gute Corporate Governance, Einbeziehung von Anspruchsgruppen, ...
  • Wahrung der Menschenrechte: besonderer Umgang mit schutzwürdigen Gruppen, AGG/Vermeidung von Diskriminierung, auch bei Lieferanten
  • gerechte Arbeitsbedingungen: Mitarbeiterbeziehungen, Arbeitsplatz, Mitarbeitervertretung, auch bei Outsourcing
  • Umweltschutz: nachhaltige Produktion, Ressourcenverbrauch, Umweltbelastung, Klima
  • faire Geschäftspraktiken: Korruption, fairer Wettbewerb, angemessenes politisches Handeln, fairer Handel
  • Verbraucherschutz: Bedarfsorientierung, Schutz und Gesundheit, Kommunikationspolitik, Kulanz
  • Engagement für die Gemeinschaft: Unterstützung öffentlicher Anliegen, Auswirkungen der Arbeit auf die Gemeinschaft.

Inzwischen haben sich allgemeine und spezielle Standards für diesen Themenkomplex entwickelt. So wurde z.B. in Deutschland 2011 die DIN ISO 26000 als Leitfaden für angemessenes Unternehmenshandeln veröffentlich. Weitere Standards sind u.a. UN Global Compact (Vereinbarung sozialer und ökologischer Standards zwischen UN und multinationalen Unternehmen), Richtlinien der ILO (Arbeitnehmerrechte) und Verfahren der GRI (Nachhaltigkeitsberichte).

Die Motive hinter CSR-Aktivitäten sind ebenso vielfältig wie die Formen. Mit CSR werden insbesondere folgende Ziele verfolgt:

  • Erfüllung externe Forderungen, Verbesserung Rating: Existenzsicherung
  • Umsetzung Unternehmenswerte/Leitbild
  • Public Relation: das Image verbessern
  • Absatzförderung: Kunden kaufen CSR
  • Personalentwicklung z.B. durch Corporate Volunteering (Einsatz der Mitarbeiter in sozialen Projekten mit Unterstützung des Unternehmens)
  • Umfeld verbessern: Absatzmarkt, Arbeitsmarkt, Zuliefermarkt, z.B. Attraktivität als Arbeitgeber stärken
  • Selbstverwirklichung von Management und MitarbeiterInnen.

Bisher sehen sich gemeinnützige Organisationen in erster Linie als "Adressaten" von CSR-Aktivitäten steuerpflichtiger Unternehmen: Sie möchten Geld-, Sach- und Arbeitsleistungen in Anspruch nehmen. Die Rolle als sozial verantwortliches Unternehmen wird oft als per se erfüllt angesehen, weil soziale Dienstleistungen erbracht werden, das Unternehmen als Ganzes sozial ausgerichtet ist und ggf. Arbeitnehmerinteressen in besonderer Weise gewahrt werden (Dritter Weg, am öffentlichen Dienst orientierte Tarifregelungen, Mitarbeiterpartizipation bei der Unternehmenssteuerung als Mitglieder oder im Aufsichtsorgan).

Dabei lassen sich auch an eine gemeinnützige Organisation weitere Erwartungen formulieren. Diese könnten z.B. sein

  • Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit, z.B. im Sinne der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (siehe Newsletter September 2013)
  • bevorzugte Vergabe von Aufträgen an Werkstätten für behinderte Menschen, z.B. über das Portal Werkstaetten-im-Netz.de
  • ökologische bzw. nachhaltige Beschaffung
  • Unterstützung sozialer Projekte vor Ort mit Know-how, durch Bereitstellung von Infrastruktur und in Kooperationen.

Für das Beschaffungswesen gibt eine ganze Reihe von Hilfen. Label-Online liefert einen guten Überblick über die zahlreichen, sehr unterschiedlich aussagefähigen Siegel, mit denen Produkte ausgezeichnet sein können. Der VCD bietet eine Beratung für kleine und mittlere Unternehmen für ökologische Mobilitätslösungen und einen Leitfaden für Geschäftsreisen. Ökologische Produktbewertungen für eine Vielzahl von Produktgruppen bietet das Öko-Institut auf dem Portal EcoTopTen.

Vorsicht: Leider setzt das deutsche Steuerreicht gemeinnützigen Organisationen auch Grenzen für das gesellschaftliche Engagement. Sofern Aktivitäten verfolgt werden, die nicht durch die Satzung abgedeckt sind, sind diese nicht mehr steuerbegünstigt, auch wenn sie in der Abgabenordnung grundsätzlich zu den gemeinnützigen Zwecken gezählt werden. So kann z.B. eine Kindertagesstätte ökologisch orientiert ihren Bedarf einkaufen oder zum Zweck der Umweltbildung mit einer Naturschutzorganisation zusammenarbeiten, aber nicht ohne Verbindung zum Erziehungsauftrag eine Naturschutzorganisation unmittelbar unterstützen.

Auch gemeinnützige Organisationen können und sollten über den eigentlichen Auftrag hinaus sozial verantwortlich handeln. Der zusätzliche Aufwand muss dabei nicht besonders hoch sein. Vielleicht überdenken Sie einmal Ihre Beschaffungspolitik und finden weitere Möglichkeiten sozailen Handelns für Ihre Organisation.

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