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Call for Papers: „Mein Konzept gehört nur mir!“

12.10.2021    Gesine Köster-Ries

Inhalt
  1. Die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit…
  2. Kooperation oder Konkurrenz?
  3. „Never change a running system“ – oder aber doch?
  4. Fachkonzepte teilen!

Wer nach Konzeptionen von Einrichtungen und Projekten in der Sozialwirtschaft fragt, begibt sich schnell in heikles Fahrwasser – klar, Vernetzung ist wichtig, aber gehört so ein bisschen Betriebsgeheimnis nicht auch zum Arbeitgeber:innenmarketing?

Und doch ist das Thema Konkurrenz im Sozialbereich – wenn überhaupt – eher unterm Teppich zu finden. Projekte, Institutionen, Träger, sie alle leben neben ihrem Erfolg (ermittelt auf Basis von sinnvollen, aber im Kontext von der Arbeit mit Menschen auch schwer erstellbaren Wirksamkeitsmessungen) auch von ihren Alleinstellungsmerkmalen. Und davon, für wie relevant ihre Rolle im Angesicht aktueller sozialer Themen erachtet wird. Dabei gibt es von Zeit zu Zeit mehr und weniger populäre Arbeitsbereiche.

Die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit…

… ist ein Thema, das von vielen Beteiligten vor allem Kritik erntet. Gab es je einen Zeitpunkt an dem die Fördergelder als angemessen betrachtet wurden? Und doch muss man eingestehen, dass mit der „Effektivierung der sozialen Arbeit“ auch einige Verbesserungen einhergehen: Zum Beispiel hat das Angebot im Bereich der Jugendhilfe durch die Auslagerung von Jugendämtern an freie Träger deutlich an Vielfalt gewonnen. Der Dienstleistungscharakter bringt mit Qualitätsmanagement auch Evaluation, Supervision und Weiterentwicklungen mit sich.

Und dennoch entsteht da wirtschaftlicher Druck auf Soziale Arbeit, deren vordergründiger Zweck doch die Lösung gesellschaftlicher Probleme sein sollte.

Die Adressat*innen greifen meist eh nur auf das zurück, was vom Kostenträger genehmigt wird. Diese geben Preise für angebotene Dienstleistungen vor, öffentliche Gelder sind knapp bemessen und bei der Vergabe stehen soziale Organisationen dann in Konkurrenz zueinander. Von einem freien Markt kann da keine Rede sein, die Organisationen stehen in einer Abhängigkeit, die einer Sparpolitik unterliegt. Wie lässt sich unter diesen Umständen mehr erreichen, als den Status Quo aufrecht zu erhalten?

Kooperation oder Konkurrenz?

Gleichzeitig sind Vernetzungsfähigkeiten zentraler Bestandteil von vielen sozialen Arbeitsbereichen. Nicht nur für die Erfolge kleiner Projekte oder Institutionen alleinstehender Vereine, auch für bundesweit agierende große Träger, die sich mit anderen gemeinsam für sozialpolitische Veränderungen einsetzen. Wer sich Stellenangebote im Bereich Soziale Arbeit/Sozialpädagogik anschaut stellt schnell fest, dass die Kooperation mit anderen Ansprechpersonen oder trägerinterne sowie externe Gremienarbeit häufig als Teil des Stellenprofils erwartet werden.

In den Arbeitskreisen einer mittleren Großstadt z.B. kennt man einander je nach Fluktuationsrate in verschiedenen Themenbereichen nach einer Weile doch ganz gut. Es wird untereinander weitervermittelt, politisch repräsentiert, es werden gemeinsame Aktionen gestartet, es gibt Austausch über Entwicklungen in verschiedenen Bereichen. Dies ist auch mit Blick auf gedeckelte Mittel eine der größten Ressourcen sozialer Organisationen. Und die sollten wir nutzen, auch zum Zweck von deren Existenzsicherung.

„Never change a running system“ – oder aber doch?

Spätestens seit dem Einzug systemischer Denk- und Arbeitsweisen in die Soziale Arbeit sollte klar sein, dass dysfunktionale Muster im positivsten Sinne gestört werden dürfen. Wandel in der Gesellschaft braucht auch anpassungsfähige soziale Arbeit – wer, wenn nicht diejenigen, die sich Vernetzung auf die Fahnen schreiben können da vorangehen? Es geht darum, eine gute Balance zu finden: Grenzen zwischen Organisationen sollten weiterhin klar gezogen werden. Spezialisierungen und Alleinstellungsmerkmale sind sinnvoll zu erhalten. Doch sie sollten durchlässig bleiben. Wir können darauf achten, dass die Konkurrenz um finanzielle Mittel nicht auf Kosten der Adressat:innen Sozialer Arbeit geht.

Fachkonzepte teilen!

Wir möchten in einer neuen Rubrik auf Sozial.de einen überregionalen Austausch über neue oder bewährte und bestenfalls evaluierte Fachkonzepte für soziale Projekte eröffnen:

Über gut funktionierende innovative Ansätze, die bestehende Probleme lösen oder Bedarfslücken schließen – und damit anderen Organisationen Vorbild sein können. Oder auch Inspiration für Weiterentwicklung, Neugründungen, Kooperationen liefern.

Einige Beispiele dafür sind bereits in unter Praxis & Projekte zu finden.

Wo setzt Ihre Organisation an und was können andere davon lernen? Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen unter dem Stichwort Fachkonzept an redaktion@sozial.de.

Autorin
Gesine Köster-Ries
Chefredaktion Sozial.de