Intermediäre - Mehr Kosten oder mehr Nutzen?
26.09.2019 Christian Koch
Intermediäre, oder Vermittler, schalten sich zwischen zwei Parteien, z.B. der Versicherungsmakler zwischen Versicherungsgesellschaften und Versicherungsnehmer, die Bank zwischen Geldanlegern und Kreditnehmern oder der Lebensmittelhändler zwischen Hersteller und Kunden. Dabei erwirbt der (echte) Vermittler keine eigenen Rechte, sondern führt Anbieter und Nachfrager nur zusammen. Bank und Lebensmittelhändler erwerben und veräußern Ansprüche oder Waren auf eigene Rechnung.
Mit dem modischen Begriff "Plattformökonomie" wird der Eindruck erweckt, als würde im Internet etwas völlig Neues entstehen, dabei handelt es sich letztlich nur um Vermittler, die das Internet als Kommunikationsweg nutzen.
In der Praxis können Handel (auf eigene Rechnung) und Vermittlung (auf fremde Rechnung) gleichzeitig angeboten werden. So ist Amazon auf einer Plattform gleichermaßen Händler und im Amazon Marketplace Vermittler.
Händler können Nachfrage bündeln und damit günstigere Einkaufskonditionen erzielen, die sie ggf. teilweise an die Kunden weitergeben. Vermittler können Markttransparenz schaffen und ggf. zusätzlich Nachfragemacht bündeln, z.B. Hotelbuchungsplattformen, die von Hotels verlangen, dass sie ihr jeweils günstigstes Angebot einstellen.
Dagegen stehen Provisionen der Vermittler. Sie können dazu führen, dass der Vermittler kein Interesse hat, das günstigste Angebot an erster Stelle zu platzieren, sondern das Angebot mit der höchsten Provision. Letztlich zahlt der Kunde immer die Provision, sei es als offen ausgewiesene Gebühr oder als Preisaufschlag der Anbieter.
Vermittlungsangebote sind häufig mit Leistungen für Anbieter und Abnehmer verbunden. Dies können z.B. Garantien (Käuferschutz, Händlerschutz), Treuhandfunktion, Vermarktung der Angebote, übersichtliche Präsentation und Zusatzinformationen sein. Ggf. kommen logistische Leistungen und Abrechnung hinzu.
Zunächst einmal ist jeder Vermittler "ein Glied mehr in der Kette" der Handelsbeziehungen und verursacht Mehrkosten. Auch kommt damit ein weiterer Akteur mit Eigeninteressen hinzu, der insbesondere Lieferanten und Abnehmer möglichst exklusiv an sich binden möchte.
Durch die Zusammenführung verschiedener Anbieter und möglichst vieler Abnehmer kann er Verwaltungsprozesse rationell gestalten, (partielle) Markttransparenz schaffen, eine höhere Marktbekanntheit als die Einzelangebote erzielen und möglichst günstige Zusatzleistungen in das Angebot integrieren. Die daraus resultierenden Kostenvorteile müssen die Mehrkosten kompensieren, damit nach einer Aufteilung der Margen für Anbieter, Vermittler und Abnehmer jeweils ein Vorteil bleibt.
Bei Online-Intermediären ("Plattformen") fallen fast nur Fixkosten (Softwareentwicklung, Marketing) an, so dass erhebliche Größenvorteile entstehen. Während ein klassischer Versicherungsmakler für die Verdopplung des Umsatzes doppelt so viele Versicherungsmakler beschäftigen musste, genügt bei einer Online-Vergleichsplattform überspitzt formuliert eine geringfügige Aufrüstung des Webservers.
Daher tendieren Online-Plattformen zur Monopolisierung oder zumindest Oligopolisierung (wenige markbeherrschende Anbieter), da die jeweils größten Anbieter deutlich vorteilhaftere Kostenstrukturen haben.
Auch im Sozial- und Gesundheitswesen sind mittlerweise in verschiedensten Feldern Intermediäre mit Online-Angeboten tätig, z.B.
- Spendenportal www.betterplace.org
- Kampagnen und Petitionen www.campact.de
- Vermittlung von Finanzierungen www.sozialfinanz.de
- Shop für Produkte aus Werkstätten für behinderte Menschen www.entia.de
- Vermittlung von Sachspenden www.innatura.org.
Bei der Nutzung von Plattformen gilt wie bei allen anderen Angeboten auch: Konditionen prüfen und vergleichen. Bei langfristiger Orientierung am Kundennutzen können Plattformen für Anbieter und Nachfrager Vorteile bieten.
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