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Social Distancing © congerdesign Pixabay

Jede Krise birgt auch eine …

24.05.2020    Christian Koch

Inhalt
  1. Kurzer Rückblick auf die letzten zwei Monate
  2. Chancen
  3. Strategie

Gefahr für das strategische Denken und Handeln. Denn allzu leicht gerät die langfristige Perspektive aus dem Fokus, wenn das Tagesgeschäft als besonders herausfordernd empfunden wird.

Kurzer Rückblick auf die letzten zwei Monate

Vor zwei Monaten hatte ich im socialnet Newsletter angeregt, sich konkrete Gedanken über die Organisations- und Angebotsformen der nächsten Monate zu machen. Mittlerweile ist die Diskussion über die Öffnung von Kindertagesstätten, Bildungseinrichtungen etc. in der Öffentlichkeit angekommen.

Wünschenswert sind hier starke Fachverbände, die sich mit fundierten Positionen und ausgereiften Schutzkonzepten offensiv in die Öffentlichkeit begeben. Sie könnten bundesweite Standards als Alternative zum föderalistischen Flickenteppich und dem Profilierungsstreben einzelner Politiker anbieten. Dabei ist Politik mit der Entscheidung, Maßnahmenkataloge am lokalen Infektionsgeschehen auszurichten, grundsätzlich auf dem richtigen Weg.

In der Regel bestehen für sozialwirtschaftliche Betriebe trotz hoher Unsicherheit keine existenzbedrohenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dem Sozial- und Gesundheitswesen geht es damit besser als vielen anderen Branchen vom Einzelhandel (außer Lebensmittel) über Automobilindustrie (und andere von internationalen Lieferketten abhängigen Branchen) bis zum Hotel- und Gaststättengewerbe.

Die Arbeitsabläufe der "BüroarbeiterInnen" haben sich in den meisten Fällen erstaunlich reibungslos an unterschiedlich hohe Homeofficequoten in den einzelnen Organisationen angepasst.

Chancen

Homeoffice spart Fahrzeiten, kann leichter an individuelle Lebensumstände angepasst werden und ermöglicht ggf. konzentrierteres Arbeiten. Andererseits sind bei kleinen Kindern im Haushalt die Ablenkungen größer, trotz der individuellen Freiheiten wird die Arbeit häufig als stressiger empfunden, die Anforderungen an die Selbstdisziplin sind hoch und die sozialen Kontakte leiden.

Onlinemeetings sparen noch mehr Fahrzeiten - oft auch über längere Strecken, können kurzfristig und auch für kurze Treffen genutzt werden, sind sehr preiswert und werden bei guter Moderation sehr effizient genutzt. Dagegen sprechen Datenschutzaspekte (Wo steht der Server? Wer kann und darf das Treffen aufzeichnen? ...), die elektronisch vermittelte Zuwendung ist kein vollwertiger Ersatz, auch Computer verbrauchen erhebliche Umweltressourcen und informelle Anteile (das Gespräch beim Mittagessen oder der Zigarette vor der Tür) lassen sich nur eingeschränkt abbilden.

In einer Befragung zu den Folgen der neuen Arbeitsmodelle wurde auch genannt, dass dezentraler Entschieden werden darf, mehr Verantwortung übernommen wird, mehr Neues ausprobiert werden kann.

Es ist gut möglich, dass künftig viele Organisationen etwas "virtueller" werden, also Homeoffice, Onlinemeetings und cloudbasierte Tools vermehrt nutzen, und sich die Unternehmenskultur zu mehr Offenheit und gegenseitiger Rücksichtnahme weiterentwickelt.

Strategie

Jede Krise lenkt den Blick auf die akute Bedrohung: z.B. Zahlungsausfälle, Erkrankung von MitarbeiterInnen und Gefährdung von KlientInnen. Nachdem die Phase der unmittelbaren Gefahrenabwehr weitgehend hinter uns liegen sollte und auch Pläne für den Aufbau eines angepassten Regelbetriebs zumindest soweit vorbereitet sind, dass auf politische Entscheidungen schnell reagiert werden kann, sollte jetzt auch die strategische Entwicklung wieder mehr in den Blick geraten.

Beispiel Fachkräftemangel: In den letzten beiden Monaten ist die Zahl der Stellenanzeigen bei socialnet deutlich zurückgegangen. Wer ErzieherInnen nach Hause schickt, wird freie Stellen nicht mit Hochdruck besetzen. Aber auch die Coronapandemie wird an der demographischen Entwicklung und dem daraus resultierenden Fachkräftemangel, insbesondere in der Pflege und bei ErzieherInnen, nichts ändern. Daher sollten Konzepte zur Personalentwicklung, zur Stärkung der Arbeitgebermarke und zur Personalgewinnung auch in der Krisenzeit konsequent weiterentwickelt und umgesetzt werden.

Beispiel Konzeptentwicklung: In den nächsten (bis zu zwölf) Monaten werden alle Beschränkungen voraussichtlich wieder aufgehoben werden. Sofern jetzt Einrichtungen geschlossen oder Angebote eingeschränkt sind, sollten Ressourcen für die Weiterentwicklung bestehender und die Entwicklung neuer Konzepte genutzt werden.

Beispiel Nachfolgeplanung: Die Krise kann dazu führen, dass Management versucht, "die Zügel fest in der Hand zu halten". Oder sie kann genutzt werden, um Verantwortung für einzelne Bereiche abzugeben und die Krisenbewältigung auf mehrere Schultern zu verteilen. Aus dem erweiterten Leitungsteam ergibt sich vielleicht bisher nicht gesehenes Nachfolgepotential.

Wechseln Sie frühzeitig aus dem Krisenmodus wieder in eine weiter vorausschauende Arbeitsweise. Klären Sie mit Ihren KollegInnen:

  • Wo haben wir gute Erfahrungen in den letzten Monaten gemacht? Was können wir davon für die Zukunft "sichern"?
    Beispiel: Das maximal 15minütige Montag-Morgen-Briefing mit den Einrichtungsleitungen im Videochat?
  • Wo haben wir die strategische Arbeit aus den Augen verloren? Müssen wir unsere strategische Planung und unsere Konzepte anpassen, weil sich Bedarfe, Methoden oder Risikoeinschätzungen grundsätzlich geändert haben?
    Beispiel: Hat sich bei bestimmten KlientInnengruppen die Technikakzeptanz in der Pandemie so erhöht, dass wir virtuelle Angebote wie Ambient Assisted Living künftig stärker forcieren sollten?

Ich wünsche Ihnen weiterhin gute Gesundheit und weitsichtige Entscheidungen.

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