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Sind Sie präsent als Arbeitgeber?

24.11.2014    Christian Koch

Da ist immer von Fachkräftemangel die Rede, aber selbst die einfachsten Instrumente des Arbeitgebermarketings werden nicht oder nur halbherzig genutzt.

Wo suchen heute (junge) Fachkräfte nach Jobs? Sicher nicht mehr in der regionalen Tageszeitung, sondern im Internet. Da jedes soziale Unternehmen mittlerweile über eine eigene Webseite verfügt, sollte dort auf der Startseite ein Menüpunkt unmissverständlich potentielle MitarbeiterInnen ansprechen. Dieses kostengünstige Kommunikationsinstrument wird noch erstaunlich wenig genutzt. Eine (sehr kleine) Stichprobe unter großen sozialen Trägern ergab ein ernüchterndes Bild. Nur der gewerbliche Anbieter bot an prominenter Stelle den unmissverständlichen Link "Karriere" an. Hier hat schon der Link selbst einen werbenden Charakter. Und unter dem Menüpunkt werden fast alle wichtigen Punkte aufgeführt, u.a.:

  • X als Arbeitgeber
  • Leitbild Personalarbeit
  • Aus-, Fort- und Weiterbildung
  • Laufbahnberatung
  • aktuelle Stellenausschreibungen
  • Job-Newsletter
  • Hinweise für Initiativbewerbungen
  • Weiterbildungsbefugnisse.

Der nächste Träger bot unter "Stellenangebote" neben einer Liste von offenen Stellen noch Hinweise auf Ausbildungsangebote, die unter der Rubrik weniger zu erwarten gewesen wären. Ein weiterer Träger bietet unter "Jobs" zumindest Hinweise zum Tarif, Gesundheitsmanagement und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auf der nächsten Homepage wird die "Stellenbörse" unter dem Menüpunkt "Presse & Infos" versteckt. Bei den Informationen über den Verband steht ein "Statistikflyer 2010" zur Verfügung - Jahr 2014 gewiss kein Aushängeschild mehr. Im letzten Beispiel gestaltet sich der Menüpunkt "Jobs" zwar recht schlicht, bietet aber Links zu wesentlichen Anlaufstellen: freie Stellen, Formular für Initiativbewerbungen, Link zur gesonderten Personalentwicklungsseite und einen Personalbericht.

Wird Ihre Website sinnvoll genutzt, um Sie als interessanter Arbeitgeber erscheinen zu lassen? Nutzen Sie für einen ersten Eindruck die folgenden Fragen:

  1. Gibt es an prominenter Stelle auf der Startseite einen Menüpunkt, der potentielle MitarbeiterInnen unmissverständlich und möglichst positiv anspricht, z.B. "Mitarbeit", "(X als) Arbeitgeber" oder "Karriere"?
  2. Werden die wesentlichen Tätigkeitsfelder und Berufsgruppen angesprochen?
  3. Wird Ihre Arbeitgebermarke vermittelt? Dazu müssen Sie natürlich eine Arbeitgebermarke haben, d.h. über ein spezifisches Bündel an Eigenschaften verfügen, dass für Ihre potentiellen ArbeitnehmerInnen interessant ist. Dies könnten z.B. ein besonderes Arbeitsklima, Unterstützung in besonderen Lebenssituationen (Kinder, Pflegefälle in der Familie, Behinderung, Ortswechsel), überdurchschnittliche Bezahlung, besonders qualifizierte Fort- und Weiterbildungsangebote, Karriereoptionen, Auslandsaufenthalte etc. sein.
  4. ArbeitnehmerInnen interessieren sich im Zweifelsfall nicht für irgendwelche Programme und Zertifizierungen, z.B. Erfolgsfaktor Familie (BMFSFJ) oder berufundfamilie (Hertie-Stiftung), sondern konkrete Unterstützungsangebote. So bietet einer der untersuchten Träger auf seiner Seite detaillierte Informationen zu seinen Angeboten: Regelbetreuung für Kleinkinder, kurzfristige Kinderbetreuung, Kinderferienprogramm und in Einzelfällen eine steuerfreie Zuwendung zu Kinderbetreuungskosten.
  5. Auch allgemeine Floskeln über den tollen Führungsstil, Aufstiegsmöglichkeiten und das super Betriebsklima kann man sich sparen. Stattdessen bietet sich eine emotionale Ansprache an, die über Gesichter und Geschichten erfolgt. Dies könnten z.B. Testimonials von einzelnen Azubis und MitarbeiterInnen sein, eine Fotoreportage über ein von MitarbeiterInnen initiiertes Projekt, kurze Meldungen von betrieblichen Erfolgen und Veranstaltungen, bei denen die MitarbeiterInnen im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen.
  6. Natürlich dürfen auch die Basics nicht fehlen: aktuelle (!) freie Stellen, Übersicht über Standorte und typische Stellenprofile und die Aufforderung zu Initiativbewerbungen.
  7. Versucht Sie eine Beziehung aufzubauen? Dazu könnte es einen Jobnewsletter geben oder ggf. zeitgemäßer die Arbeitgeber-Facebookseite. Wer die Seite liked, bekommt regelmäßig Updates über freie Stellen und Nachrichten aus dem Unternehmen.

Viele Träger haben für jede Ihrer Einrichtungen und jedes Angebot einen Flyer drucken lassen. Aber die wenigsten fassen die wesentlichen Merkmale ihrer Arbeitgebermarke zu einem Arbeitgeberflyer zusammen. Zum Verteilen eines solchen Flyers bieten sich z.B. an

  • Download auf der Webseite und bei Facebook
  • Versand an alle BewerberInnen zusammen mit der Eingangsbestätigung einer Bewerbung
  • Versand an alle MitarbeiterInnen, z.B. zusammen mit der Gehaltsabrechnung oder Mitarbeiterzeitung verbunden mit der Aufforderung, ihn an interessierte Bekannte und Verwandte weiterzugeben
  • Verteilung auf Jobmessen
  • Versand an Ausbildungsinstitutionen.

Schauen Sie mal auf die Webseite Ihres Arbeitgebers und überlegen Sie sich, ob Sie sich dort bewerben würden. Vielleicht gibt es ja noch etwas Entwicklungspotential für die Arbeitgeberpräsentation?

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