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Software-alternativen zur Nutzung in der Sozialwirtschaft

Software-Alternativen zur Nutzung in der Sozialwirtschaft

12.10.2022    Philipp Fode

Inhalt
  1. Sensible Daten und Datenschutz in der Sozialwirtschaft
  2. Privatsphäre von Adressat:innen
  3. Professionelles Handeln im digitalen Raum
  4. Softwarelösungen für die Sozialwirtschaft

Wie im Editorial 05/2022 erläutert wurde, hat die Corona-Pandemie in allen Wirtschaftszweigen dazu geführt, dass der Arbeitsalltag vieler Menschen weitaus digitaler gestaltet ist, als noch vor drei Jahren. Weil die eigentliche Arbeit in der Sozialwirtschaft überwiegend an und mit Menschen stattfindet, war der Anpassungsdruck hier besonders stark zu spüren.

Sensible Daten und Datenschutz in der Sozialwirtschaft

Innerhalb kurzer Zeit wurden viele Beratungs- und Dienstleistungsangebote mithilfe populärer und zumeist „kostenfreier“ Messenger-Dienste wie WhatsApp, Telegram, Facebook (meta) sowie schnell verfügbarer, nicht-freier Videokonferenzlösungen wie Zoom, Cisco Webex oder Microsoft Teams digitalisiert und die Ablage von Arbeitsdaten mithilfe von Microsoft OneDrive, Dropbox und ähnlichen Tools organisiert. Doch insbesondere im Sozialen, wo täglich viele sensible personen- und nicht-personenbezogene Daten, beispielsweise im Kontext von Beratungs-, Dokumentations- oder Planungsprozessen, digital verarbeitet und gespeichert werden, muss die Messlatte für den Datenschutz über das gesetzliche „Mindestmaß“ der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hinausgehen. Schon aus diesem Grund sind am Markt etablierte Lösungen von gewinnorientierten Konzernen wie Microsoft, Amazon, Facebook (meta), Zoom, Cisco, Google (Alphabet) und anderen nicht akzeptabel.

Beim Einsatz von Software jener Hersteller werden für die Nutzer:innen oftmals intransparent Metadaten erhoben, verarbeitet oder weiter gegeben. In der Vergangenheit fand dies häufig im nicht-europäischen Ausland und somit außerhalb der Zugriffsmöglichkeiten europäischer Datenschutz-Aufsichtsbehörden statt. Inzwischen besteht überwiegend die Möglichkeit, dies über entsprechende Zusatzvereinbarungen einzuschränken. Das verändert allerdings wenig am Grundproblem der massiven Erhebung und der anschließend intransparenten Nutzung von Metadaten und wirkt daher eher wie ein „Workaround“, um die rechtssichere Nutzung gemäß DSGVO zu gewährleisten.

Privatsphäre von Adressat:innen

Onlinekommunikation bietet vielfältige Möglichkeiten, ungewollt und oft auch unerkannt Informationen über Adressat:innen zu erhalten, die normalerweise nur freiwillig von diesen zur Verfügung gestellt würden.

Dazu zählen:

  • Inhalte des Social-Media-Status
  • öffentlich einsehbare Likes
  • indirekte Aufnahmen der eigenen Wohnung
  • Freundschaften und zwischenmenschliche Beziehungen
  • Metadaten wie Veröffentlichungszeitpunkt, Lesebestätigungen oder Online-Status

Dies ermöglicht neue und wirksame Formen der Kontrolle durch Fachkräfte. Insofern ist es in diesem Kontext besonders wichtig, Software einzusetzen, die den Ansatz von „Privacy by Design“ verfolgt.

Professionelles Handeln im digitalen Raum

Sofern das professionelle Handeln auf ethischen Grundsätzen, zum Beispiel dem Ethik-Kodex und das dritte Mandat nach Staub-Bernasconi begründet wird, entstehen beim Einsatz genannter Software-Produkte somit mindestens starke Widersprüche und wirft zudem folgende ethische Fragen auf:

  1. Wie ist mit Entscheidungsprozessen umzugehen, wenn sich diese auf Grundlage von unrechtmäßig erlangten Einblicken in das private Leben von Adressat:innen begründen?

  2. Inwieweit sind Anbietende sozialer Dienstleistungen mitverantwortlich dafür, dass Internetkonzerne im wesentlichen Umfang Metadaten über besonders vulnerable Zielgruppen erhalten, die unter Umständen sehr spezifische Aussagen über sexuelle Orientierung, politische Gesinnung und andere sehr persönliche Merkmale zulassen

Softwarelösungen für die Sozialwirtschaft

Die Sozialwirtschaft sollte sich für Datenschutz ihrer Adressat:innen im digitalen gleichermaßen einsetzen, wie in der realen Welt und Formen der digitalen Vulnerabilität öffentlich benennen. Entscheider:innen und Fachkräfte sollten wissen, dass mehr Datenautonomie mit geringen finanziellen Mitteln umsetzbar ist. Ein erster Ansatz könnte beispielsweise eine Selbstverpflichtung zum Einsatz von Open-Source-Software sein, wann immer sie eine sinnhafte Alternative darstellt, oder zumindest Produkte einzusetzen, die durch die Art und Weise ihrer Entwicklung das Konzept von "Privacy by Design" verfolgen.

Besonders bewährte Softwarelösungen sind:

Only Office | https://www.onlyoffice.com/
Umfangreiche Open Source Office-Suite (Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Präsentationen etc.) Design ist angelehnt an und kompatibel zu Microsoft Office;
CryptPad | https://cryptpad.fr
Verschlüsselte französische Office-Cloud auf Grundlage von Only Office, für die digitale Zusammenarbeit

Big Blue Button | https://bigbluebutton.org/
für Onlineseminare u. Vorträge oder Videokonferenzen

Kostenfrei angeboten via:

Jitsi | https://meet.jit.si/ 
für Videokonferenzen / Beratungsgespräche

Nextcloud | https://nextcloud.com/
Nextcloud ist im Kern ein selbstgehosteter Dateispeicher, ähnlich zu Dropbox. Die Software lässt sich sehr leicht durch Aufgabenlisten, Kanban-Board, Kalender, Adressverwaltung, Chat Tool und vielen weiteren Möglichkeiten zu einer umfangreichen Kommunikations- und Kollaborationsplattform für die digitale Zusammenarbeit für Teams und Arbeitsgruppen innerhalb und außerhalb der eigenen Organisation erweitern. Die Software und alle Erweiterungen sind Open Source Produkte und lassen sich auch i.d.R. sehr gut vom Smartphone aus nutzen.

Weitere Softwarelösungen mit einer kurzen Erläuterung bietet die Seite Software Alternativen zur Nutzung im Sozialen. Ein Umstieg auf datenschutzkonforme Lösungen fördert digitale Autonomie, dient dem Schutz Ihrer Adressat:innen und kann auf Dauer kostengünstiger sein.

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Autor
Philipp Fode
IT-Systemelektroniker, Student Soziale Arbeit (HAW Hamburg), Gründer makeITsocial UG
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