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Vereinigtes Königreich

Dr. Max Krafchik

veröffentlicht am 16.10.2023

aus dem Englischen übersetzt von Doris Scheer

Inhalt

  1. 1 Überblick
  2. 2 Einleitung
  3. 3 Die Entwicklung des Wohlfahrtsstaates im zwanzigsten Jahrhundert
  4. 4 Der Wohlfahrtsstaat in Gefahr
  5. 5 Ein neuer Schwerpunkt – Wohlfahrt und Erwerbstätigkeit
  6. 6 Sozialpolitik unter Sparzwang
  7. 7 Ältere Menschen
    1. 7.1 Überblick
    2. 7.2 Renteneintrittsalter
    3. 7.3 Rentenbonus
    4. 7.4 Pflege
    5. 7.5 Renteneinkommen: Gesamtbeträge und Verteilung
    6. 7.6 Erwerbsbeteiligung
  8. 8 Familien und Kinder
    1. 8.1 Überblick/​politischer Ansatz
    2. 8.2 Familientypen und Kinder
    3. 8.3 Kindheitserfahrungen und Wohlbefinden
    4. 8.4 Kinderarmut
    5. 8.5 Zugang zu Kinderbetreuung
    6. 8.6 Kinderschutz
    7. 8.7 Kinderrechte
  9. 9 Sozialarbeit
    1. 9.1 Professionelle Sozialarbeit
    2. 9.2 Geschichte und Organisation der Sozialarbeit
    3. 9.3 Bildung und Ausbildung
    4. 9.4 Rekrutierung und Bindung
    5. 9.5 Digitale Fähigkeiten
  10. 10 Entwicklung der Gemeinwesenarbeit
    1. 10.1 Geschichte
    2. 10.2 Organisatorische Strukturen
    3. 10.3 Finanzierungsquellen
    4. 10.4 Zukunftsaussichten
  11. 11 Künftige Herausforderungen für den Wohlfahrtsstaat des Vereinigten Königreichs
  12. 12 Literatur

1 Überblick

Dieses Länderporträt gibt einen Überblick über die wichtigsten Merkmale des Wohlfahrtsstaates im Vereinigten Königreich. Es beschreibt, wie diese Merkmale im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts entstanden sind und sich verändert haben. Der Beitrag hält fest, dass der 1942 veröffentlichte Beveridge-Bericht bis heute ein Bezugspunkt für sozialpolitische Debatten im Vereinigten Königreich ist. Das Länderporträt befasst sich mit vier spezifischen Aspekten der Sozialpolitik: ältere Menschen, Familien und Kinder, Sozialarbeit und Gemeinwesen-Entwicklung. Zwar beschäftigt sich der vorliegende Beitrag mit dem Vereinigten Königreich, allerdings sei darauf hingewiesen, dass Unterschiede zwischen politischen Strategien in England einerseits und Schottland, Wales und Nordirland andererseits bestehen. Ein weiterer Punkt, der zu beachten ist, ist die Tatsache, dass die Sozialpolitik im Vereinigten Königreich ständigen politischen, wirtschaftlichen und strukturellen Anforderungen, also einem anhaltenden Veränderungsdruck, unterworfen ist; dieser Beitrag stellt den aktuellen Stand zum Zeitpunkt des Schreibens (Juli 2023) dar.

2 Einleitung

Viele der wichtigsten Merkmale des britischen Wohlfahrtsstaates wurden in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg von einer Labour-Regierung eingeführt, die von der Bevölkerung gewählt und mit einem Mandat für den sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbau ausgestattet worden war. Sie war stark von den Vorschlägen des berühmten Berichts von Sir William Beveridge aus dem Jahr 1942 beeinflusst. Der Beveridge-Bericht – ‚Social Insurance and Allied Services‘ – hatte dargelegt, wie der Staat konzertiert gegen die „fünf Giganten“ Not, Krankheit, Unwissenheit, Elend und Müßiggang vorgehen könnte, wobei diese Politik durch Keynes’ Thesen für Vollbeschäftigung untermauert wurde; diese Bestrebungen standen in scharfem Gegensatz zu den herrschenden Ideologien der Vorkriegszeit.

Die wohl bedeutendste und langlebigste Maßnahme war die Einrichtung des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS, National Health Service) als kostenloser allgemeiner Gesundheitsdienst zu jedem Zeitpunkt der Leistungserbringung. Neben dem NHS wurden in dieser Zeit auch die beitragsabhängigen Sozialleistungen im Fall von Arbeitslosigkeit, Krankheit und Alter umstrukturiert, ein umfassendes System von Familienbeihilfen eingeführt, um die Kindererziehungskosten zu mildern, und ein neues Sicherheitsnetz ‚National Assistance‘ geschaffen.

Obwohl sowohl die Idee eines britischen Wohlfahrtsstaates als auch eine Kernstruktur von Dienstleistungen in den 1950er Jahren fest etabliert waren, führte all dies letztlich nicht zu einem „sozialdemokratischen“ Wohlfahrtssystem im Vereinigten Königreich (Esping-Andersen, 1990). Ein breiter Konsens zur Unterstützung umfassender Wohlfahrtsmaßnahmen in den 1950er und 1960er Jahren wurde untergraben, als sich das politische Gleichgewicht in Richtung Neoliberalismus verschob. Wie Esping-Andersen (1990, S. 54) feststellt, „wurde das System in den 1980er Jahren sicherlich nicht zerstört, aber es gelang ihm nicht, weiter voranzukommen; die Erfolgsbilanz von Labour in der Nachkriegszeit war zu schwach und unterbrochen, um mit den Errungenschaften in Skandinavien mithalten zu können“. In einer neueren Studie heißt es, der britische Wohlfahrtsstaat des 21. Jahrhunderts sei heute einer, in dem „der Neoliberalismus dominiert, aber nicht gänzlich“ (Taylor-Gooby et al., 2017).

Themen wie die Art und Weise der Bereitstellung von Sozialleistungen, das wachsende Bewusstsein für Zugangsbarrieren und Diskriminierung, die Höhe der Ausgaben und die Art und Weise des Zugangs (oder der Zugangsbegrenzung) sind in den letzten Jahren Gegenstand intensiver Diskussionen und politischer Veränderungen gewesen. Infolgedessen verfügt das Vereinigte Königreich heute über einen komplizierten Wohlfahrtsmix, in dem Elemente des Universalismus neben hochgradig zielgerichteten Leistungen, staatliche Leistungen neben Marktwirtschaft und die zentrale Steuerung einiger Leistungen neben dezentralen Zuständigkeiten für andere bestehen. All das macht es schwierig, ein übergeordnetes Regelwerk von Prinzipien zu identifizieren, die dem modernen britischen Wohlfahrtssystem zugrunde liegen, wie wir bei der näheren Betrachtung von vier Politikbereichen im Folgenden sehen werden.

Im Vereinigten Königreich spielt der Staat die Hauptrolle in der Wohlfahrts- und Sozialpolitik und ihrer Finanzierung. Dies geschieht in erster Linie durch die Zentralregierung. Die lokalen Gebietskörperschaften (Stadträte in städtischen Gebieten, Grafschafts- und Bezirksräte in ländlichen Gebieten) sind für bestimmte Dienstleistungen zuständig, einschließlich der Sozialfürsorge für Kinder, Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen. Es gibt einen großen „dritten Sektor“, der viele gemeinnützige Organisationen umfasst (Glaubensgemeinschaften, von Bürgern geleitete Gruppen und Wohltätigkeitsorganisationen), die häufig Zuschuss finanziert sind oder von der nationalen oder lokalen Regierung mit der Erbringung von Dienstleistungen beauftragt werden. Der gewinnorientierte Privatsektor spielt eine wachsende Rolle, insbesondere in der stationären Altenpflege und der vorschulischen Kinderbetreuung.

Obwohl es sich um ein „britisches“ Länderporträt handelt, fallen viele sozialpolitische Themenfelder (z.B. Gesundheit, Bildung) in die Zuständigkeit der Regierungen von Schottland, Wales und Nordirland. Es gibt heute erhebliche Unterschiede zwischen den Ansätzen in England und den anderen Nationen des Vereinigten Königreichs, z.B. bei der Finanzierung der Pflege für ältere Menschen. England hat keine dezentralisierte Regierung, die Befugnisse verbleiben bei der britischen Zentralregierung. Im Rahmen dieses Länderporträts können diese unterschiedlichen Politikansätze nicht im Detail beschrieben werden, aber es sei darauf hingewiesen, dass die Rede von der Politik des Vereinigten Königreichs diese Vielfalt verschleiern kann (Deeming, 2020). Wer tiefergehende Informationen zur Dezentralisierung im Vereinigten Königreich im Allgemeinen sucht, sei auf Torrance (2022) verwiesen.

Das Vereinigte Königreich hat rund 67 Millionen Einwohner. Die Bevölkerung ist in den letzten Jahren gewachsen und das britische Statistikamt (ONS) geht davon aus, dass sie bis 2030 auf über 69,2 Millionen und bis 2041 auf 70,5 Millionen ansteigen wird. Betrachtet man die vier Nationen, aus denen sich das Vereinigte Königreich zusammensetzt, so leben die meisten Menschen in England (56,6 Mio.; 84 %), während die Bevölkerungszahlen in Schottland (5,5 Mio.; 8 %), Wales (3,2 Mio.; 5 %) und Nordirland (1,9 Mio.; 3 %) niedriger ausfallen (ONS, 2022).

Betrachtet man das Vereinigte Königreich im europäischen Vergleich, so liegt das BIP pro Kopf im Vereinigten Königreich im Jahr 2019 bei 32.640 Euro (EU-Durchschnitt: 28.680 Euro). Damit befindet sich das Vereinigte Königreich am unteren Ende der reicheren EU-Länder, unter dem Niveau von Frankreich, aber über dem von Italien oder Spanien (Eurostat, 2022a).

Das Vereinigte Königreich kann im europäischen Vergleich bei den Ausgaben für Sozialleistungen als „durchschnittlich“ bezeichnet werden. Der Anteil der Sozialausgaben am BIP lag in den letzten Jahren knapp unter dem EU-Durchschnitt und betrug 2017 26,3 % des BIP gegenüber dem EU-Durchschnitt von 27,9 %.

Den größten Anteil an den Sozialschutzausgaben im Vereinigten Königreich hatten die Ausgaben für Alters- und Hinterbliebenenversorgung (43,4 %), gefolgt von den Ausgaben für Krankheit, Gesundheitsversorgung und Invalidität (39,3 %). Dieses Verhältnis entsprach in etwa dem EU-Durchschnitt. Ein auffälliger Unterschied in der Struktur der Sozialschutzausgaben des Vereinigten Königreichs ist der geringe Anteil der Ausgaben, der für Arbeitslosigkeit aufgebracht wird; mit 1,3 % der Leistungsausgaben für diesen Bereich war der Anteil im Vereinigten Königreich niedriger als in jedem anderen EU-Land (außer Rumänien) und lag deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 4,4 % (Eurostat, 2019).

Die Gesundheitsausgaben im Vereinigten Königreich beliefen sich auf 10 % des BIP, was ebenfalls in etwa dem EU-Durchschnitt entspricht. Die Gesundheitsausgaben pro Kopf machen 3.646 Euro aus und waren damit niedriger als in den reicheren EU-Ländern, aber höher als in Italien oder Spanien (Eurostat, 2022b).

Gemessen an den Zielen für nachhaltige Entwicklung lebten 2018 18,9 % der Bevölkerung des Vereinigten Königreichs in armutsgefährdeten Haushalten, was über dem EU-Durchschnitt von 17,1 % liegt. Der Wert für das Vereinigte Königreich im Jahr 2018 ist von einem Tiefststand von 15,9 % im Jahr 2016 angestiegen und liegt fast so hoch wie der Ausgangswert der Zeitreihe von 19 % im Jahr 2005 (Eurostat, 2022c).

Die Arbeitslosenquote im Vereinigten Königreich lag im Frühjahr 2023 bei 3,8 % der Erwerbsbevölkerung ab 16 Jahren. In den letzten Jahren war die Arbeitslosenquote im Vereinigten Königreich relativ niedrig und befand sich unterhalb der Spanne von 6 % bis 8 % der Jahre 2009–2014 (ONS, 2023b).

3 Die Entwicklung des Wohlfahrtsstaates im zwanzigsten Jahrhundert

Die Sozialpolitik im Vereinigten Königreich nahm ihre moderne Form in der Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg an. Viele der Maßnahmen wurden von der liberalen Regierung eingeführt, die 1906 an die Macht kam.

Die erste Welle von Maßnahmen konzentrierte sich auf Kinderfürsorge. Dazu gehörten kostenlose Schulspeisungen für ärmere Kinder (1906) und ärztliche Untersuchungen in der Schule, ergänzt durch einen begrenzten Zugang zu kostenloser Behandlung (1907). Der Children Act (1908) machte die Vernachlässigung von Kindern durch ihre Eltern zu einer Straftat und reformierte das Jugendstrafrecht. Das Jugendstrafsystem wurde nun von den Gerichten und Gefängnissen für Erwachsene getrennt. Generell trug die Gesetzgebung dazu bei, das Konzept zu etablieren, dass Kinder ein Recht auf Fürsorge haben und dass der Staat eingreifen sollte, wenn sie in Gefahr sind.

Das Reformtempo beschleunigte sich ab 1908, als der radikale Parlamentsabgeordnete David Lloyd George Schatzkanzler (zuständig für Staatsausgaben und Steuern) wurde. Er begann, die Maßnahmen voranzutreiben. 1909 wurde die Altersrente eingeführt. Sie wurden ab einem Alter von 70 Jahren an Menschen gezahlt, die über ein geringes Einkommen verfügten und bestimmte Voraussetzungen erfüllten (z.B. waren Personen, die in den letzten zehn Jahren im Gefängnis gewesen waren, nicht anspruchsberechtigt). Diese Renten waren von historischer Bedeutung, da sie die ersten staatlichen Leistungen waren, die ohne das Stigma des Armenrechts gewährt wurden (Thane, 1996).

Die Sozialversicherungsleistungen und der Zugang zur medizinischen Grundversorgung wurden mit dem 1911 verabschiedeten National Insurance Act auf (bestimmte) Erwachsene im erwerbsfähigen Alter ausgeweitet. Mit dem National Insurance Act Part 1 wurde ein obligatorisches Krankenversicherungssystem für erwachsene Arbeitnehmer/​Arbeitnehmerinnen mit einem Jahreseinkommen von weniger als 160 £ eingeführt. Geldleistungen wurden für drei Zwecke gezahlt: als Krankengeld bei Arbeitsunfähigkeit, das für maximal 26 Wochen gezahlt wurde, als laufende Invaliditätsrente, die in Höhe der Hälfte des Krankengeldes gezahlt wurde, wenn die Person danach nicht in der Lage war, ihre Arbeit wieder aufzunehmen, und als Mutterschaftsgeld. Der größte Teil der Kosten wurde durch wöchentliche Beiträge der Arbeitnehmer/​Arbeitnehmerinnen (4/9 der Gesamtsumme) und ihrer Arbeitgeber (3/9) gedeckt, den Rest übernahm der Staat. Männer und Frauen wurden in diesem System unterschiedlich behandelt; Männer zahlten einen höheren Beitrag von ihrem Lohn und erhielten einen höheren Leistungssatz. In der Praxis waren viele Erwerbstätige nicht durch das System abgesichert, da sie häufig unregelmäßig arbeiteten oder so schlecht bezahlt wurden, dass sie (und ihre Arbeitgeber) die Beitragszahlung vermieden.

Wichtig ist, dass das Gesetz den versicherten Arbeitnehmern/​Arbeitnehmerinnen (nicht aber ihren Familien) auch die Möglichkeit einräumte, sich kostenlos von einem Arzt vor Ort behandeln zu lassen, auch wenn dies nicht für Krankenhausbehandlungen galt.

Teil 2 des National Insurance Act führte die erste staatlich geförderte Arbeitslosenunterstützung im Vereinigten Königreich ein. Diese Leistung wurde für eine begrenzte Anzahl von Branchen (Baugewerbe, Schiffbau, Maschinenbau, Fahrzeugbau) eingeführt, in denen Arbeitende in der Regel für kurze Zeit arbeitslos wurden, wenn die Nachfrage nach Arbeitskräften zurückging. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurden die Leistungen bis zu 15 Wochen pro Jahr gezahlt. Die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung erfolgte ähnlich wie bei der Krankenversicherung einer dreifachen Beitragsbasis. Die Zahl der Versicherten in der Arbeitslosenversicherung war jedoch wesentlich geringer als in der Krankenversicherung (2 Mio. gegenüber 15 Mio.).

Außerdem wurde zunehmend erkannt, dass die Überbelegung der Wohnungen in vielen Städten zu gesundheitlichen Problemen führte. Ein Wohnungs- und Städtebaugesetz (1909) ermöglichte es den Kommunen, mehr für den Wohnungsneubau zu tun, auch wenn bis zum Kriegsausbruch nur wenig umgesetzt wurde.

Die bis 1914 eingeleiteten Entwicklungen waren eher punktuelle Maßnahmen zur Lösung spezifischer Probleme als ein umfassender Ansatz. Sie bestanden neben bereits bestehenden, älteren Diensten wie dem Poor Law, das eine Grundversorgung für diejenigen sicherstellte, die keine andere Unterstützung hatten, den zahlreichen karitativen und kirchlichen Stiftungen, die Krankenhäuser und Schulen unterhielten, und den privaten oder auf Gegenseitigkeit beruhenden Versicherungssystemen, die von der Arbeiterklasse mit höheren Löhnen oder geregelteren Arbeitsverhältnissen weithin genutzt wurden. Für die einkommensschwächsten Familien, für Menschen mit unregelmäßiger Arbeit oder für Menschen, die aufgrund einer Behinderung am Rande des Arbeitsmarktes standen, gab es nur wenige Unterstützungsquellen.

Die Grenzen dieser Systeme wurden in der Zwischenkriegszeit deutlich, als auf die Verwerfungen nach dem Ersten Weltkrieg in den 1920er Jahren eine beispiellos hohe Arbeitslosigkeit in den Exportindustrien und im darauffolgenden Jahrzehnt eine weit verbreitete wirtschaftliche Depression folgten. Die damaligen aufeinander folgenden Regierungen versuchten, den daraus resultierenden Bedarf an Dienstleistungen zu decken, indem sie bestehende Maßnahmen anpassten und überarbeiteten; die Sozialleistungen wurden durch ein Flickwerk von Initiativen ausgeweitet, die nur ein knappes Existenzminimum boten, während die Kosten minimiert und der Druck auf die Menschen, Arbeit zu suchen, aufrechterhalten wurde. Vieles davon war erfolglos, was zu großer Unzufriedenheit und Ende der 1930er Jahre zu weit verbreiteten Reformüberlegungen führte, ohne dass sich wirklich etwas änderte.

Die Debatten über den Wohlfahrtsstaat im Vereinigten Königreich, sogar die aktuellen Debatten, beziehen sich auf den Beveridge-Bericht von 1942 (Beveridge, 1942). Sir William Beveridges Vorschläge für den sozialen Wiederaufbau in der Nachkriegszeit begannen als unscheinbare Maßnahmen, die von der Koalitionsregierung während des Krieges in Auftrag gegeben wurden, um die bestehenden Sozialschutzsysteme zu reformieren. Beveridge weitete den Umfang seiner Arbeit erheblich aus und entwickelte umfassende Pläne zur Einkommenssicherung, die seiner Ansicht nach nur dann erfolgreich sein konnten, wenn sie durch Familienleistungen, einen nationalen Gesundheitsdienst und Vollbeschäftigung ergänzt wurden. Diese weitreichenden Ideen stellten eine dramatische Abkehr von den Annahmen der Vorkriegszeit dar, insbesondere wenn man sie mit den Argumenten des Ökonomen John Maynard Keynes in Verbindung brachte, der erklärte, dass Regierungen Vollbeschäftigung durch Wirtschaftsmanagement aufrechterhalten könnten (und sollten).

Die Beveridge-Vorschläge fanden in der Öffentlichkeit viel Beachtung und lösten eine große Begeisterung für echte Veränderungen im Leben der Menschen nach Kriegsende aus. Im Jahr 1943 fanden intensive Parlamentsdebatten statt, und bis Februar 1944 wurden mehr als 600.000 Exemplare des Berichts verkauft. Premierminister Winston Churchill und viele seiner konservativen Kollegen hielten sich zurück, aber die Dynamik des Wandels war unaufhaltsam (Addison, 1975). Obwohl die Beveridge-Vorschläge im Detail keine signifikanten Einkommensumverteilungen oder strukturellen Veränderungen erforderten und nur wenige der Pläne genau wie geplant umgesetzt wurden, setzten sie einen entscheidenden Maßstab für die Zukunft (Timmins, 2017).

Es folgten rasch eine Reihe von Regierungsverpflichtungen und Gesetzen, die von Beveridge und durch andere Kampagnen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Wohnungswesen angeregt wurden und die die Unzufriedenheit mit den Wohlfahrtskonzepten der Vorkriegszeit zum Ausdruck brachten.

In einem Weißbuch zur Beschäftigungspolitik aus dem Jahr 1944 erkannte die Regierung erstmals an, dass die Aufrechterhaltung eines hohen und stabilen Beschäftigungsniveaus eines der wichtigsten Ziele und Aufgaben des Staates nach Beendigung des Krieges sein sollte.

Mit dem Bildungsgesetz von 1944 wurde die kostenlose Sekundarbildung für alle Kinder ab dem Alter von 11 Jahren eingeführt und das Schulabschlussalter von 14 auf 15 Jahre angehoben. Das Gesetz schrieb die Struktur der Sekundarstufe nicht vor, sondern überließ es den lokalen Bildungsbehörden, diese festzulegen. Die meisten entschieden sich für ein dreigliedriges Schulsystem – Gymnasium, Realschule und Fachschule –, dem die Schüler/Schülerinnen durch eine Prüfung (11+) entsprechend zugewiesen wurden. In der Praxis waren technische Schulen nicht weit verbreitet, sodass die meisten Kinder auf Gymnasien und Realschulen verteilt wurden. Einige wenige Regionen entschieden sich für ein alternatives Gesamtschulmodell ohne 11+-Prüfung, aber Gesamtschulen waren bis in die 1960er und 1970er Jahre relativ selten.

1945 wurde die Familienbeihilfe eingeführt, die allen Familien für jedes Kind nach dem ersten einen wöchentlichen Betrag als allgemeine Leistung gewährte. Dies war der Höhepunkt einer 25-jährigen Kampagne von Eleanor Rathbone, die diese Leistung als eine Frage der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Frauen betrachtete. Rathbone war bis 1945 Mitglied des Parlaments und setzte sich erfolgreich dafür ein, dass die Zahlungen an die Mutter und nicht, wie ursprünglich von der Regierung vorgeschlagen, an den Vater gehen sollten.

Die im Juli 1945 mit großer Mehrheit gewählte Labour-Regierung unter Clement Attlee trieb die Sozialreformen zügig voran. Von größter langfristiger Bedeutung war wohl der Aufbau des National Health Service (NHS). Bereits 1944 hatte die Regierung in einem Weißbuch den Grundsatz formuliert, dass ein umfassender Gesundheitsdienst allen Bürgern Behandlung und Pflege durch die besten verfügbaren medizinischen Einrichtungen bieten sollte, und zwar kostenlos bei Inanspruchnahme. Die große Leistung der Regierung Attlee bestand darin, dieses Ziel gegen viele Widerstände durchzusetzen und im April 1948 den NHS einzuführen.

Mit einem Sozialversicherungsgesetz (1946) wurde eine beitragsbezogene Altersrente mit 60 Jahren für Frauen und mit 65 Jahren für Männer eingeführt. Das Gesetz erweiterte auch den Zugang zu Arbeitslosen- und Krankengeld und führte Mutterschaftsgeld und Sterbegeld ein. Mit dem National Assistance Act von 1948 wurde das Poor Law formell abgeschafft und das bedürftigkeitsabhängige „Sicherheitsnetz“ für Personen, die keinen Anspruch auf beitragsabhängige Sozialversicherungsleistungen hatten oder deren Ansprüche erschöpft waren, reformiert.

Der Krieg hatte u.a. eine akute Wohnungsnot verursacht. Ein New Towns Act (Gesetz über neue Städte) von 1946 ermöglichte den Bau einer Reihe von Städten im ganzen Land, die von eigens dafür geschaffenen öffentlichen Körperschaften verwaltet wurden. Der Town and Country Planning Act von 1947 enthielt weitergehende Zielvorgaben für den Bau von mehr als 300.000 neuen Wohnungen pro Jahr.

Der Children’s Act (1948) verpflichtete die Stadtverwaltungen und Gemeinden, für eine angemessene Unterbringung und Betreuung von Kindern zu sorgen, deren familiäre Situation ein Eingreifen rechtfertigte.

Historiker des Wohlfahrtsstaates haben die folgenden 25 Jahre als die Jahre der Expansion des britischen Wohlfahrtsstaates bezeichnet, die durch Wirtschaftswachstum und niedrige Arbeitslosigkeit ermöglicht wurde. In weiten Teilen des politischen Spektrums herrschte Konsens darüber, dass der Staat die Führung in der Wirtschaftsverwaltung und der Sozialfürsorge/​Sozialpolitik übernehmen sollte. Dies bedeutete jedoch nicht, dass es in diesen Jahren keine Kritik gegeben hätte. Die Unzulänglichkeiten vieler sozialer Dienste waren offensichtlich: Die Armut war noch lange nicht beseitigt, vor allem nicht unter älteren Menschen; viele Sozialwohnungen waren von schlechter Qualität; und die akademische Forschung wies sowohl auf die fortbestehenden sozialen Ungleichheiten als auch auf die vielen Hindernisse hin, die den Zugang zu sozialer Unterstützung erschwerten, wenn sie am dringendsten benötigt wurde (Townsend, 1979). Trotz aller Kritik blieb die Unterstützung für das Konzept „Wohlfahrt“ in der öffentlichen und politischen Vorstellung bis in die 1970er Jahre weitgehend intakt.

4 Der Wohlfahrtsstaat in Gefahr

Der Nachkriegs-Wohlfahrtsstaat sah sich Mitte der 1970er Jahre seiner ersten großen politischen und wirtschaftlichen Herausforderung gegenüber; Experten haben diese Zeit als „Wohlfahrtsstaat in Gefahr“ (Timmins, 2017) oder „Wohlfahrtsstaat unter Bedrohung“ (Lowe, 1999) bezeichnet. Dies war die Ära der konservativen Regierung von Margaret Thatcher, die den ersten entscheidenden Bruch des Vereinigten Königreichs mit dem politischen Konsens nach dem Zweiten Weltkrieg herbeiführte. Die Regierung Thatcher, die mehr mit den USA von Reagan als mit den sozialdemokratischen Perspektiven Europas übereinstimmte, setzte sich für die Beschneidung der Macht der Gewerkschaften ein und war bereit, einen dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit zuzulassen, um eine wirtschaftliche Umstrukturierung zu erreichen.

In den 1980er Jahren kam es zu mehreren Kürzungsrunden, Umstrukturierungen und Einschränkungen bei Sozialleistungen, um den Druck auf die öffentlichen Ausgaben zu bewältigen, da mehr Menschen arbeitslos waren, und um, wie es hieß, Arbeitslose nach Möglichkeit wieder in Arbeit zu bringen. Für Nichterwerbstätige gewannen bedürftigkeitsabhängige Sozialleistungen an Bedeutung, wodurch die von Beveridge propagierten Grundsätze der Sozialversicherung ausgehöhlt wurden. Der Lebensstandard der Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen waren, litt erheblich, was sich vor allem auf benachteiligte Gruppen auswirkte, die unter den Antragstellern stark vertreten waren.

Trotz ihrer Industrie- und Arbeitsmarktpolitik und ihrer radikalen Rhetorik deutet jedoch einiges darauf hin, dass diese Regierung bei der Änderung anderer Kernelemente des Wohlfahrtsstaates erstaunlich vorsichtig war. Die Konservativen waren sich insbesondere der politischen Bedeutung des NHS bewusst und rückten in der Praxis nicht von der weitgehenden Verpflichtung zu einer kostenlosen Dienstleistung bei Inanspruchnahme ab. Sie waren jedoch zunehmend bestrebt, Wege zu finden, um Marktprinzipien und Wettbewerb in den Dienstleistungsbereich einzuführen – ein Trend, der sich in den folgenden Jahrzehnten unter New Labour fortsetzen sollte. Interessanterweise zeigten Meinungsumfragen, dass selbst zu dem Zeitpunkt, als Thatcher 1990 aus dem Amt schied, die Öffentlichkeit weiterhin eine Erhöhung der Steuern zur Finanzierung des Wohlfahrtsstaates befürwortete (Lowe, 1999, S. 319).

Die vielleicht schwerwiegendsten langfristigen Auswirkungen der Thatcher-Regierung auf den Sozialstaat betrafen den Wohnungsbau. Zu Beginn ihrer ersten Amtszeit führte die Regierung ein umstrittenes „Recht auf Kauf“ ein: dieses Recht ermöglichte es denjenigen, die ihre Häuser oder Wohnungen von örtlichen Behörden (Sozialwohnungen) gemietet hatten, diese Häuser oder Wohnungen zu einem ermäßigten Preis zu erwerben. Dies war Teil einer umfassenderen Förderung von Wohneigentum und einer „Eigentumsdemokratie“. Die nachstehende Tabelle veranschaulicht das Ausmaß des Wechsels von Sozialwohnungen zu Privatwohnungen, der damit einherging.

Tabelle 1 Wohnungsbestand: nach Besitzverhältnissen, England 000 (Tausend Wohnungen)
bewohnt von Eigen­tümern privat gemietet Gemietet von zugelassenen Anbietern (z.B. Wohnungsbau­gesell­schaften) Von lokalen Behörden gemietet Sonstige Wohnungen des öffentlichen Sektors Kompletter Wohnungs­bestand
1961 6,068 4,377 3,382 13,828
1971 8,334 3,201 4,530 16,065
1981 10,334 2,051 410 5,118 17,912
1991 13,230 1,767 608 3,899 167 19,671
2001 14,735 2,133 1,424 2,812 103 21,207
2011 14,828 4,105 2,255 1,726 62 22,976
2021 15,914 4,875 2,524 1,582 33 24,928

Daten aus: Housing and Communities, Statistical data set, (historical series)
Live tables on dwelling stock (including vacant), Table 104 Dwelling stock: by tenure, England
Verfügbare Quelle: https://www.gov.uk/government/​statistical-data-sets/​live-tables-on-dwelling-stock-including-vacant

Im Jahr 1981 waren fast 30 % der Wohnungen Sozialwohnungen; bis zum Jahr 2001 hatte sich dieser Prozentsatz halbiert, und bis zum Jahr 2022 hatte er sich nochmals halbiert und war auf etwas mehr als 6 % gesunken. Wie aus den Daten hervorgeht, haben die Wohnungsbaugesellschaften (zugelassene Anbieter) den Rückgang der Sozialwohnungen teilweise, aber nicht vollständig, ausgeglichen. Der Anteil an Wohneigentum stieg deutlich an, aber dieser Trend hat sich seit der Jahrtausendwende abgeflacht, da der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung immer teurer geworden ist. Infolgedessen hat sich die Zahl der privat vermieteten Wohnungen, die im Vereinigten Königreich in Bezug auf Mieten und Standards nur geringfügig reguliert sind, in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Diese grundlegenden Veränderungen und die Tatsache, dass nicht genügend neue Wohnungen gebaut werden, haben in den letzten Jahren viele Familien, insbesondere benachteiligte Gruppen, in akuten Wohnungsstress versetzt.

5 Ein neuer Schwerpunkt – Wohlfahrt und Erwerbstätigkeit

Die drei Labour-Regierungen von 1997 bis 2010 (oder New Labour, wie sie oft genannt werden) unter Tony Blair und dann Gordon Brown hatten die längste ununterbrochene Regierungszeit, die die Labour-Partei je erreicht hat. Rückblickend ist der Versuch interessant, die Aspekte ihrer sozialpolitischen Maßnahmen in den Blick zu nehmen, die auch heute noch von Bedeutung sind. Einige Politiken, die mit großem Aufwand und viel Beifall eingeführt wurden, wie das Sure-Start-Programm für Kinder unter fünf Jahren und das Quartiersmanagement, das lokale Bereiche sauber und sicher halten sollte, verschwanden weitgehend, als die Ausgaben von den nachfolgenden Regierungen gekürzt wurden. Andere Maßnahmen haben ein spürbareres Erbe hinterlassen, wie z.B. die dringend benötigten Investitionen in neue Schulgebäude und Krankenhäuser. Es gab auch beachtliche Erfolge, die sich nachhaltig auf Lebenschancen ausgewirkt haben, wie z.B. die Zunahme der Anzahl junger Menschen, die mit 18 Jahren einen guten Bildungsabschluss erreicht haben sowie eine deutliche Verringerung von Teenagerschwangerschaften.

Die Maßnahmen für Kinder und Familien werden weiter unten in diesem Länderporträt beschrieben. Für eine umfassendere Darstellung der Tätigkeit und der Probleme, mit denen Labour als Regierung konfrontiert war, siehe Timmins (2017; S. 559–655).

Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf die Entwicklung der Sozialversicherungsleistungen für Erwerbstätige, eine der sozialpolitischen Initiativen der Labour-Regierung, die sich als langfristig bedeutsam erwiesen hat, wenn auch nicht unbedingt so, wie es sich ihre Architekten vorgestellt hatten.

Der Ansatz von New Labour in Bezug auf den Sozialschutz für Menschen im arbeitsfähigen Alter wurde treffend als „Arbeit ist die beste Form der Wohlfahrt“ bezeichnet. Unter der Führung von Gordon Brown als Schatzkanzler und dem Finanzministerium und nicht den Ministerien für soziale Sicherheit bedeutete dies einen deutlichen Bruch mit früheren Labour-Positionen. In einem Papier des Finanzministeriums von 1999 heißt es:

„Das Familienleben und die Arbeitswelt haben sich seit der Gründung des Wohlfahrtsstaates grundlegend verändert. Doch das System hat mit diesen Veränderungen nicht Schritt gehalten – es hat sich auf die Folgen der Chancenungleichheit konzentriert und den zugrunde liegenden Ursachen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Regierung hat sich zu einem neuen Ansatz verpflichtet, der beides in Angriff nimmt – durch die Ausweitung der Arbeitsmöglichkeiten für alle, die arbeiten können, und durch die Bereitstellung von Sicherheit für diejenigen, die nicht arbeiten können.“ (HM Treasury 1999; Absatz 1.06)

Brown hatte eine sehr konkrete Vorstellung von dem, was er zu erreichen versuchte – seine Botschaft an die Öffentlichkeit (im erwerbsfähigen Alter) war klar: „Ihre Verantwortung ist es, Arbeit zu suchen. Meine Garantie ist, dass sich Arbeit lohnt, wenn Sie arbeiten“ (Timmins 2017; S. 572).

Es gab eine Reihe von Maßnahmen, mit denen versucht wurde, dieses Ziel zu erreichen. Der erste gesetzliche nationale Mindestlohn (National Minimum Wage, NMW) im Vereinigten Königreich wurde 1998 per Gesetz eingeführt, das eine Untergrenze für die Stundensätze festlegte. Um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass einzelne Familien trotz des Mindestlohns immer noch von Armut betroffen sein können, wurde außerdem eine neue Struktur von Steuervergünstigungen eingeführt, mit denen Löhne aufgestockt werden können, wenn das Familieneinkommen trotz Beschäftigung unter dem vereinbarten Niveau bleibt. Die wichtigste Rechtsvorschrift war der Tax Credits Act 2002. Diese „Leistungen für Erwerbstätige“ wurden bald zu einem der größten Bestandteile des Sozialhilfebudgets und wuchsen von einem niedrigen Niveau auf mehr als 14 % der gesamten Sozialhilfeausgaben im Jahr 2013/14 an und unterstützten mehr als 3 Millionen Familien (Office for Budget Responsibility, 2013; Absatz 7.2).

Die umfangreichen Ausgaben für die staatliche Unterstützung von Erwerbstätigen stellten eine große Veränderung gegenüber den Sozialschutzmodellen dar, die aus dem Beveridge-Plan von 1942 hervorgingen. Obwohl Kritiker argumentierten, dass die Höhe des NMW und der Steuervergünstigen zu niedrig seien, um Armut zu bekämpfen, trug doch beides dazu bei, einige der Einkommensunterschiede, die sich in den 1980er und 1990er Jahren vergrößert hatten, zu beseitigen. Schwerwiegender war der Vorwurf, dass das Steuervergünstigungssystem zu kompliziert sei, und die Befürchtung, dass das System im Grunde eine Subvention sei, die es den Arbeitgebern ermögliche, die Löhne niedrig zu halten.

Der NMW ist inzwischen ein fester Bestandteil des britischen Arbeitsmarktes, und die jährlichen Empfehlungen der Low Pay Commission für eine Anhebung wurden von den aufeinander folgenden Regierungen angenommen. Das Steuervergünstigungssystem, wie es von New Labour eingeführt wurde, ist jedoch ersetzt worden. Das Konzept der Sozialleistungen für Erwerbstätige hat überlebt, allerdings nur auf einer restriktiveren Basis im Rahmen des Universal Credit-Systems, das seit 2018 landesweit gilt.

6 Sozialpolitik unter Sparzwang

Der Universal Credit (UC) war eine der großen sozialpolitischen Änderungen, die die von den Konservativen dominierte Koalitionsregierung unter David Cameron bei ihrem Amtsantritt im Jahr 2010 eingeführt hatte. Die Maßnahmen der Regierung wurden von den Auswirkungen der Finanzkrise von 2008–10 und der gestiegenen Staatsverschuldung nach der Rettung der britischen Banken überschattet. In der Sozialpolitik bedeutete dies „Austerität“, d.h. weitreichende Maßnahmen zur Kürzung oder Zurückhaltung bei den Ausgaben in fast allen Bereichen des Wohlfahrtsstaates. Einige von New Labour eingeführte Neuerungen zur Verbesserung der Zukunftsaussichten junger Menschen aus ärmeren Familien wurden einfach gestoppt (Child Trust Funds; Educational Maintenance Allowances), und die Gehälter der Beschäftigten im öffentlichen Sektor wurden eingefroren. Die Ausgaben für Bildung und Gesundheit waren zwar in gewissem Umfang von den Kürzungen ausgenommen, aber selbst dies wurde als unzureichend von kritischen Stimmen angesehen. Der strukturelle Druck z.B. durch eine alternde Bevölkerung, oder durch ansteigende Armut und Ungleichheit, konnte durch die eingesetzten Mittel nicht bekämpft werden.

Die wichtigsten politischen Entwicklungen unter der Koalition betrafen die Bereiche Sozialleistungen und Bildung. Die Konservativen waren mit Vorschlägen an die Regierung gekommen, umfassende strukturelle Reformen sowohl bei den Steuervergünstigungen als auch bei den Sozialversicherungsleistungen für Menschen im erwerbsfähigen Alter durchzuführen und diese im neuen System des „Universal Credit“ zusammenzuführen. Es sollte ein „dynamisches“ System sein, das Anspruchsverfahren vereinfacht und schnell auf Änderungen der Arbeitseinkommen von Leistungsempfängern reagiert, sodass die Menschen leichter erkennen können, dass sich „Arbeit lohnt“. Obwohl das Prinzip der Vereinfachung auf Zustimmung stieß, waren die Reformen in der Praxis mit einer Reihe von Problemen verbunden. Erstens fielen sie mit den allgemeinen Kosteneinsparungen der Regierung zusammen, wodurch das Leistungsniveau unter das ursprünglich geplante Niveau gedrückt wurde, und es wurde darüber hinaus schwierig, in die administrativen und technischen Kosten der Änderungen zu investieren. Zweitens war die schiere Komplexität der Entwicklung und Umsetzung viel größer als erwartet (Timmins, 2017, S. 695–707).

Die Umsetzung des Universal Credits (UC) hat mehrere Jahre gedauert. Neue Antragsteller der Sozialversicherung wurden auf UC umgestellt, aber alte, bereits vorhandene Antragsteller blieben in den älteren Systemen, bis sich ihre Umstände änderten. Anfang 2021 gab es mehr als 5 Millionen Haushalte, die UC bezogen, während weitere 3,2 Millionen in den alten Systemen verblieben. Bei Interesse an weiteren Informationen zum UC oder zum Sozialschutzsystem insgesamt, sind die Zusammenfassungen von zwei Briefings der House of Commons Research Library (Hobson, 2021; Hobson et al. 2022) zu empfehlen.

Im Bildungsbereich weitete die Koalitionsregierung das Akademieprogramm massiv aus, das es Schulen ermöglichte, von der lokalen Verwaltungsstruktur in einen neuen Status überzugehen, in dem sie sich selbst verwalten, aber weiterhin aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Die Akademien hatten als relativ kleines Experiment unter New Labour begonnen, bestehende Strukturen zu stellen, wuchsen aber nach 2010 exponentiell. Im Jahr 2010 waren nur 203 Schulen in England staatlich finanzierte Akademien, eine winzige Minderheit der Gesamtzahl der Schulen. Im Jahr 2015 gab es mehr als 2.200 Akademien, und bis 2022 wuchs diese Zahl weiter auf 2.700 an (80 % der gesamten Sekundarschulen in England). Ein ähnlicher Trend ist auch bei Grundschulen zu beobachten, von denen 40 % (6.800) bis 2022 zu Akademien geworden sind.

Seit mindestens 2016 streben die aufeinanderfolgenden konservativen Regierungen die Umwandlung aller Schulen in Akademien an, sodass die lokalen Behörden nur noch eine sehr begrenzte Rolle im Bildungswesen spielen. Das jüngste Weißbuch der Regierung zur Schulbildung bekräftigte diese Verpflichtung und betonte die Rolle der „Multi-Akademie-Trusts“ (Non-Profit-Unternehmen, die mehr als eine Akademie betreiben) bei der Verwirklichung dieses Ziels. Inzwischen gibt es rund 2.500 Zahl Akademietreuhandgesellschaften, von denen viele sehr klein sind; die größte trägt Berichten zufolge die Verantwortung für 75 Schulen. Die durchschnittliche Größe eines Multi-Akademie-Trusts liegt bei sieben Schulen [1]. Die Verlagerung der Verantwortung für das Schulwesen von den lokalen Behörden hin zu Trust, die im Auftrag der Zentralregierung arbeiten, ist eine weitere wichtige Veränderung im Wohlfahrtsstaat, deren Auswirkungen auf die Bildungsergebnisse noch diskutiert werden [2].

Im Bereich der Hochschulbildung führte die Koalitionsregierung eine erhebliche Erhöhung der Studiengebühren von 3.000 £ pro Jahr auf 9.000 £ pro Jahr für Grundstudiengänge ein. Damit wurde ein Großteil der Kosten für die Hochschulausbildung von der öffentlichen Hand auf den einzelnen Studierenden übertragen. Die meisten Studierenden nahmen zur Begleichung dieser Kosten staatlich geförderte Darlehen auf und zahlten die Darlehen und die Zinsen aus ihren Gehältern zurück, sobald sie im Berufsleben standen. Die Erhöhung der Gebühren rief heftigen Widerstand hervor, wird aber seither trotz regelmäßiger Forderungen nach Reformen, wie z.B. nach Einführung einer Studienabschlusssteuer, beibehalten.

7 Ältere Menschen

7.1 Überblick

Das Vereinigte Königreich hat eine alternde Bevölkerung und wird Prognosen zufolge weiter altern; das Office of National Statistics geht davon aus, dass im Jahr 2050 jeder vierte Einwohner des Vereinigten Königreichs 65 Jahre oder älter sein wird, während es heute noch jeder fünfte ist (ONS 2019). Experten gehen davon aus, dass dies den Druck auf Dienstleistungen und öffentliche Ausgaben erhöhen wird, allerdings könnte eine höhere Erwerbsbeteiligung älterer Menschen diesen Druck zum Teil abfedern.

Die gesamten öffentlichen Ausgaben des Vereinigten Königreichs für die Altersversorgung (Renten und persönliche Sozialleistungen) beliefen sich 2021/22 auf 129 Mrd. £, was 43 % der gesamten öffentlichen Ausgaben für den Sozialschutz (299 Mrd. £) entsprach. Von den Ausgaben bezogen auf Alter entfielen 116 Mrd. £ auf Renten und 13 Mrd. £ auf personenbezogene Sozialleistungen (HM Treasury, 2022, Tabelle 5.2).

7.2 Renteneintrittsalter

Im Vereinigten Königreich wird die staatliche Rente im Augenblick ab 66 Jahren für Männer und Frauen gezahlt. Ab 2026 bis 2028 wird das Eintrittsalter auf 67 Jahre angehoben. Damit werden Anhebungen fortgesetzt, die im Jahr 2010 begonnen haben, um der höheren Lebenserwartung Rechnung zu tragen und um Kosten zu begrenzen. Wahrscheinlich wird das Renteneintrittsalter in Zukunft noch weiter ansteigen, auch wenn die Regierung derzeit noch keine Entscheidung darüber getroffen hat. Zuvor war das Renteneintrittsalter von 60 Jahren für Frauen und 65 Jahren für Männer seit den 1940er Jahren unverändert geblieben. Die drastische Anhebung des Renteneintrittsalters für Frauen hat erheblichen Widerstand hervorgerufen, wobei eine umfangreiche Kampagne von Frauen geführt wurde, die zum Zeitpunkt der Einführung der Änderung kurz vor der Rente standen.

Im Jahr 2022 bezogen rund 12,5 Millionen Menschen eine staatliche Rente, etwa 98 % der Personen waren im Renteneintrittsalter (DWP, 2022a).

Die aktuelle staatliche Rentenregelung wurde im April 2016 eingeführt und gilt für Personen, die ab diesem Zeitpunkt das Rentenalter erreichen. Wie bei früheren Regelungen basiert der Anspruch auf einer Beitragszeit, deren Grundlage auf 35 Jahren eingezahlten Sozialversicherungsbeiträgen beruht, um eine Rente in voller Höhe zu erhalten. Personen mit 10 bis 35 Beitragsjahren können einen Teil des vollen Betrags beanspruchen.

Die meisten Erwerbstätigen zahlen während ihres gesamten Arbeitslebens Sozialversicherungsbeiträge. Personen, die nicht erwerbstätig sind, wie z.B. Pflegepersonen oder gemeldete Arbeitslose, erhalten anrechenbar Leistungspunkte, um ihre Beitragszahlungen fortzusetzen und somit Anspruch auf eine staatliche Rente zu erwerben.

Es gibt keine Möglichkeit, die staatliche Rente in jüngeren Jahren vor dem offiziellen Renteneintrittsalter zu beziehen (für den Zugang zu betrieblicher oder privater Altersvorsorge gelten andere Regeln), aber man kann sich dafür entscheiden, den Rentenbezug aufzuschieben, bis man älter ist, um sodann eine angepasste Rente zu erhalten.

7.3 Rentenbonus

Neben der staatlichen Rente (die nicht bedürftigkeitsgeprüft ist) gibt es eine weitere Leistung, die von Personen im Rentenalter mit einem geringen Gesamteinkommen beantragt werden kann. Dabei handelt es sich um eine bedürftigkeitsgeprüfte Leistung namens Rentenbonus (Pension Credit). Personen, die Anspruch auf diese Leistung haben, erhalten auch andere Unterstützungsleistungen, z.B. für bestimmte Mietkosten und für zahnärztliche Versorgung durch den staatlichen Gesundheitsdienst. Im Jahr 2022 erhielten etwa 1,4 Millionen Menschen einen Rentenbonus (DWP, 2022a).

7.4 Pflege

Pflege ist einer der Aspekte der britischen Sozialpolitik, der am schwierigsten zu lösen ist.

Im Gegensatz zu den Gesundheitsdiensten ist der Zugang zu Pflegeleistungen älterer oder behinderter Menschen (z.B. Waschen, Anziehen oder Hilfe bei den Mahlzeiten) ein bedürftigkeitsabhängiger Dienst, der von den lokalen Behörden verwaltet wird. Dazu gehört die Hilfe in der eigenen Wohnung (häusliche Pflege) und in Pflegeheimen. Letztere wird im Allgemeinen von privaten Unternehmen oder Non-Profit-Organisationen im Auftrag der lokalen Behörden betrieben.

Das Pflegegesetz von 2014 war die jüngste Maßnahme zur grundlegenden Reform im Bereich des Sozialwesens. Die Gesetzgebung verpflichtet die Kommunen, die Bedürfnisse von Personen einzuschätzen, die Pflege und Unterstützung benötigen. Die Beurteilung ist kostenlos und wird in der Regel von einem Sozialarbeiter/​-arbeiterin oder Ergotherapeuten/​-therapeutin durchgeführt. Die Kommune nimmt darüber hinaus eine finanzielle Prüfung vor, um festzustellen, ob die Person einen Beitrag zu den Kosten ihrer Pflege leisten muss, sei es für häusliche oder stationäre Pflege.

Stationäre Pflege ist teuer; Age UK (eine nationale Wohltätigkeitsorganisation) schätzt, dass eine stationäre Unterbringung derzeit mindestens 30.000 £ pro Jahr kostet, und in vielen Teilen des Landes werden die Kosten noch höher liegen.

Im Allgemeinen haben nur Personen mit geringem Vermögen und niedrigem Einkommen Anspruch auf kostenlose Heimunterbringung und -pflege. Alle anderen müssen je nach ihren Möglichkeiten für einen Teil oder die gesamten Kosten aufkommen. Wenn Menschen dauerhaft in ein Pflegeheim ziehen und noch ihr eigenes Haus besitzen, wird der Wert des Hauses bei der Berechnung des Beitrags, den sie für die Pflege leisten müssen, berücksichtigt. Dies kann bedeuten, dass die Wohnung verkauft werden muss, um die Pflegekosten zu decken, es sei denn, der Partner, eine behinderte Person, ein älterer Verwandter oder ein Kind lebt noch in der Immobilie.

Seit vielen Jahren gibt es Forderungen nach einer gerechteren Pflegefinanzierung. Ein wichtiger, von der Regierung geförderter Bericht über eine ‚gerechtere Finanzierung der Pflege‘ (Dilnot-Review) wurde 2011 veröffentlicht. In dem Bericht hieß es, das System der Pflegefinanzierung sei „nicht zweckmäßig“ und „verwirrend, ungerecht und nicht nachhaltig“. Zu den Empfehlungen des Berichts gehörten die Einführung einer Obergrenze für den Gesamtbeitrag, den eine Person im Laufe ihres Lebens zu ihren eigenen Pflegekosten leisten muss, und die Erhöhung des Kapitals, das die Person zur eigenen Verfügung behalten kann. (Commission on Funding of Care and Support, 2011) Diese Änderungen hätten die finanzielle Belastung älterer Menschen, die durch die Kosten für stationäre Pflege entstehen, verringert – allerdings für die öffentlichen Haushalte erhöht.

Die jeweiligen aufeinanderfolgenden Regierungen haben gezögert, diese Änderungen vorzunehmen. Die jüngste politische Erklärung ‚Building Back Better: Our Plan for Health and Social Care‘ wurde im September 2021 veröffentlicht. Darin wird vorgeschlagen, ab 2023 eine neue Obergrenze von 86.000 £ als Betrag einzuführen, den eine Person in England im Laufe ihres Lebens für ihre persönliche Pflege ausgeben muss. Darin heißt es: „Dies wird eine seismische Veränderung in der Art und Weise sein, wie wir für die Pflege bezahlen, und wird eine der Hauptempfehlungen der unabhängigen Dilnot-Kommission umsetzen.“. Im Oktober 2022, nach dem Wechsel des Premierministers, kündigte die neue Regierung jedoch an, dass diese Änderungen um zwei Jahre verschoben und daher nicht vor 2025 umgesetzt würden, womit sich das fortsetzte, was in einer wissenschaftlichen Abhandlung als „verlorenes Jahrzehnt“ in der Pflege bezeichnet wird (Glasby et al., 2021).

Die Leser/​Leserinnen sollten beachten, dass Pflege einer der dezentralisierten Bereiche ist, der in Schottland, Wales und Nordirland ganz anders geregelt ist als in England. So ist beispielsweise die persönliche Betreuung in Schottland für diejenigen, die als bedürftig eingestuft werden, kostenlos. In Nordirland ist die häusliche Pflege für über 75-Jährige unentgeltlich.

7.5 Renteneinkommen: Gesamtbeträge und Verteilung

Daten zum Durchschnittseinkommen und zu Einkommensquellen von Rentnern/​Rentnerinnen basieren auf der jährlichen Erhebung des Family Resources Surveys (DWP, 2022, b). Diese Daten zeigen, dass das Einkommen von Rentnern/​Rentnerinnen seit der erstmaligen Verfügbarkeit dieser Datenreihe im Jahr 1995 erheblich angestiegen ist, auch wenn sich die Steigerungsrate nach 2010 abgeflacht hat. Im Jahr 2021 waren staatliche Leistungen die wichtigste Einkommensquelle für Rentner/​Rentnerinnen (56 % des Einkommens für alleinstehende Rentner/​Rentnerinnen und 37 % für Paare); Betriebsrenten waren die zweitwichtigste Quelle (29 % und 35 %); die Einkünfte machten 6 % des Einkommens für alleinstehende Rentner/​Rentnerinnen und 15 % für Paare aus. Der Rest entfiel auf Kapitalanlagen und andere Quellen. Die Daten zeigen auch, dass jüngere Rentner/​Rentnerinnen im Durchschnitt über höhere Einkommen verfügen als ältere Rentner/​Rentnerinnen.

Anhand dieser Daten lässt sich ebenfalls erkennen, wo sich Rentner/​Rentnerinnen in der allgemeinen Einkommensverteilung im Vereinigten Königreich befinden. Im Jahr 2021 gehörten 14 % der Rentner/​Rentnerinnen dem untersten Quintil der gesamten Einkommensverteilung an und 20 % dem obersten Quintil. Dies ist eine statistisch signifikante Veränderung gegenüber 1995, als 19 % im untersten Quintil und 13 % im obersten Quintil lagen.

Hinter diesem insgesamt verbesserten Gesamtbild verbergen sich jedoch zahlreiche Ungleichheiten. So zeigen beispielsweise die Daten zum Einkommen von Rentnern verschiedener ethnischer Gruppen, dass weiße britische Rentnerfamilien das höchste wöchentliche Gesamteinkommen und Rentnerfamilien mit asiatischem Hintergrund das niedrigste wöchentliche Gesamteinkommen hatten. Darüber hinaus war erkennbar, dass Rentnerfamilien mit schwarzem ethnischen Hintergrund am stärksten auf bedürftigkeitsabhängige Leistungen und auf Leistungen bei Erwerbsunfähigkeit angewiesen waren (DWP, 2022c).

7.6 Erwerbsbeteiligung

Das Standardrentenalter von 65 Jahren, bei dessen Erreichen Arbeitgeber/​Arbeitgeberinnen von ihren Mitarbeitenden verlangen konnten, in den Ruhestand zu gehen, wurde 2011 abgeschafft. Darauf können Arbeitgeber/​Arbeitgeberinnen im Vereinigten Königreich nicht mehr bestehen.

Im Laufe der Zeit hat die Erwerbsbeteiligung von Menschen über 65 Jahren in erheblichem Maße zugenommen, wie die nachstehende Tabelle zeigt, obwohl es Hinweise darauf gibt, dass die Covid-19-Pandemie diesen Trend unterbrochen und ältere Menschen davon abgehalten haben könnte, weiter zu arbeiten. Diese Zahlen umfassen eine Reihe verschiedener Vollzeit-, Teilzeit- und diskontinuierlich, zeitlich begrenzter Arbeitsverhältnisse sowie Personen, die nicht erwerbstätig sind, aber nach Arbeit suchen.

Tabelle 2 Quoten der Erwerbsbeteiligung nach Alter und Geschlecht, Vereinigtes Königreich, 1995, 2005, 2017
  Beteiligung von Männern % Beteiligung von Frauen (%) Gesamt (%)
Alter 1995 2005 2017 1995 2005 2017 1995 2005 2017
65 18.0 28.3 34.5 10.9 14.6 22.7 14.3 21.0 28.5
66 16.1 19.2 30.8 7.9 11.3 18.4 11.7 15.1 24.6
67 14.8 17.6 25.7 8.0 10.5 14.6 11.2 14.0 20.1
68 12.5 16.5 21.2 5.8 9.5 14.0 9.0 12.8 17.4
69 11.8 13.9 19.0 6.0 7.4 12.8 8.7 10.5 15.7
70 8.8 9.9 17.2 4.0 6.5 10.2 6.1 8.1 13.6
71 7.0 7.6 15.2 3.2 5.5 10.4 4.9 6.5 12.7
72 6.3 7.5 13.5 2.6 3.7 7.9 4.2 5.5 10.6
73 6.7 6.6 11.4 2.5 2.8 6.1 4.4 4.6 8.6
74 6.1 4.5 11.9 2.5 1.5 4.4 4.0 2.9 7.9
75+ 2.7 2.7 4.0 0.7 0.9 1.5 1.4 1.6 2.6

Quelle: Office of National Statistics, Labour market participation rates by age and sex, United Kingdom, 1995, 2005, 2015, 2017, Table 1. Release date:5 December 2018. Reference number: 009385

Die Zahlen zeigen, dass mehr Menschen bis zu ihrem sechzigsten Lebensjahr erwerbstätig sind, wobei der Anteil abnimmt, wenn sie die frühen Siebziger Jahre erreichen. Die größere Flexibilität, die durch die Abschaffung des Standard-Ruhestandsalters geschaffen wurde, scheint dazu beigetragen zu haben, dass sich zumindest einige Menschen dafür entschieden haben, weiterhin erwerbstätig zu sein und am Arbeitsleben teilzunehmen, obwohl für andere Personen, die beispielsweise im handwerklichen Gewerbe tätig sind, erhebliche Probleme ungelöst bleiben.

8 Familien und Kinder

8.1 Überblick/​politischer Ansatz

In der Vergangenheit vertrat die britische Sozialpolitik den Ansatz, dass Familie und Kindererziehung zur „privaten Domäne“ zählen, die sich dem Zugriff des Staates entzieht, es sei denn, dass der Schutz von Kindern erforderlich ist. Folglich war die Familienpolitik in der Vergangenheit kein Schwerpunkt politischer Aktivitäten.

In den 1990er Jahren entwickelte sich eine aktivere und interventionistischere Politik, die zu einem wichtigen Bestandteil der Maßnahmen der Labour-Regierung von 1997 bis 2010 und zur Bekämpfung der sozialen Ausgrenzung wurde. Hierzu zählten eine nationale Strategie zur Kinderbetreuung, das Programm Sure Start und die Verpflichtung zur Beseitigung der Kinderarmut bis 2020. Nachfolgende Regierungen, die unter finanziellem Druck standen und andere politische Ziele verfolgten, haben ihre Rolle jedoch eingeschränkt. Jüngste Analysen, die das Vereinigte Königreich mit anderen europäischen Ländern vergleichen, stufen das Land in Bezug auf seine „familienfreundlichen“ Angebote eher niedrig ein.

Allerdings ist der Kinderschutz im Vereinigten Königreich nach wie vor ein wichtiger Politikbereich, der in sozialpolitischen Fachbüchern häufig einen wesentlichen Teil der Diskussion über Kinder und Familien ausmacht.

8.2 Familientypen und Kinder

Daten des britischen Office of National Statistics zeigen, dass es im Jahr 2021 etwa 8,1 Millionen Familien mit abhängigen Kindern gab (von insgesamt 19,3 Millionen Familien). Von diesen Familien waren 63 % verheiratete Paare und Paare mit eingetragenen Lebenspartnerschaften, 23 % Alleinerziehende und 14 % Paare, die in einer Lebensgemeinschaft leben. (ONS, 2023a)

8.3 Kindheitserfahrungen und Wohlbefinden

Im Vereinigten Königreich gibt es eine Reihe von Langzeitstudien über Geburtskohorten, in denen die Erfahrungen und Entwicklungen von Kindern, die seit dem Zweiten Weltkrieg in dem jeweiligen Jahrzehnt geboren wurden, verfolgt wurden. Die jüngste Kohortenstudie verfolgt 19 000 junge Menschen, die in den Jahren 2000–2002 geboren wurden (die Millennium-Kohorte). Frühere Kohortenstudien verfolgen noch immer Stichproben von Menschen, die in den Jahren 1946, 1958 und 1970 geboren wurden. Diese Studien liefern wertvolle Erkenntnisse über das Aufwachsen im Vereinigten Königreich in den entsprechenden Zeiträumen. Umfangreiche Informationen aus diesen Studien sind auf der Website des UCL Centre for Longitudinal Studies [3] frei zugänglich.

Seit 2019 veröffentlicht das Bildungsministerium jährlich eine interessante Reihe offizieller Forschungsberichte über das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen. Die jüngste Version konzentriert sich auf die psychische Gesundheit von Kindern und vergleicht die Situation vor und nach der COVID-19-Pandemie. Daraus geht hervor, dass sich das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen bis zum Ende des Schuljahrs 2021/22 „uneinheitlich bezogen auf das Niveau vor der Pandemie zurückentwickelt haben“ (DfE, 2023a).

Es gibt auch eine sehr informative Veröffentlichung des Royal College of Pediatrics and Child Health, die eine „Übersichtskarte“ über Trends für die Bereiche Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern in jedem der vier britischen Staaten enthält. (RCPCH, 2022)

8.4 Kinderarmut

Kinderarmut ist ein erhebliches und wachsendes Problem im Vereinigten Königreich. In dem von der Joseph Rowntree Foundation veröffentlichten Bericht UK Poverty 2022 heißt es:

„Kinderarmut nimmt weiter zu. Aus den neuesten Daten geht hervor, dass fast 1 von 3 Kindern im Vereinigten Königreich in Armut lebt (31 %). Fast die Hälfte der Kinder in Alleinerziehenden-Familien lebt in Armut, verglichen mit einem Viertel der Kinder in Paarfamilien.“

Der Bericht erklärt weiter:

„Vor fünfundzwanzig Jahren lebte ein Drittel der Kinder in Armut. Diese Zahl sank bis 2004/05 auf 28 % und erreichte ihren niedrigsten Stand von 27 % im Zeitraum 2010/11 bis 2013/14. Seitdem steigt Kinderarmut und wird 2019/20 31 % erreichen. Bei Familien mit Kindern ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie Sozialleistungen erhalten, als bei Familien ohne Kinder, so dass dieses Muster Veränderungen im Beschäftigungsniveau, beim Einkommen und bei den Sozialleistungen widerspiegelt.“ (JRF 2022, S. 10)

Trotz dieses Trends gibt es in der aktuellen Politik nur wenige direkte Maßnahmen gegen Kinderarmut. Die vorherige Labour-Regierung hatte einen viel ehrgeizigeren Ansatz verfolgt, der in dem Gesetz über Kinderarmut von 2010 gipfelte, das gesetzliche Ziele zur drastischen Verringerung der Zahl der in diesen Verhältnissen lebenden Kinder bis 2020 festlegte. Diese Ziele wurden jedoch nach den Parlamentswahlen 2015 fallen gelassen, und das Gesetz über Kinderarmut wurde schließlich aufgehoben.

Viele Experten/​Expertinnen haben die Gefahren dieser Situation hervorgehoben. Es geht nicht nicht nur um die unmittelbare materielle Deprivation, sondern auch um die Art und Weise, wie Armutslebenslagen langfristig die Chancen von Kindern, untergraben und Ungleichheiten aufrechterhalten (Children’s Commissioner for England, 2021).

8.5 Zugang zu Kinderbetreuung

Was angewandte Maßnahmen zur Einführung familienfreundlicher Politiken betrifft, so rangiert das Vereinigte Königreich im Vergleich zu anderen reicheren Ländern auf einem der hinteren Plätze. In einer OECD-Analyse dieser politischen Maßnahmen in Ländern mit höherem und mittlerem Einkommen findet sich das Vereinigte Königreich auf Platz 19 von 31 Ländern, den Zugang zu Kinderbetreuungseinrichtungen für Kinder unter 3 Jahren betreffend, und auf Platz 26 von 31, wenn es um den Zugang zu Kinderbetreuungseinrichtungen für Kinder zwischen 3 Jahren und dem schulpflichtigen Alter geht (Chzhen et al. 2019, S. 6). Der Zugang zu Kinderbetreuung ist ein Schwachpunkt der Sozialpolitik im Vereinigten Königreich, nicht nur im Vergleich zu Ländern, die für ihre „familienfreundlichen“ Modelle bekannt sind, wie die nordischen Staaten, sondern auch im Vergleich zu anderen Gesellschaften mit liberaler Wohlfahrtsorientierung (Ville et al., 2022).

Die Kosten für Kinderbetreuung stellen für viele Familien im Vereinigten Königreich ein zusätzliches Problem dar. Daten der OECD zeigen, dass die Nettokosten für die Kinderbetreuung im Vereinigten Königreich 29 % des Durchschnittslohns eines Paares betragen und damit deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 10 % liegen (OECD, n.d.). Diese Probleme sind im Vereinigten Königreich wohlbekannt und Gegenstand von Kritik in weiten Teilen des politischen und sozialen Spektrums sowie des Unternehmenssektors.

Der Zugang zu Kinderbetreuung wird von der Regierung in gewissem Umfang finanziell unterstützt. In England haben alle Drei- und Vierjährigen und einige Zweijährige Anspruch auf 570 Stunden kostenlose Kinderbetreuung pro Jahr (15 Stunden pro Woche für 38 Wochen), wobei einige Drei- und Vierjährige zusätzlich zu der allgemeinen Zuweisung weitere 570 Stunden erhalten können. Erwerbstätige Familien, die aufgrund ihres geringen Einkommens Sozialleistungen beziehen, können weitere Unterstützung für Kinderbetreuungskosten erhalten. Schottland hat vor kurzem ein noch großzügigeres System eingeführt, bei dem 1.140 Stunden (30 Stunden pro Woche) kostenlose Kinderbetreuung für alle Drei- und Vierjährigen sowie für berechtigte Zweijährige zur Verfügung stehen. Viele Verfechter dieses Ansatzes haben gefordert, dass das 30-Stunden-Angebot auch in England eingeführt werden sollte (Kennedy et al., 2023), und die Regierung hat für 2023 eine Erweiterung angekündigt.

8.6 Kinderschutz

Die vier Nationen des Vereinigten Königreichs haben jeweils ihr eigenes Kinderschutzsystem, um Kinder vor Missbrauch und Vernachlässigung zu schützen. Allerdings basieren die vier Systeme auf gemeinsamen Grundsätzen.

Zu diesen Grundsätzen, die im Children Act von 1989 niedergelegt sind, gehören: das Konzept der elterlichen Verantwortung; dass die Gerichte das Wohlergehen eines Kindes als vorrangig behandeln sollten; und dass Kinder am besten in ihrer Familie betreut werden, es sei denn, ein Eingreifen ist unerlässlich.

Das Gesetz legt die Pflichten der lokalen Behörden in Bezug auf die Feststellung und Unterstützung von Kindern fest, denen ein „erheblicher Schaden“ droht, sowie in Bezug auf eine etwas breitere Gruppe von „Kindern in Not“.

Wenn eine kommunale Behörde den Verdacht hat, dass ein Kind in ihrem Zuständigkeitsbereich einen erheblichen Schaden erleidet oder zu erleiden droht, muss sie tätig werden, um zu entscheiden, ob sie Maßnahmen zum Schutz oder zur Förderung des Kindeswohls ergreifen sollte. Die Einzelheiten des zu verfolgenden Ansatzes sind in den Leitlinien der Regierung dargelegt. Wenn ein Kind als gefährdet eingestuft wird, muss ein Kinderschutzplan vereinbart und umgesetzt werden (HM Government, 2018).

Bedürftige Kinder im Sinne des Gesetzes sind Kinder mit einer Behinderung oder Kinder, deren Gesundheit oder Entwicklung mit großer Wahrscheinlichkeit erheblich beeinträchtigt wird, wenn sie nicht von den örtlichen Behörden betreut werden. Die Kommunalbehörden sind verpflichtet, angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um bedürftige Kinder in ihrem Gebiet zu ermitteln und zu entscheiden, welche Dienste bereitgestellt werden sollen. Sie sind verpflichtet, das Wohlergehen dieser Kinder zu fördern und zu schützen, indem sie eine Reihe von geeigneten Diensten bereitstellen.

Das Gesetz besagt auch, dass die lokalen Behörden verpflichtet sind, Kindern, wenn nötig, eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Dies kann der Fall sein, wenn es niemanden gibt, der die elterliche Verantwortung für das Kind trägt, oder wenn das Kind verlassen wurde, oder wenn seine Eltern oder Betreuer keine Unterkunft oder Betreuung bieten können, oder wenn das Kind 16 Jahre oder älter ist und sein Wohlergehen „wahrscheinlich ernsthaft beeinträchtigt“ wird, wenn es nicht untergebracht wird. Kinder, die auf diese Weise unterstützt werden, werden als „betreut“ bezeichnet, wobei die lokale Behörde oft als „korporativer Elternteil“ bezeichnet wird.

Nachfolgende Gesetze (das Kindergesetz von 2004 und das Gesetz über Kinder und Sozialarbeit von 2017) verlangten eine behördenübergreifende Zusammenarbeit, um Kinder wirksamer zu schützen. Das Gesetz von 2017 verlangt, dass drei „Schutzpartner“ – die lokale Behörde, die NHS Clinical Commissioning Groups und die Polizeikräfte – strategisch zusammenarbeiten, um Schutzvorkehrungen in ihrer Region festzulegen (Foster, 2020).

Daten zur Anzahl der Kinder, die im Rahmen dieser Verfahren betreut werden, werden jährlich veröffentlicht. Im Jahr 2022 gab es in England

  • 404.000 bedürftige Kinder
  • 51.000 Kinder, die so stark gefährdet waren, dass sie einen Kinderschutzplan benötigten (DfE, 2022a)
  • 82.000 betreute Kinder, darunter fast 6.000 unbegleitete asylsuchende Kinder. (DfE, 2022b)

Die Zahl der betreuten Kinder hat in den letzten Jahren einen besonders starken Aufwärtstrend erfahren und ist von weniger als 60.000 im Jahr 2000 auf 75.000 im Jahr 2018 und auf mehr als 80.000 im Jahr 2022 gestiegen. Die Besorgnis über dieses Anwachsen führte zu einer offiziellen Untersuchung, die im Mai 2022 abgeschlossen wurde (MacAlister, 2022). Der Plan der Regierung als Reaktion darauf wurde im Februar 2023 veröffentlicht (DfE, 2023b). Darin verpflichtet sie sich, „die Kinder- und Jugendhilfe von kostspieligen Kriseninterventionen auf eine sinnvollere und wirksamere Hilfe für Familien umzustellen“. Obwohl dieses Ziel begrüßt wurde, haben viele Beobachter ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass anscheinend nicht genügend Geld zur Verfügung steht, um dieses Ziel zu verwirklichen, und dass diese längerfristigen Ziele möglicherweise keine Auswirkungen auf die unmittelbaren Krisen haben, die an vielen Orten auftreten.

8.7 Kinderrechte

Das Vereinigte Königreich hat das Übereinkommen der Vereinten Nationen zu Kinderrechten (UN-KRK) im Jahr 1991 ratifiziert.

Die vier das Vereinigte Königreich konstituierenden Nationen sind bei der Umsetzung der Konvention in ihren jeweiligen Landesteilen unterschiedlich vorgegangen. Nur Schottland hat versucht, die Rechte aus der Konvention in das innerstaatliche Recht zu übernehmen, was der Empfehlung der Vereinten Nationen für bewährte Verfahren entspricht. Ein entsprechendes Gesetz wurde 2021 vom schottischen Parlament verabschiedet, aber eine Anfechtung vor dem Obersten Gerichtshof des Vereinigten Königreichs hat das Inkrafttreten der Konvention bis heute verhindert. Als Übergangsmaßnahme hat die schottische Regierung einen Leitfaden zur Förderung eines kinderrechtsbasierten Ansatzes für Dienstleistungen des öffentlichen Bereichs herausgegeben, der jedoch keine gesetzliche Gültigkeit hat (Schottische Regierung, 2021).

In Wales sind die Minister der dezentralisierten Regierung verpflichtet, die Konvention gebührend zu berücksichtigen, aber diese Verantwortung erstreckt sich nicht auf andere öffentliche Institutionen. In England und Nordirland sind die Minister der Regierungen noch nicht einmal verpflichtet, die UNRK gebührend zu berücksichtigen.

In jedem der vier britischen Landesteile gibt es „Children’s Commissioners“. Sie verwenden die UN-Kinderrechtskonvention als Grundlage für die Förderung von Kinderrechten und die Bewertung der Sozialpolitik. Jeder/jede Beauftragte verfügt über eine eigene Website, die umfangreiche Informationen zu diesen Themen bietet [4].

9 Sozialarbeit

Im Vereinigten Königreich wird der Begriff Sozialarbeit verwendet, um die professionelle Arbeit von qualifizierten Sozialarbeitern/​Sozialarbeiterinnen zu beschreiben. Sozialarbeit konzentriert sich heute weitgehend auf das Erfassen und die Unterstützung von hilfebedürftigen Erwachsenen und Kindern. Entweder bieten Sozialarbeiter/​Sozialarbeiterinnen Hilfe direkt an, oder sie helfen dabei, die notwendige Hilfe von anderen Stellen zu erhalten. Sozialarbeit kann als Teil eines umfassenderen Ökosystems der Sozialfürsorge gesehen werden.

9.1 Professionelle Sozialarbeit

„Sozialarbeiter/​Sozialarbeiterin“ ist im Vereinigten Königreich eine geschützte Berufsbezeichnung, d.h. nur Personen, die die erforderliche Ausbildung absolviert und ihre Zulassung bei der Berufsaufsichtsbehörde erworben haben, dürfen diese Bezeichnung führen. In jedem der vier Länder des Vereinigten Königreichs gibt es eigene Aufsichtsbehörden. In Schottland, Wales und Nordirland übernehmen die Aufsichtsbehörden neben der Aufgabe der Zulassung auch die Verantwortung für die Entwicklung des gesamten Personals im Sozialbereich. In England hingegen gibt es jetzt eine spezielle Zulassungsbehörde (Social Work England), die nur für den Beruf des Sozialarbeiters/der Sozialarbeiterin zuständig ist.

Der Britische Verband der Sozialarbeiter/​Sozialarbeiterinnen (British Association of Social Workers – BASW) ist die professionelle Mitgliederorganisation für Sozialarbeit. Sie wurde 1970 gegründet und brachte im Rahmen der Professionalisierung der Disziplin Sozialarbeit eine Reihe von Fachgruppen zusammen (Payne, 2005; S. 191–195). Der Verband zählt heute mehr als 22.000 Mitglieder.

Im November 2022 waren in England rund 100.000 Sozialarbeiter/​Sozialarbeiterinnen registriert, von denen 52 % in der Kinder- und Jugendhilfe und der Familienhilfe, 31 % im Bereich soziale Arbeit mit Erwachsenen und 7 % in anderen Bereichen, einschließlich Strafjustiz und häusliche Gewalt, tätig waren. Für die restlichen 10 % sind keine Daten verfügbar (Social Work England, 2023, S. 46).

Die meisten Sozialarbeiter/​Sozialarbeiterinnen sind bei Kommunalverwaltungen angestellt, eine geringere Anzahl ist beim NHS und im unabhängigen Sektor beschäftigt. Viele Kommunen sind in hohem Maße auf Sozialarbeiter/​Sozialarbeiterinnen angewiesen, die von Arbeitsagenturen vermittelt werden, weil die Kommunen Schwierigkeiten haben, eigenes festes Personal einzustellen und zu halten.

9.2 Geschichte und Organisation der Sozialarbeit

Die Wurzeln der modernen Sozialarbeit im Vereinigten Königreich lassen sich bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen, als Verstädterung, schlechte Wohnverhältnisse und Armut reformorientierte Gruppen und Einzelpersonen wie die Charity Organisation Society und die National Society for the Prevention of Cruelty to Children auf den Plan riefen. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit, der entweder auf Einzelpersonen oder auf Familien lag, stand oft im Gegensatz zur politischen Ausrichtung anderer Gruppen, die im gleichen Zeitraum entstanden.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Sozialarbeit zu einem wichtigen Aspekt der Sozialpolitik im Vereinigten Königreich. Ab Ende der 1940er Jahre mussten die Kommunen einen Fachbereich für Kinder einrichten und nach der endgültigen Abschaffung des Armengesetzes auch die Aufgaben für die soziale Arbeit mit Erwachsenen übernehmen. Die Kommunen wurden somit zu den wichtigsten Behörden für Sozialarbeit im Vereinigten Königreich. Eine wichtige Änderung trat 1970 ein, als die Regierung per Gesetz einen integrierten Sozialdienst in den Kommunen einführte, in der die Zuständigkeiten für die Kinder- und Jugendhilfe mit denen des Bereichs der Arbeit mit Erwachsenen zusammengelegt wurden.

9.3 Bildung und Ausbildung

Die formale Ausbildung im Bereich Sozialarbeit begann Anfang des 20. Jahrhunderts mit Ausbildungsprogrammen, die zunächst von der Charity Organisation Society, dann von den Universitäten Birmingham und Liverpool sowie von der London School of Economics eingeführt und angeboten wurden. Umfang und Ausmaß der Ausbildung nahmen in den 1960er- und 1970er-Jahren erheblich zu, als die Kommunalverwaltungen immer mehr Personal für diese Tätigkeitsbereiche benötigten; auch die Forderung nach beruflicher Anerkennung von Sozialarbeit setzte sich in dieser Zeit im Vereinigten Königreich durch.

Die derzeitigen Wege zur Qualifikation als Sozialarbeiter/​Sozialarbeiterin werden von den Aufsichtsbehörden festgelegt. Die Qualifikation als Sozialarbeiter/​Sozialarbeiterin erfordert jetzt entweder einen Bachelor-Abschluss in Sozialarbeit oder, wenn man einen anderen Studiengang auf under-graduate-Ebene absolviert hat, einen post-graduate Master-Abschluss in Sozialarbeit. Neben Vollzeitstudiengängen werden auch alternative Wege über Teilzeit- und Fernstudiengänge angeboten, und seit kurzem stehen auch Diplom-Ausbildungsgänge für diejenigen, die bereits in Bereichen der Sozialarbeit tätig sind, zur Verfügung.

Praktika sind ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildungsprogramme, wobei die Studierenden mindestens 200 Praxistage absolvieren müssen, um Erfahrungen zu sammeln und in der Praxis zu lernen. Der akademische Unterricht umfasst die Theorie der Sozialarbeit, Ethik, Praxis und Organisation der Sozialarbeit sowie die thematische Auseinandersetzung mit Ansprüchen und Bedürfnissen der Nutzer/​Nutzerinnen sozialer Dienstleistungen. Die Aufsichtsbehörden legen mittlerweile einen stärkeren Fokus auf Gleichheit, Vielfalt und Integration bei Bildungs- und Ausbildungsstandards.

Viele Universitäten bieten heute Ausbildungsprogramme für den Bereich Sozialarbeit an; im Jahr 2022 gab es allein in England 83 Anbieter, die eine qualifizierende Ausbildung offerieren, und natürlich finden sich weitere Anbieter in den anderen Teilen des Vereinigten Königreichs (Social Work England, 2023, S. 20).

9.4 Rekrutierung und Bindung

Ein Problem im Bereich der sozialen Arbeit sind die Schwierigkeiten der Kommunen bei der Rekrutierung und Bindung von Personal, was häufig mit dem bestehenden Aufgabendruck zusammenhängt. Die Zahl der unbesetzten Stellen nimmt zu: 20 % der Stellen in der Kinder- und Jugendhilfe und der Familiensozialarbeit und 10 % im Bereich Erwachsene werden im Jahr 2022 unbesetzt sein. Um diese Lücken zu schließen, greifen die Arbeitgeber häufig auf Zeitarbeitskräfte zurück, die über Agenturen eingestellt werden, doch ist dieses Vorgehen oft teurer als eine Festanstellung. Außerdem wirkt sich die Personalfluktuation negativ auf die Betreuung der hilfesuchenden Personengruppen aus (Social Work England, 2023; S. 63).

Der jüngste Independent Review of Children’s Social Care (Unabhängige Überprüfung der sozialen Betreuung von Kindern) unter dem Vorsitz von Josh MacAlister zielte darauf ab, die Unzufriedenheit der Beschäftigten im Sektor Sozialarbeit zumindest ansatzweise zu überwinden, indem der Bericht Möglichkeiten und Wege empfahl, damit Sozialarbeiter/​Sozialarbeiterinnen mehr Zeit für die direkte Arbeit mit Familien aufwenden können und weniger mit Verwaltungsaufgaben zubringen müssen (MacAlister, 2022; S. 180–184).

Ähnliche Probleme bei der Rekrutierung und Bindung von Personal zeigen sich auch in der sozialen Arbeit mit Erwachsenen. Im Jahr 2021/22 waren fast 11 % der Stellen in diesem Beschäftigungsbereich insgesamt unbesetzt, darunter 9,4 % der Positionen für anerkannte Sozialarbeiter (Skills for Care, 2022; S. 61–62).

9.5 Digitale Fähigkeiten

Seit langem gibt es Kritik an unzureichenden computergestützten Fallverwaltungssystemen und den Auswirkungen, die dies auf die Betreuung der Hilfebedürftigen und die Arbeitsbelastung der Mitarbeitenden hat. Im Independent Review wurde argumentiert, dass die Fallverwaltungssysteme „neu konzipiert“ werden müssten, damit die Sozialarbeiter/​Sozialarbeiterinnen weniger Zeit mit der Erfassung von Fällen in diesen Systemen verbringen müssten (MacAlister, 2022; S. 219–223). Zu den Vorschlägen gehörten die Behebung von Marktlücken bei der kommerziellen Bereitstellung zugrunde liegender Systeme, die Ermöglichung eines einfacheren Datenaustauschs zwischen den Behörden und die Überprüfung des Bestands der gesammelten Daten und ihrer Verwendung für informierte Entscheidungsfindungen.

Die COVID-19-Pandemie hat u.a. Auswirkungen auf die zunehmende Nutzung von Online- und Remotesystemen in der Sozialarbeit gezeigt. Social Work England hat sich dazu geäußert; die Organisation geht davon aus, dass sich hybrides Arbeiten infolge der Erfahrungen aus der Pandemie weiter ausbreiten wird, aber die Aufsichtsbehörden haben vor möglichen Risiken bei der Peer-Unterstützung, der Supervision der Mitarbeitenden und vor Auswirkungen auf die Qualität der Zusammenarbeit mit den Nutzern/​Nutzerinnen sozialer Dienstleistungen gewarnt (Social Care England, 2023; S. 42).

10 Entwicklung der Gemeinwesenarbeit

Gemeinwesen Perspektiven und lokales Handeln sind auch ein wichtiger Teil der Geschichte der sozialpolitischen Entwicklung im Vereinigten Königreich; ihr Einfluss (und die Grenzen dieses Einflusses) bietet nützliche Einblicke in die Art und Weise, wie Veränderungen stattgefunden haben (Popple, 2015; Gilchrist und Taylor, 2022).

In ganz Großbritannien gibt es derzeit herausragende Beispiele für die erfolgreiche Selbstorganisation von Gemeinwesen. Einige davon wurden organisch von den Menschen vor Ort initiiert, oft als Reaktion auf eine „Bedrohung“ wie etwa Änderungen in der Wohnungspolitik. Andere entstanden aus professionellen Maßnahmen zur Entwicklung von Quartiersmanagement in benachteiligten Gebieten heraus, die von Freiwilligenorganisationen oder lokalen Behörden durchgeführt wurden.

Es gibt mehrere rechtliche Strukturen für Gruppen, die sich im Bereich der Gemeinwesenarbeit engagieren, um ihre Rolle zu formalisieren, falls sie über ausreichende Kapazitäten verfügen. Zu diesen Rechtsformen zählen u.a. die Gesellschaft von gemeinschaftlichem Interesse (community interest company) oder eine kommunale Landstiftung (community land trust). Gleichwohl haben sich viele Gruppen dafür entschieden, eher informell zu bleiben.

Die finanzielle Unterstützung für Gemeinwesen Aktivitäten im Vereinigten Königreich ist heute begrenzter als zu bestimmten Zeiten in der Vergangenheit; finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten bestehen im Rahmen gemeinnütziger Stiftungen und nationaler Lotterieprogramme, aber es gibt kein Gesamtkonzept oder Modell. In jüngster Zeit ist jedoch das politische Interesse an der „Macht des Gemeinwesens“ wieder aufgelebt, insbesondere als Mittel, öffentliche Dienste besser auf lokale Bedürfnisse zuzuschneiden; dieser Ansatz findet aus unterschiedlichen Gründen sowohl bei der politischen Linken als auch bei der Rechten Unterstützung und könnte ein Vorläufer für eine neue Welle zukünftiger Aktivitäten sein.

10.1 Geschichte

In den 1960er Jahren begannen im Vereinigten Königreich Gemeinwesen basierte Aktivitäten und damit verbundene Programme zur Gemeinwesen-Entwicklung Gestalt anzunehmen. Der Schwerpunkt dieser Aktivitäten lag zunächst auf dem Wohnungsbau und der Stadtplanung, als Stadtteile begannen, sich gegen Stadtsanierungen zu wehren, die die örtliche Bevölkerung in neue und ungeliebte Wohnsiedlungen außerhalb der Stadt vertrieben. Obdachlosigkeit, Zugang zu Kinderbetreuungs- und Spieleinrichtungen sowie Bildung waren ebenfalls immer wiederkehrende Themen für Stadtteil basierte Aktionen (Boyle, 2021), die im weiteren Verlauf durch Kunst, Kultur und andere Bereiche ergänzt wurden.

Anfangs wurden diese Tätigkeiten von öffentlichen Stellen kaum unterstützt. Erst Ende der 1960er Jahre änderte sich diese Situation, und es gab Empfehlungen in offiziellen Berichten aufgrund von positiven Beispielen, die eine umfassendere Rolle für die Beteiligung von Gemeinwesen Gruppen bei Vorhaben im Bereich der Stadtplanung und öffentlichen Dienstleistungen forderten. In diese Zeit fiel auch das erste von der Regierung finanzierte Programm zur Entwicklung der Innenstädte, das 1969 in zwölf Gebieten in England, Schottland und Wales gestartet wurde, um Benachteiligungen und Armut zu bekämpfen. Die Erkenntnis der Projektteams in vielen dieser Gebiete, nämlich dass die tiefsitzenden strukturellen Ursachen von Armut und Ungleichheit nicht ohne umfassendere soziale und wirtschaftliche Veränderungen beseitigt werden können, führte zwangsläufig zu Konflikten mit lokalen und nationalen Regierungsstellen (Loney, 1983).

Nachfolgende Regierungsprogramme in den 1990er und frühen 2000er Jahren konzentrierten sich zunächst auf die physische und wirtschaftliche Erneuerung benachteiligter städtischer Gebiete. Sie wurden dann als „Nachbarschaftserneuerung“ umformuliert, wobei ihr Schwerpunkt sich stark auf Sicherheit, Arbeitslosigkeit und Bildung konzentrierte. Diese Programme beinhalteten häufig einen Bezug zur Gemeinwesen Entwicklung, insbesondere im Rahmen des Programms „New Deal for Communities“, allerdings stand dieser thematische Bezug häufig nicht im Mittelpunkt (Batty et al., 2010; AMION Consulting, 2010).

Ein Großteil der Mittel für diese Arbeit wurde mit der Finanzkrise 2008–2010 und dem Regierungswechsel im Jahr 2010 gestrichen. Die konservativ-liberale Koalitionsregierung, die 2010 an die Macht kam, förderte eine gemeinschaftsorientierte „Big Society“-Initiative, die darauf abzielte, den Gemeinden mehr Befugnisse einzuräumen, Freiwilligenarbeit zu fördern und sozialwirtschaftliche Unternehmen zu unterstützen. In der Praxis wurde die Initiative nur begrenzt umgesetzt und stand im Schatten der Bemühungen der Regierung, die öffentlichen Ausgaben zu senken. Einige Elemente der Initiative haben überlebt, wie z.B. der Localism Act 2011, der den Gemeinden die Befugnis einräumt, sich um Vermögenswerte, die einen Wert (wie Pubs oder Dorfläden) für den Zusammenhalt des Gemeinwesens darstellen, zu bewerben. Durch eine Nutzungsänderung oder Umnutzung könnte das gemeinschaftsstiftende Element verloren gehen.

10.2 Organisatorische Strukturen

Im Vereinigten Königreich gibt es verschiedene Strukturen für Gemeinwesen Gruppen, die eine Not-for-Profit Organisation werden wollen.

Gemeinwesen Gruppen, die auf lokaler Ebene tätig werden wollen, können einen Verein ohne eigene Rechtspersönlichkeit gründen, sofern sie eine Satzung verfassen und vereinbaren. Dies ist die einfachste Art und Weise und erfordert keinen Eintrag bei einer amtlichen Behörde. Gruppen ohne eigene Rechtspersönlichkeit können jedoch keine Verträge unterzeichnen und sind daher nicht in der Lage, Personal einzustellen oder Gebäude zu mieten. Sie können auch keine umfangreichen Finanzmittel beantragen.

Wenn diese informellen Gruppen eine umfassendere Rolle übernehmen wollen, besteht die Möglichkeit, eine Partnerschaft mit einer anderen Organisation, die über eine rechtliche, anerkannte Struktur verfügt (z.B. eine Wohltätigkeitsorganisation), einzugehen. Diese rechtlich anerkannte Organisation kann dann im Namen der lokalen Gruppe Gelder verwalten oder Mitarbeitende einstellen. Dieser Ansatz wird beispielsweise von dem von der Nationalen Lotterie finanzierten Programm Big Local praktiziert, das diese Partner als Local Trusted Organisation (LTOs) bezeichnet. Die LTOs erhalten und verwalten die Mittel im Namen der informellen Big Local-Partnerschaften, berichten dem Geldgeber über die Verwendung der Mittel und leisten administrative Unterstützung. Dieser Ansatz ermöglicht es den Gemeinwesen Gruppen, eine erweiterte Rolle zu übernehmen und gleichzeitig eine einfache Organisationsstruktur beizubehalten (Local Trust, 2019).

Für Gruppen, die selbst eine formellere Rolle übernehmen und Verträge unterzeichnen wollen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wenn sich das Einkommen der Gruppe mit großer Wahrscheinlichkeit aus Zuschüssen oder Spenden generiert und die Betreiber selbst kein Geld damit verdienen, kann es sich um eine gemeinnützige Stiftung (charitable trust) handeln. Wenn der Schwerpunkt auf dem Verkauf von Waren oder Dienstleistungen liegt, gibt es andere gemeinnützige Strukturen für Sozialunternehmen, wie z.B. Community Interest Companies (CICs).

Eine speziellere Rechtsform ist der Community Land Trust (CLT). CLTs sind eine Art von gemeinnützigen, gemeinschaftlich geführten Wohnungsbaugesellschaften, die von der örtlichen Bevölkerung gegründet und kontrolliert werden. Sie können Grundstücke und Wohnungen besitzen und Aktivitäten wie Gemeinschaftsläden, Kneipen oder Arbeitsstätten initiieren und umsetzen. CLTs kümmern sich im Namen ihrer lokalen Nachbarschaften um diese Aktiva und haben erfolgreich erschwinglichen Wohnraum bereitgestellt und brachliegende Flächen genutzt. Diese Form der Selbsthilfe ist für die jeweiligen Regierungen attraktiv, und den CLTs sind mehrere Finanzierungsquellen zur Verfügung gestellt worden (Wilson, 2017). Die Zahl der CLTs ist in den letzten 15 Jahren gestiegen. Inzwischen sollen über 500 Gruppen entstanden sein, die bis heute mehr als 1.100 Wohnungen fertiggestellt haben (Community Land Trust Network, 2023).

10.3 Finanzierungsquellen

Derzeit sind die wahrscheinlich wichtigsten Finanzierungsprogramme, die für Gemeinwesenarbeit zur Verfügung stehen, Zuschüsse, die von den nationalen Lotterieprogrammen vergeben werden. In England gab es zwei 10-Jahres-Programme: Big Local (2012–2025, 214 Mio. £), das 150 Gemeinden unterstützt hat, die bei der vorangegangenen Vergabe von Zuschüssen leer ausgegangen waren, und Power to Change (2015–2025, 150 Mio. £) zur Unterstützung sozialwirtschaftlicher Unternehmen. In Wales hat der Building Communities Trust (2016–2026, 16,5 Mio. GBP) 13 Gemeinden bei der Wiederherstellung bestehender und der Schaffung neuer Gemeinschaftszentren unterstützt. Diese umfangreichen Mittelzuweisungen waren wichtig, um die Dynamik der Gemeinwesen-Entwicklung aufrechtzuerhalten. Außerdem werden auf diese Weise weitere Untersuchungen und Bewertungen der Vorteile und Grenzen von Gemeinwesenarbeit ermöglicht.

Eine neue Finanzierungsquelle, die kürzlich angekündigt wurde, ist das Dormant Assets Scheme, das Geld von vergessenen Konten bei Banken und anderen Finanzinstituten für „gute Zwecke“ umleitet. Nach intensiver Lobbyarbeit des gemeinnützigen Sektors kündigte die Regierung im März 2023 an, dass die Palette der durch das Programm zu unterstützenden Zwecke um Community Wealth Funds erweitert werden soll, die Gemeinden in benachteiligten Gebieten zur Verfügung gestellt und über einen langen Zeitraum hinweg freigegeben werden, wobei die Einwohner/​Einwohnerinnen vor Ort über die Verwendung dieser Mittel entscheiden. Sie können auf diese Weise ihre lokalen Nachbarschaften modernisieren und in von ihnen festgelegte Prioritäten investieren.

10.4 Zukunftsaussichten

Viele Experten haben darauf hingewiesen, dass das Interesse an Kommunalentwicklung zu verschiedenen Zeitpunkten wellenartig auf- und abnimmt (Gilchrist und Taylor, 2022). Die Covid-19-Pandemie hat die Agilität und Wirksamkeit Gemeinwesen basierter Reaktionen auf Krisen und das Potenzial für größeres Engagement deutlich gemacht (Paine et al., 2022).

Es gibt eine wachsende Kampagne für das, was jetzt oft als die „Macht des Gemeinwesens“ bezeichnet wird, um öffentliche Dienste zu verbessern. Eine von New Local (einer von Kommunalverwaltungen geleiteten Denkfabrik) veröffentlichte Formulierung beschreibt dies als „Gemeinwesen Paradigma“, eine Alternative zu den in der Sozialpolitik der vergangenen Jahrzehnte vorherrschenden Staats- und Marktparadigmen:

„Das diesem Paradigma zugrunde liegende Prinzip besteht darin, die Gestaltung und Erbringung öffentlicher Dienstleistungen in die Hände der Gemeinwesen zu legen, denen sie dienen. Auf diese Weise kann eine neue, egalitäre Beziehung zwischen Beschäftigten öffentlicher Breiche und Bürgern/Bürgerinnen aufgebaut werden: eine Beziehung, die eine Zusammenarbeit ermöglicht, die für den Wechsel hin zu Prävention notwendig ist; eine Beziehung, die von den Kommunen verlangt, mehr Verantwortung für ihr eigenes Wohlergehen zu übernehmen; und eine Beziehung, die bedeutet, dass Bürger/Bürgerinnen und Kommunen wirklich ‚die Kontrolle zurückerlangen‘ können“ (Lent und Studdert, 2021, S. 11).

Dieser Ansatz hebt Gemeinwesen Organisationen wie Ambition Lawrence Weston[5] hervor, die 2012 von Bewohnern/​Bewohnerinnen einer Nachkriegssiedlung in Bristol gegründet wurde, um ihre Nachbarschaft zu modernisieren und der rückläufigen Entwicklung der lokalen Dienstleistungen entgegenzuwirken. Diese Organisation verfügt heute über einen umfassenden Entwicklungsplan und hat umfangreiche zusätzliche Mittel erhalten.

Es ist eine offene Frage, ob die „Macht des Gemeinwesens“ eine größere Unterstützung durch die breite Öffentlichkeit erhalten wird und ob sie auf andere Gebiete ausgedehnt werden kann, in denen Ungleichheit und Benachteiligung nach wie vor groß sind. Es bleibt abzuwarten, ob Gemeinwesenarbeit und Quartiersmanagement dort ähnliche Vorteile hervorbringen werden.

11 Künftige Herausforderungen für den Wohlfahrtsstaat des Vereinigten Königreichs

Dieses Länderporträt bietet einen allgemeinen historischen Überblick über den Wohlfahrtsstaat des Vereinigten Königreichs und einen detaillierteren Überblick über die jüngsten Entwicklungen in einer kleinen Anzahl von Politikbereichen. Es gibt viele andere Bereiche und Aspekte, die ähnlich ausführlich hätten behandelt werden können. Andere bereichsübergreifende Strukturen und Perspektiven, wie Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Behinderung und LGBTQ+, sind ebenfalls von grundlegender Bedeutung für das Verstehen und die Einschätzung von Sozialpolitik und sozialpolitischen Maßnahmen.

In Studien wird häufig hervorgehoben, dass der Wohlfahrtsstaat sowohl vor strukturellen als auch vor politischen Herausforderungen steht. Zu ersteren gehören die alternde Bevölkerung, die Klimakrise und die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse, bei denen mehr Menschen Arbeit haben, aber oft mit Mindestlöhnen auskommen und mit kurzen, befristeten Arbeitsverträgen umgehen müssen. Populismus und Migration bzw. die Haltung zu letzterer werden weithin als eine der wichtigsten politischen Herausforderungen angesehen.

Wenn man diese Herausforderungen zusammen mit den kumulativen Auswirkungen der verschiedenen Ereignisse der letzten fünfzehn Jahre betrachtet – die Finanzkrise von 2008, die Sparprogramme der Regierung, der Brexit, die COVID-19-Pandemie und schließlich die erneute Inflation im Jahr 2023 - ist es nicht überraschend, dass viele Analysten pessimistisch sind.

Zu seinen besten Zeiten verfügte der britische Nachkriegs-Wohlfahrtsstaat über die nötige Kraft, um die schweren Aufgaben zu bewältigen, die damals anstanden. Heute benötigt er Agilität und akrobatische Fähigkeiten, wenn er die hohen Erwartungen der Öffentlichkeit und die größere Vielfalt an Herausforderungen erfüllen soll.

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[2] https://lordslibrary.parliament.uk/education-multi-academy-trusts/

[3] CLS | Our studies (ucl.ac.uk).

[4] Verfügbar unter: England – Children’s Commissioner for England (childrenscommissioner.gov.uk); Wales – Home – Children’s Commissioner for Wales (childcomwales.org.uk); Scotland – Home – The Children and Young People’s Commissioner Scotland (cypcs.org.uk); Northern Ireland – Home – Niccy

[5] ambitionlw.org

Verfasst von
Max Krafchik Dr. Max Krafchik
B.Sc. in Sozialverwaltung und Soziologie, Ph.D. in Sozialpolitik. Dr. Krafchik war an drei britischen Universitäten in den Bereichen Forschungsmanagement und strategische Planung tätig und verfügt über mehr als dreißig Jahre Erfahrung in der kommunalen Sozialpolitik, der Beratung und im Freiwilligensektor.

Zitiervorschlag
Krafchik, Max, 2023. Vereinigtes Königreich In: socialnet International [online]. 16.10.2023. ISSN 2627-6348. [Zugriff am: 20.07.2024]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/international/Vereinigtes-Koenigreich

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