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Länderporträt Malaysia

21.09.2021    Nina Weimann-Sandig, Norizan Abdul Razak

Inhalt
  1. Allgemeine Daten zu Malaysia
  2. Zusammenfassung
  3. Übersicht
  4. Sozialer Kontext
  5. Sozialarbeit in Malaysia
  6. Bildungssystem und Genderaspekte
  7. Arbeitsmarkt und Geschlechterungleichheit
  8. Alleinerziehende Mütter als besonders gefährdete Gruppe, die von Geschlechterungleichheit bedroht ist
  9. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf gefährdete Gruppen - am Beispiel alleinstehender Mütter
  10. Malaysische Initiativen zur Unterstützung alleinerziehender Mütter während Covid19
  11. "Es geht nicht nur um Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, sondern um Vielfalt" - Lernen von internationalen Unternehmen mit Sitz in Malaysia
  12. Literatur
  13. Autorinnen

Allgemeine Daten zu Malaysia

Einwohnerzahl 31.95 Mio. (2019)
Bruttoinlandsprodukt 364.7 Mrd.USD (2019) [1]
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 11,414.21 USD (2019) [2]
Armutsrate US $ 4.00 pro Kopf und Tag; 2.7% der Bevölkerung (2019) [3]
Arbeitslosenquote 4.55% (2020) [4]
Sozialausgaben 5% des BIP (2016) [5]
Anteil an Sozialausgaben für Pflege 1.4% des BIP (2016) [6]
Anteil an Sozialausgaben für Ältere, Senioren 0.9% des BIP (2016) [7]
Anteil an Sozialausgaben für Sozialhilfe 1% des BIP (2020) [8]
Anteil der Sozialausgaben für die Jugendhilfe 3.5% des BIP (2016) [9]
Ausgaben für Arbeitslosigkeit 3.8 % des BIP (2016) [10]

Zusammenfassung

Dieses Länderporträt gibt einen Einblick in die soziale und wirtschaftliche Entwicklung in Malaysia. Es legt den Schwerpunkt auf geschlechtsspezifische Arbeitsmarktentwicklungen sowie auf die Folgen der COVID-19-Pandemie für besonders gefährdete Gruppen und beleuchtet die Entwicklung der Sozialarbeit in Malaysia.

Übersicht

Malaysia ist eine multiethnische, mehrsprachige und multireligiöse Nation in Südostasien. Im späten 18. und 19. Jahrhundert errichtete das britische Königreich Kolonien und Protektorate auf dem Gebiet des heutigen Malaysia. Von 1942 bis 1945 waren die Kolonien von Japan besetzt, nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten die Briten zurück, um ihre Kolonien zu verwalten. Die Malayan Peoples Anti-Japanese Army (MPAJA), die ursprünglich gegen die japanischen Invasoren gekämpft hatte, gewann zunehmend an Macht und kämpfte für ein unabhängiges Malaysia. In den folgenden zwölf Jahren führte der erfolgreiche Kampf gegen den Kolonialismus 1957 zur unabhängigen Föderation Malaysia.  Eine der wichtigsten Errungenschaften bestand in der Einführung des passiven und aktiven Wahlrechts für Frauen in der Verfassung von 1957. Dennoch dauerte der Einfluss Großbritanniens an, und Malaysia wurde Mitglied des Commonwealth. Während Malaysia heute als friedliches, multiethnisches Land beschrieben werden kann, kam es seit Ende der 1960er bis Anfang der 1980er Jahre zu diversen interethnischen Aufständen. In den zwei Jahrzehnten unter Premierminister Mahathir bin Mohamad (1981-2003) konnte Malaysia eine expandierende und vielschichtige Wirtschaft entwickeln, die die allgemeine Lebensqualität verbessert hat. Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1957 gelang es Malaysia, seine Wirtschaft zu diversifizieren und zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften in Asien auszubauen. Geographisch gesehen ist Malaysia eine Föderation von 13 Bundesstaaten und 3 Bundesgebieten mit einer Gesamtfläche von 329.847 km². Die 13 Staaten agieren im Rahmen einer föderalen, repräsentativen, demokratischen und konstitutionellen Monarchie. Der Monarch ist das Oberhaupt des Staates und wird Yang di-Pertuan Agong ("Er, der zum Herrn gemacht wurde") genannt. Er hat das Recht, den Premierminister zu ernennen, wenn keine Partei die Stimmenmehrheit erlangt hat (Artikel 40 der malaysischen Verfassung), ist jedoch an die malaysische Verfassung und die Parlamentsgesetze gebunden. Das Land besteht aus zwei Regionen, der Halbinsel Malaysia und Malaysisch Borneo.

Die Hauptstadt Malaysias ist Kuala Lumpur, die im westlichen Teil der Halbinsel Malaysia liegt, während Putrajaya der Sitz der Zentralregierung ist. Über 80 % der Gesamtbevölkerung von 32,4 Mio. Menschen leben auf der Halbinsel Malaysia (Vereinte Nationen 2020). In den letzten Jahrzehnten zogen immer mehr Menschen auf der Suche nach einem festen Arbeitsplatz in die städtischen Regionen. Daher waren 2020 78,4 % der Bevölkerung Stadtbewohner. Das Leben in den ländlichen Gebieten Malaysias unterscheidet sich deutlich von dem in den städtischen Regionen. Dörfer prägen das Landschaftsbild, das Leben ist langsamer und die Menschen leben dicht beieinander. Während sich einige ländliche Gebiete auf die Landwirtschaft konzentrieren, profitieren andere von Fabriken oder Unternehmen, die von niedrigeren Bodenpreisen angezogen werden. Während in den letzten zwei Jahrzehnten die Landflucht dominierte, ist eine neue Entwicklung zu erkennen: Eine gleichbleibende Zahl von Familien mit mittlerem Einkommen verlässt die städtischen Gebiete, um hohe Lebenshaltungskosten sowie lange Fahrtzeiten zu vermeiden und eine höhere Lebensqualität zu erreichen (Weimann-Sandig 2020). Während der vergangenen sechzig Jahre stieg die Lebenserwartung von 52 Jahren in den 1950er Jahren auf 76,7 Jahre im Jahr 2020. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen liegt bei 78,8 Jahren, die von Männern bei 74,7 Jahren (Weltbank 2021). Dies ist auf die verbesserte Ernährungs- und Gesundheitssituation zurückzuführen, durch die auch die Kindersterblichkeitsrate von 150 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten im Jahr 1950 auf 5,2 Todesfälle im Jahr 2020 sank (Unicef 2021). Die verschiedenen ethnischen Gruppen koexistieren in Harmonie, obwohl die muslimische Mehrheit bei der Aufnahme in den öffentlichen Dienst und beim Zugang zu höherer Bildung Vorteile genießt. Allerdings kann die chinesische Gemeinschaft als wirtschaftlich mächtiger beschrieben werden als andere ethnische Gruppen.

Sozialer Kontext

Malaysia ist eine multiethnische, mehrsprachige und multireligiöse Gesellschaft, die in den letzten Jahren - im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern - enorme Anstrengungen bei der Armutsbekämpfung und bei der Erzielung sozialer und wirtschaftlicher Fortschritte unternommen hat. Die empirischen Ergebnisse der internationalen Forschung zeigen, dass die malaysische Gesellschaft als eine Gesellschaft im Wandel beschrieben werden muss. Weder kann Malaysia als industrialisierte oder gar postmoderne Gesellschaft eingestuft werden noch zählt es zu den Entwicklungsländern (Weimann-Sandig 2020). Auf der einen Seite weist Malaysia Merkmale von Industrieländern auf, wie z.B. einen zunehmend urbanen Arbeitsmarkt, eine riesige Ausweitung des dritten Sektors und auch eine steigende Anzahl von Menschen, die eine höhere Bildung erwerben und am Arbeitsmarkt teilhaben (International Monetary Fund 2018: 3). Andererseits verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum und es werden Reformen empfohlen, um ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu gewährleisten (Weltbank 2018). Die malaysische Gesellschaft steckt voller Gegensätze: Auf der einen Seite gibt es viele Menschen, die einen modernen Lebensstil entwickeln, der oft von sozialen Medien und dem Vergleich mit westlichen Ländern beeinflusst wird. Malaysia überbrückt die Kluft zwischen traditionellen religiösen Aspekten, modernen wirtschaftlichen Entwicklungen und modernen Lebensstilen, die aus der Einzigartigkeit von Erfindungsreichtum und Merkantilismus entstehen. Auf der anderen Seite sind vor allem die ländlichen Gebiete und die kleineren Inseln noch stark mit einstigen Traditionen, Normen und Werten verbunden (Weimann-Sandig 2020). Zusammengefasst: Malaysia hat sich von einer vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Wirtschaft zu einer modernen Gesellschaft entwickelt, die sich auf eine weltweit führende Industrie und einen stabilen Dienstleistungssektor stützt. Malaysia ist eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt mit einem Verhältnis von Gesamtaußenhandel am BIP, das seit 2010 durchschnittlich über 130 % beträgt. Etwa 40 % der Arbeitsplätze in Malaysia sind mit Exportaktivitäten verbunden (Weltbank 2021). Allerdings profitieren nicht alle Menschen in Malaysia von der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung und dem raschen sozialen Wandel. Stattdessen gibt es innerhalb der malaysischen Gesellschaft immer noch schwache Gruppen, die nicht am Wirtschaftswachstum teilhaben können. So beeinflussen beispielsweise lokale Ungleichheiten nach wie vor die Bildungsmöglichkeiten der Menschen, und Kinder aus den ländlichen Teilen des Landes haben größere Schwierigkeiten, Zugang zu höheren Bildungsmöglichkeiten zu erhalten (Thangiah et al. 2020). Außerdem haben ältere und vor allem weniger gebildete Bürger im ganzen Land Schwierigkeiten, stabile Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden. Laut dem Humankapitalindex der Weltbank liegt Malaysia auf Platz 55 von 157 Ländern. Um den Status eines einkommensstarken und entwickelten Landes zu erreichen, muss Malaysia weitere Fortschritte bei der Schaffung gleicher Bildungsmöglichkeiten sowie beim Ausbau des Gesundheits- und Sozialsystems erzielen.

In Anbetracht dieser sozialen Entwicklungen ist die zunehmende Ungleichheit innerhalb der verschiedenen ethnischen Gruppen eine große Herausforderung (Jayasooria 2016). So gibt es zum Beispiel eine wachsende Zahl armer Stadtbewohner, die in öffentlichen Wohnprojekten (sogenannten PPR-Wohnungen) leben. Die People's Housing Projects sind in städtischen Regionen, in denen die Zahl der einkommensschwachen Familien seit vielen Jahren nicht mehr abnimmt, besonders gefragt. In der Tat gibt es mehr Bewerber als verfügbare Wohnungen (Malay Mail März 2021). Dies weist auf einen grundlegenden Wandel in der räumlichen Ausdehnung der Armut: Armut wird immer mehr zu einem städtischen Phänomen, insbesondere in den Schwellen- und Industrieländern (Buckley/Klarickal 2005). Menschen mit niedrigem Einkommen, insbesondere Familien, einen sicheren Ort zu geben, bedeutet zu verhindern, dass sie umherziehen und unter schlechten Bedingungen ohne Strom und Wasser leben. Wie in vielen anderen Ländern ist auch in Malaysia das Konzept der Wohngebiete nicht unumstritten. Generell gibt es eine Vielzahl internationaler Untersuchungen zu den Folgen von Vorschriften für Wohnprojekte (Glaser/Gyourko 2003). Bertaud und Brueckner (2005) haben gezeigt, dass viele Interventionen die Situation armer Menschen, die in Wohngebieten leben, eher verschlimmern als verbessern. Ein Grund dafür ist, dass insbesondere Kinder keinen Kontakt zu anderen Möglichkeiten der Lebensgestaltung haben. Die Gleichaltrigengruppen, denen sie begegnen, sind auf das PPR-Wohngebiet konzentriert. Durch das Aufwachsen in Armut, Gewalt oder ohne andere Perspektiven haben diese Kinder keine Chance, dem Teufelskreis der Armut zu entfliehen (Weimann-Sandig 2020: 13f.).  Dementsprechend sind Wohnungsbauprojekte ohne zusätzliche Sozialprogramme nicht in der Lage, die Situation der gefährdeten Gruppen zu verbessern. Für die Entwicklung geeigneter Strategien im Umgang mit diesen gefährdeten Gruppen ist die Sozialarbeit in Malaysia von großer Bedeutung.

Sozialarbeit in Malaysia

Soziale Arbeit ist sowohl ein praxisbezogener Beruf als auch eine akademische Disziplin. In den 1930er Jahren entstand in Malaysia die Sozialarbeit, die sich auf die Probleme der aus Indien und China stammenden Wanderarbeiter konzentrierte, hauptsächlich von Freiwilligen christlicher Vereinigungen ausgeübt, die von den britischen Kolonialherren geschickt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die extreme Armut in der malaysischen Bevölkerung zur Einrichtung der Abteilung für soziale Wohlfahrt. Dennoch waren die meisten Sozialarbeiter/innen, die nach Malaysia kamen, in westlichen Ländern ausgebildet und von internationalen Organisationen, insbesondere NGOs, entsandt worden. In den letzten Jahrzehnten wurde die Sozialarbeit in Malaysia jedoch professionalisiert, da immer mehr Universitäten und Hochschulen Bachelor- und Masterstudiengänge in Sozialarbeit anbieten. In Anlehnung an die allgemeinen Konzepte und Theorien der modernen Sozialarbeit ist Empowerment zu einem wichtigen Ziel in Malaysia geworden, wodurch die verschiedenen Klienten/innen in die Lage versetzt werden sollen, ihre Problemlösungskapazität zu verbessern und ihre Resilienz zu stärken (Adams 2003). Im Rahmen moderne Empowerment-Strategien werden Partizipation und eine Stärkenperspektive bei Sozialarbeiter/innen immer beliebter - nicht nur in Malaysia, sondern in fast allen asiatischen Ländern (Kam 2020). Sozialarbeit erstreckt sich auf viele verschiedene Bereiche wie Streetwork, Politikberatung, soziale Dienste und Programmentwicklung (Hatta et al. 2014), und Sozialarbeiter/innen halten sich an einen Ethik- und Verhaltenskodex, der auf den Werten der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit basiert (MASW 2012) [11]. Wie in vielen anderen Ländern wird die professionelle Sozialarbeit in Malaysia durch Freiwillige ergänzt, die in den verschiedensten sozialen Bereichen tätig sind und dazu beitragen, die vielfältigen Aufgaben der professionellen Sozialarbeit zu erfüllen. Daher können die Sozialarbeiter/innen in Malaysia in zwei Gruppen eingeteilt werden: Hatta et al. (2014:139) definieren sie als "professionelle Sozialarbeiter", die in der Malaysian Association of Social Workers (MASW) organisiert sind und sich durch eine formale Ausbildung und Qualifikation auszeichnen, und als "funktionale alternative Sozialarbeiter", die hauptsächlich von religiösen Aspekten und Altruismus angetrieben werden und weder qualifiziert noch gut ausgebildet sind. Obwohl eine große Anzahl an fachlich kompetenten alternativen Sozialarbeiter/innen benötigt wird, um landesweite Programme umzusetzen, bedarf es besserer Ausbildungsmöglichkeiten, um eine qualitativ hochwertige, professionalisierte Sozialarbeit in allen Teilen Malaysias zu gewährleisten. Mit Blick auf die internationalen Debatten zur Professionalisierung sozialer Dienstleistungen (Weimann-Sandig/Prescher 2020) werden niedrigschwellige Möglichkeiten sowie eine Akademisierung empfohlen. Die Arbeit als assistierender Sozialarbeiter stellt eine niedrigschwellige Möglichkeit für den Einstieg in das Berufsfeld dar, da sie nur ein Jahr Berufsausbildung erfordert. Professionelle Sozialarbeiter/innen benötigen mindestens einen Bachelor-Abschluss oder ein Diplom und können ihre Qualifikationen verbessern, indem sie sich zu spezialisierten Sozialarbeiter/innen oder klinischen Mitarbeiter/innen ausbilden lassen (Hatta et al. 2014:141). Da die soziale Problematik im Lande in den nächsten Jahren immer komplexer werden könnte, würde dies definitiv dazu beitragen, die Programme der sozialen Arbeit zu stabilisieren.

Bildungssystem und Genderaspekte

Die Alphabetisierungsrate Malaysias wird anhand der Anzahl der über 15-Jährigen ermittelt, die gut lesen und schreiben können. Betrachtet man die Alphabetisierungsquote nach Geschlecht, so ergeben sich unterschiedliche Alphabetisierungsgrade für Männer und Frauen. Die allgemeine Alphabetisierungsrate liegt bei 94 %. Bei den Männern beträgt sie 96,2 %, bei den Frauen jedoch nur 93,2 % (Thimm, 2010). Das Bildungssystem Malaysias beginnt mit der Grundschulbildung. Die frühkindliche Erziehung, bestehend aus dem allgemeinen Zugang zu Kindergärten für alle Kleinkinder, gibt es noch nicht. Es gibt nur wenige staatliche Kindergärten, die meisten sind privat und bieten frühkindliche Bildung für Kinder zwischen drei und sechs Jahren an. Dies ist interessant, da das Kinderkriegen immer noch als großes Hindernis für Mütter angesehen wird, in das Arbeitsleben zurückzukehren (Ab Halim et al. 2016). Im Alter von sieben Jahren beginnt für die Kinder die Grundschulbildung. Das multiethnische und mehrsprachige Profil der malaysischen Bevölkerung spiegelt sich im Bildungssystem wider, angefangen bei den Grund- und Sekundarschulen, in denen sowohl Malaiisch als auch Chinesisch und Tamilisch unterrichtet wird. Tertiäre Schulbildung wird in der Regel auf Englisch oder Malaiisch angeboten. Die gesetzliche Grundschulpflicht gilt für Schüler zwischen 7 und 12 Jahren und ist in zwei dreijährige Phasen unterteilt. Am Ende wird ein Leistungstest erbracht. Die Sekundarstufe ist für Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren und wird in die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II unterteilt. Hier können die Schüler/innen wählen, ob sie sich auf eine berufliche oder technische Ausbildung konzentrieren möchten. Zu den Sekundarschulen zählen reine Internatsschulen, Fachoberschulen, nationale religiöse Sekundarschulen, reguläre Sekundarschulen, weiterführende Oberschulen, Schulen in Putrajaya und Cyberjaya, Centennial Schools und spezielle Modellschulen. Hier werden die Schüler auf das Studium an der Universität vorbereitet. Schüler/innen, die die Sekundarstufe II abgeschlossen haben und an der SPM-Prüfung teilgenommen haben, können dann eine höhere Ausbildung absolvieren. Diejenigen Schüler/innen, die eine Universität besuchen wollen, müssen ein zusätzliches Jahr in der Postsekundarstufe zubringen. Das so genannte Matrikulationsprogramm des Bildungsministeriums ist eine Vorbereitung auf die Qualifikation für naturwissenschaftliche, technische und künstlerische Studiengänge an öffentlichen und privaten Hochschulen. Studierende, die einen Notendurchschnitt von 2,00 oder die Note C oder besser erreichen, werden von der malaysischen Regierung gefördert und können an öffentlichen Hochschulen zugelassen werden.  Öffentliche Hochschulen sind eine Möglichkeit, in Malaysia eine akademische Ausbildung zu erhalten. Alternativ bieten sich polytechnische Hochschulen an. Etwa 5 der 20 öffentlichen Universitäten haben den Status einer Forschungsuniversität: Universiti Malaya, Universiti Kebangsaan Malaysia, Universiti Sains Malaysia, Universiti Putra Malaysia and Universiti Teknologi Malaysia. Exzellenzcluster und Qualitätssicherungsmaßnahmen werden von der malaysischen Qualifikationsbehörde durchgeführt (WENR 2014).  Darüber hinaus wurden zahlreiche " Zweigstellen" ausländischer Universitäten gegründet, die die gleichen Studiengänge wie die Haupthochschulen anbieten. Auch Partnerschaftsprogramme zwischen lokalen und ausländischen Universitäten werden immer beliebter. Darüber hinaus gibt es in Malaysia eine wachsende Zahl privater Universitäten. In der Tat ist Malaysia eines der besten Ziele für tertiäre und höhere Bildung. Alle weiterführenden Bildungseinrichtungen unterstehen der Zuständigkeit des Ministeriums für Hochschulbildung (MOHE). Zum Thema Gleichstellung der Geschlechter im malaysischen Bildungssystem ist anzumerken, dass Malaysia seit den 1970er Jahren geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Einschulung auf allen Bildungsebenen beseitigt hat. Zudem hat sich die Lage in puncto Gleichstellung der Geschlechter in den letzten Jahren stark verändert. Tatsächlich besuchen mehr Mädchen als Jungen die Schule - auf allen Bildungsebenen (Schmillen et al. 2019). Während im Jahr 2010 mehr männliche Studierende an Hochschulen studierten, sind seit 2017 fast 60 % der Absolventen weiblich. Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aus dem Jahr 2015 ist die Wahrscheinlichkeit, dass Jungen die Schule nach der Sekundarstufe verlassen, dreimal so hoch wie bei Mädchen. Viele Studienabbrecher kamen aus mittellosen Haushalten, da Männer dazu angehalten werden, in jüngeren Jahren körperlicher Arbeit nachzugehen, um Geld zu verdienen. Demgegenüber schließen Frauen in der Regel ihre Hochschulausbildung ab. Außerdem ist der Anteil der Frauen bei Postgraduierten und Doktorand/innen höher (Schmillen et al. 2019: 29ff). Tabelle 1 enthält weitere Informationen über die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern auf Universitätsebene in Malaysia (Tienxhi, 2017).

Tabelle 1. GPI an malaysischen Universitäten (Tienxhi, 2017).
Weniger Frauen immatrikuliert Geschlechter Gleichstellung Weniger Männer immatrikuliert
Extreme Ungleichheit (<0.5) Mittlere Gleichstellung (0.5-0.89) Gleich-
stellung (0.97- 1.03)
Nahe an Gleichstellung (1.03-1.1) Mittlere Ungleichheit (1.11-1.5) Extreme Ungleichheit
(>1.5-1.99) (>2.0)
Universiti
Pertahanan
Nasional
Malaysia
(UPNM)
Universiti
Teknologi
Malaysia
(UTM),
Universiti
Teknikal
Malaysia
(UTEM)
Universiti
Tun
Hussein
Onn
Malaysia
(UTHM),
Universiti
Malaysia
Perlis
(UniMAP)
Universiti
Malaysia
Pahang
(UMP)
Universiti
Islam
Antarabangsa
Malaysia
(UIAM)
Universiti
Malaya
(UM),
Universiti
Sains
Malaysia
(USM),
Universiti
Utara
Malaysia
(UUM),
Universiti
Malaysia
Sabah
(UMS).
Universiti
Kebangsaan
Malaysia
(UKM)
Universiti
Putra
Malaysia (UPM),
Universiti Malaysia
Sarawak
(UniMAS),
Universiti
Pendidikan
Sultan
Idris
(UPSI),
Universiti
Teknologi
Mara
(UITM),
(Universiti
Sultan
Zainal
Abidin
(UniSZA),
Universiti
Malaysia
Terengganu
(UMT),
(Universiti
Sains Islam
Malaysia
(USIM),
(Universiti
Malaysia
Kelantan
(UMK)

Jelas et al. (2014) untersuchten die Strukturen in Bezug auf das Engagement und die Produktivität der Schüler/innen sowie die Frage, ob Schulleistungen und Erschöpfung Faktoren sind, die zu Schulabbruch und schlechten Leistungen führen können. Die Ergebnisse spiegeln ein Struktur wider, wonach Frauen bei staatlichen Prüfungen auf allen Ebenen und in allen Schultypen besser abschnitten als Männer. Diese Tendenzen werden durch die Ergebnisse einer Studie über die Arbeitsbelastung von Schüler/innen im Alter von 12, 14 und 16 Jahren gestützt, die darauf hinzudeuten scheinen, dass Jungen im Vergleich zu Mädchen weniger engagiert sind und stärker unter Erschöpfung leiden. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf die Förderung von Kindern, insbesondere von männlichen, evaluiert, um ihnen bessere Lernmöglichkeiten zu eröffnen und weniger Burnout zu erleben. Tienxhi (2017) untersuchte die zunehmenden geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Studierenden an öffentlichen malaysischen Universitäten von 2009 bis 2013, wobei sie den Gender Parity Index (GPI) zur Quantifizierung der geschlechtsspezifischen Ungleichheiten verwendete.

Der Studie zufolge werden 13 von 20 öffentlichen malaysischen Universitäten von der UNESCO als inkompatibel mit der Geschlechterparität eingestuft, mit einem GPI von mehr als 1,5. In Anbetracht dieser enormen Bildungserfolge wird deutlich, dass Frauen mit höherem Bildungsniveau ein zentraler Bestandteil der malaysischen Wirtschaft sind. Das Globale Bildungsmonitoring der UNESCO berichtet von fehlenden Bemühungen der malaysischen Regierung, ein inklusives Bildungssystem für Kinder von Arbeitsmigranten und Flüchtlingen zu gewährleisten (UNESCO 2019). Kinder von Filipionos oder Indonesiern zum Beispiel werden als Ausländer/innen eingestuft und können daher keine öffentlichen Schulen besuchen. Auch ein Mangel an interkulturellen Programmen sowie fehlende Qualifikationen von Lehrer/innen und Erzieher/innen auf allen Bildungsebenen wurden in dem UNESCO-Bericht kritisiert. Hinzu kommt, dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen im Vergleich zu Männern nach wie vor deutlich geringer ist und einige Probleme zu bewältigen sind. Die Mädchenbildung führt nach dem Schulabschluss nicht zu echter Gleichstellung und Autonomie. Der Global Gender Gap Index für Malaysia im Jahr 2020 liegt bei 0,68, wobei ein Wert von 1 für völlige Gleichheit und ein Wert von 0 für völlige Ungleichheit steht. Malaysia zählt zu den Ländern mit den größten geschlechtsspezifischen Unterschieden in Südostasien. Dennoch ist die Gleichstellung der Geschlechter in Malaysia höher als in anderen asiatischen Ländern wie China und Japan. Die Studie hebt fünf Kernpunkte der Gleichberechtigung hervor: ökonomische Teilhabe und Möglichkeiten, Bildungserfolge, Gesundheit und Überleben sowie politisches Empowerment. Malaysia belegte mit einem Wert von 0,87 den 106. Platz im weltweiten Vergleich, wobei 1,00 für die Gleichstellung der Geschlechter steht und der entgegengesetzte Wert 0,00 für die größte Ungleichheit. Obwohl Malaysia einen Wert von 0,985 für sein Bildungsniveau erhielt, haben Frauen immer noch nicht die gleichen wirtschaftlichen oder politischen Möglichkeiten. Dies ist ein Problem, auf das sich die Regierung konzentrieren muss, indem sie Initiativen ergreift, um die genannten Probleme anzugehen und zu gewährleisten, dass die Bildung zu echten Vorteilen führt, nachdem Mädchen die Schule verlassen haben und in den Arbeitsmarkt eintreten (Goy et al. 2018). Betrachtet man verschiedene Arbeitsbereiche, so gibt es selbst im öffentlichen Sektor geschlechtsspezifische Unterschiede. Bei den uniformierten Streitkräften beispielsweise, zu denen die Armee, die Polizei und die Rettungsdienste gehören, liegt der Frauenanteil bei nur 10 %. Darüber hinaus stieg der Anteil der weiblichen Polizisten in hochrangigen Positionen von 59 % im Jahr 2012 auf 74 % im Jahr 2016, da das Land Frauen in diesen Positionen nun offen akzeptiert. Malaysias Regierung priorisiert den MINT-Lehrplan, um die Gleichstellung der Geschlechter zu verbessern (Lim, 2019). Das Land ist sich der Rolle der Frauen bewusst und hat Gesetze erlassen, wie die Malaysia Woman Policy von 2009 und die National Policy on Science, Technology, and Innovation von 2013 bis 2020. Der Anteil der Wissenschaftlerinnen stieg von 35,8 % im Jahr 2004 auf 49,9 % im Jahr 2012. Wenngleich dies nicht die einzigen Probleme sind, die die Gleichstellung der Geschlechter bedrohen, wäre eine intensivere, gezielte Strategie auf lange Sicht wirksamer. Mit diesem Bildungssystem und einer soliden strategischen Entwicklung könnte Malaysia auf dem besten Weg sein, eine stabilere und vielseitigere Nation zu werden. Zahlreiche Organisationen, darunter UNICEF Malaysia und die All Women's Action Society Malaysia, haben sich dem Engagement für die Bildung von Mädchen in Malaysia verschrieben. Diese Gruppen können für die Regierung von Nutzen sein und dazu beitragen, den bisher erreichten Erfolg zu beschleunigen.

Arbeitsmarkt und Geschlechterungleichheit

Die Entwicklung von einem vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Land zu einem modernen Industriestaat stellt große Veränderungen für den malaysischen Arbeitsmarkt dar. Gegenwärtig trägt der Dienstleistungssektor mit 55,7 % am meisten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Dahinter folgt das verarbeitende Gewerbe (35,7 %). Der Landwirtschaftssektor macht etwa 8 % des BIP aus, gefolgt von Bergbau und Steinbruch (6 %) (Weltbank 2018). Die vergleichsweise große Bedeutung der verschiedenen Sektoren für das Gesamt-BIP hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Wie in vielen anderen asiatischen Ländern kann der Zugang zum Arbeitsmarkt in Malaysia in formelle und informelle Beschäftigungsverhältnisse unterschieden werden. Nach neueren Forschungsergebnissen (Schmillen et al. 2019; Weimann-Sandig 2020) zeichnet sich formelle Arbeit hauptsächlich dadurch aus, dass ein Arbeitsplatz vorhanden ist, der nicht nur als Job angesehen wird, sondern auch berufliche Entwicklung und Arbeitsplatzsicherheit bietet. Diese Arbeitsplätze umfassen feste und monatlich gezahlte Löhne. Festangestellte haben Anspruch auf Sozial- und Gesundheitsschutz. In Malaysia werden diese formellen Arbeitsplätze meist an Personen mit einem Diplom oder Universitätsabschluss vergeben. Höhere Bildung ist daher ein zentraler Schlüssel für den Zugang zu einer Festanstellung, da Berufsausbildungen oder Universitätsabschlüsse den Weg dahin ebnen. Informelle Arbeit umfasst dagegen sowohl die abhängige als auch die selbständige Beschäftigung, die überwiegend in so genannten Kleinstunternehmen ausgeübt wird. Informelle Arbeit kann als Arbeit auf Abruf beschrieben werden, ohne Arbeitsverträge und garantierte Löhne. Informell Beschäftigte leiden oft unter Willkür.  Besonders für weniger gebildete Menschen bedeutet informelle Arbeit einen ersten Schritt in den Arbeitsmarkt und bietet Möglichkeiten, eigenes Geld zu verdienen. Da jedoch insbesondere in den Städten der Wettbewerb zwischen ungelernten Arbeitskräften groß ist, scheinen immer mehr Menschen in informellen und instabilen Arbeitsverhältnissen festzustecken. Die Covid-10-Pandemie führt zu neuen Ungleichheiten zwischen formellen und informellen Arbeitnehmer/innen, da informelle Arbeitnehmer/innen oft nicht von zu Hause aus arbeiten können, sondern Schichtarbeit in Fabriken oder in den verschiedenen Dienstleistungssektoren leisten und oft nicht angemessen von ihren Arbeitgebern abgesichert werden (ILO 2021:32). Die Erwerbsquote von Frauen in Malaysia stieg in den letzten Jahren an, ist aber im Vergleich zu anderen südostasiatischen Ländern immer noch niedrig. Die Erwerbsquote stieg von 46,8 % im Jahr 2010 auf 55,2 % im Jahr 2018. Dennoch ist der Unterschied zwischen den Erwerbsquoten von Männern und Frauen in Malaysia im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern hoch (Erwerbsquote der Männer: 77,4%) (Lim 2018). Darüber hinaus gibt es eine ungleiche Altersverteilung in Bezug auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen. Während junge Frauen eine hohe Erwerbsbeteiligung aufweisen, führen Heirat und Familiengründung zum Ausscheiden von Frauen aus dem Arbeitsmarkt in Malaysia. Dementsprechend haben Frauen Schwierigkeiten, Arbeit und Familienbetreuung zu vereinbaren, da ein institutionelles Kinderbetreuungssystem fehlt (Weimann-Sandig 2020: 22). Außerdem stehen ältere Frauen (40 Jahre und älter) immer noch nicht im Fokus der Arbeitsmarktpolitik oder der Ausbildung für die Arbeitsplätze (Schmillen et al.2019:12).

Wenn man die Möglichkeiten von Frauen für den Zugang zum Arbeitsmarkt analysiert, bedeutet das nicht nur, die Arbeitsmarktstrukturen eines Landes zu verstehen. Vielmehr sind die bestehenden Arbeitsmarktstrukturen nur ein Eckpfeiler, der im Auge behalten werden muss. Die Gleichstellung der Geschlechter wird darüber hinaus von den bestehenden sozialen Normen und Strukturen, kulturellen Einstellungen und religiösen Mustern eines Landes geprägt. Malaysia ist reich an all diesen Faktoren. Darüber hinaus ist der Zugang zum Arbeitsmarkt direkt mit anderen sozialen Systemen verbunden (Luhmann 1987). Aus der Perspektive der sozialen Ungleichheitsforschung kann man sagen, dass das System Arbeitsmarkt sowohl vom Bildungssystem als auch vom Wirtschaftssystem abhängt. In Bezug auf die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist zu bedenken, dass der Arbeitsmarkt als System auch mit dem Familiensystem verbunden ist, da vor allem in asiatischen Ländern die unbezahlte Familienpflegearbeit meist von Frauen geleistet wird (Weimann-Sandig 2020). Kultur und Religion sind zwei Indikatoren, die geschlechtsspezifische Rollenmodelle beeinflussen, insbesondere die Rolle der Frau innerhalb einer Gesellschaft (Schweizer Nationalfonds 2012). Ein kürzlich durchgeführtes Forschungsprojekt zeigte, dass es innerhalb der verschiedenen ethnischen Gruppen unterschiedliche Rollenerwartungen gibt (Weimann-Sandig 2020). Die Rollenprofile der in Malaysia lebenden chinesischen Frauen können als moderner beschrieben werden als die der vergleichsweise konservativen malaiischen und indischen Frauen. Chinesische Frauen zeigen eine etwas höhere Bereitschaft, ihr eigenes Unternehmen aufzubauen, werden tendenziell stärker von ihren Familien unterstützt, wenn sie sich für eine berufliche Laufbahn entscheiden, und legen im Allgemeinen nicht so viel Wert auf ihre Betreuungspflichten wie Frauen anderer Ethnien in Malaysia. Andere Studien, die sich auf den Bildungszugang konzentrieren, zeigen, dass junge Frauen in Malaysia ein höheres Bildungsniveau erreichen und mehr lernen als Männer, aber weniger Möglichkeiten haben, dieses Potenzial auf dem Arbeitsmarkt zu nutzen. Seit den 1970er Jahren konnte Malaysia die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Einschulung auf allen Bildungsebenen beseitigen und anschließend umkehren, dennoch ist die Einschulungsrate von Mädchen in der Sekundarstufe niedriger als in anderen vergleichbaren Ländern. Dennoch ist die hohe Zahl der männlichen Jugendlichen, die die Sekundarschule abbrechen, besonders auffällig (Schmillen et al. 2019: 14). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die großen geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Zugang zu formellen, gut bezahlten Arbeitsplätzen, die sozialen Schutz und Karriereperspektiven bieten, in Malaysia immer noch eine Herausforderung darstellen, die es zu bewältigen gilt. Die Schließung der Lücke zwischen der hohen Einschulungsquote von Frauen und dem Zugang zum Arbeitsmarkt ist notwendig, um genügend qualifizierte Arbeitskräfte bereitzustellen und die malaysische Wirtschaft auszubauen.

Alleinerziehende Mütter als besonders gefährdete Gruppe, die von Geschlechterungleichheit bedroht ist

Die Modernisierung des Landes bewirkte nicht nur ein Umdenken im Hinblick auf weibliche Rollenbilder, sondern auch auf die Motive für Partnerschaften und Eheschließungen. Das Konzept der romantischen Liebe (Giddens 1992; Beck/Beck-Gernsheim 1995) ist ein zentraler Bestandteil moderner Gesellschaften. Die veränderte Einstellung zu Partnerschaften führt einerseits zu neuen Kriterien bei der Partnerwahl, andererseits aber auch zu einer höheren Scheidungsrate (Department of Statistics Malaysia 2019). Scheidungen werden nicht mehr nur von Männern, sondern auch von Frauen vollzogen, obwohl die gesellschaftliche Wertung unterschiedlich bleibt. Jüngste Untersuchungen belegen jedoch, dass Frauen in Malaysia in den letzten Jahren eine zunehmend emanzipierte Sichtweise entwickeln: Die jüngere Generation von Frauen im Allgemeinen legt den Schwerpunkt auf veränderte Gründe für Eheschließungen: Gefühle wie Liebe und Gleichberechtigung führen zu einem neuen Selbstbewusstsein der FrauenIhren Mann mit zwei oder drei anderen Frauen zu teilen, wie es frühere Generationen islamischer Frauen taten, ist für viele der jüngeren Generation malaiischer Frauen zwischen 20 und 35 Jahren untragbar geworden (Weimann-Sandig 2020). Infolgedessen steigt die Zahl der alleinerziehenden Mütter in Malaysia (Talib 2020). Trotz dieser steigenden Zahlen leiden viele alleinerziehende Mütter immer noch unter sozialer Ausgrenzung und haben große Probleme, stabile Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden, selbst wenn sie einen höheren Bildungsabschluss haben. Arbeitgeber zögern immer noch, alleinerziehende Mütter einzustellen, da sie deren geringe Flexibilität in Bezug auf Überstunden, Schichtarbeit, Reisen und Weiterbildung am Arbeitsplatz bemängeln. Aufgrund ihrer alleinigen Verantwortung für ihre Kinder und der fehlenden Unterstützungsstrukturen zögern Arbeitgeber immer noch, alleinerziehende Mütter einzustellen, da sie als weniger verlässlich angesehen werden. Das Hauptargument, Alleinverdiener/in in der Familie zu sein, scheint eher in größeren und internationalen Unternehmen beachtet zu werden, die für alleinerziehende Mütter geeignete Arbeitsbedingungen wie Teilzeitarbeit, flexible Arbeitszeiten oder Home-Office-Lösungen anbieten (Weimann-Sandig 2020: 14).

Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf gefährdete Gruppen - am Beispiel alleinstehender Mütter

Die COVID-19-Pandemie hat starke wirtschaftliche Auswirkungen auf Malaysia, insbesondere auf bedürftige Haushalte. Nachdem die nationale Armutsgrenze im Juli 2020 korrigiert wurde, leben derzeit 5,6 % der malaysischen Haushalte in absoluter Armut (Weltbank 2021). Die neue malaysische Regierung, die im März 2020 an die Macht gekommen ist, steht vor extremen Herausforderungen, verabschiedete jedoch mehrere Unterstützungspakete, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen sowie die sogenannten Mikrounternehmen. Nach wie vor stellen diese Unternehmen zwei Drittel der Arbeitskräfte und 40 % der Wirtschaft (ILO 2021). Vor allem Frauen gründen gerne Kleinstunternehmen, da sie von zu Hause aus arbeiten können und es ihnen so leichter fällt, Familienpflege und Erwerbsarbeit miteinander zu vereinbaren.  Dementsprechend sind diese Kleinstunternehmen meist im Bereich Kochen, Backen oder Handwerk mit Direktvertriebsstrategien angesiedelt. Die Internationale Arbeitsorganisation hat Informationen über die Gruppen gesammelt, die von der Corona-Krise in Malaysia besonders betroffen sind (ILO 2021). Es werden vier vulnerable Bevölkerungsgruppen benannt: Menschen über 65 Jahre, die unter unzureichender medizinischer Versorgung leiden (ca. 2,1 Mio. Menschen), sowie die so genannten B40-Haushalte (2,8 Mio. Menschen). Die B40-Haushalte zeichnen sich durch gering qualifizierte Arbeitnehmer aus, die häufig keinen festen Arbeitsvertrag haben und Schichtarbeit oder Nebenjobs verrichten. Die niedrige und instabile Einkommenssituation macht sie anfällig für Mangelernährung, schlechte Gesundheit und chronische Krankheiten und erhöht die Gefahr für schwere Covid-19-Verläufe. Derzeit leben schätzungsweise mehr als 3 Millionen Arbeitsmigranten/innen - mit oder ohne Visum - in Malaysia, die von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie besonders stark bedroht sind und oft ohne Sicherheitsvorgaben arbeiten.

COVID-19 hatte schwerwiegende Auswirkungen auf den Lebensunterhalt bedürftiger Gruppen, insbesondere alleinerziehender Mütter. Die so genannte Verordnung zur Mobilitätskontrolle (Movement Control Order - MCO) oder die Zeiten der Abriegelung wirkten sich stark auf die sozioökonomische Situation von Menschen mit niedrigem Einkommen aus. Eine Studie von Subki et al. (2020) zeigt die allgemeine Situation von Frauen während der COVID-19-Krise. Sie fanden heraus, dass 25 % der Frauen in Selangor Malaysia einen teilweisen Einkommensverlust erlitten, weil ihre Arbeitsverträge gekündigt wurden, sie gezwungen waren, ihr Unternehmen zu schließen oder unbezahlten Urlaub zu nehmen. Darüber hinaus berichteten 43 % der Frauen, dass sie aufgrund der MCO-Krise ihr Haushaltseinkommen verloren haben. Zudem verloren 42 Prozent der alleinerziehenden Mütter (einen Teil) ihres Haushaltseinkommens, weil ihr Vertrag gekündigt wurde, sie ihr Geschäft schließen mussten oder unbezahlten Urlaub erhielten. Die Situation verschärft die bereits bestehende Bedürftigkeit der alleinerziehenden Mütter, da ein Viertel dieser Frauen über ein monatliches Haushaltseinkommen unterhalb der Armutsgrenze (< 989 RM, etwa 237 US-Dollar) verfügt. Etwa die Hälfte der alleinerziehenden Mütter (45 %) gab an, dass sie niemanden hatten, der sich um ihre Angehörigen kümmerte, während sie selbst arbeiteten. Auf die Frage, wie sie ihre finanzielle Situation einschätzen, gab die Mehrheit der alleinerziehenden Mütter (75 %) an, dass ihre Ersparnisse nur für maximal vier Wochen reichen würden (Subki et al. 2020). Laut einer Umfrage des Women Empowerment Institute in Selangor verdient die Mehrzahl der alleinerziehenden Mütter in Selangor weniger als 3.000 RM pro Monat (etwa 720 US-Dollar). Rund 40 % von ihnen mussten in der zweiten Woche der sogenannten Movement Control Order (MCO) entweder unbezahlten Urlaub nehmen oder ihre jeweiligen Unternehmen schließen. Jusoh und Latada (2020) untersuchten auch die Probleme, mit denen alleinerziehende Mütter in Malaysia während der MCO-Sperre konfrontiert waren. In der Studie werden zwei große Problemfelder für alleinerziehende Mütter beschrieben: der tägliche Kampf, Essen auf den Tisch zu bringen, und der Verlust der sozialen Unterstützung während der Covid-19 Movement Control Order. Daher sollten alleinerziehende Mütter im Land mehr Unterstützung und Hilfe finden, um ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden zu erhalten. In der Tat ist ein Bewusstseinswandel bezüglich alleinerziehender Mütter in Malaysia erforderlich, da sie als die "Frontmänner" des Landes und als unerkannte Helden bezeichnet werden können Der folgende Abschnitt analysiert die Regierungsstrategien zur Verbesserung der Lebensbedingungen alleinerziehender Mütter während der COVID-19-Pandemie.

Malaysische Initiativen zur Unterstützung alleinerziehender Mütter während Covid19

Die malaysische Regierung hat seit Beginn der COVID-19-Pandemie vier wichtige Strategien zur Verbesserung der Situation alleinerziehender Mütter umgesetzt. So hat sie direkt und indirekt Maßnahmen ergriffen, um die öffentlichen Gesundheitsausgaben zu erhöhen, während sie sich gleichzeitig darauf konzentrierte, das Wohl der Bevölkerung zu verbessern, Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen und Unternehmen zu schützen. Zunächst einmal ergriff die Regierung verschiedene Initiativen zur Verbesserung der psychologischen und geistigen Gesundheit, um die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zu bewältigen. Das Ministerium für Frauen, Familie und kommunale Entwicklung richtete die so genannten Talian Kasih-Dienste ein, die die Bereiche körperliche Misshandlung, Beratung, Obdachlosigkeit, Schutz, Wohlfahrt und auch eine Kinderhotline umfassen. Zweitens wurden spezielle Unterstützungsprogramme für Unternehmerinnen durchgeführt, um den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie entgegenzuwirken. So wurde beispielsweise ein Betrag von 34 Millionen US-Dollar zur Stabilisierung von Frauenunternehmen bereitgestellt und ein weiterer Betrag von 19 Mio. US-Dollars für Aufbauprogramme. Dieser Finanzplan beweist, dass die Regierung den Beitrag von Unternehmerinnen als eine der wichtigsten Triebkräfte der malaysischen Wirtschaft anerkennt. Darüber hinaus zielt die dritte Initiative darauf ab, Anreize für Frauen zu schaffen, die eine unternehmerische Tätigkeit anstreben. Die DanaNITA-Finanzierungsprogramme sollen einen Beitrag zur verstärkten Beteiligung von Frauen an unternehmerischen Aktivitäten leisten. Es kann auch zur Stärkung bestehender Unternehmerinnen eingesetzt werden, um ihr Haushaltseinkommen zu erhöhen. Ferner gibt es das Ar-Rahnu-Mikrokreditprogramm, ein Kanal zur Kapitalbeschaffung für Frauenunternehmen. Die vierte Maßnahme, die alleinerziehenden Müttern angeboten wird, ist auf der Ebene der Arbeitsmarktpolitik angesiedelt. Sie wird Penjana Kerjaya 2.0 genannt. Ihr allgemeines Ziel ist es, die Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen zu fördern und die Arbeitslosigkeit unter den Einheimischen zu verringern. Damit sollen Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen, Langzeitarbeitslose und entlassene Arbeitnehmer gefördert werden - alleinerziehende Mütter sind in jeder dieser Gruppen stark vertreten. Als fünfter Schritt wurde ein neues finanzielles Hilfsprogramm für Malaysier entwickelt, das das bisherige Bantuan Sara Hidup (BSH) ersetzen wird.  Das neue Hilfsprogramm trägt den Namen Pirhatian 2021. Diese Initiative wurde ergriffen, weil die Regierung das Wohlergehen und Überleben der Bedürftigen und der Arbeiter, die von Tageslöhnen abhängig sind, sicherstellen wollte. Haushalte mit einem Einkommen von weniger als RM2.500 (ca. 600 US-Dollar), erhalten eine zusätzliche ACA-Rate von RM500 (ca. 120 US-Dollar) pro Monat, während Haushalte, die zwischen RM2.501 und RM5.000 (bis zu 1200 US-Dollar) verdienen, RM300 (70 US-Dollar) und Alleinstehende RM100 (25 US-Dollar) erhalten werden. Der letzte Schritt konzentriert sich auf die Digitalisierung als Schlüssel zum Eintritt in die moderne Welt und zur Verbesserung der Lebensbedingungen von benachteiligten Gruppen wie alleinerziehenden Müttern. Daher wurde während der COVID-19-Pandemie die Initiative MyDigital Malaysia ins Leben gerufen. Die Technologie erleichtert Regierungen die Bereitstellung von Hilfe und Unterstützung für Bedürftige sowie die Planung umfangreicher öffentlicher Gesundheitsinitiativen und Wohlfahrtsprogramme. Daher müssen Technologie und die digitale Wirtschaft ein Grundpfeiler jeder wirtschaftspolitischen Planung sein.. Insgesamt sollen daher in den nächsten fünf Jahren 70 Milliarden RM in die digitale Infrastruktur investiert werden. Die wichtigsten digitalen Infrastrukturen sind die regionale und internationale Anbindung sowie Cloud-Dienste und Rechenzentren. Bis 2025 soll jeder malaysische Haushalt, jede Schule und jedes Unternehmen über das Projekt Jendela (Jalinan Digital Negara), in das die Regierung und der Privatsektor insgesamt 21 Milliarden RM investieren, digital vernetzt sein. Die Initiative soll sicherstellen, dass alle Malaysier einen digitalen Zugang erhalten, insbesondere in den Bereichen Wirtschaft und Bildung.

"Es geht nicht nur um Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, sondern um Vielfalt" - Lernen von internationalen Unternehmen mit Sitz in Malaysia

Im Vorfeld der COVID-19-Pandemie richtete die Weltbank im Jahr 2019 ein Forschungsprojekt zu Gender und Arbeitsmarkt aus, das auch eine Fokusgruppe von HR-Managern internationaler Unternehmen mit Sitz in Malaysia einbezog (Teile des Forschungsprojekts sind in Schmillen et al. 2019 und Weimann-Sandig 2020 veröffentlicht worden). Die Ergebnisse dieser Fokusgruppen könnten auch ein Schlüssel zur Überwindung der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und zur Schaffung einer größeren Vielfalt in der malaysischen Arbeitswelt sein. Da diese internationalen Unternehmen bereits geschlechtersensible Arbeitsrichtlinien etabliert haben, könnten sie als Best-Practice-Beispiele herangezogen werden und damit eine breitere Diskussion über Geschlecht und Arbeitsmarkt unter Arbeitgebern in Malaysia anstoßen. Eingeladen waren Vertreter der Gas- und Ölindustrie sowie anderer Unternehmen aus dem Industriesektor und von Beratungsfirmen, um Beispiele aus verschiedenen Branchen zu erhaltren. Das Hauptinteresse galt dem Sammeln von Informationen über geschlechtergerechte Arbeitsstrategien und Möglichkeiten zur Förderung der Gleichstellung von Frauen, aber auch einem tieferen Einblick in die Wahrnehmungen von Personalfachleuten über die Bildungsqualität, die Absolventinnen bei Bewerbungen vorweisen. Es gab auch eine breite Diskussion über weibliche Führungskräfte und Möglichkeiten, Karrierewege sowohl für Frauen als auch für Männer zu schaffen. Eine interessante Diskussion entspann sich bei der Erwähnung der Möglichkeit, Geschlechterquoten einzuführen, um weibliche Führungskräfte in Malayisa zu fördern. Geschlechterquoten wurden in den letzten Jahren ausführlich diskutiert. Länder wie Deutschland schreiben eine Frauenquote für größere Unternehmen vor, da die Zahl an Leitungspositionen für Frauen seit mehreren Jahrzehnten nicht gestiegen ist. Seit 2016 schreibt das deutsche Gesetz eine Mindestquote für Frauen in den Aufsichtsräten von Unternehmen vor. Mindestens 30 % der Aufsichtsratsposten müssen mit Frauen besetzt sein. In der Tat ändert sich die Arbeitspolitik in börsennotierten Unternehmen und solchen mit Betriebsräten und Gewerkschaften. Anstatt das Gesetz zu ignorieren, bleiben führende Positionen mehrere Monate lang unbesetzt, um interessierte Frauen zu finden, die sich bewerben wollen. Befürworter verbinden damit eine stärkere Gleichberechtigung. Gegner halten es für fahrlässig, Spitzenpositionen länger unbesetzt zu lassen (Handelsblatt 14.9.2018). In europäischen Ländern wie Norwegen, Island, Finnland und Schweden gibt es bereits staatlich verordnete Quoten. Als einer der ersten amerikanischen Bundesstaaten hat Kalifornien 2018 das Gesetz zur Frauenquote in öffentlichen Unternehmen eingeführt (Financial Times 31.8.2018). Allen gemeinsam ist eine Vielzahl von Vor- und Nachteilen von Gesetzen zur Durchsetzung von Frauenquoten sowie von verschiedenen Sanktionen für Unternehmen, die diese Gesetze unterlaufen.  Im malaysischen Kontext bestand die Zielsetzung unserer eigenen Forschung darin, eine staatlich verordnete Quote zu vermeiden und stattdessen eine aktive und vielfältige Arbeitspolitik zu betreiben. Mindestens 20 % der Vorstandsmitglieder von Global Players sollten Frauen sein, für höhere Führungspositionen wird ein Frauenanteil von 40 % innerhalb der nächsten fünf bis acht Jahre als obligatorisch erachtet. Die Personalverantwortlichen verlassen sich stark auf den internen Wettbewerb zwischen den Arbeitgebern, da die Nichtbeteiligung an der Gleichstellungspolitik zu einem Imageverlust der Unternehmen führt. Diese Diskussionen decken sich mit wissenschaftlichen Untersuchungen zu Frauenquoten. Gleditsch/Ward (2006: 921) betonen, dass insbesondere ärmere Länder und solche, die sich im Umbruch befinden, um internationale Anerkennung konkurrieren, was zu einer erhöhten Bereitschaft der Global Player führt, moderne Arbeitspolitik ohne staatliche Vorgaaben zu betreiben. Die Notwendigkeit für einen höheren Frauenanteil in Führungs- und Topmanagementpositionen wird mit Blick auf die in den letzten Jahren von Frauen wahrgenommene Hochschulbildung diskutiert. Tatsächlich waren im Jahr 2018 64 % der Studierenden an den Universitäten weiblich (Unesco-Institut für Statistik 2019). Daher müssen die Global Player neue und frauenfreundliche Arbeitsbedingungen schaffen, um die besten Absolventen zu bekommen. Dies entspricht auch zentralen Ansätzen der Modernisierungstheorie (z.B. Iversen/Rosenbluth 2010): Industrieländer sind auf weibliche Arbeitskräfte angewiesen, um wettbewerbsfähige Arbeitsmärkte zu entwickeln. Sie müssen daher die steigende Beteiligung von Frauen an der Hochschulbildung berücksichtigen und nicht nur geschlechtersensible Arbeitsmarktstrategien umsetzen, sondern darüber hinaus Karrieremöglichkeiten für Frauen entwickeln. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts belegen, dass malaysische Frauen - aufgrund kultureller Normen und familiärer Werte - oft andere Wünsche haben als Männer. Körperliche Arbeit wird von Frauen nicht bevorzugt, ebenso wenig wie Berufe mit hoher Reisetätigkeit oder Projektarbeit mit vielen Überstunden, da dies nicht mit den familiären Verpflichtungen oder ihrem Verständnis von Vereinbarkeit von Beruf und Familie vereinbar ist. Internationale Unternehmen, die diese unterschiedlichen Anforderungen und kulturellen Normen akzeptieren, verschärfen die geschlechtsspezifischen Unterschiede; Unternehmen, die Strategien für den Umgang mit diesen Belastungen anbieten, ermutigen mehr Frauen, in diese Bereiche einzusteigen. Physische Arbeit kann zum Beispiel oft mit Hilfe von Computern und Robotern erledigt werden, Reisen können durch den Einsatz virtueller Konferenzen reduziert werden und Projektarbeit kann attraktiver sein, wenn die Möglichkeit zum Home Office gegeben ist.

Dennoch zeigen die empirischen Ergebnisse, dass es Männern nach wie vor leichter fällt, Zugang zu frauendominierten Arbeitsbereichen zu erhalten als umgekehrt. Die sozialen Kompetenzen unterscheiden sich, und Frauen sind eher bereit, männliche Teammitglieder zu akzeptieren als Männer. Frauen müssen sich in einem anderen Wettbewerb behaupten, sie müssen ihre "männlichen Eigenschaften" unter Beweis stellen und sind sexueller Belästigung deutlich häufiger ausgesetzt als Männer. Das bedeutet, im Rahmen von HR-Strategien muss ein soziales Umfeld geschaffen werden, das es Frauen erleichtert, in männerdominierten Bereichen Fuß zu fassen. Null-Toleranz-Strategien gegenüber sexueller Belästigung sind ebenso wichtig wie die Förderung von Frauen durch die Vergabe von Auszeichnungen und Publicity für ihren Erfolg. Je mehr es zur Normalität wird, dass erfolgreiche Frauen in allen Branchen und Arbeitsbereichen vertreten sind, desto eher werden sich mehr Frauen auf diese Stellen bewerben. Eine geschlechtersensible Arbeitspolitik beinhaltet, die Vielfalt der Beschäftigten zu respektieren, wobei in Anlehnung an die fachlichen Debatten über die Geschlechterfrage ein weiterer Aspekt hervorgehoben werden sollte: eine vielfältige Arbeitspolitik sollte geschlechtersensibel, aber niemals exklusiv sein. Arbeitspolitische Maßnahmen, die Familienzeiten berücksichtigen, sollten sich nicht nur auf den Mutterschaftsurlaub konzentrieren, sondern auch die Bedeutung der gemeinsamen Verantwortung von Müttern und Vätern hervorheben, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu gewährleisten. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) (2018) hebt die Bedeutung des Elternurlaubs als eines der wichtigsten Themen hervor, um eine echte Gleichstellung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt zu erreichen. Die meisten Global Player - nicht nur in Malaysia, sondern auf der ganzen Welt - sehen sich mit der Notwendigkeit konfrontiert, ihre Belegschaft zu flexibilisieren, um auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu sein, und auch aufgrund der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung. Vielfältige Arbeitsstrategien werden ein zentraler Schlüssel sein, um den Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes und den sozialen und wirtschaftlichen Problemen erfolgreich zu begegnen.

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Autorinnen

Prof. Dr. Nina Weimann-Sandig wurde in Nürnberg geboren und studierte Soziologie und Politikwissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg. Ihre Magisterarbeit wurde vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Erlangen-Nürnberg ausgezeichnet. Für ihre Promotionsarbeit erhielt sie ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung. Als Postdoc arbeitete sie am Deutschen Jugendinstitut in München. 2016 wurde sie als Professorin für Soziologie und empirische Sozialforschung an die Hochschule für Soziale Arbeit, Pädagogik und Pflege in Dresden berufen. Seit 2016 ist sie auch als Beraterin für die Weltbank tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind soziale Ungleichheit, insbesondere im Hinblick auf Geschlecht, geschlechtsspezifische Rollenbilder und Arbeitsmarkt.

*Korrespondierende Autorin, nina.weimann-sandig@ehs-dresden.de

Prof. Datin Dr. Norizan Abdul Razak, Universiti Kebangsaan Malaysia, wurde in Port Klang, Selangor, geboren und erwarb ihr Certificate in Computer in Education an der Lancaster University (1991), ihr PHD-Doktorat in Computer in Education an der UKM und ihr Postgraduate Certificate in Entrepreneurship and Innovation am Trinity College, Dublin (2014). Sie ist verheiratet und hat vier Kinder. Sie begann ihre Karriere 1988 als Dozentin an der Fakultät für Sozial- und Geisteswissenschaften (FSSK). Im Jahr 2017 bis 2020 wurde sie zur Direktorin des UKM Women's Leadership Center ernannt, im Einklang mit ihrem Engagement als Gründerin und Präsidentin der Malaysian Women e-Entrepreneurs Association (EWA), die von 2011 bis heute gegründet wurde. Professorin für digitale Kompetenz und E-Learning.


Fußnoten

[1] Entwicklungsindex der Weltbank

[2] Entwicklungsindex der Weltbank

[3] Statista.com

[4] Statista.com

[5] OECD

[6] OECD

[7] OECD

[8] Malaysia Economic Motor 2020

[9] OECD Economic Surveys

[10] OECD Economic Surveys

[11] MASW=Malaysian Association of Social Workers (Malaysischer Verband der Sozialarbeiter/innen)


Zitiervorschlag
Weimann-Sandig, Nina und Norizan Abdul Razak , 2021. Länderporträt Malaysia. In: socialnet International [online]. 21.09.2021 [Zugriff am: 26.10.2021]. ISSN 2627-6348. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/international/malaysia.html