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Aarts, Maria

Interessenlage: Die Autorin und der Autor dieses Beitrags sind beide in der MarteMeo-Methode ausgebildet und fungieren im Rahmen des Internationalen MarteMeo-Netzwerkes als „Licensed Supervisor“.

Maria Aarts
Abbildung 1: Maria Aarts (Quelle: Maria Aarts)

* 03.08.1950 in den Niederlanden

Maria Aarts ist die Begründerin der videobasierten MarteMeo-Methode, mit der auf verschiedenen Ebenen Eltern oder Fachkräfte in Erziehungs-, Entwicklungs- und Kommunikationsfragen unterstützt werden können. Der Name besagt sinngemäß: Etwas aus eigener Kraft erreichen.

Überblick

  1. 1 Lebenslauf
  2. 2 Lebenswerk
  3. 3 Wirkungsgeschichte
  4. 4 Aktuelle Bedeutung und Würdigung/Kritik
  5. 5 Quellenangaben
  6. 6 Literaturhinweise
  7. 7 Informationen im Internet

1 Lebenslauf

Maria Aarts wurde am 3. August 1950 als Achtes von 14 Kindern in Budel/Niederlanden geboren. Wie sie selbst ausführte, war die erzieherische Grundhaltung ihre Eltern, sich durch konstruktive Mitwirkung am Glück eines anderen zu erfreuen und dadurch selbst einen Augenblick des Glücks zu erleben, prägend für ihre späteren beruflichen Ideen (Aarts 2002, S. 5).

2 Lebenswerk

Nach einem Studium der Organisationswissenschaft an einer Fachhochschule in den Niederlanden begann Maria Aarts 1974 eine Arbeit in einem Kinderheim. 1976 wechselte sie in die stationäre kinderpsychiatrische Einrichtung De Widdonck in Roggel in der Provinz Limburg im Süden der Niederlande, einer Einrichtung mit 108 Plätzen. Nach deutschen Standards könnte man von einem psychiatrischen Heim für Kinder mit angeschlossener Förderschule für Erziehungshilfe sprechen. Zuerst war sie zuständig für die Leitung einer Gruppe von autistischen Kindern und Kindern mit Entwicklungsstörungen.

Gemeinsam mit ihrem Kollegen, dem Dipl.-Psychologen Harrie Biemans, entwickelten sie alternativ zur damals üblichen Heimpädagogik das Projekt Dagebehandeling. Ein „Dagebehandeling Centerfür Kinder entspricht im Deutschen ungefähr einer Tagesgruppe, das heißt einer ambulanten Einrichtung für Kinder mit einem erhöhten Erziehungsbedarf. Stärkstes Argument dafür war die Aussicht, der gegebenen langen „Warteliste“ für eine Aufnahme von Kindern entgegenwirken zu können, sodass das Projekt am 15.02.1978 starten konnte (Aarts 2016). Eltern konnten nun mitentscheiden, ob ihr Kind in stationäre Heimpflege genommen oder aber einen Platz in der ambulanten Tagesgruppe bekommen konnte. Diesem Projekt mit dreißig Plätzen für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren gaben Aarts und Biemans den Namen ORION-Home-Training, wobei Aarts als Direktorin, Biemans als leitender Psychologe tätig waren. Das Projekt war so erfolgreich, dass innerhalb kurzer Zeit mit Zustimmung des zuständigen Ministeriums für Wohlfahrt, Gesundheit und Kultur weitere 20 Plätze eingerichtet werden konnten. Ein Schwerpunkt der Arbeit war die Zusammenarbeit mit den Eltern und den LehrerInnen der Förderschule.

Im September 1985 löste das Projekt ORION die organisatorischen Bande zu De Widdonck, um anschließend als eigenständige Stiftung weiterzuarbeiten. In der Folgezeit wurde das ORION-Home-Training in den Niederlanden immer populärer. Im Laufe der nächsten Jahre begannen aber die Interessen von Aarts und Biemans deutlich zu divergieren. Biemans war derjenige, der den Ausbau einer landesweiten Organisation favorisierte. Er verließ schließlich ORION, um 1987 die nationale Stiftung „SPIN“ zu gründen. SPIN ist die Abkürzung für „Stichting Promotie Intensieve Thuisbehandeling Nederland“, auf Deutsch „Stiftung zur Förderung der intensiven (häuslichen) Familienbehandlung“. SPIN ist in den Niederlanden eine landesweit arbeitende Organisation. Seit 1993 existiert SPIN-Deutschland (SPIN-Deutschland 1994). Gleichzeitig kreierte Biemans für die Beratung den neuen Begriff Video-Home-Training (VHT).

Maria Aarts konzentrierte sich auf die Weiterentwicklung von verständlichen und brauchbaren Materialien für den Alltag von Eltern und ErzieherInnen.
1987 nahm sie nach Vermittlung des zuständigen niederländischen Ministeriums das Angebot des israelischen Sozialministeriums an, die ORION-Methode in Israel in einem dreijährigen Projekt in Haifa, Tel Aviv, Jerusalem, Beersheva und Tiberias zu vermitteln (Aarts 2002, S. 39). Dort ergaben sich für sie neue Kontakte zu Wissenschaftler*innen aus Norwegen, die sie für Fortbildungen an der Universität Bergen gewannen. Weiterbildungen in Schweden und Dänemark schlossen sich an. In konsequenter Weiterentwicklung ihrer eigenen Ideen trennte Maria Aarts sich Anfang der 1990er Jahre auch von ORION, um mit ihrer MarteMeo-Methode ein eigenes, unabhängiges und internationales Netzwerk aufzubauen (Aarts 1996).

1992 begann Maria Aarts ihre erste internationale MarteMeo-Weiterbildung unter deutscher Beteiligung in den Niederlanden. In den nächsten Jahren entwickelten sich mit ihrer Unterstützung nationale MarteMeo-Netzwerke in Norwegen, Schweden, Dänemark und Irland, ab 1997 auch in Deutschland und der Schweiz. In den letzten Jahren kam ein australisches Netzwerk hinzu. Daneben gibt es in einer Reihe von Ländern (z.B. Kroatien, Litauen, Österreich) kleine MarteMeo-Gemeinschaften. Heute ist das MarteMeo-Netzwerk in 50 Ländern aktiv.

Um ihrem Anspruch, ein Internationales Netzwerk aufzubauen, gerecht zu werden, entwickelte Maria Aarts in ihrem Ausbildungscurriculum eine vierte Stufe, die sie „Licensed Supervisor“ nannte. Im Gegensatz zu den anderen drei Stufen („Practitioner“, „Therapist“/„Colleague Trainer“ und „Supervisor“), die durch einen erfolgreichen Weiterbildungsabschluss erreicht werden können, kann Licensed Supervisor nur werden, wer von Maria Aarts persönlich dazu berufen wird. In Deutschland beispielsweise sind das aktuell 32 Personen (Stand Juni 2018). Nach ihren Vorstellungen sollen diese internationalen Licensed Supervisors gemeinsam mit ihr durch regelmäßige Treffen in den Niederlanden dafür sorgen, dass die fachliche und organisatorische Weiterentwicklung der Methode gewährleistet wird.

In den letzten Jahren hat Maria Aarts ihre Ausbildungstätigkeit in Eindhoven/Niederlande an ihre Schwester Josje übertragen um sich mehr auf eine internationale Vortragstätigkeit zu konzentrieren, die sie in viele Länder führt. Daneben entwickelt sie in Zusammenarbeit mit internationalen Instituten „Marte Memo Learningsets“. Ihre jüngste Schwester, Josje Aarts, hat als Direktorin von Marte Meo Internation Education den Schwerpunkt Weiterbildungstätigkeit/Edukation in Eindhoven/Niederlande übernommen.

3 Wirkungsgeschichte

Seit den frühen Anfängen hat sich die MarteMeo-Methode in vielen Ländern verbreitet und weiter entwickelt. Inzwischen gibt es auch in Deutschland viele Fachkräfte, die mit dieser Methode arbeiten. Dabei vertritt MarteMeo nicht den Anspruch, allen Anliegen gerecht werden zu können. Vielmehr gilt, dass die Methode sehr gut mit anderen Ansätzen, wie beispielsweise mit systemischer Beratung und Therapie, zu vereinbaren ist. Inzwischen gibt es auch eine Reihe von lesenswerten Publikationen zu der Methode.

4 Aktuelle Bedeutung und Würdigung/Kritik

Mit der Entwicklung ihrer videobasierten MarteMeo-Methode hat Maria Aarts das Methodenspektrum für die Beratung von Ratsuchenden in Erziehungs- und Entwicklungsfragen bzw. die Unterstützung von pflegebedürftigen und dementen alten Menschen um eine wesentliche, praxisbezogene Facette bereichert. In Anlehnung an die Metapher „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ kann herausgestellt werden, dass die im Alltag erstellten Filme jeder Beratung nach der Methode eine Tiefe und Intensität bieten, die mit anderen Ansätzen mit viel Engagement sprachlich erst konstruiert werden müssen.

5 Quellenangaben

Aarts, Maria, 2016. MarteMeo Handbuch. 4. Auflage. Harderwijk: Aarts Production. ISBN 978-90-75455-32-8.

Aarts, Maria, 2002. Marte Meo. Ein Handbuch. 1. Auflage. Harderwijk: Aarts Production. ISBN 90-75455-06-2

Aarts, Maria, Hrsg., 1996. Marte Meo Guide. Harderwijk: Aarts Productions. ISBN 90-75455-02-X

SPIN-Deutschland, Hrsg., 1994. Video-Home-Training – Reader 1: Grundlagen zu Theorie und Praxis. Düsseldorf: Eigenverlag.

6 Literaturhinweise

Claudia Berther und Therese Niklaus Loosli, 2015. Die Marte Meo Methode. Ein bildbasiertes Konzept unterstützender Kommunikation für Pflegeinteraktionen. Bern: Hogrefe. ISBN 978-3-456-85532-5 [Rezension bei socialnet]

Bünder, Peter, Annegret Sirringhaus-Bünder und Angela Helfer, 2015. Lehrbuch der MarteMeo-Methode. Entwicklungsförderung mit Videounterstützung. 4. überarbeitete Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-40468-3 [Rezension bei socialnet]

Christian Hawellek, 2012. Entwicklungsperspektiven öffnen: Grundlagen beobachtungsgeleiteter Beratung nach der Marte-Meo-Methode. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-40217-7

7 Informationen im Internet

AutorInnen
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Dipl. Soz.-Arb. Annegret Sirringhaus-Bünder
Lehrende für systemische Beratung und Therapie (DGSF), systemische Supervisorin (DGSF), NLP- Lehrtrainerin (DVNLP), seit 1985 freiberuflich tätig in den Bereichen systemische Beratung und Therapie, Fort- und Weiterbildung, Supervision und Coaching.
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Es gibt 2 Lexikonartikel von Peter Bünder.
Es gibt 2 Lexikonartikel von Annegret Sirringhaus-Bünder.


Zitiervorschlag
Bünder, Peter und Annegret Sirringhaus-Bünder, 2018. Aarts, Maria [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 13.08.2018 [Zugriff am: 19.11.2018]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Aarts-Maria

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AutorInnen

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veröffentlicht am 13.08.2018

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