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Alter Ego (Psychodrama)

Thomas Wittinger

veröffentlicht am 07.06.2024

Übersicht über alle Versionen

Synonyme: Doppel; Stellvertreter; Stand In

Etymologie: lat. alter der Andere, ego ich

Englisch: alter ego

Fassung: Neufassung

Der Begriff Alter Ego bezeichnet eine spezifische Hilfs-Ich-Funktion im Rahmen des Psychodramas. Das Alter Ego ist der bzw. die Stellvertreter:in des bzw. der Protagonist:in.

Ein Alter Ego übernimmt im Rahmen des von J. L. Moreno begründeten Psychodramas die Rolle des bzw. der Protagonist:in. Diese Hilfs-Ich-Funktion wird

  • beim indirekten Rollentausch und
  • im Verlauf eines Protagonistenspiels

besetzt. Im Verlauf eines Protagonistenspiels übernimmt das Alter Ego die Rolle des bzw. der Protagonist:in, damit der bzw. die Protagonist:in die eigene Szene aus der Spiegelposition mit der damit verbundenen Distanz anschauen kann.

Der Einsatz eines Alter Egos ist insbesondere dann indiziert, wenn die Spielszene für den bzw. die Protagonist:in emotional sehr belastend ist (z.B. sehr angstbesetzt, bedrohlich). In diesen Fällen empfiehlt es sich, dass die Leitung mit dem bzw. der Protagonist:in im Zuschauerraum Platz nimmt und dort bis zum Ende der Szene verbleibt. In diesen Fällen darf kein Rollentausch vorgenommen werden. Dieses gesamte Arrangement wird als Regiestuhl-Technik bezeichnet und ist dem Playback-Theater (Fox 1996) entlehnt.

Der Begriff des Alter Ego ist kein ursprünglich von Moreno eingeführter Begriff. Für die beschriebene Funktion wird er z.B. von Hutter benutzt (Hutter 2000, S. 221). Andere verwenden hierfür den Begriff des Doppelgängers (Grimmer 2013, Krüger 2013) oder Stand-In (Ameln und Kramer 2014, S. 135 f.). Diesen Begriff verwendet auch Moreno, allerdings sehr ungenau, insofern er generell jedes Hilfs-Ich als Stand-In bezeichnet (Hutter und Schwehm 2009, S. 437).

1 Quellenangaben

Ameln, Falk und Josef Kramer, 2014. Psychodrama: Grundlagen. Heidelberg: Springer Verlag. ISBN 978-3-6424-4920-8

Fox, Jonathan, 1996. Renaissance einer alten Tradition – Playback Theater. Köln: inScenario. ISBN 978-3-9292-9605-1

Grimmer, Karls, 2013. Die psychodramatische Doppelgängertechnik und die Entwicklung von Sicherheit gebenden,inneren elterlichen Rollen‘ –,guten Elternintrojekten‘ – bei Angststörungen. In: Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie 12(2), S. 189–199. ISSN 1619-5507

Hutter, Christoph, 2000. Psychodrama als Experimentelle Theologie. Münster: Lit-Verlag. ISBN 978-3-8258-4666-4 [Rezension bei socialnet]

Hutter, Christoph und Helmut Schwehm, 2009. J. L. Morenos Werk in Schlüsselbegriffen. Wiesbaden: VS-Verlag. ISBN 978-3-5311-9593-3

Krüger, Reinhard T., 2013. Die therapeutischen Funktionen und Indikationen des Doppelns. Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie 12(2), S. 217–231. ISSN 1619-5507

2 Literaturhinweis

Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie 12(2), 2013. Doppeln. ISSN 1619-5507

Verfasst von
Thomas Wittinger
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Es gibt 16 Lexikonartikel von Thomas Wittinger.

Alle Versionen

  1. 07.06.2024 Thomas Wittinger [aktuelle Fassung]
  2. 16.08.2021 Inge-Marlen Ropers

Zitiervorschlag
Wittinger, Thomas, 2024. Alter Ego (Psychodrama) [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 07.06.2024 [Zugriff am: 14.06.2024]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/29882

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