Arbeitskräftemangel
Dr. Günther Vedder
veröffentlicht am 01.08.2025
Ein Arbeitskräftemangel liegt vor, wenn für Tätigkeiten ohne spezielle Ausbildungsanforderungen kaum noch Personal gefunden werden kann. Die Anzahl der offenen Stellen ist dann auch im unteren Arbeitsmarktsegment deutlich höher als die Zahl der Arbeitslosen oder Arbeitssuchenden.
Überblick
- 1 Zusammenfassung
- 2 Unteres Arbeitsmarktsegment
- 3 Maßnahmen gegen Arbeitskräftemangel
- 4 Quellenangaben
1 Zusammenfassung
Alle arbeitsfähigen Personen innerhalb einer Volkswirtschaft sind potenzielle Arbeitskräfte, aber nur ein Teil dieser Gruppe gehört zu den gut ausgebildeten Fachkräften (Bott et al. 2011, S. 12). Wenn von Personalengpässen in Organisationen die Rede ist, dann geht es meist um den sogenannten Fachkräftemangel. Es fehlen Mitarbeiter:innen mit einer anerkannten mindestens zweijährigen Berufsausbildung oder mit einem anerkannten akademischen Abschluss. Der Begriff Arbeitskräftemangel geht darüber hinaus, da in diesem Fall auch Bewerber:innen ohne formale Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt fehlen.
Zu den Hauptgründen für den Arbeitskräftemangel zählen der demografische Wandel sowie die gesunkene Attraktivität vieler Ausbildungsberufe für junge Menschen (Garnitz et al. 2023, S. 60). Als weitere Ursachen können u.a. die Arbeitsbedingungen (Schichtarbeit, körperliche Belastung), die gesellschaftliche Wertschätzung dieser Tätigkeiten aber auch die „Konkurrenz“ von Mindestlohn vs. Sozialleistungen genannt werden.
2 Unteres Arbeitsmarktsegment
Menschen ohne formale Qualifikationen arbeiten in Deutschland vor allem in folgenden Branchen:
- Logistik und Lagerwirtschaft
- Bauwirtschaft
- Landwirtschaft
- Gastronomie
- Hotellerie
- Reinigungsbranche
- Einzelhandel.
Sie sind zum Beispiel als Küchenhilfen, Paketzusteller:innen, Erntehelfer:innen, Reinigungskräfte, Kommissionierer:innen, Bauhelfer:innen, Regalauffüller:innen oder Servicekräfte im Einsatz. Benötigt werden hier praktische Fähigkeiten, die im Job erlernt werden können. Eine spezialisierte Ausbildung ist in der Regel nicht erforderlich. Vorausgesetzt werden oft eine gewisse körperliche Fitness, ein Sinn für Ordnung und Sauberkeit, eine gute Arbeitsqualität unter Zeitdruck oder auch eine hohe Zuverlässigkeit.
3 Maßnahmen gegen Arbeitskräftemangel
Der Arbeitskräftemangel kann in verschiedenen Regionen unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Besonders betroffen sind zum Beispiel ländliche Gebiete, aus denen junge Menschen abwandern oder auch Großstädte, in denen Menschen mit geringen Einkommen kaum noch bezahlbaren Wohnraum finden. Als Maßnahmen gegen den Arbeitskräftemangel kommen vor allem eine Förderung der Zuwanderung und des bisher ungenutzten Arbeitskräftepotenzials (ein Teil der Frauen, der älteren Arbeitnehmer:innen, der Menschen mit Behinderungen…) infrage. Auch eine verstärkte Förderung der Mobilität kann dem Arbeitskräftemangel entgegenwirken, wenn zum Beispiel in einem Bundesland händeringend Arbeitskräfte gesucht werden, während die Arbeitslosigkeit in anderen Regionen in Deutschland noch wesentlich höher ist.
4 Quellenangaben
Bott, Peter, Robert Helmrich und Gerd Zika, 2011. Arbeitskräftemangel bei Fachkräften? Eine Klärung arbeitsmarktrelevanter Begrifflichkeiten. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP) [online]. 40(3), S. 12.14 [Zugriff am: 20.06.2025]. ISSN 0341-4515. Verfügbar unter: https://www.bwp-zeitschrift.de/dienst/​publikationen/de/6672
Garnitz, Johanna, Stefan Sauer und Daria Schaller, 2023. Arbeitskräftemangel belastet die deutsche Wirtschaft. In: ifo Schnelldienst [online]. 76(9), S. 60–64 [Zugriff am: 18.02.2025]. Verfügbar unter: https://www.ifo.de/DocDL/​sd-2023-09-garnitz-sauer-schaller-fachkraeftemangel.pdf
Verfasst von
Dr. Günther Vedder
Institut für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft der Leibniz Universität Hannover
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