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Big Data

Markus Krings

veröffentlicht am 24.03.2026

Ähnlicher Begriff: Big-Data-Analytics (der Begriff rückt stärker den Analyseprozess großer Datenmengen in den Vordergrund als die Datenbestände selbst)

Etymologie: engl. big groß; engl. data Daten(menge)

Englisch: big data

Big Data umfasst umfangreiche, heterogene und schnell wachsende Datenmengen, deren Analyse neue Erkenntnisse für Entscheidungs- und Steuerungsprozesse versprechen.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Begriffsbestimmung
  3. 3 Big Data in der Sozialen Arbeit und Sozialwirtschaft
  4. 4 Konkrete Anwendungsbeispiele von Big Data
    1. 4.1 Big Data im Personalmanagement (People Analytics)
    2. 4.2 Big Data in der fachlichen Arbeit: Früherkennung von Kindeswohlgefährdung
  5. 5 Potenziale und Grenzen
    1. 5.1 Potenziale
    2. 5.2 Grenzen und kritische Reflexion
  6. 6 Quellenangaben

1 Zusammenfassung

In Klient:innenmanagementsystemen, Verwaltungsprozessen und digitalen Kommunikationsplattformen entstehen kontinuierlich größere Datensätze, die wertvolle Informationen über Zielgruppen, Nutzungsmuster und organisatorische Abläufe enthalten. Ihre Auswertung kann dazu beitragen, soziale Bedarfe präziser und differenzierter zu erkennen, Planungs- und Steuerungsprozesse zu optimieren sowie Risiken frühzeitig einzuschätzen. Gleichzeitig erfordert der Umgang mit solchen Daten ein hohes Maß an Verantwortung, insbesondere im Hinblick auf Datenschutz, ethische Fragestellungen und die Wahrung der professionellen Entscheidungsfreiheit der Fachkräfte.

2 Begriffsbestimmung

Der Begriff Big Data bezeichnet sehr große, komplexe und dynamische Datenmengen, die mit herkömmlichen Verfahren der Datenverarbeitung und -analyse nur eingeschränkt oder gar nicht bearbeitet werden können. Charakteristisch sind dabei die sogenannten „5 V“ (Lippold 2020 S. 19):

  • Volume (Datenmenge)
  • Velocity (Geschwindigkeit der Datenerzeugung und -verarbeitung)
  • Variety (Vielfalt der Datenformate und -quellen)
  • Veracity (Qualität, Zuverlässigkeit und Validität der Daten)
  • Value (potenzieller Nutzen der Daten)

Big Data umfasst nicht allein die Größe der Datenbestände, sondern ebenso die technischen, methodischen und organisatorischen Ansätze zu deren Speicherung, Analyse und Interpretation (auch als „Big-Data-Analytics“ bezeichnet). Ziel ist es, aus umfangreichen Datenbeständen Zusammenhänge, Muster und Prognosen zu gewinnen, die Entscheidungs-, Steuerungs- und Erkenntnisprozesse unterstützen.

3 Big Data in der Sozialen Arbeit und Sozialwirtschaft

Mit der fortschreitenden Digitalisierung – insbesondere in Verbindung mit Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz (KI) – gewinnt Big Data im Sozialsektor zunehmend an Bedeutung. Digitale Fachverfahren, Verwaltungsprozesse und Kommunikationsformen erzeugen stetig und in wachsendem Umfang Daten, die prinzipiell für analytische Zwecke nutzbar sind.

Zu den zentralen Datenquellen zählen beispielsweise:

  • Fach- und Klient:innenmanagementsysteme
  • Personalmanagementsysteme und -berichte
  • Sozialadministrative Registerdaten
  • Nutzungsdaten sozialer Angebote
  • Digitale Kommunikations- und Beratungsformate.

Die systematische Auswertung dieser Daten kann verschiedene Anwendungsfelder innerhalb des Sozialsektors eröffnen, darunter:

  • Sozialplanung und Bedarfsanalyse:
    Durch die Analyse umfangreicher Verwaltungs- und Nutzungsdaten lassen sich Bedarfsentwicklungen, Zielgruppenveränderungen oder regionale Unterschiede frühzeitig erkennen. Auf dieser Grundlage können sozialpolitische Entscheidungen datenbasiert unterstützt und Angebote passgenauer geplant und weiterentwickelt werden.
  • Personalmanagement und Mitarbeitendensteuerung:
    Daten von Mitarbeitenden, etwa zu Qualifikationen, Einsatzfeldern, Arbeitszeiten oder Fluktuation, können wichtige Hinweise für die Personaleinsatzplanung und Personalentwicklung liefern. Big-Data-Analysen können dazu beitragen, Abwanderungsrisiken frühzeitig zu identifizieren, Personalbedarfe besser zu prognostizieren und gezielte Maßnahmen zur Qualifizierung und Bindung von Fachkräften abzuleiten.
  • Organisationssteuerung und Controlling:
    Die Auswertung großer Datenbestände kann eine erhöhte Transparenz über Leistungsprozesse, Ressourcen und Auslastung innerhalb sozialer Organisationen schaffen. Die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich zur Optimierung interner Abläufe, zur Steigerung organisatorischer Effizienz sowie zur Stärkung von Steuerungs- und Governance-Strukturen nutzen.
  • Evaluation und Qualitätsentwicklung:
    Die Auswertung umfangreicher Verlaufs- und Falldaten erlaubt die Bewertung von Wirkungen sozialer Maßnahmen über größere Fallzahlen und längere Zeiträume. Mitarbeitendendaten können dabei zusätzliche Einblicke in Arbeitsbelastungen, Kompetenzen oder Schulungsbedarf liefern.

4 Konkrete Anwendungsbeispiele von Big Data

Big Data bzw. Big-Data-Analytics lassen sich sowohl auf der Ebene des Managements und der Administration als auch in der fachlichen Praxis der Sozialen Arbeit einsetzen. Zwei ausgewählte Beispiele verdeutlichen dies exemplarisch:

4.1 Big Data im Personalmanagement (People Analytics)

Ein zentrales Anwendungsfeld ist das Personalmanagement (Krings 2022, S. 52 ff.; Krings und Heister 2023) in dem auch von People Analytics, HR Analytics oder Workforce Analytics gesprochen wird. Hierbei handelt es sich um die datenbasierte Analyse personalbezogener Informationen, die über klassisches Personalreporting und -controlling hinausgeht.

Besonders in der Sozialen Arbeit ist das Personalmanagement ein wesentlicher Steuerungsfaktor, da die Fachkompetenz, die Arbeitsmotivation und die Verfügbarkeit der Mitarbeitenden direkt die Qualität sozialer Dienstleistungen beeinflussen. Auf Basis großer Datenbestände lassen sich personelle Strukturen umfassend analysieren, Muster erkennen und die strategische Planung von Personalressourcen optimieren.

Durch People Analytics können Sozialunternehmen gezielt geeignete Kandidat:innen für offene Stellen identifizieren, indem sie Daten zu Qualifikationen, Erfahrungen und Kompetenzen auswerten. Zudem lassen sich frühzeitig Risiken wie Mitarbeitendenfluktuation oder Schulungsbedarf erkennen, wodurch gezielte Maßnahmen zur Personalentwicklung und -bindung abgeleitet werden können. So können Fortbildungsprogramme, Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitszufriedenheit oder langfristige Bindungsstrategien entwickelt werden.

Die Nutzung von Big Data im Personalmanagement soll eine effiziente Einsatzplanung und eine datenbasierte Steuerung von Personalressourcen unterstützen. Dies ist insbesondere im Kontext des Fachkräftemangels von großer Bedeutung, da es helfen kann, die Verfügbarkeit von Fachkräften nachhaltig zu sichern und die Dienstleistungsqualität zu gewährleisten.

4.2 Big Data in der fachlichen Arbeit: Früherkennung von Kindeswohlgefährdung

Ein konkretes Anwendungsfeld aus der fachlichen Arbeit ist die Unterstützung bei der Einschätzung und Prävention von Kindeswohlgefährdung (konkretes Beispiel aus den USA: Allegheny Family Screening Tool, kurz AFST; Allegheny County Department of Human Services o.J.). Hierbei werden Daten aus der Kinder- und Jugendhilfe, dem Gesundheitswesen, Schulen oder der Sozialverwaltung zusammengeführt und analysiert, um Risikolagen frühzeitig zu erkennen.

Big-Data-Analysen können Muster identifizieren, die statistisch mit erhöhten Gefährdungsrisiken korrelieren, z.B. wiederholte Schulfehlzeiten, Wohnungsinstabilität, Armut, frühere Hilfesystemkontakte oder gesundheitliche Auffälligkeiten. Auf dieser Grundlage lassen sich Frühwarnsysteme entwickeln, die Fachkräfte bei der gezielten Beobachtung von Risikokonstellationen unterstützen.

5 Potenziale und Grenzen

Big Data bietet der Sozialen Arbeit und der Sozialwirtschaft vielfältige Chancen, indem große und heterogene Datenbestände systematisch ausgewertet und für Entscheidungs-, Planungs- und Steuerungsprozesse nutzbar gemacht werden. Zugleich ist der Einsatz von Big Data mit fachlichen, ethischen und rechtlichen Herausforderungen verbunden. Ein verantwortungsvoller Umgang erfordert daher eine kontinuierliche und kritische Reflexion sowohl der Potenziale als auch der Grenzen datenbasierter Ansätze (zu Chancen und Risiken u.a. Wirges et al. 2020, S. 9 ff.).

5.1 Potenziale

Die Analyse und Nutzbarmachung großer Datenbestände können dazu beitragen, evidenzbasierte Entscheidungen zu stärken und fachliche Einschätzungen durch datenbasierte Erkenntnisse zu ergänzen. Durch Big-Data-Analytics lassen sich komplexe Muster, Zusammenhänge und Entwicklungen erkennen, die mit klassischen Auswertungsmethoden nur schwer sichtbar wären.

Big Data kann auch die Planung, Steuerung und Evaluation sozialer Angebote verbessern, etwa durch genauere Bedarfsanalysen, Prognosen zur Inanspruchnahme von Leistungen oder Wirkungsanalysen über längere Zeiträume hinweg. Auch ein frühzeitiges Erkennen von Risiken und Trends – beispielsweise in Bezug auf Versorgungsengpässe oder Belastungslagen bestimmter Zielgruppen – wird ermöglicht.

Nicht zuletzt kann Big Data einen zielgerichteteren Ressourceneinsatz erleichtern und zu mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit organisationaler Prozesse führen, was sowohl intern als auch gegenüber Kostenträgern, Fördermittelgebern und Öffentlichkeit an Bedeutung gewinnt.

5.2 Grenzen und kritische Reflexion

Trotz der vielfältigen Potenziale ist der Einsatz von Big Data in der Sozialen Arbeit und Sozialwirtschaft mit fachlichen, ethischen und rechtlichen Herausforderungen verbunden, die nicht unbeachtet bleiben sollten.

Ein zentrales Spannungsfeld ergibt sich aus dem Umgang mit sensiblen personenbezogenen Daten, die in sozialen Kontexten regelmäßig verarbeitet werden. Datenschutzrechtliche Vorgaben sowie ethische Prinzipien wie informationelle Selbstbestimmung, Zweckbindung und Verhältnismäßigkeit stellen daher hohe Anforderungen an Datenerhebung, -verarbeitung und -nutzung.

Darüber hinaus sind große Datenmengen nicht per se valide, repräsentativ oder frei von Verzerrungen. Soziale Ungleichheiten, institutionelle Routinen oder selektive Erhebungspraktiken können sich in Daten widerspiegeln und durch algorithmische Auswertungen reproduziert oder sogar verstärkt werden. Die daraus abgeleiteten Prognosen und Risikoeinschätzungen sind daher stets kritisch zu hinterfragen und in ihren Entstehungskontexten zu reflektieren.

Algorithmische Analysen und Prognosemodelle dürfen die professionelle Urteilsbildung nicht ersetzen, sondern können diese allenfalls unterstützen. Eine unreflektierte Übernahme datenbasierter Ergebnisse birgt die Gefahr, komplexe Lebenslagen von Klient:innen auf statistische Wahrscheinlichkeiten zu reduzieren. Dies kann zu Stigmatisierungen, diskriminierenden Zuschreibungen oder problematischen Kategorisierungen führen, die dem professionellen Selbstverständnis Sozialer Arbeit widersprechen.

Zudem sind Macht- und Steuerungsfragen von zentraler Bedeutung: Wer entscheidet darüber, welche Daten erhoben werden, welche Indikatoren als relevant gelten und zu welchem Zweck Analyseergebnisse genutzt werden? Ohne transparente Entscheidungsstrukturen und klare Governance-Regelungen besteht das Risiko, dass datenbasierte Instrumente primär organisations- oder steuerungslogischen Interessen folgen und fachliche Handlungsspielräume einschränken.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass der verantwortungsvolle Einsatz von Big Data spezifische Kompetenzen in den Bereichen Datenanalyse, Interpretation und kritische Reflexion erfordert. Die Verfügbarkeit großer Datenmengen allein führt noch nicht zu besseren Entscheidungen; entscheidend sind geeignete Analyseverfahren und -kompetenzen, klare Zielsetzungen sowie eine reflektierte und verantwortungsbewusste Nutzung der Ergebnisse. Fehlen diese Voraussetzungen, kann Big Data zu Fehlinterpretationen, falschen Schlussfolgerungen und problematischen Steuerungsentscheidungen führen.

Tabelle 1: Gegenüberstellung Potenziale und Grenzen von Big Data
Potenziale Grenzen und Risiken
Unterstützung evidenzbasierter Entscheidungen Ethische und datenschutzrechtliche Anforderungen
Identifikation komplexer Muster und Zusammenhänge Daten sind nicht automatisch valide oder repräsentativ
Verbesserung von Planung, Steuerung und Evaluation Verzerrungen und Reproduktion sozialer Ungleichheiten
Frühzeitiges Erkennen von Trends und Risikolagen Algorithmische Prognosen ersetzen keine Fachlichkeit
Zielgerichteterer Ressourceneinsatz Gefahr von Stigmatisierung und Diskriminierung
Mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit Macht- und Steuerungsfragen bei Datennutzung
Grundlage für präventive Ansätze Reduktion komplexer Lebenslagen auf statistische Wahrscheinlichkeiten
Stärkung der (strategischen) Personalsteuerung Erforderlichkeit spezifischer Daten- und Analysekompetenzen

Big Data kann die Praxis der Sozialen Arbeit ergänzen und die professionelle Urteilsbildung unterstützen, ohne sie zu ersetzen. Es ermöglicht evidenzbasierte Entscheidungen, präventive Maßnahmen und eine datengestützte Ressourcensteuerung. Voraussetzung für eine erfolgreiche Anwendung ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Daten, ethische Sensibilität und kontinuierliche fachliche Reflexion.

6 Quellenangaben

Allegheny County Department of Human Services, [ohne Jahr]. Allegheny Family Screening Tool [online]. Pittsburgh: Allegheny County [Zugriff am: 08.01.2026]. Verfügbar unter: https://www.alleghenycounty.us/Services/​Human-Services-DHS/​DHS-News-and-Events/​Accomplishments-and-Innovations/​Allegheny-Family-Screening-Tool

Krings, Markus, 2022. Das Personalmanagement sozialer Organisationen im Zeitalter der Digitalisierung. Baden-Baden: Tectum Verlag. ISBN 978-3-8288-4832-0

Krings, Markus und Werner Heister, 2023. Neue Wege im Personalmanagement. In: SOZIALwirtschaft. 33(3), S. 19–21. ISSN 1613-0707

Lippold, Dirk, 2020. Digital (mit)denken – analog denken: Eine Roadmap durch die digitale Transformation. Berlin: De Gruyter Oldenbourg. ISBN 978-3-11-070593-5

Wirges, Felix, Marlene Ahlbrecht und Anne-Katrin Neyer, 2020. HR-Analytics: Was HR-Verantwortliche und Führungskräfte wissen und können müssen. Wiesbaden: Springer Gabler. ISBN 978-3-658-27792-5

Verfasst von
Markus Krings
Sozialmanager (M.A.) und Betriebswirt (B.A.)
Seit vielen Jahren in Beratungs- und Leitungsfunktionen der Sozialwirtschaft tätig. Er ist unter anderem IHK-zertifizierter Business-Transformation-, Data-Process- sowie New-Work-Expert und gehört dem Beirat der Zeitschrift Sozialwirtschaft an.
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