Bonhoeffer, Dietrich
Tobias Objartel-Kresse
veröffentlicht am 03.02.2026
Dietrich Bonhoeffer war ein evangelischer Theologe und Widerstandskämpfer, der sich gegen den Nationalsozialismus stellte und die oppositionelle Bekennende Kirche mitbegründete. Er war Vordenker einer „religionslosen“ Interpretation des Christentums und vertrat eine Ethik der konkreten Verantwortung. Wenige Wochen vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er im KZ Flossenbürg hingerichtet.
Überblick
- 1 Zusammenfassung
- 2 Lebenslauf
- 3 Lebenswerk und Theologie
- 4 Wirkungsgeschichte
- 5 Kritik
- 6 Aktuelle Bedeutung
- 7 Quellenangaben
- 8 Literaturhinweise
- 9 Informationen im Internet
1 Zusammenfassung
Dietrich Bonhoeffer war ein evangelischer Theologe aus großbürgerlicher Familie, der sich bereits früh gegen das NS-Regime positionierte. Nach seiner Promotion 1927 und Habilitation 1930 engagierte er sich im Kirchenkampf, war Mitbegründer des Pfarrernotbundes und wurde zentrales Mitglied der Bekennenden Kirche. Bonhoeffer war weltoffen und unternahm viele Reisen ins Ausland, wodurch er ein umfangreiches Netzwerk aufbauen konnte.
Ab 1935 leitete er das Predigerseminar in Finkenwalde und nutzte seine ökumenischen Kontakte für den Widerstand. Theologisch verknüpfte er Soziologie mit Glaubenslehre, entwickelte eine Ethik der Verantwortung und forderte, dass die Kirche „für andere da“ sein müsse – notfalls auch durch aktiven Widerstand gegen staatliches Unrecht.
Nachdem bei seinem Schwager belastendes Material gegen ihn gefunden wurde, wurde er 1943 inhaftiert. Am 9. April 1945 wurde er im KZ Flossenbürg hingerichtet.
2 Lebenslauf
2.1 Kindheit und Jugend
Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 nach seiner Zwillingsschwester Susanne als sechstes von acht Kindern in Breslau geboren. Er entstammte einer großbürgerlichen, akademisch geprägten Familie. Sein Vater Karl Bonhoeffer war ein renommierter Psychiater und Neurologe, seine Mutter Paula, geb. von Hase, Lehrerin. Der Großvater mütterlicherseits war Karl Alfred von Hase, ein Theologe (Bethge 2004, S. 23 f.). Das familiäre Milieu war liberal, kulturell anspruchsvoll, jedoch distanziert zur Kirche. Dennoch wurde Bonhoeffer durch seine Mutter fromm erzogen. Sie unterrichtete die Kinder zu Hause bis kurz vor dem Abitur.
Im April 1918 fiel der zweitälteste Sohn der Familie, Walter Bonhoeffer, im Alter von 18 Jahren als Soldat im Ersten Weltkrieg.
2.2 Studienjahre und Auslandsaufenthalte
Aufgrund des akademischen Anspruches außerhalb der Theologie überraschte Bonhoeffer die Familie mit seiner Entscheidung, Theologie studieren zu wollen, stellte sich ihm aber nicht entgegen, sondern ermöglichte ihm das Studium (Bethge 2004, S. 25 f.).
Nach dem Abitur 1923 begann Bonhoeffer das Studium der Evangelische Theologie in Tübingen, wo er einer studentischen Vereinigung beitrat. Er setzte das Studium an den Universitäten Berlin sowie in Rom fort.
1927 wurde er im Alter von 21 Jahren an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin mit der Arbeit „Sanctorum Communio“ promoviert. Er blieb zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität und erwarb dadurch vermehrt Erfahrung in der Lehre. Zusätzlich wuchs sein Engagement in der Jugendarbeit.
Nach dem Ersten Theologischen Examen folgte 1928 ein Vikariat in Barcelona.
1930 habilitierte er sich mit der systematisch-theologischen Schrift „Akt und Sein“. Für eine Ordinierung war er ein Jahr zu jung, weshalb ab 1930 ein Studienjahr am Union Theological Seminary in New York folgte. Durch die Begegnung mit der „Black Church“ in Harlem und dem französischen Pazifisten Jean Lasserre entwickelte Bonhoeffer eine Sensibilität für soziale Gerechtigkeit und die Ideen rund um den Pazifismus.
Nach seiner Rückkehr wurde er 1931 Privatdozent an der Universität und Studentenpfarrer an der Technischen Hochschule Berlin.
Bonhoeffer wurde u.a. von Adolf von Harnack und Karl Barth, den er 1931 zum ersten Mal traf, stark geprägt (Bethge 2004, S. 216 ff.).
2.3 Machtübernahme der Nationalsozialisten und Kriegsjahre
Die Jahre 1933 und 1934 blieben für Bonhoeffer durch eine intensive internationale Reisetätigkeit und ökumenische Vernetzung geprägt:
„1933 wurde er Pfarrer an zwei deutschen Gemeinden in London und nahm 1934 als Leiter der deutschen Jugenddelegation an der oekumenischen Tagung in Fanö teil“ (Buchheim 1955, S. 443 f.).
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 bezog Bonhoeffer als einer der ersten Theologen öffentlich Stellung in einem Rundfunkvortrag mit dem Titel „Wandlungen des Führerbegriffs“, in dem er andeutete, dass der Führer zum Verführer werden könne. Daraufhin wurde die Sendung gestoppt.
Nach dem Erlass des Arierparagrafen am 07. April 1933 konnten Pfarrer mit jüdischen Vorfahren nicht mehr in den Kirchen arbeiten. Bonhoeffer gründete daraufhin gemeinsam mit anderen Theologen den Pfarrernotbund.
Er engagierte sich maßgeblich im Kirchenkampf und war Mitbegründer und ein maßgeblicher Gestalter der Bekennenden Kirche, die sich 1934 gründete und sich dadurch von der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) abspaltete.
Von 1935 bis 1937 leitete er das illegale Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde (Pommern), das Theologen ausbildete, die sich dem NS-Regime widersetzten. Er erprobte dort neue Formen gemeinschaftlichen Lebens und entwarf einen eigenen Lehrplan (Bethge 2004, S. 481 f.). Bonhoeffer nutzte seine ökumenischen Kontakte für Konspirationen gegen das NS-Regime und warnte im Ausland vor den Folgen der NS-Politik. Er verlor deshalb 1936 seine offizielle Lehrerlaubnis. Nach 1937 wurde das Seminarhaus geschlossen, existierte aber illegal als „Sammelvikariat“ weiter.
1939 kehrte er nach kurzen Aufenthalten in London und in den USA kurz vor Kriegsanfang nach Deutschland zurück. Neben der Warnung vor dem NS-Staat wurde die Suche nach Friedensmöglichkeiten zu einem seiner drängendsten Anliegen (Bethge 2004, S. 844 f.). Die Barmer Theologische Erklärung der Bekennenden Kirche aus dem Jahr 1934 verurteilte er als nicht weitreichend genug.
1940 wurde das Predigerseminar geschlossen und ein Rede- und Schreibverbot über Bonhoeffer verhängt. Mittlerweile war Bonhoeffer eng in die Widerstandsbewegung gegen Hitler eingebunden. So war er z.B. 1942 als Kurier in Schweden:
„Im Mai 1942 traf er sich in Schweden mit dem Bischof von Chichester als Vertreter der deutschen Opposition; er bat ihn, festzustellen, ob die Alliierten mit einer neuen vertrauenswürdigen deutschen Regierung ohne bedingungslose Kapitulation Frieden zu schließen bereit seien“ (Buchheim 1955, S. 443 f.).
Am 5. April 1943 wurde er verhaftet, da belastende Akten bei von Dohnanyi, seinem Schwager, gefunden worden waren. Während seiner Haft in Tegel entstanden bedeutende theologische Fragmente, posthum veröffentlicht als „Widerstand und Ergebung“ (Bonhoeffer 1998 [1943–1945]).
Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 um Claus Schenk Graf von Stauffenberg und dem Fund weiterer belastender Akten wurde Bonhoeffer in das Gestapo-Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin verlegt.
Kurz vor Kriegsende wurde er in das KZ Buchenwald und schließlich in das KZ Flossenbürg verbracht, wo er am 9. April 1945 nach einem Standgerichtsverfahren hingerichtet wurde.
3 Lebenswerk und Theologie
Bonhoeffers Werk ist fragmentarisch, aber von hoher systematischer Dichte. Es markiert den Übergang von der liberalen Theologie und der dialektischen Theologie hin zu einer kontextuellen Ethik der Verantwortungsübernahme. Er setzte die Diesseitigkeit der Kirche in den Vordergrund und schrieb gegen Augustins Zwei-Reiche Lehre an – für die Verantwortung der Kirche und Christen gegenüber der Gesellschaft in der schweren Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges. Er wandte sich gegen Obrigkeitshörigkeit und knüpfte dazu bei Martin Luthers Schriften an. So wurde er einer der prägendsten Lehrmeister einer neuen Generation von Theologen. Auch die Ökumenearbeit wurde von ihm vorangetrieben.
Bereits im Alter von 21 Jahren verknüpft Bonhoeffer in seiner Dissertation „Sanctorum Communio“ Soziologie mit der Theologie. Er wendet sich gegen ein rein individualistisches Glaubensverständnis: Menschsein konstituiert sich nach Bonhoeffer erst in der Begegnung mit dem Anderen. Diese Gedanken vertieft er später in „Gemeinsames Leben“ (1939), wobei er Strukturen einer geistlichen Lebensgemeinschaft analysiert, die jedoch nicht weltflüchtig, sondern dienstbereit in die Welt hineinwirken sollen.
In der NS-Zeit entwickelt er dieses „Hineinwirken“ bis zur Verantwortung dem Staat gegenüber weiter. Wenn das Mandat gegen Gott strebe, dann verliere die Herrschaft als „Ungöttliche“ ihre Legitimität (Bonhoeffer 1992, S. 306 f.).
„Nur in ihrem Miteinander, Füreinander und Gegeneinander bringen die göttlichen Mandate der Kirche, der Ehe und Familie, der Kultur und der Obrigkeit das Gebot Gottes, wie es in Jesus Christus geoffenbart ist, zu Gehör. Keines dieser Mandate besteht für sich allein und kann den Anspruch erheben, alle anderen zu ersetzen“ (Bonhoeffer 1992, S. 308).
Bonhoeffer versteht Mandate dabei nicht als statische Ordnungen, sondern dynamisch. Kirche ist nach Bonhoeffer nur Kirche, wenn sie für andere da ist. In seiner Schrift „Die Kirche vor der Judenfrage“ (1933), die er direkt nach dem Erlass des „Arierparagrafen“ schrieb, kommt diese Haltung schon zum Ausdruck, obwohl diese Rede noch mit einem lutherischen, dem Judentum gegenüber kritischen Unterton (Substitutionstheologie) geschrieben wurde. In den ergänzten Thesen formuliert Bonhoeffer drei kirchliche Aufgaben:
- müsse das staatliche Handeln nach Einhaltung des Mandats hinterfragt werden,
- müsse die Kirche Opfern des Staates helfen und
- müsse die Aufgabe der Kirche beim Versagen des Staates, so Bonhoeffer, darin gesehen werden, „[n]icht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen“ (Mayer und Zimmerling 1999, S. 70).
Bei dem heiklen, aber notwendigen Fall der Grenzüberschreitung sieht Bonhoeffer eine sehr große Hürde. Einzelne Verfehlungen des Staates würden nicht ausreichen, da die alte Ordnung dabei einer ungewissen, neuen vorzuziehen sei, außer im Extremfall (Mayer und Zimmerling 1999, S. 70 f.). Seine Ethik der Verantwortung basiert dabei auf seiner pazifistischen Grundhaltung:
„[Die Christen] können nicht die Waffen gegeneinander richten, weil sie wissen, daß sie damit die Waffe auf Christus selbst richteten. Es gibt für sie in aller Angst und Bedrängnis des Gewissens keine Ausflucht vor dem Gebot Christi […]“ (Gremmels und Grosse 2004, S. 26).
In seinem Werk „Nachfolge“ von 1937 kritisiert Bonhoeffer die „billige Gnade“, eine Rechtfertigung der Sünde ohne Lebensänderung, und fordert „teure Gnade“, die die konkrete Nachfolge Jesu in Gehorsam und Handeln impliziert. In diesem Kontext entwickelt er erste Ansätze einer rigorosen Friedensethik, die Gewaltverzicht als christliches Gebot ernst nimmt, eine Position, die er im Widerstand dialektisch weiterentwickelt (Bonhoeffer 1989 [1937], S. 29 f.).
Sein unvollendetes Hauptwerk „Ethik“, verfasst 1940–1943, bricht mit der traditionellen Prinzipienethik. An die Stelle starrer Normen und der Zwei-Reiche-Lehre tritt die „Struktur des verantwortlichen Lebens“. Ethisches Handeln geschehe in der „Stellvertretung“ für andere und in der „Übereinstimmung mit der Wirklichkeit“.
In Extremsituationen könne dies bedeuten, formal schuldig zu werden, um verantwortungsvoll zu handeln, bspw. durch Tyrannenmord. Aus der Haft in Tegel schreibt er: „Hitler ist der Antichrist. Wir müssen daher weitergehen mit unserer Arbeit und ihn ausmerzen, einerlei ob er erfolgreich ist oder nicht“.
In den „Briefen aus der Haft“ 1944 skizziert Bonhoeffer Gedanken für eine künftige Theologie. Er konstatiert das „Mündigwerden der Welt“, die ihre Probleme ohne die Arbeitshypothese „Gott“ löse. Anstatt Gott als „Lückenbüßer“ an den Grenzen der menschlichen Erkenntnis zu platzieren, fordert Bonhoeffer, Gott „mitten im Leben“ zu finden. Er fragt nach einer „nicht religiösen Interpretation biblischer Begriffe“ und einem Christsein, das sich im „Dasein für andere“ verwirkliche.
Sein wohl bekanntestes Gedicht schreibt er vier Monate vor seinem Tod im Dezember 1944:
„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr. Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast. […] Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag“ (Bonhoeffer 1998 [1943–1945], S. 607).
4 Wirkungsgeschichte
Nach 1945 wurde Bonhoeffer zunächst zögerlich, dann intensiver rezipiert. In den 1960er-Jahren griffen sowohl die „Gott-ist-tot-Theologie“ in den USA als auch Befreiungstheologen in Lateinamerika und Südafrika sowie die Anti-Apartheid-Bewegung seine Impulse zur Diesseitigkeit und zum politischen Widerstand auf. Seine Formel vom „Beten und Tun des Gerechten“ wurde zum Leitsatz Politischer Theologie. Bonhoeffers Theologie kann somit als Grundstein einer neuen Systematischen Theologie gesehen werden. Seine Verantwortungsethik ist bis heute modern und bleibt trotz des Fragmentären nicht beliebig.
Posthum avancierte Bonhoeffer weltweit zu einem der meistrezipierten Theologen des 20. Jahrhunderts. Seine Wirkung ragt weit über den kirchlichen Raum hinaus in Philosophie, Pädagogik und Politik. Schon bei der Nachricht seines Todes wurde durch seine internationalen Kontakte an vielen Orten an ihn erinnert:
„Theologe mit weltumspannendem Blick […]. Im Juli 1945 wurden denn auch in London Gedenkgottesdienste mit breiter Teilnahme von Gläubigen speziell für ihn gefeiert. Er war zum internationalen Vorbild für ein Christsein geworden, das nicht auf veräußerlichter Kirchlichkeit beruht. Zivilcourage, Mut, Ehrlichkeit und Standhaftigkeit waren die weltlichen Attribute seiner von inniger Transzendenz geprägten Gottesbeziehung – er repräsentierte damit Eigenschaften, die die großen christlichen Konfessionen eint“ (Sigler 2012).
5 Kritik
Bonhoeffers Gedanken sollten bei Vergleichen zu Derzeitigem nicht aus dem Kontext gerissen und instrumentalisiert werden, ohne seine Kriterien zu beachten. Zu einfache Vergleiche sind aufgrund der speziellen Umstände des Entstehens unangemessen.
Teils kritisch diskutiert wird in der Forschung heute sein Antijudaismus in der Frühphase, wenngleich er der erste Theologe war, der 1933 die Kirche zur Solidarität mit den Juden aufrief: „[d]em Rad in die Speichen fallen“ (s.o.).
Seine Ethik kann als zu konservativ gesehen werden, da Prävention von Machtmissbrauch nicht vorkommt und sie somit reaktiv bleibt. Aus anderem Blickwinkel kann diese Charakteristik aber auch als Gütesiegel für die Stabilität seiner Ethik gesehen werden.
6 Aktuelle Bedeutung
Auch heute noch hat Bonhoeffers Werk und Leben für gesellschaftliche und pädagogische Arbeit in vielerlei Hinsicht Bedeutung:
- Erstens zielt sein Begriff der Mündigkeit auf ein autonomes Subjekt, das fähig ist, moralische Entscheidungen, ohne den Rückgriff auf autoritäre Vormundschaft, zu treffen. Dies korrespondiert mit Zielen emanzipatorischer Bildung. Gleichzeitig lehnte Bonhoeffer hierarchische Strukturen keinesfalls prinzipiell ab, sie dienen in seinem Denken als Grundlage für Kirche bzw. Gesellschaft.
- Zweitens konstatiert Bonhoeffer, dass Verantwortung immer konkret, situationsgebunden und auf das Wohl des anderen bezogen ist. Dies bietet eine normative Folie für professionelles Handeln in sozialen Berufen. Die Zweckgebundenheit und Einzigartigkeit moralischer Entscheidungen werden somit betont. Im Umkehrschluss ist dadurch ständiges Evaluieren erforderlich.
- Drittens kann sein Leben als Exempel für Zivilcourage und die Notwendigkeit, staatliche Anordnungen kritisch am Gewissen und an Menschenrechten zu messen, dienen. Die Beziehungen von Institutionen und Systemen zu Individuen und ihre Rechtmäßigkeit sollen objektiv erfasst und ggf. kritisiert werden. Eingreifen und Veränderungen können dadurch ethisch fundiert werden.
Bonhoeffer bleibt eine Schlüsselfigur für Diskurse um die Rolle von Religion in einer säkularen Gesellschaft. Seine Frage, „wer Christus heute für uns eigentlich ist“, die er während der Haft in Tegel stellt, provoziert weiterhin die Auseinandersetzung darüber, wie Wertegemeinschaften in einer pluralen Welt solidarisch handeln können.
7 Quellenangaben
Bethge, Eberhard, 2004 [1993]. Dietrich Bonhoeffer. Theologe – Christ – Zeitgenosse. Eine Biographie. 8. Auflage. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus. ISBN 978-3-579-02272-7
Bonhoeffer, Dietrich, 1986–1999. Werke (DBW). Kritische Gesamtausgabe in 17 Bänden. Hrsg. von Eberhard Bethge u.a. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus
Bonhoeffer, Dietrich, 1989 [1937]. Nachfolge (DBW 4). Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus
Bonhoeffer, Dietrich, 1992 [1940–1943]. Ethik (DBW 6). Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus
Bonhoeffer, Dietrich, 1998 [1943–1945]. Widerstand und Ergebung (DBW 8). Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus
Buchheim, Hans, 1955. Bonhoeffer, Dietrich. In: Neue Deutsche Biographie [online]. 2, S. 443–444 [Zugriff am: 28.11.2025]. Verfügbar unter: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118513214.html#ndbcontent
Gremmels, Christian und Heinrich W. Grosse, 2004. Der Weg in den Widerstand. 2. überarbeitete und erg. Auflage. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus. ISBN 978-3-579-00458-7
Mayer, Rainer und Peter Zimmerling, Hrsg., 1999. Dietrich Bonhoeffer heute: Die Aktualität seines Lebens und Werkes. Gießen: Brunnen-Verlag. ISBN 978-3-7655-2490-5
Sigler, Sebastian, 2012. Dietrich Bonhoeffer – Korporierter, Theologe, Widerstandskämpfer [online]. Potsdam: Sebastian Sigler, Arbeitskreis der Studentenhistoriker, 15.11.2012 [Zugriff am: 28.11.2025]. Verfügbar unter: https://studentenhistoriker.eu/dietrich-bonhoeffer-pastor-widerstandskaempfer-maertyrer/
8 Literaturhinweise
Bonhoeffer, Dietrich, 1986 [1930]. Sanctorum Communio (DBW 1). Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus
Bonhoeffer, Dietrich, 1988 [1929]. Akt und Sein (DBW 2). Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus
Bonhoeffer, Dietrich, 1996 [1935-1937]. Illegale Theologenausbildung: Finkenwalde 1935–1937 (DBW 14). Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus
Bonhoeffer, Dietrich, 1996 [1940-1945]. Konspiration und Haft (DBW 16). Gütersloher Verlagshaus
Huber, Wolfgang, 2019. Dietrich Bonhoeffer: Auf dem Weg zur Freiheit. München: C.H. Beck. ISBN 978-3-406-73137-2
Schlingensiepen, Ferdinand, 2005. Dietrich Bonhoeffer 1906–1945. Eine Biographie. München: C.H. Beck. ISBN 978-3-406-53425-6
Tietz, Christiane, 2013. Dietrich Bonhoeffer: Theologe im Widerstand. München: C.H. Beck. ISBN 978-3-406-64508-2
9 Informationen im Internet
Verfasst von
Tobias Objartel-Kresse
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Institut für Bildung und Kultur
Lehrstuhl Historische Pädagogik und Globale Bildung
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