Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke
Manfred Weiser, Dr. Martin Holler, Tanja Ergin
veröffentlicht am 18.06.2026
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW) ist der bundesweite Zusammenschluss der Berufsbildungswerke in Deutschland und vertritt deren Interessen zur Förderung der beruflichen Rehabilitation und Teilhabe junger Menschen mit Behinderungen.
Überblick
1 Zusammenfassung
Die BAG BBW ist ein eingetragener Verein und fungiert als Dachverband der Berufsbildungswerke in Deutschland. Ihr Auftrag besteht darin, die berufliche Bildung und Teilhabe von jungen Menschen mit Behinderungen zu sichern und weiterzuentwickeln.
Bundesweit bieten derzeit 51 Berufsbildungswerke Leistungen der beruflichen Rehabilitation für ca. 16.000 junge Menschen an; diese umfassen diagnostische Leistungen durch Eignungsabklärungen und Arbeitserprobungen, berufsvorbereitende Maßnahmen und Erstausbildungen in über 200 bundesweit anerkannten Ausbildungsberufen sowie von den zuständigen Stellen anerkannten Fachpraktikerausbildungen. Die Angaben beruhen auf der kontinuierlichen Erhebung der Daten, wie dies im Rahmenvertrag mit der Bundesagentur für Arbeit vereinbart wurde (Bundesagentur für Arbeit 2015, S. 8 f.; Schmidt und Ergin 2024, S. 50). Die Ausbildungen finden in industriellen, handwerklichen, land‑ und hauswirtschaftlichen sowie kaufmännischen Bereichen zielgruppenspezifisch statt. Die Angebote richten sich insbesondere an junge Menschen mit komplexen Unterstützungsbedarfen und multiplen Teilhabeeinschränkungen.
Die BAG BBW übernimmt eine zentrale Rolle in der Interessenvertretung gegenüber Politik, Verwaltung und Leistungsträgern sowie in der fachlichen Weiterentwicklung des Systems der beruflichen Rehabilitation. Sie trägt dazu bei, die Qualität der Angebote zu sichern und innovative Ansätze im Kontext von Inklusion, Digitalisierung und Arbeitsmarktveränderungen voranzutreiben.
2 Geschichte
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW) entstand Anfang der 1970er-Jahre im Kontext der damaligen politischen Aufbruchsstimmung und der damit verbundenen bildungs‑ wie sozialpolitischen Reformen. Mit dem Arbeitsförderungsgesetz, dem Berufsbildungsgesetz sowie dem Aktionsprogramm zur Rehabilitation behinderter Menschen (1970) wurden die Grundlage für ein flächendeckendes System beruflicher Rehabilitation geschaffen. Zunächst als loser Zusammenschluss (Arbeitsgemeinschaft) von Einrichtungen organisiert, konstituierte sie sich 1975 formal und entwickelte sich über mehrere Satzungsänderungen – insbesondere 2009 – zu einem eingetragenen Verein mit klarer institutioneller Struktur (Kruse und Krug 2025, S. 19 ff.).
Parallel dazu professionalisierte sich die Arbeit der BAG BBW erheblich: Aus einer überwiegend ehrenamtlich getragenen Koordinationsplattform wurde seit den 2000er-Jahren eine professionell aufgestellte Interessenvertretung mit hauptamtlicher Geschäftsstelle und strukturierter Facharbeit: dies beinhaltete die Beauftragung für zentrale Verhandlungen mit der Agentur für Arbeit und projektgestützter Angebots‑ und Qualitätsentwicklung. Die BAG BBW etablierte sich als zentraler Akteur im System der beruflichen Teilhabe. Sie begleitet die Weiterentwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere im Kontext des Sozialgesetzbuches IX, sowie die zunehmende Ausrichtung auf berufliche Inklusion.
Die Entwicklung der BAG BBW steht dabei in engem Zusammenhang mit externen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen. Sozialpolitische Reformen, Veränderungen des Arbeitsmarktes sowie gesetzliche Neuregelungen der Rehabilitation (insbesondere im Sozialgesetzbuch) bestimmten ihre Aufgaben und förderten sowohl ihren Ausbau als auch ihre institutionelle Verdichtung.
Aktuelle strategische Prozesse markieren einen weiteren Entwicklungsschritt: Mit Blick auf tiefgreifende Veränderungen von Arbeitswelt und Bildungssystem richten die Berufsbildungswerke ihre Angebote zunehmend an den Schnittstellen von Schule, Ausbildung und Arbeitsmarkt neu aus.
3 Funktion
Die BAG BBW ist in den Bereichen Interessenvertretung, fachliche Entwicklungen und Vernetzung tätig.
Zentrale Tätigkeitsfelder sind:
- Politische Interessenvertretung:
Stellungnahmen zu Gesetzgebungsverfahren sowie Mitwirkung an fachpolitischen Diskursen - Fachliche Weiterentwicklung:
Initiierung und Begleitung von Projekten zur Qualitätssicherung, Innovation und Weiterentwicklung beruflicher Bildungsangebote - Vernetzung und Wissenstransfer:
Organisation von Fachtagungen, Arbeitskreisen und Kooperationen mit Leistungsträgern, Wissenschaft und Wirtschaft; Weiterentwicklung der Qualität der einzelnen Berufsbildungswerke durch Bench-Learning-Arbeitskreise - Strategische Entwicklung:
Erarbeitung gemeinsamer Leitbilder und Strategien (z.B. „BBW 2035“, BAG BBW 2026) zur Anpassung an gesellschaftliche und arbeitsmarktliche Veränderungen
Die Berufsbildungswerke selbst qualifizieren jährlich mehrere Tausend junge Menschen und kooperieren eng mit Unternehmen, um betriebsnahe Ausbildung und nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen
Ein wachsender Schwerpunkt liegt auf flexiblen, sozialräumlich orientierten Angeboten sowie auf digitalen Lern‑ und Unterstützungsformaten.
4 Aufgaben
Die BAG BBW verfolgt den Satzungszweck, die berufliche Rehabilitation und gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen mit Behinderungen zu fördern.
Zentrale Elemente des Auftrags sind:
- Interessenvertretung der Berufsbildungswerke auf Bundes‑ und europäischer Ebene
- Mitwirkung an sozial-, bildungs‑ und arbeitsmarktpolitischen Prozessen
- Sicherung und Weiterentwicklung fachlicher Qualitätsstandards
- Unterstützung der Mitgliedseinrichtungen in fachlichen und rechtlichen Fragen
Vor dem Hintergrund aktueller strategischer Entwicklungen versteht sich die BAG BBW als Mitgestalterin eines sich wandelnden Arbeitsmarktes. Die Berufsbildungswerke positionieren sich als „aktive Mitgestalter des Transformationsprozesses am Arbeitsmarkt“ (Schmidt und Ergin 2025, S. 42), die durch Qualifizierung in zukunftsfähigen Berufen zur Fachkräftesicherung beitragen.
Leitend ist dabei ein inklusives Verständnis von Teilhabe, das sowohl individuelle Förderung als auch strukturelle Öffnung des Arbeitsmarktes umfasst. Diesem Verständnis folgend wurde in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit bereits 2015 die Verzahnte Ausbildung mit Betrieben (VAmB) eingeführt. Dabei handelt es sich um eine Verbundausbildung zwischen Berufsbildungswerken und Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes (BAG BBW o.J.).
5 Organisation
Die BAG BBW ist seit 2010 als eingetragener Verein organisiert und bildet den Zusammenschluss der Berufsbildungswerke in Deutschland. Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte am 22.01.2010 beim Amtsgericht Charlottenburg unter der Registernummer VR 291310 B.
Mitglieder sind die einzelnen Berufsbildungswerke bzw. deren Träger, die als spezialisierte Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch IX erbringen.
Typische Strukturelemente sind:
- Mitgliederversammlung als zentrales Beschlussorgan
- Vorstand als strategisches Leitungsgremium
- Geschäftsstelle zur operativen Umsetzung
Die BAG BBW bündelt die Interessen ihrer Mitglieder und ermöglicht eine koordinierte Positionierung gegenüber zentralen Akteuren wie der Bundesagentur für Arbeit sowie weiteren Leistungsträgern aus Bund, Ländern und Kommunen.
6 Quellenangaben
Bundesagentur für Arbeit und Bundesarbeitsgemeinsachaft der Berufsbildungswerke, 2015. Rahmenvertrag zwischen der Bundesagentur für Arbeit und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke e.V. in Vertretung für die Berufsbildungswerke [online]. Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit [Zugriff am: 27.05.2026]. Verfügbar unter: https://www.arbeitsagentur.de/datei/​pdf-rv-zwischen-ba-und-bag-bbw_ba015978.pdf
Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW) e.V., 2026. Strategien der Berufsbildungswerke für die berufliche Rehabilitation der Zukunft. (BBW 2035) [online]. Berlin: Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW) e.V. [Zugriff am: 22.03.2026]. Verfügbar unter: https://www.bagbbw.de/wordpress/​wp-content/​uploads/​BAGBBW_Strategie2035_e_Book.pdf
Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW) e.V., 2026. Über uns [online]. Berlin: Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW) e.V. [Zugriff am: 22.03.2026]. Verfügbar unter: https://www.bagbbw.de/ueber-uns
Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW) e.V., [ohne Jahr]. Verzahnt mit Betrieben [online].Berlin: Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW) e.V. [Zugriff am: 22.03.2026]. Verfügbar unter: https://www.bagbbw.de/berufsbildungswerke/​gemeinsam-mit-betrieben
Kruse, Georg und Walter Krug, 2025. Die BAG Meilensteine. In: Berufliche Rehabilitation. 39(3), S. 12–30. ISSN 0931-8895
Schmidt, Tobias und Tanja Ergin, 2024. Die BAG BBW – eine Qualitätsgemeinschaft. In: Manfred Weiser und Martin Holler, Hrsg. BBW – Ursprung, Entwicklung und Berufsbildungswerke: Historisches. Systematisches. Aktuelles. Weinheim: Beltz Juventa, S. 49–57. ISBN 978-3-7799-7499-4 [Rezension bei socialnet]
Schnmidt, Tobias und Tanja Ergin, 2025. Die BAG BBW – Gegenwart gestalten, Zukunft sichern. In: Berufliche Rehabilitation. 39(3), S. 33–42. ISSN 0931-8895
Verfasst von
Manfred Weiser
Dipl.Päd.
ehem. Leiter des Berufsbildungswerks Mosbach-Heidelberg
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Dr. Martin Holler
Vorstand Johannes-Diakonie Mosbach
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Tanja Ergin
Geschäftsführerin Bundesarbeitsgemeinschaft
der Berufsbildungswerke e.V.
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