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Care Management

Prof. Dr. Lukas Kerschbaumer, Annabelle Fiedler

veröffentlicht am 25.03.2025

Etymologie: engl. care Pflege, Sorge

Deutsch: Versorgungsmanagement

Care Management stellt die patientenzentrierte und integrierte Versorgung durch koordinierte Versorgungsprozesse, evidenzbasierte Methoden und effizienten Ressourceneinsatz sicher. Ziel ist es, die Versorgungsqualität zu verbessern, die Autonomie der Patient:innen zu fördern und eine bedarfsgerechte, kontinuierliche Betreuung zu gewährleisten.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Einordnung
    1. 2.1 Querverbindungen zu anderen Disziplinen
    2. 2.2 Problemstellungen
    3. 2.3 Aktuelle Herausforderungen
  3. 3 Grundlagen des Care Management
    1. 3.1 Interdisziplinäre Zusammenarbeit
    2. 3.2 Patientenzentrierung
    3. 3.3 Prozessoptimierung
    4. 3.4 Nutzung von Technologien
    5. 3.5 Netzwerkbildung
    6. 3.6 Schulung und Weiterbildung
    7. 3.7 Ethische und rechtliche Grundlagen
  4. 4 Praxisorientierte Implementierung des Care Managements
    1. 4.1 Bedarfsermittlung
    2. 4.2 Ressourcenmanagement
    3. 4.3 Netzwerkbildung
    4. 4.4 Qualitätssicherung
    5. 4.5 Potenziale der Digitalisierung im Care Management (Praxisausblick)
  5. 5 Komplexität
  6. 6 Systemaspekt und Kernfunktionen
    1. 6.1 Koordination
    2. 6.2 Integration
    3. 6.3 Qualitätssicherung
    4. 6.4 Netzwerkbildung
    5. 6.5 Unterstützung der Patient:innen
  7. 7 Quellenangaben

1 Zusammenfassung

Care Management ist ein koordinierter Prozess zur Sicherstellung einer kontinuierlichen und integrierten Versorgung, insbesondere in komplexen und chronischen Fällen (Ryll 2017). Die Österreichische Gesellschaft für Care & Case Management (ÖGCC) beschreibt es als „jene System- und Versorgungssteuerung, die bedarfsgerechte Hilfen fallübergreifend koordiniert, organisiert und die strukturellen Voraussetzungen dafür aufzeigt“ (ÖGCC 2023). Es schafft Rahmenbedingungen zur Schließung von Versorgungslücken und fördert die Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern. Während das Case Management den individuellen Fall in den Mittelpunkt stellt, fokussiert das Care Management die Optimierung des gesamten Versorgungssystems. Durch systematische Prozesssteuerung und Netzwerkbildung trägt es zur Qualitätssteigerung und Effizienz der Versorgungsstrukturen bei.

2 Einordnung

Das Konzept des Care Managements, zu Deutsch Versorgungsmanagement, entwickelte sich in den 1980er-Jahren parallel zu den Managed-Care-Ansätzen in den USA (Birkner und Nöske 2024). Ziel war es, die Versorgung chronisch kranker Patient:innen zu verbessern und die Kosten im Gesundheitssystem zu kontrollieren. In Deutschland gewann das Care Management in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung, insbesondere durch die Einführung von Pflege- und Versorgungsstandards sowie die Etablierung von Pflegestützpunkten. Die Entwicklung des Care Managements ist eng mit der Professionalisierung der Pflege und der Etablierung interdisziplinärer Versorgungsansätze verbunden. Historisch gesehen hat sich das Care Management aus der Notwendigkeit heraus entwickelt, die Fragmentierung im Gesundheitswesen zu überwinden und eine kohärente und patientenzentrierte Versorgung sicherzustellen (Stumm 2017). In den letzten Jahrzehnten hat sich Care Management als eigenständige Disziplin etabliert, die sowohl in der Praxis als auch in der Forschung an Bedeutung gewonnen hat.

Care Management ist vor allem in hoch spezialisierten und fragmentierten Systemen von entscheidender Bedeutung, um die Versorgungsqualität zu sichern und zu verbessern. Die zunehmende Komplexität im Gesundheits- und Sozialwesen, die durch spezialisierte Fachbereiche, verschiedene Dienstleister und eine Vielzahl von Regelungen geprägt ist, erfordert eine übergreifende Koordination. Hier setzt das Care Management an, indem es Strukturen und Prozesse integriert und aufeinander abstimmt (Weatherly und Knetsch 2017).

Während das Case Management den Fokus auf individuelle Falllösungen legt, richtet sich das Care Management stärker auf die Optimierung des gesamten Versorgungssystems (Klie 2020; Ryll 2017). Es zielt darauf ab, systemweite Lösungen zu entwickeln und umzusetzen, die sowohl die individuellen Bedürfnisse der Patient:innen als auch die Anforderungen der Versorgungsstrukturen berücksichtigen (Klie 2020; Weatherly und Knetsch 2017).

2.1 Querverbindungen zu anderen Disziplinen

Care Management steht in enger Verbindung mit verschiedenen Disziplinen und nutzt deren Erkenntnisse, um eine umfassende und effektive Versorgung sicherzustellen. Wichtige Querverbindungen bestehen zu:

  • Gesundheitsökonomie: Die Gesundheitsökonomie beschäftigt sich mit der optimalen Zuweisung und Nutzung begrenzter Ressourcen im Gesundheitswesen (Drummond et al. 2015). Care Management trägt zur Kosteneffizienz bei, indem es durch gezielte Steuerung und Planung der Versorgungsprozesse unnötige Doppelbehandlungen vermeidet und Kosten-Nutzen-Relationen analysiert, um wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu entwickeln.
  • Public Health: Public Health zielt auf die Förderung der Gesundheit der gesamten Bevölkerung ab (Nowak et al. 2022). Care Management unterstützt diese Zielsetzung, indem es präventive Maßnahmen und Gesundheitsförderung in die individuelle Versorgungsplanung integriert und gleichzeitig die Anbindung an öffentliche Gesundheitsprogramme und -strategien sicherstellt.
  • Pflegewissenschaft: Die Pflegewissenschaft liefert fundierte Erkenntnisse zur Optimierung der Pflegepraxis (Dornheim et al. 1999). Care Management integriert diese Erkenntnisse in die Versorgungsplanung und -durchführung, um die Pflegequalität zu verbessern. Dies umfasst unter anderem die Anwendung evidenzbasierter Pflegestandards und die Schulung des Pflegepersonals.
  • Soziale Arbeit: Soziale Arbeit zielt darauf ab, Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen (DBSH 2014). Care Management koordiniert soziale Dienstleistungen, um eine ganzheitliche Betreuung der Patient:innen zu gewährleisten. Dies beinhaltet die Verbindung medizinischer und sozialer Hilfeleistungen, um die Lebensqualität der Patient:innen zu fördern und ihre Integration in die Gesellschaft zu stärken.

2.2 Problemstellungen

Care Management muss sich mit mehreren komplexen Problemstellungen auseinandersetzen, um eine effektive und patientenorientierte Versorgung zu gewährleisten:

  • Fragmentierung der Versorgung: Die Versorgung von Patient:innen erfolgt oft durch eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure und Dienstleistungen, die nicht immer optimal aufeinander abgestimmt sind (Schaeffer und Ewers 2006). Care Management muss effiziente Kommunikations- und Kooperationsstrukturen schaffen, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten synchron arbeiten und die Versorgung nahtlos verläuft.
  • Ressourcenknappheit: Im Gesundheits- und Sozialwesen sind die finanziellen und personellen Ressourcen oft begrenzt. Care Management muss Strategien entwickeln, um diese Ressourcen effizient einzusetzen. Dies beinhaltet die Optimierung der Ressourcenzuweisung, die Nutzung innovativer Finanzierungsmodelle und die Mobilisierung zusätzlicher Mittel durch Kooperationen und Förderprogramme (Grüters-Kieslich et al. 2024).
  • Demografischer Wandel: Die Zahl älterer Menschen und der Anteil an Personen mit chronischen Erkrankungen steigt kontinuierlich. Care Management muss darauf reagieren, indem es langfristige Versorgungsstrategien entwickelt, die den Bedürfnissen einer alternden Gesellschaft gerecht werden. Dies umfasst die Förderung von Prävention und Gesundheitsförderung sowie die Anpassung der Versorgungsstrukturen an die Anforderungen chronisch kranker Patient:innen (Jacob 2017; Ryll 2017).
  • Technologische Entwicklungen: Die Integration neuer Technologien in die Versorgungspraxis bietet zahlreiche Chancen, erfordert aber auch Anpassungen in den Arbeitsabläufen und Schulungen des Personals (Müller-Mielitz und Lux 2017). Care Management muss sicherstellen, dass technologische Innovationen sinnvoll und patientenorientiert eingesetzt werden, um die Versorgungsqualität zu verbessern und Effizienzgewinne zu realisieren.

2.3 Aktuelle Herausforderungen

Care Management steht vor mehreren aktuellen Herausforderungen, die seine Effektivität und die Qualität der Versorgung beeinflussen:

  • COVID-19-Pandemie: Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig flexible und integrierte Versorgungsstrukturen sind. Das Care Management muss flexibel auf Krisensituationen reagieren und die Versorgung bedarfsgerecht anpassen können. Dies umfasst die Koordination von Notfallmaßnahmen, die Sicherstellung der Versorgungssicherheit und die Anpassung der Versorgungsprozesse an die sich ständig ändernden Bedingungen (Berr et al. 2024).
  • Digitalisierung: Die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Verbesserung der Versorgung, erfordert aber auch erhebliche Anpassungen und Investitionen (Rogers et al. 2017; Trentzsch et al. 2020). Das Care Management sollte digitale Lösungen einsetzen, um die Effizienz zu erhöhen und die Qualität der Patientenversorgung zu optimieren. Dies beinhaltet die Einführung elektronischer Patientenakten, die Nutzung von Telemedizin und die Implementierung von digitalen Kommunikationsplattformen.
  • Inklusion und Diversität: Die Versorgung muss an die Bedürfnisse einer vielfältigen Bevölkerung angepasst werden. Care Management muss sicherstellen, dass alle Patient:innen, unabhängig von ihrem Hintergrund, Zugang zu qualitativ hochwertiger Versorgung haben. Dies umfasst die Entwicklung inklusiver Versorgungsmodelle, die Berücksichtigung kultureller Unterschiede und die Förderung der kulturellen Kompetenz des Gesundheitspersonals (Akalın 2024; O’Brien et al. 2023; Walløe et al. 2024).
  • Qualitätssicherung und Evaluation: Kontinuierliche Qualitätsverbesserung und Evaluation der Versorgungsprozesse sind entscheidend, um die Wirksamkeit und Effizienz der Maßnahmen zu gewährleisten (Julca et al. 2023). Care Management muss Standards und Indikatoren entwickeln, um die Versorgungsqualität zu messen und systematisch zu verbessern. Dies umfasst die Implementierung von Qualitätssicherungssystemen, die Durchführung von Evaluationsstudien und die Nutzung von Feedback-Schleifen zur kontinuierlichen Prozessoptimierung. Care Management ist somit ein unverzichtbares Instrument in modernen Gesundheits- und Sozialsystemen, das durch die Integration verschiedener Disziplinen, die Bewältigung komplexer Problemstellungen und die Anpassung an aktuelle Herausforderungen zur Verbesserung der Versorgungsqualität beiträgt. Es bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Sicherstellung einer patientenzentrierten und effizienten Versorgung in einem sich ständig wandelnden Umfeld.

3 Grundlagen des Care Management

Care Management basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz, der die enge Zusammenarbeit verschiedener Leistungserbringer und die Nutzung eines integrierten Versorgungsansatzes voraussetzt. Es erfordert eine klare Definition der Verantwortlichkeiten und eine transparente Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Die Implementierung eines erfolgreichen Care Managements setzt voraus, dass alle Akteur:innen – von Pflegekräften über Ärzt:innen bis hin zu Sozialarbeiter:innen – gemeinsam an der Optimierung der Versorgungsprozesse arbeiten. Der Aufbau von Netzwerken und die Etablierung von Standards sind zentrale Elemente dieses Konzepts (Pourie 2017).

3.1 Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Ein zentrales Merkmal des Care Managements ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Diese umfasst:

  • Koordination von Gesundheitsdienstleistungen: Die verschiedenen Akteur:innen im Gesundheitswesen, wie Ärzt:innen, Pflegekräfte, Therapeut:innen und Sozialarbeiter:innen, müssen eng zusammenarbeiten, um eine umfassende und integrierte Versorgung sicherzustellen (BMG 2024). Dies erfordert regelmäßige interdisziplinäre Fallbesprechungen, bei denen alle relevanten Informationen ausgetauscht und die Behandlungspläne abgestimmt werden. Durch die Koordination wird sichergestellt, dass alle Maßnahmen aufeinander abgestimmt sind und die Patient:innen eine kohärente und kontinuierliche Betreuung erhalten (SAMW 2020; Shortell et al. 1996; Walkenhorst et al. 2015).
  • Integration von Dienstleistungen: Die Integration verschiedener Dienstleistungen bedeutet, dass diagnostische, therapeutische und pflegerische Maßnahmen nahtlos ineinandergreifen. Dies erfordert die Schaffung von Prozessen und Schnittstellen, die den Informationsfluss und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Dienstleistern erleichtern. Ziel ist es, Doppelarbeit zu vermeiden, Ressourcen effizient zu nutzen und die Versorgungsqualität zu steigern (SAMW 2020; Walkenhorst et al. 2015).
  • Gemeinsame Zielsetzung: Alle beteiligten Akteur:innen müssen gemeinsam Ziele definieren, die auf die individuellen Bedürfnisse und Präferenzen der Patient:innen abgestimmt sind. Diese gemeinsamen Zielsetzungen fördern eine einheitliche Ausrichtung der Versorgung und stellen sicher, dass alle Maßnahmen auf die bestmöglichen Gesundheitsergebnisse abzielen (Amelung et al. 2015). Dies erfordert eine enge Abstimmung und Konsensfindung unter den beteiligten Akteur:innen.

3.2 Patientenzentrierung

Care Management stellt die Patient:innen in den Mittelpunkt des Versorgungsgeschehens. Dies umfasst:

  • Individuelle Bedarfsermittlung: Durch strukturierte Assessments werden die individuellen Bedürfnisse, Ressourcen und Lebensumstände der Patient:innen systematisch erfasst. Diese Assessments berücksichtigen medizinische, soziale und psychologische Faktoren und werden kontinuierlich aktualisiert, um Veränderungen im Gesundheitszustand oder in den Lebensumständen der Patient:innen zu erfassen. Die individuelle Bedarfsermittlung bildet die Grundlage für die Erstellung maßgeschneiderter Versorgungspläne (Amelung et al. 2015).
  • Partizipation und Selbstbestimmung: Patient:innen werden aktiv in die Versorgungsplanung einbezogen, was ihre Selbstbestimmung fördert und das Vertrauen in das Versorgungssystem stärkt. Partizipation bedeutet, dass Patient:innen über ihre Gesundheitszustände und Behandlungsoptionen umfassend informiert werden und an Entscheidungsprozessen beteiligt sind. Dies wird durch Beratungs- und Unterstützungsangebote, die Förderung der Gesundheitskompetenz und die Einbindung von Patient:innen in die Entwicklung von Versorgungsplänen erreicht (Nowak 2016).
  • Kontinuierliche Betreuung: Care Management stellt sicher, dass die Betreuung der Patient:innen kontinuierlich und konsistent ist (Rumpelsberger und Köhlser 2020). Dies bedeutet, dass die Patient:innen während ihres gesamten Versorgungsprozesses von denselben Akteur:innen betreut werden, um eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen und Versorgungslücken zu vermeiden. Kontinuität in der Betreuung erhöht die Qualität der Versorgung und trägt zur Verbesserung der Gesundheitsergebnisse bei.

3.3 Prozessoptimierung

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Care Managements ist die Optimierung der Versorgungsprozesse. Dies umfasst:

  • Standardisierung: Durch die Entwicklung und Implementierung von Standards und Protokollen wird die Qualität und Konsistenz der Versorgung sichergestellt. Standardisierte Prozesse ermöglichen es, bewährte Praktiken zu etablieren und sicherzustellen, dass alle Patient:innen nach den gleichen hohen Standards behandelt werden. Dies trägt zur Reduzierung von Variabilität in der Versorgung und zur Erhöhung der Effizienz bei (Zhang und An 2024).
  • Qualitätsmanagement: Care Management beinhaltet kontinuierliche Qualitätsverbesserung durch Monitoring und Evaluation der Versorgungsprozesse. Qualitätsindikatoren werden entwickelt, um die Wirksamkeit und Effizienz der Maßnahmen zu messen und systematische Verbesserungen zu initiieren (Julca et al. 2023). Dies umfasst die Analyse von Patientenergebnissen, die Bewertung von Versorgungsprozessen und die Implementierung von Maßnahmen zur Fehlervermeidung und Prozessoptimierung.
  • Ressourceneffizienz: Durch gezielte Planung und Steuerung der Ressourcen wird sichergestellt, dass diese optimal genutzt werden. Dies umfasst die Koordination von Pflegeleistungen, die Zuweisung von Ressourcen und die Sicherstellung der Finanzierung der notwendigen Maßnahmen. Effizientes Ressourcenmanagement bedeutet auch die gezielte Ausschöpfung von Synergien und die Vermeidung von Über-, Unter- und Fehlversorgung (Goel et al. 2024).

3.4 Nutzung von Technologien

Technologische Entwicklungen spielen eine entscheidende Rolle im Care Management. Dies umfasst:

  • Elektronische Patientenakten: Die Nutzung elektronischer Patientenakten (EPA) ermöglicht eine nahtlose Dokumentation und den Austausch von Patientendaten zwischen den verschiedenen Akteur:innen. EPAs fördern die Transparenz, erleichtern die Koordination der Versorgung und ermöglichen eine schnellere und präzisere Informationsverarbeitung (BMG 2025). Dies trägt zur Verbesserung der Versorgungsqualität und zur Reduzierung von administrativen Belastungen bei.
  • Telemedizin: Telemedizinische Anwendungen ermöglichen die Fernüberwachung von Patient:innen und den Zugang zu medizinischer Beratung und Betreuung unabhängig vom Standort. Dies verbessert die Erreichbarkeit der Versorgung, insbesondere für Patient:innen in ländlichen Regionen oder mit eingeschränkter Mobilität. Telemedizin kann auch die kontinuierliche Betreuung chronisch Kranker unterstützen und die Notwendigkeit von Krankenhausaufenthalten reduzieren (Koncz et al. 2019; Restuti et al. 2024).
  • Digitale Kommunikationsplattformen: Digitale Plattformen erleichtern die Kooperation, Kommunikation und den Austausch unter den verschiedenen Akteur:innen. Sie erleichtern den zügigen Informationsaustausch, die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und die koordinierte Durchführung von Versorgungsmaßnahmen. Solche Plattformen können auch die Einbindung von Patient:innen in die Versorgungsprozesse fördern und deren aktive Teilnahme unterstützen (Wang 2024).

3.5 Netzwerkbildung

Die Netzwerkbildung ist ein zentraler Bestandteil des Care Managements. Sie fördert die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Leistungserbringern und schafft die Grundlage für eine integrierte Versorgung. Dies umfasst:

  • Entwicklung von Kooperationsvereinbarungen: Formelle Kooperationsvereinbarungen zwischen den verschiedenen Akteur:innen schaffen klare Strukturen und Verantwortlichkeiten. Diese Vereinbarungen legen fest, wie die Zusammenarbeit gestaltet wird, welche Kommunikationswege genutzt werden und wie die Koordination der Versorgungsprozesse erfolgt. Sie bilden die Basis für eine effektive und reibungslose Zusammenarbeit (Kollak und Schmidt 2016).
  • Schaffung gemeinsamer Plattformen: Gemeinsame Plattformen für den Informationsaustausch und die Kommunikation erleichtern die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteur:innen. Solche Plattformen können sowohl physisch als auch digital sein und ermöglichen den schnellen und effizienten Austausch von Informationen. Sie fördern die Transparenz und die Koordination der Versorgung (BMG 2023; BMSGPK 2024).
  • Förderung von Synergien: Durch die Zusammenarbeit können Synergien genutzt und die Versorgungsqualität verbessert werden. Dies bedeutet, dass die verschiedenen Akteur:innen ihre Ressourcen und Kompetenzen bündeln, um gemeinsam bessere Ergebnisse zu erzielen (Kollak und Schmidt 2016). Die Nutzung von Synergien kann zu innovativen Lösungen führen und die Effizienz der Versorgung erhöhen.

3.6 Schulung und Weiterbildung

Die kontinuierliche Schulung und Weiterbildung der beteiligten Akteur:innen ist entscheidend für den Erfolg des Care Managements. Dies umfasst:

  • Fachliche Qualifikation: Die beteiligten Akteur:innen müssen über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen, um ihre Aufgaben im Rahmen des Care Managements effektiv wahrnehmen zu können. Dies beinhaltet sowohl die Grundausbildung als auch die kontinuierliche berufliche Fortbildung, um stets auf dem aktuellen Stand der medizinischen und pflegerischen Erkenntnisse zu sein (Kollak und Schmidt 2016).
  • Interdisziplinäre Schulungen: Interdisziplinäre Schulungen fördern das Verständnis und die Kooperation unter den verschiedenen Berufsgruppen. Dies stärkt die Teamarbeit und verbessert die Koordination der Versorgungsmaßnahmen (Behrend et al. 2020). Schulungen können gemeinsame Workshops, Simulationstrainings und Fallstudien umfassen, um praktische Fähigkeiten und theoretisches Wissen zu vermitteln.
  • Technologische Kompetenz: Die Nutzung neuer Technologien erfordert spezifische Kompetenzen. Schulungen im Umgang mit digitalen Anwendungen und telemedizinischen Systemen sind daher unerlässlich (Bratan et al. 2022). Dies umfasst die Einführung in den Einsatz von EPAs, die Nutzung telemedizinischer Plattformen und die Anwendung digitaler Kommunikationswerkzeuge.

3.7 Ethische und rechtliche Grundlagen

Care Management befasst sich ebenfalls mit ethischen und rechtlichen Aspekten. Diese umfassen:

  • Patientenrechte: Die Rechte der Patient:innen, insbesondere im Hinblick auf Datenschutz und Selbstbestimmung, müssen gewahrt werden. Dies erfordert eine sorgfältige Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen und die Einhaltung ethischer Grundsätze. Patient:innen müssen umfassend informiert und in alle Entscheidungsprozesse einbezogen werden (Risdawati 2024).
  • Datenschutz: Der Schutz personenbezogener Daten ist im Care Management von zentraler Bedeutung. Dies umfasst die sichere Speicherung und den vertraulichen Umgang mit Patientendaten sowie die Einhaltung der gesetzlichen Datenschutzbestimmungen (Fantonelli et al. 2023; Sarabdeen et al. 2022). Datenschutzrichtlinien müssen entwickelt und implementiert werden, um die Datensicherheit zu garantieren.
  • Ethik in der Versorgung: Ethische Fragestellungen, wie etwa die Gerechtigkeit in der Ressourcenzuweisung oder die Wahrung der Autonomie der Patient:innen, müssen im Care Management berücksichtigt werden (Schürmann und Reiter-Theil 2024; Spirgienė et al. 2023). Dies erfordert die Entwicklung und Implementierung ethischer Leitlinien, die als Orientierung für das Handeln der Akteur:innen dienen. Ethikkomitees spielen eine entscheidende Rolle, indem sie als beratende Instanzen fungieren und sicherstellen, dass ethische Leitlinien in der Versorgungspraxis eingehalten werden.

4 Praxisorientierte Implementierung des Care Managements

Das folgende Praxisbeispiel betrifft Frau Müller, eine 78-jährige Patientin mit chronischer Herzinsuffizienz und Diabetes. Sie lebt allein in einer ländlichen Region und hat Schwierigkeiten, regelmäßig medizinische Betreuung und Unterstützung zu erhalten. Frau Müller hat kürzlich einen Krankenhausaufenthalt aufgrund einer akuten Verschlechterung ihrer Herzinsuffizienz hinter sich und wurde von ihrem Hausarzt zum Care Management überwiesen, um ihre Versorgung nach der Entlassung zu optimieren und erneute Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

4.1 Bedarfsermittlung

Zu Beginn steht die umfassende Bedarfsermittlung, bei der die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen der Patient:innen systematisch erfasst werden. Dies ermöglicht eine präzise Planung der notwendigen Versorgungsleistungen und die Identifikation möglicher Versorgungslücken. Die Bedarfsermittlung erfolgt durch strukturierte Assessments, bei denen sowohl medizinische als auch psychosoziale Faktoren berücksichtigt werden. Diese Assessments sind kontinuierlich zu aktualisieren, um auf Veränderungen im Gesundheitszustand oder in den Lebensumständen der Patient:innen reagieren zu können.

Praxisbeispiel:

Frau Müller wird von ihrem Hausarzt zum Care Management überwiesen. Bei der ersten Bedarfsermittlung wird ein umfassendes Assessment durchgeführt. Dies umfasst eine medizinische Untersuchung, bei der ihre Herzinsuffizienz und Diabetes dokumentiert werden, sowie eine Bewertung ihrer sozialen Situation. Es stellt sich heraus, dass sie Schwierigkeiten hat, regelmäßig ihre Medikamente zu nehmen und zu Arztterminen zu gelangen. Außerdem fühlt sie sich isoliert und hat nur wenig soziale Unterstützung. Das Assessment zeigt auch, dass Frau Müller aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität und fehlender familiärer Unterstützung anfällig für gesundheitliche Komplikationen ist.

4.2 Ressourcenmanagement

Das Ressourcenmanagement stellt sicher, dass die verfügbaren Mittel optimal genutzt werden. Es umfasst die Koordination von Pflegeleistungen, die Zuweisung von Ressourcen und die Sicherstellung der Finanzierung der notwendigen Maßnahmen. Hierbei werden sowohl interne Ressourcen der Organisation als auch externe Dienstleister einbezogen. Ziel ist es, die bestmögliche Versorgung unter Berücksichtigung der ökonomischen Rahmenbedingungen zu gewährleisten. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Verfügbarkeit von Fachpersonal und die effiziente Nutzung technischer Hilfsmittel.

Praxisbeispiel:

Basierend auf dem Assessment wird ein individueller Versorgungsplan für Frau Müller erstellt. Ihr Care Manager koordiniert die Zusammenarbeit mit einem örtlichen Pflegedienst, der regelmäßige Hausbesuche durchführt, um ihre Medikamenteneinnahme zu überwachen und ihre Vitalwerte zu kontrollieren. Zusätzlich wird ein Sozialarbeiter eingebunden, um Frau Müller bei der Teilnahme an einer Seniorengruppe in ihrer Gemeinde zu unterstützen. Der Care Manager sorgt auch dafür, dass alle notwendigen medizinischen Geräte, wie ein Blutdruckmessgerät, bereitgestellt und erklärt werden. Frau Müllers Hausarzt wird in die regelmäßigen Überprüfungen einbezogen, um die medizinische Betreuung sicherzustellen.

4.3 Netzwerkbildung

Wie zuvor bereits erwähnt, können durch den Aufbau stabiler Netzwerke Synergien genutzt und die Versorgungsqualität verbessert werden. Dies umfasst die Entwicklung von Kooperationsvereinbarungen, die Schaffung gemeinsamer Plattformen für den Informationsaustausch und die Etablierung von Kommunikationsstrukturen, die eine schnelle und effektive Zusammenarbeit ermöglichen.

Praxisbeispiel:

Der Care Manager von Frau Müller initiiert regelmäßige Netzwerktreffen, bei denen ihr Hausarzt, der Pflegedienst, der Sozialarbeiter und andere beteiligte Fachkräfte zusammenkommen, um ihre Fortschritte und Probleme zu besprechen. Durch diese Treffen wird sichergestellt, dass alle Beteiligten über die aktuellen Entwicklungen informiert sind und ihre Maßnahmen aufeinander abstimmen können. Darüber hinaus wird eine digitale Kommunikationsplattform genutzt, um den Informationsaustausch zu erleichtern und schnelle Rückmeldungen zu ermöglichen. So kann beispielsweise der Hausarzt sofort über Veränderungen in Frau Müllers Gesundheitszustand informiert werden und notwendige Anpassungen in der Therapie vornehmen.

4.4 Qualitätssicherung

Die Qualitätssicherung im Care Management erfolgt durch kontinuierliches Monitoring und Evaluation der Versorgungsprozesse. Es werden Standards und Indikatoren entwickelt, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen und Verbesserungen zu initiieren. Dazu gehört auch die regelmäßige Überprüfung der Patientenzufriedenheit und die Analyse von Versorgungsergebnissen. Durch eine systematische Qualitätssicherung wird sichergestellt, dass die Versorgungsprozesse kontinuierlich an Patientenbedürfnisse zugeschnitten und verbessert werden.

Praxisbeispiel:

Der Care Manager überwacht regelmäßig die Gesundheitsdaten von Frau Müller, wie ihre Blutdruck- und Blutzuckerwerte, und evaluiert die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen. Einmal im Quartal wird ein Evaluationsbericht erstellt, der die Fortschritte dokumentiert und eventuelle Anpassungen des Versorgungsplans vorschlägt. Frau Müller wird auch regelmäßig zu ihrer Zufriedenheit mit der Betreuung befragt. Diese Rückmeldungen fließen in die Qualitätsverbesserungsmaßnahmen ein. Beispielsweise wird nach einem Feedback von Frau Müller der Hausbesuchsturnus des Pflegedienstes angepasst, um ihre Bedürfnisse besser zu erfüllen. Zudem wird überprüft, ob die Teilnahme an der Seniorengruppe ihre soziale Isolation verringert hat, und bei Bedarf werden zusätzliche soziale Aktivitäten organisiert.

Durch diese praxisorientierte Implementierung des Care Managements wird sichergestellt, dass Patienten wie Frau Müller eine kontinuierliche, koordinierte und patientenzentrierte Versorgung erhalten, die auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist und zu einer Verbesserung ihrer Lebensqualität beiträgt.

4.5 Potenziale der Digitalisierung im Care Management (Praxisausblick)

Die Digitalisierung bietet erhebliche Chancen zur Optimierung und Effizienzsteigerung im Care Management. Durch den Einsatz moderner Technologien können Versorgungsprozesse verbessert, die Kommunikation zwischen den Akteur:innen erleichtert und die Patientenzufriedenheit gesteigert werden. Dies ist besonders relevant in komplexen Fällen wie dem von Frau Müller.

Möglichkeiten der Digitalisierung im Care Management:

  • Elektronische Patientenakten (EPA): Durch die Nutzung von EPAs können sämtliche Gesundheitsinformationen von Frau Müller zentral und jederzeit zugänglich gespeichert werden. Dies erleichtert die Koordination zwischen den verschiedenen Leistungserbringern, da alle Beteiligten jederzeit auf aktuelle und vollständige Daten zugreifen können. Beispielsweise können Änderungen in Frau Müllers Medikation sofort in der EPA vermerkt werden, wodurch alle beteiligten Akteur:innen informiert sind und entsprechend handeln können. In der Theorie ist das Potenzial elektronischer Patientenakten enorm, in der Praxis scheitert die konsistente und zielführende Verwendung oft an Datenschutzproblemen, Inkompatibilität von Systemen und unterschiedlichen Erschließungsgraden der Technologien der interagierenden Stakeholder (Rashid et al. 2022)
  • Telemedizin: Telemedizinische Anwendungen ermöglichen die Fernüberwachung von Patient:innen und den standortunabhängigen Zugang zu medizinischer Beratung und Betreuung. Für Frau Müller bedeutet dies, dass sie ihre Vitalwerte wie Blutdruck und Blutzucker von zu Hause aus überwachen lassen kann. Regelmäßige virtuelle Konsultationen mit ihrem Hausarzt können dazu beitragen, ihre Gesundheit zu überwachen und frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren, ohne dass sie weite Wege zurücklegen muss.
  • Digitale Kommunikationsplattformen: Solche Plattformen erleichtern die schnelle und effiziente Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteur:innen im Versorgungsnetzwerk. Im Fall von Frau Müller ermöglicht eine digitale Plattform den sofortigen Austausch von Informationen zwischen ihrem Hausarzt, dem Pflegedienst und dem Care Manager. Dies führt zu einer verbesserten Koordination und einer schnelleren Reaktion auf Veränderungen in ihrem Gesundheitszustand.
  • Apps und Wearables: Gesundheits-Apps und tragbare Geräte können Patientinnen wie Frau Müller dabei unterstützen, ihre Gesundheitsdaten selbst zu überwachen und zu verwalten. Diese Technologien fördern die Selbstständigkeit und das Engagement der Patient:innen, indem sie ihnen ermöglichen, aktiv an ihrer Gesundheitsversorgung teilzunehmen (Kang und Exworthy 2022). Eine App könnte Frau Müller beispielsweise an die Einnahme ihrer Medikamente erinnern und es ihr ermöglichen, ihre Blutzuckerwerte zu protokollieren und mit ihrem Care Manager zu teilen.
  • Big Data und Künstliche Intelligenz (KI): Durch die Auswertung umfangreicher Datenbestände lassen sich Muster identifizieren und Vorhersagen über den Gesundheitsverlauf getroffen werden (Trentzsch et al. 2020). KI-gestützte Systeme könnten im Fall von Frau Müller dazu beitragen, frühzeitig potenzielle Risiken zu identifizieren und präventive Maßnahmen zu ergreifen. Dies könnte zu einer Reduzierung von Krankenhausaufenthalten und einer Verbesserung der Lebensqualität führen.

Durch die Integration dieser digitalen Lösungen in das Care Management wird die Versorgung effizienter und patientenzentrierter. Für Frau Müller bedeutet dies nicht nur eine bessere Gesundheitsüberwachung und Betreuung, sondern auch eine Erhöhung ihrer Lebensqualität durch eine größere Unabhängigkeit und eine stärkere Einbindung in ihre eigene Gesundheitsversorgung. Digitalisierung stellt somit eine wertvolle Ergänzung zum traditionellen Care Management dar und eröffnet neue Möglichkeiten, um den Herausforderungen im Gesundheits- und Sozialwesen gerecht zu werden.

5 Komplexität

Care Management muss mit der Komplexität moderner Versorgungssysteme umgehen, die sich aus der Vielzahl von Akteur:innen, unterschiedlichen Versorgungsstrukturen und vielschichtigen Patientenbedürfnissen ergibt. Ein erfolgreiches Care Management erfordert ein tiefes Verständnis dieser Zusammenhänge und die Fähigkeit, sie effektiv zu koordinieren.

Eine der größten Herausforderungen ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Verschiedene Fachrichtungen wie Medizin, Pflege, Sozialarbeit und Therapie müssen koordiniert werden, um eine ganzheitliche Versorgung sicherzustellen. Dies erfordert klare Kommunikationswege, gemeinsame Ziele und eine einheitliche Dokumentation. Nur durch enge Zusammenarbeit können die komplexen Bedürfnisse der Patient:innen vollständig erfasst und effektiv adressiert werden (Kollak und Schmidt 2016). Care Management muss sektorübergreifend arbeiten, um eine lückenlose Versorgung zu gewährleisten. Dies bedeutet, dass die Übergänge zwischen ambulanter, stationärer und rehabilitativer Versorgung nahtlos gestaltet werden müssen. Jeder Sektor hat eigene Prozesse und Anforderungen, die miteinander verknüpft werden müssen, um die kontinuierliche Versorgung sicherzustellen. Die individuellen Bedürfnisse der Patient:innen erhöhen die Komplexität des Care Managements erheblich. Jeder Patient und jede Patientin hat spezifische gesundheitliche Herausforderungen, die in der Versorgung berücksichtigt werden müssen. Dies umfasst sowohl medizinische als auch soziale und psychologische Aspekte. Eine personalisierte Versorgung, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Lebensumstände jedes Patienten und jeder Patientin abgestimmt ist, ist unerlässlich.

Effizientes Ressourcenmanagement ist eine weitere Herausforderung. Die vorhandenen Ressourcen müssen optimal genutzt und verteilt werden, um eine hochwertige Versorgung zu gewährleisten. Dies umfasst finanzielle Mittel, Personal und technologische Ressourcen. Engpässe in einem dieser Bereiche können die Versorgung erheblich beeinträchtigen (Goel et al. 2024). Zudem ist das Gesundheitswesen einem ständigen Wandel unterworfen. Neue medizinische Erkenntnisse, technologische Innovationen und sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen erfordern kontinuierliche Anpassungen der Versorgungsprozesse. Care Management muss flexibel genug sein, um auf diese Veränderungen schnell und effektiv zu reagieren.

Besonders herausfordernd sind komplexe Fallkonstellationen, bei denen mehrere gesundheitliche und soziale Probleme gleichzeitig vorliegen. Diese Fälle erfordern eine besonders intensive und koordinierte Betreuung. Care Management muss in der Lage sein, diese Komplexität zu bewältigen und maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln, die alle Aspekte der Patientenversorgung berücksichtigen. Die Versorgungssysteme sind stark von politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen beeinflusst. Gesetze, Verordnungen und Finanzierungssysteme legen fest, wie Versorgung gestaltet und finanziert wird. Care Management muss sich innerhalb dieser Rahmenbedingungen bewegen und gleichzeitig die bestmögliche Versorgung für die Patient:innen sicherstellen.

Schließlich muss Care Management auch mit Unsicherheiten umgehen können. In der Versorgung von Patient:innen treten häufig unvorhergesehene Ereignisse auf. Care Management muss flexibel genug sein, um auf solche Unsicherheiten angemessen zu reagieren. Dies erfordert eine sorgfältige Risikoanalyse und die Entwicklung von Notfallplänen.

Insgesamt stellt die Bewältigung der Komplexität im Care Management eine zentrale Herausforderung dar. Es erfordert umfassende Kenntnisse, eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteur:innen und die Fähigkeit, flexibel und proaktiv auf Veränderungen zu reagieren. Durch den Einsatz moderner Technologien, die Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit und die kontinuierliche Anpassung der Versorgungsprozesse kann Care Management erfolgreich umgesetzt werden, um den komplexen Anforderungen des modernen Gesundheitswesens gerecht zu werden (Behrend et al. 2020; Kang und Exworthy 2022; Trentzsch et al. 2020)

6 Systemaspekt und Kernfunktionen

Die Systemsteuerung im Care Management zielt darauf ab, die Versorgungssysteme kontinuierlich zu verbessern und anzupassen. Durch die Identifikation von Versorgungslücken und die Initiierung von Anpassungsmaßnahmen trägt Care Management zur Weiterentwicklung und Optimierung der Versorgungsstrukturen bei. Es schafft die Grundlage für eine lernende Organisation, die flexibel auf neue Herausforderungen reagieren kann. Die Systemsteuerung umfasst auch die Entwicklung und Implementierung von Strategien zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen im Gesundheitswesen, wie z.B. dem demografischen Wandel und der Zunahme chronischer Erkrankungen. Darüber hinaus beinhaltet die Systemsteuerung die Anwendung von Managementprinzipien, die Entwicklung von strategischen Plänen und die Integration von Innovationsansätzen in die Versorgungspraxis.

Care Management übernimmt mehrere zentrale Funktionen, die essenziell für die effiziente und patientenzentrierte Versorgung sind. Diese Kernfunktionen umfassen Koordination, Integration, Qualitätssicherung, Netzwerkbildung und Unterstützung der Patient:innen. Jede dieser Funktionen trägt dazu bei, die Versorgungsprozesse zu optimieren und die Gesundheitsergebnisse zu verbessern (Weatherly et al. 2016).

6.1 Koordination

Die Koordination ist eine der wichtigsten Funktionen des Care Managements. Sie stellt sicher, dass alle beteiligten Akteur:innen im Gesundheits- und Sozialwesen eng zusammenarbeiten und ihre Maßnahmen aufeinander abstimmen. Dies umfasst:

  • Abstimmung der Versorgung: Sicherstellung, dass alle diagnostischen, therapeutischen und pflegerischen Maßnahmen synchronisiert sind.
  • Kommunikation: Etablierung klarer Kommunikationswege zwischen den verschiedenen Dienstleistern, um Informationsverluste zu verhindern und die kontinuierliche Versorgung zu gewährleisten.
  • Terminmanagement: Koordination von Terminen für medizinische Untersuchungen, Behandlungen und Nachsorge, um eine reibungslose Abwicklung zu gewährleisten.

6.2 Integration

Die Integration zielt darauf ab, alle Versorgungsleistungen nahtlos miteinander zu verbinden. Dies bedeutet, dass die verschiedenen Akteur:innen im Gesundheitswesen ihre Dienstleistungen so erbringen, dass sie optimal ineinandergreifen. Die Integration umfasst:

  • Ganzheitlicher Ansatz: Verknüpfung von medizinischen, pflegerischen, sozialen und psychologischen Aspekten der Versorgung.
  • Versorgungskontinuität: Sicherstellung, dass Patient:innen durch alle Phasen ihrer Behandlung begleitet werden, von der Prävention über die akute Behandlung bis hin zur Rehabilitation und langfristigen Pflege.
  • Vermeidung von Doppelarbeit: Durch Integration werden redundante Untersuchungen und Behandlungen vermieden, was die Effizienz steigert und Kosten reduziert.

6.3 Qualitätssicherung

Qualitätssicherung ist entscheidend, um eine hohe Versorgungsqualität zu gewährleisten. Dies erfolgt durch kontinuierliches Monitoring und durch Evaluation der Versorgungsprozesse. Die Qualitätssicherung umfasst:

  • Entwicklung von Standards: Festlegung von Qualitätsstandards und Protokollen für die Versorgung.
  • Monitoring: Laufende Überwachung der Versorgungsprozesse und Ergebnisse durch regelmäßige Datenerhebung und -analyse.
  • Feedback-Systeme: Einbeziehung von Patienten- und Mitarbeiterfeedback zur Identifizierung von Verbesserungspotenzialen und zur Umsetzung von Maßnahmen zur Qualitätssteigerung.

6.4 Netzwerkbildung

Netzwerkbildung fördert die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Leistungserbringern und schafft die Grundlage für eine integrierte Versorgung. Dies umfasst:

  • Aufbau von Partnerschaften: Entwicklung von formellen Kooperationsvereinbarungen zwischen verschiedenen Akteur:innen im Gesundheits- und Sozialwesen.
  • Gemeinsame Plattformen: Nutzung digitaler und physischer Plattformen für den Informationsaustausch und die Kommunikation.
  • Förderung von Synergien: Bündelung von Ressourcen und Kompetenzen, um gemeinsame Ziele zu erreichen und die Versorgungsqualität zu verbessern.

6.5 Unterstützung der Patient:innen

Eine zentrale Aufgabe des Care Managements ist die Unterstützung der Patient:innen, um ihre Selbstständigkeit und Selbstbestimmung zu fördern. Dies umfasst:

  • Individuelle Beratung: Bereitstellung von Informationen und Beratung zu gesundheitlichen und sozialen Fragen, die Patient:innen zu befähigen, wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen.
  • Begleitung und Unterstützung: Unterstützung der Patient:innen bei der Bewältigung ihrer gesundheitlichen und sozialen Herausforderungen durch regelmäßige Betreuung und Begleitung.
  • Förderung der Gesundheitskompetenz: Schulung und Aufklärung der Patient:innen, um ihre Gesundheitskompetenz auszubauen und sie in die Position zu versetzen, aktiv an ihrer eigenen Versorgung teilzunehmen.

Das Care Management stellt einen integralen Bestandteil moderner Gesundheitssysteme dar. Es basiert auf einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit, der Nutzung moderner Technologien sowie einer kontinuierlichen Anpassung der Versorgungsprozesse, wodurch eine ganzheitliche und patientenzentrierte Versorgung gewährleistet wird. Die Funktionen des Care Managements umfassen die Koordination, Integration, Qualitätssicherung, Netzwerkbildung sowie die Unterstützung von Patient:innen. Dadurch leistet das Care Management einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungsqualität. Die Bewältigung der Komplexität des Gesundheitswesens erfordert ein tiefes Verständnis der systemischen Zusammenhänge sowie die Fähigkeit, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Die Digitalisierung eröffnet hierbei bedeutende Chancen, die Effizienz und Effektivität des Care Managements weiter zu steigern. Insgesamt stellt Care Management eine unverzichtbare Strategie dar, um den wachsenden Anforderungen und Herausforderungen im Gesundheits- und Sozialwesen gerecht zu werden und die bestmögliche Versorgung für alle Patient:innen zu gewährleisten.

7 Quellenangaben

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Verfasst von
Prof. Dr. Lukas Kerschbaumer
MCI Internationale Hochschule GmbH
Department Nonprofit, Social & Health Care Management
Center for Social & Health Innovation
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Annabelle Fiedler
BSc MSc MA
MCI Internationale Hochschule GmbH
Center for Social & Health Innovation
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