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Computerunterstütztes Lernen

Prof. Dr. Werner Sauter

veröffentlicht am 06.07.2020

Abkürzung: CUL

Computerunterstütztes Lernen, meist als E-Learning bezeichnet, umfasst das prozessorientierte, soziale Lernen mit Informations- und Kommunikationstechnologien im Netz.

Überblick

  1. 1 Entwicklung des computerunterstützten Lernens
  2. 2 Elemente des computerunterstützten Lernens
  3. 3 Computergestützte Lernarrangements
  4. 4 Fazit
  5. 5 Quellenangaben
  6. 6 Literaturhinweise

1 Entwicklung des computerunterstützten Lernens

Computerunterstütztes Lernen verändert seit fast dreißig Jahren das Lernen, insbesondere in Unternehmen. Die Ausprägungen des E-Learning haben sich dabei fundamental verändert. Zwischenzeitlich befinden wir uns in der vierten Stufe des E-Learnings:

  • ab Anfang der 1990er-Jahre: E-Learning offline bzw. Computer Based Trainings (CBT)
  • ab Ende der 1990er-Jahre: E-Learning online
  • ab Anfang des neuen Jahrtausends: Blended Learning
  • seit wenigen Jahren: Social Blended Learning

2 Elemente des computerunterstützten Lernens

Der Begriff des computergestützten Lernens ist aber keineswegs auf diese technologischen Ebenen beschränkt, sondern umfasst vielfältige konzeptionelle Elemente des Lernens mit dem Ziel, selbstgesteuerte oder organisierte Lernformen zu fördern.

„Reine“ E-Learning-Systeme, d.h. solche ohne Präsenzphasen, können nach den evaluierten Erfahrungen eine hohe Lerneffizienz aufweisen, sofern sie sich auf die Lernzielebene des Wissensaufbaus und der Qualifikation beschränken und die methodische Gestaltung eine hohe Problemorientierung besitzt.

Web Based Trainings sind im Regelfall Elemente formeller Lernprozesse, die vor allem die Aufgabe haben, den Aufbau gesicherten Wissens zu ermöglichen und es über Übungen und eventuelle Transferaufgaben zu festigen. In selbstorganisierten Lernprozessen können sie dazu dienen

  • die Strukturierung der individuellen Lernprozesse zu unterstützen
  • den LernerInnen die erforderliche Orientierung und Lernmöglichkeiten zu bieten
  • Informationen über ihre Lernprozesse und ihren jeweiligen Entwicklungsstand zu geben
  • aktivierende Lernstrategien zu fördern.

Diese Aspekte haben sich als wesentliche Erfolgsfaktoren für Lernen erwiesen.

In der Praxis werden Web Based Trainings häufig den LernerInnen als „Stand-alone-Lösung“, also ohne Einbettung in ein Lernarrangement zur Verfügung gestellt. Diese Maßnahmen – häufig verpflichtend angeordnet – bewirken im Regelfall keine nachhaltigen Lerneffekte, obwohl oftmals unterstellt wird, dass allein schon die Bearbeitung der Lernprogramme einem Lernerfolg gleichzusetzen ist. In der betrieblichen Bildung werden dagegen sehr gute Erfahrungen mit E-Learning-Arrangements gemacht, die mit einem virtuellen Kick-off, einem sogenannten Webinar, starten und jeweils ca. vierwöchige Selbstlernphasen mit Webinaren zur Klärung offener Fragen kombinieren.

Deshalb setzen erfolgreiche E-Learning-Systeme zwingend Learning-Management-Systeme oder Soziale Lernplattformen voraus. Die Bereitstellung von WBT im Intranet, ohne die Möglichkeit zur Online-Kommunikation mit LernpartnerInnen und E-Coaches, hat sich nicht als nachhaltig lernwirksam erwiesen.

3 Computergestützte Lernarrangements

E-Learning-Arrangements bieten den Vorteil, dass alle Lernenden selbstgesteuert, d.h. exakt an ihren jeweiligen Bedarfen orientiert und aktiv lernen können. Sie können darüber hinaus ihre Lernzeit, ihren Lernort sowie Lerntempo und Lernstil individuell bestimmen. Voraussetzung für effiziente E-Learning-Systeme sind Lernarrangements, die Lernenden über herausfordernde Aufgaben und Übungen während der gesamten Lernzeit aktiv fordern.

Fast zwanzig Jahre nachdem sich der Begriff des Blended Learning – zuvor „hybrides Lernen“ genannt – in Deutschland durchgesetzt hat, gewinnen diese Lernarrangements auch in der Breite an Bedeutung. Dies wird aus dem MMB Learning Delphi 2018/19 (mmb Institut 2019), in dem deutsche BildungsexpertInnen die wichtigsten Entwicklungen in der betrieblichen Bildung einschätzen, deutlich. Blended Learning, also eine Mischung aus traditionellen und computergestützten Lernangeboten, erreicht mit 99 % der Befragten den absoluten Spitzenwert.

Die Entwicklungen in der betrieblichen Bildung zeigen sich in der Praxis jedoch weniger an den Trends der eingesetzten Lerntechnologien, als am Paradigmenwechsel vom fremdgesteuerten zum selbstgesteuerten und eigenverantwortlichen Lernen. Darüber hinaus werden sie auch in der Erweiterung der Wissens- und Qualifikationsziele um Kompetenzziele deutlich, sowie dem Wandel von curricularen Seminarangeboten zum bedarfsorientierten Lernen „on demand“ (Micro-Learning).

Für formelle Qualifizierungsmaßnahmen haben sich Blended Learning Arrangements als besonders effizient erwiesen, sofern die für den Lernerfolg notwendigen Gestaltungselemente konsequent umgesetzt werden (Erpenbeck et al. 2015; Sauter et al. 2018). Gegenüber reinen Präsenzseminarkonzepten kann der Anteil der Präsenzzeiten auf 30 % und weniger der bisherigen Seminartage reduziert werden. Trotzdem hat sich die Lerneffizienz als höher erwiesen.

In aktuellen Arrangements übernimmt E-Learning immer mehr die Funktion, die Kompetenzentwicklung der Lernenden bei der Bewältigung von herausfordernden Praxisaufgaben zu ermöglichen. In diesen Social Blended Learning Arrangements wird das notwendige Fachwissen „on demand“ nach dem Prinzip des Micro-Learning zur Verfügung gestellt, wenn die jeweilige MitarbeiterIn bestimmtes Wissen zur Lösung von Herausforderungen in der Praxis benötigt. In bestimmten Themenbereichen, z.B. bei Sicherheitsfragen, wird E-Learning jedoch weiterhin im Sinne von „Vorratslernen“ eingesetzt.

4 Fazit

E-Learning-Umgebungen und Blended Learning Arrangements verlangen von den LernerInnen weitaus höhere Kompetenzen, als dies in klassischen Lernumgebungen, auch mit teilnehmerzentrierten Lernszenarien, der Fall ist. Lernende sind es seit ihrer Kindheit gewohnt, die Steuerung von Lernprozessen den Lehrenden zu überlassen. Sie müssen viele Funktionen, die bisher die Lehrenden gesteuert und überwacht haben, selbst gestalten. In E-Learning-Umgebungen übernehmen die LernpartnerInnen (Social Learning) sowie die LernbegleiterInnen als EntwicklungspartnerInnen der Lernenden deshalb die Aufgabe, ihnen zu helfen, bisherige handlungssteuernde Prozesse und Strukturen entsprechend der Lernziele aufzubrechen bzw. zu verändern. Sie planen die jeweiligen einzelnen Lernarrangements, moderieren evtl. Kick-off-Veranstaltungen – häufig als Webinar gestaltet – und flankieren die selbstorganisierten Lernprozesse.

5 Quellenangaben

Erpenbeck, John, Simon Sauter und Werner Sauter, 2015. E-Learning und Blended Learning: Selbstgesteuerte Lernprozesse zum Wissensaufbau und zur Qualifizierung. Wiesbaden: Springer Gabler. ISBN 978-3-658-10174-9 [Rezension bei socialnet]

Erpenbeck, John, Simon Sauter und Werner Sauter, 2016. Social Workplace Learning: Kompetenzentwicklung im Arbeitsprozess und im Netz in der Enterprise 2.0. Berlin: Springer Gabler. ISBN 978-3-658-10498-6

mmb Institut, 2019. Auf dem Weg zum Assisted Learning? Digitale Lernanwendungen werden informeller und intelligenter [online]. Ergebnisse der 13. Trendstudie „mmb Learning Delphi“. mmb-Trendmonitor 2018/2019. Essen: mmb Institut GmbH [Zugriff am: 03.07.2020]. Verfügbar unter: https://www.mmb-institut.de/wp-content/​uploads/​mmb-Trendmonitor_2018-2019.pdf

Sauter, Werner, Roman Sauter und Roland Wolfig, 2018. Agile Werte- und Kompetenzentwicklung: Wege in eine neue Arbeitswelt. Berlin: Springer Gabler. ISBN 978-3-662-57304-4

6 Literaturhinweise

Dräger, Jörg und Ralph Müller-Eiselt, 205. Die digitale Bildungsrevolution: Der radikale Wandel des Lernens und wir ihn gestalten können. München: Dt. Verl.-Anst. ISBN 978-3-421-04709-0 [Rezension bei socialnet]

Erpenbeck, John und Werner Sauter, 2019. Stoppt die Kompetenzkatastrophe! Wege in eine neue Bildungswelt. 2. Auflage. Berlin: Springer Gabler. ISBN 978-3-662-59676-0

Sauter, Werner und Simon Sauter, 2013. Workplace Learning: Integrierte Kompetenzentwicklung mit kooperativen und kollaborativen Lernystemen. Berlin: Springer Gabler. ISBN 978-3-642-41417-6 [Rezension bei socialnet]

Kerres, Michael, 2018. Mediendidaktik: Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote. München: Oldenbourg. ISBN 978-3-486-27207-9 [Rezension bei socialnet]

Autor
Prof. Dr. Werner Sauter
Blended Solutions GmbH
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Es gibt 7 Lexikonartikel von Werner Sauter.


Zitiervorschlag
Sauter, Werner, 2020. Computerunterstütztes Lernen [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 06.07.2020 [Zugriff am: 22.10.2020]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Computerunterstuetztes-Lernen

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