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Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen

Klaus Grothe-Bortlik

veröffentlicht am 16.06.2025

Abkürzung: DAG-SHG

Amtlicher Name: Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., Amtsgericht Gießen, VR 1344

Website: www.dag-shg.de

Interessenlage: Der Autor ist Mitglied im Vorstand der DAG SHG e.V.

Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. (DAG SHG) ist der träger-, indikations- und themenübergreifende Fachverband zur Förderung der Selbsthilfe und Unterstützung aller in der Selbsthilfe aktiven Personen und Gruppen/​Initiativen, Einrichtungen und Organisationen.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Geschichte
  3. 3 Organisation
  4. 4 Ziele und Aufgaben
    1. 4.1 Fachliche Aufgaben und Maßnahmen
    2. 4.2 Politische Aufgaben und Gremien
  5. 5 Quellenangaben
  6. 6 Literaturhinweise
  7. 7 Informationen im Internet

1 Zusammenfassung

Die DAG SHG wurde 1975 informell durch Prof. Michael Lukas Moeller gegründet und 1981 als gemeinnütziger Verein etabliert. Sie entwickelte sich aus der Gruppenpsychotherapie heraus und ist eng mit der gesellschaftlichen Aufbruchsstimmung der „68er-Bewegung“ verbunden. Als bundesweite Dachorganisation vernetzt sie über 300 Mitglieder aus Selbsthilfekontaktstellen, Selbsthilfegruppen und dem professionellen Bereich. Die Organisation ist Träger wichtiger Einrichtungen wie der NAKOS.

Sie gibt inhaltliche Impulse und setzt fachliche Standards, die bundesweit als maßgebliche Orientierung für die professionelle Selbsthilfeunterstützung dienen. Mittels Stellungnahmen in einschlägigen Gesetzgebungsverfahren nimmt sie politisch Einfluss und ist im Rahmen der gesetzlichen Selbsthilfeförderung und Patientenvertretung in verschiedenen Gremien strukturell verankert.

2 Geschichte

1975 Informelle Gründung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen durch Prof. Michael Lukas Moeller, Gießen, am Rande der 25. Lindauer Psychotherapiewochen.

Die Arbeitsgemeinschaft verstand sich als ein lockerer Zusammenschluss von Gruppen und Einzelpersonen, die Interesse an der Idee der gemeinschaftlichen Selbsthilfe von Betroffenen ohne professionelle Leitung hatten. Ziel war es, die Anregung und Förderung von Selbsthilfegruppen auf eine organisatorische Grundlage zu stellen.

1977 bis 1981 Forschungsprojekt „Psychologisch-therapeutische Selbsthilfegruppen. Ein Forschungsvorhaben im Rahmen der Psychiatrie-Enquête“ (Prof. Michael Lukas Moeller)

1977 Beginn der Arbeit der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen in Gießen im Rahmen des o.g. Forschungsprojekts

Seit 1978 Entwicklung von lokalen Ansätzen in ganz Deutschland zur Unterstützung und Zusammenarbeit von Selbsthilfegruppen und zur Aufklärung/Information von Interessierten: Regionale Arbeitsgemeinschaften Selbsthilfegruppen; später: Kontaktstellen für Selbsthilfegruppen/​Selbsthilfekontaktstellen als neuer Einrichtungstyp

1979 1. Jahrestreffen der Regionalen Arbeitsgemeinschaften Selbsthilfegruppen „Überregionales Gesamttreffen“ zum Erfahrungsaustausch von Selbsthilfegruppen und unterstützenden Professionellen (ab 1985 „Jahrestagung“ der DAG SHG)

1981 Gründung des gemeinnützigen Vereins Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. (DAG SHG e.V.) mit Sitz in Gießen (DAG SHG 2012)

Die Anfänge der organisierten Vernetzung und Selbsthilfeunterstützung entspringen ganz wesentlich der Tradition der Gruppenpsychotherapie und können als revolutionär bezeichnet werden, da Prof. Michael Lukas Moeller entgegen der damals gängigen Lehrmeinung das Selbstorganisationspotenzial der Patienten und Patientinnen erkannte und förderte.

Dieser Meilenstein der Selbsthilfeentwicklung ist eingebettet zu sehen in den gesellschaftshistorischen Kontext der 60er- und 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts („68er-Bewegung“), als auf verschiedenen Ebenen Konventionen infrage gestellt wurden und Verkrustungen aufbrachen – die Zeit der (Bürger-)Initiativbewegungen und der Widerstände gegen etablierte Systeme, die später als „Neue Soziale Bewegungen“ und „Graswurzelbewegung“ bezeichnet werden sollten.

Die Selbsthilfegruppen-Bewegung kann in diesem Sinne als Ausdruck dieses gesellschaftlichen Megatrends, zunächst insbesondere im medizinischen System, verstanden werden.

3 Organisation

Der Verein hat seinen Sitz nach wie vor am Gründungsort in Gießen, die Verwaltung wurde inzwischen nach Berlin verlagert und befindet sich in einer Bürogemeinschaft mit der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (NAKOS). Die Satzung sieht einen dreiköpfigen Vorstand vor (DAG SHG 2021).

Mitglieder sind:

  • Träger von Selbsthilfekontaktstellen
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Selbsthilfekontaktstellen und anderen Einrichtungen zur Selbsthilfeunterstützung
  • Selbsthilfegruppen und -organisationen
  • Gruppen, Verbände, Institutionen und Körperschaften, denen die Selbsthilfeunterstützung ein Anliegen ist
  • Fachkräfte aus psychosozialen und Gesundheitsberufen
  • interessierte Einzelpersonen

Die DAG SHG ist selbst Träger folgender Einrichtungen und Projekte:

Einrichtungen auf Bundesebene:

  • NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe) ist die bundesweite Aufklärungs-, Service- und Netzwerkeinrichtung im Feld der Selbsthilfe und Selbsthilfeunterstützung mit Sitz in Berlin.
  • Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen (SPiG) ist ein Netzwerk zur bundesweiten Koordination für Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen. Es fördert die Zusammenarbeit von Selbsthilfe und Gesundheitseinrichtungen.

Einrichtungen auf Länderebene:

  • KOSKON (Koordination für Selbsthilfe-Kontaktstellen in Nordrhein-Westfalen) ist die landesweite Informations-, Beratungs- und Serviceeinrichtung für die Selbsthilfe und Selbsthilfeunterstützung in Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Mönchengladbach.
  • Selbsthilfe-Büro Niedersachsen ist die landesweite Service-, Informations- und Koordinierungseinrichtung für die Selbsthilfe in Niedersachsen mit Sitz in Hannover

Einrichtung auf kommunaler Ebene:

  • Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen Gießen zur Anregung und Unterstützung von örtlichen Selbsthilfegruppen.

Projekte:

  • Selbsthilfe und Pflege
  • Initiative für Selbstmanagement und aktives Leben (INSEA) (DAG SHG 2025c)

4 Ziele und Aufgaben

Grundsätzliches Ziel der DAG SHG ist die Schaffung selbsthilfeförderlicher Rahmenbedingungen für die Arbeit von Selbsthilfegruppen und Selbsthilfekontaktstellen. Daraus ergeben sich eine Vielzahl von Aufgaben und Maßnahmen.

4.1 Fachliche Aufgaben und Maßnahmen

  • Die DAG SHG informiert die Öffentlichkeit über die Möglichkeiten der Selbsthilfegruppenarbeit im Gesundheits- und Sozialbereich.
  • Sie tritt in den Institutionen des Gesundheits- und Sozialwesens und bei den Angehörigen helfender und versorgender Berufe für die Akzeptanz von Gruppen ein, in denen gleichartig Betroffene Schwierigkeiten und Probleme ohne professionelle und formelle Leitung bearbeiten.
  • Sie erleichtert interessierten Personen den Zugang zu Selbsthilfegruppen und stellt Arbeitshilfen für die Gruppenarbeit bereit.
  • Die DAG SHG engagiert sich für die gesundheits- und sozialpolitische Unterstützung und Förderung von Selbsthilfegruppen (DAG SHG 2025a)

4.2 Politische Aufgaben und Gremien

  • Die DAG SHG nimmt Stellung in Gesetzgebungsverfahren.
  • Die DAG SHG ist eine der für die Wahrnehmung der Interessen der Selbsthilfe maßgeblichen Spitzenorganisationen im Sinne des § 20h SGB V.
  • Die DAG SHG ist eine der für die Wahrnehmung der Interessen der Patientinnen und Patienten und der Selbsthilfe chronisch kranker und behinderter Menschen auf Bundesebene maßgeblichen Organisationen/​Spitzenorganisationen im Sinne des § 140f SGB V.

Die DAG SHG ist Mitglied in folgenden Gremien:

  • Beirat Selbsthilfeförderung des GKV-Spitzenverbandes
  • Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)
  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)
  • Netzwerk Engagementförderung
  • Kuratorium des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen
  • Verschiedene medizinische Leitlinien-Kommissionen (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften)
    (DAG SGH 2025b).

5 Quellenangaben

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., 2012. 30 Jahre gemeinnütziger Verein [online]. Gießen: DAG-SHG [Zugriff am: 04.05.2025]. Verfügbar unter: https://www.dag-shg.de/data/Materialien/2012/DAGSHG-Chronologie-30-Jahre.pdf

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., 2021. Satzung [online]. Gießen: DAG SHG, 14.09.2021 [Zugriff am: 04.05.2025]. Verfügbar unter: https://www.dag-shg.de/data/Texte/2021/DAGSHG-Satzung.pdf

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., 2025a. Aufgaben [online]. Berlin: DAG-SHG, 21.03.2025 [Zugriff am: 04.05.2025]. Verfügbar unter: https://www.dag-shg.de/aufgaben/

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., 2025b. Mitarbeit in Fachgremien [online]. Berlin: DAG-SHG, 21.03.2025 [Zugriff am: 04.05.2025]. Verfügbar unter: https://www.dag-shg.de/aufgaben/​mitarbeit-in-fachgremien

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., 2025c. Mit INSEA für die Selbsthilfe – Bundeskoordination von INSEA aktiv Deutschland [online]. Berlin: DAG-SHG, 21.03.2025 [Zugriff am: 04.05.2025]. Verfügbar unter: https://www.dag-shg.de/ueber-dag-shg/​projekte/​projekt-insea

Moeller, Michael Lukas, 1978. Selbsthilfegruppen: Selbstbehandlung und Selbsterkenntnis in eigenverantwortlichen Kleingruppen. Reinbek bei Hamburg. ISBN 978-3-498-04259-2

6 Literaturhinweise

Balke, Klaus und Wolfgang Thiel, Hrsg., 1991. Jenseits des Helfens: Professionelle unterstützen Selbsthilfegruppen. Freiburg i. Br.: Lambertus-Verlag. ISBN 978-3-7841-0573-4

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., Hrsg., 1999–2023. selbsthilfegruppenjahrbuch [online]. Gießen: DAG SHG [Zugriff am: 04.05.2025]. ISSN 1616-0665. Verfügbar unter: https://www.dag-shg.de/service/​jahrbuecher/

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., Hrsg., 1987. Selbsthilfegruppen-Unterstützung: Ein Orientierungsrahmen. Gießen

Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., 2021. Leitlinien zur Wahrung von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung [online]. Berlin: SAG SHG, 14.09.2021 [Zugriff am: 04.05.2025]. Verfügbar unter: https://www.dag-shg.de/data/Online-Publikationen/2021/DAGSHG-Leitlinien.pdf

Hundertmark-Mayser, Jutta und Ursula Helms, 2019. Unterstützung von Selbsthilfegruppen – gesellschaftliche Herausforderungen für Selbsthilfekontaktstellen und aktuelle Ansätze. In: Bundesgesundheitsblatt. 62(1), S. 32–39. ISSN 1436-9990

Kofahl, Christopher, Marius Haack, Stefan Nickel und Marie-Luise Dierks, Hrsg., 2019. Wirkungen der gemeinschaftlichen Selbsthilfe. Münster: Lit Verlag. ISBN 978-3-643-14382-2

Matzat, Jürgen, 2018. Selbsthilfegruppen und Gruppenpsychotherapie. In: Bernhard Strauß und Dankwart Mattke, Hrsg. Gruppenpsychotherapie: Lehrbuch für die Praxis. 2. korr. Auflage Heidelberg: Springer Verlag, S. 477–492. ISBN 978-3-662-54643-7

Moeller, Michael Lukas, 2007. Anders helfen: Selbsthilfegruppen und Fachleute arbeiten zusammen. Gießen: Psychosozial-Verlag. ISBN 978-3-89806-579-5 [Rezension bei socialnet]

7 Informationen im Internet

Einrichtungen und Projekte der DAG SHG e.V.:

DAG SHG-Mitgliedschaft in folgenden Gremien:

Weitere Publikationen:

Verfasst von
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Michael Görtler, Stefan Schäfer (Hrsg.): Politische Bildung in der Sozialen Arbeit. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2025.
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