Deutscher Nachhaltigkeitskodex
Prof. Dr. Yvonne Franke
veröffentlicht am 23.04.2026
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex unterstützt Unternehmen und Organisationen durch die jährliche Nachhaltigkeitsberichtslegung beim Aufbau und der Umsetzung einer internen Nachhaltigkeitsstrategie.
Überblick
- 1 Zum Entstehungshintergrund des Deutschen Nachhaltigkeitskodexes
- 2 Grundanliegen des DNK
- 3 Der DNK-Leitfaden für die Freie Wohlfahrtspflege
- 4 Quellenangaben
1 Zum Entstehungshintergrund des Deutschen Nachhaltigkeitskodexes
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) wurde 2010 durch den Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) etabliert. Der Rat selbst wurde von der damaligen Bundesregierung als unabhängiges Expert*innen-Gremium initiiert. Er setzt sich aus 15 Personen des öffentlichen Lebens zusammen und berät die amtierenden Bundesregierungen fachlich und parteipolitisch unabhängig zu Nachhaltigkeitsfragen.
Der Nachhaltigkeitskodex als ein frühes Ergebnis der Arbeit des RNE wurde im Austausch mit Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft entwickelt. Er wird seit 2011 umgesetzt und weiterentwickelt. Zunächst an Unternehmen gerichtet, dient er mittlerweile einer Vielzahl an Branchen, so etwa der freien Wohlfahrtspflege, Stiftungen und Gewerkschaften, als Instrument, um die eigene Nachhaltigkeitsberichterstattung bzw. ‑strategie zu entwickeln (Rückwardt 2021, S. 119). Dabei darf der DNK und sein organisationaler Rahmen nicht als ein inhaltlich definierter und politisch abgestimmter Nachhaltigkeitsstandard missverstanden werden. Vielmehr bietet er einen strukturellen Orientierungsrahmen zur vereinfachten Umsetzung von Berichtspflichten und kann zugleich für die interne Bestandsaufnahme bzw. als Instrument zum Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie genutzt werden.
2 Grundanliegen des DNK
Grundanliegen des DNK ist es, Unternehmen und Organisationen bei der Umgestaltung hin zu mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen. Zentrales Instrument ist dabei ein jährlicher Nachhaltigkeitsbericht, der aktuell in seiner DNK-Grundversion 20 Bereiche umfasst. Unter den Rubriken „Strategie“ und „Prozessmanagement“ mit Fokus auf konzeptionelle Aspekte zur Zielerreichung sowie „Umwelt“ und „Gesellschaft“, die an inhaltlichen Nachhaltigkeitsaspekten wie Ressourcenverbrauch oder Arbeits‑ und Menschenrechten orientiert sind, bietet sich die Möglichkeit, die eigenen Anstrengungen strukturiert abzubilden (GIZ 2023).
Die Angebote des DNK sind kostenlos. Das DNK-Büro organisiert bspw. regelmäßig Veranstaltungen und bietet darüber den Stakeholder*innen die Möglichkeit, in Austausch zu treten. Die Rückmeldungen der verschiedenen Gruppen dienen dazu, den DNK praxisnah weiterzuentwickeln.
Daneben bietet das DNK-Team den Teilnehmenden durch persönliche Beratung und digitale Tools wie etwa eine nutzer*innenfreundliche Datenbank einen niedrigschwelligen Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung (Zwick 2022). Zugleich ist eine flexible Nutzung möglich, denn die Rubriken können in verschiedene gesetzliche oder freiwillige Berichtsformate – aktuell bspw. die „CSR-Berichtspflicht“ im Rahmen der Lieferkettengesetzgebung, die „EU-Taxonomie“ oder der „Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“ – überführt werden (GIZ 2026a). Neben dem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht ist die organisationsinterne Selbstverständigung wesentlicher Teil des Arbeitsprozesses.
Es handelt sich beim DNK um ein Angebot, das auf ein freiwilliges Engagement setzt und aus einer Governance-Perspektive dem Feld der Corporate Social Responsibility (CSR) zugeordnet werden kann. Darunter werden Aktivitäten gefasst, die Unternehmen und Organisationen eigeninitiativ, also ohne gesetzlichen Umsetzungsdruck, im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Verantwortung entfalten.
3 Der DNK-Leitfaden für die Freie Wohlfahrtspflege
Aus der Perspektive der Sozialen Arbeit ist der vom CSR-Kompetenzzentrum im Deutschen Caritasverband herausgegebene „DNK-Leitfaden für die freie Wohlfahrtspflege“ von 2022 Referenzwerk für die Organisationen im Feld (CSR-Kompetenzzentrum im Deutschen Caritasverband 2022). Er zielt auf Aufklärung, informiert und wirbt für die Umsetzung des DNK.
Gleichwohl darf der Leitfaden nicht allein als Hilfsinstrument für die Branche missverstanden werden. Vielmehr verdeutlicht er die Positionierung der Akteur*innen innerhalb der Debatte um Nachhaltigkeit. Der gesellschaftliche Auftrag, das Soziale gerecht und teilhabeorientiert zu gestalten, ist im Selbstverständnis der Träger der Freien Wohlfahrtspflege tief verwurzelt. Die vermehrte Hinwendung zu ökologischen Nachhaltigkeitsthemen ist sicherlich angestoßen durch die zunehmend hervortretenden sozialen Folgen der ökologischen Krisen.
Für die Träger der Freien Wohlfahrtspflege liegt im Aufgreifen nicht nur der sozialen, sondern auch der ökologischen Aspekte von Nachhaltigkeit die Chance, die eigene gesellschaftliche Bedeutung sichtbarer zu machen. Darüber hinaus könnten sich die gemeinwohlorientierten Organisationen deutlicher im Feld positionieren. Dies könnte sich als vorteilhaft erweisen, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass zunehmend auch privatwirtschaftliche und damit gewinnorientierte Akteure in genuine Felder der Freien Wohlfahrtspflege drängen. Zugleich muss die Nutzung von CSR-Instrumenten immer auch in kritischer Reflexion auf ihre systemischen Grenzen erfolgen. Hier obliegt es den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege, als gesellschaftliches Korrektiv zu wirken und systemische Widersprüche öffentlich zu benennen.
4 Quellenangaben
CSR-Kompetenzzentrum im Deutschen Caritasverband, 2022. Deutscher Nachhaltigkeitskodex: Leitfaden für die freie Wohlfahrtspflege. Osnabrück: Caritasverband für die Diözese Osnabrück e.V.
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, 2023. Checkliste für die Erklärung nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex [online]. Bonn und Eschborn: GiZ [Zugriff am: 13.04.2026]. Verfügbar unter: https://www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de/media/​0bpfewrm/​dnk_checkliste_2023.pdf
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, 2026. Deutscher Nachhaltigkeitskodex [online]. Bonn und Eschborn: GiZ [Zugriff am: 09.03.2026]. Verfügbar unter: https://www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de/de/
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, 2026a. Berichtspflichten [online]. Bonn und Eschborn: GiZ [Zugriff am: 13.04.2026]. Verfügbar unter: https://www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de/de/berichtspflichten/
Rückwardt, Sabrina, 2021. Nachhaltigkeitsberichterstattung: Bedeutung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). In: Marina Schmitz, Hrsg. CSR im Mittelstand. Berlin: Springer Berlin Heidelberg, S. 111–129. ISBN 978-3-662-61956-8
Zwick, Yvonne, 2022. DNK 2.0: Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex als Rahmen für fairen Wettbewerb. In: Bernhard Schwager, Hrsg. CSR und Nachhaltigkeitsstandards. Berlin: Springer Berlin Heidelberg, S. 133–155. ISBN 978-3-662-64912-1
Verfasst von
Prof. Dr. Yvonne Franke
Professorin für Soziale Nachhaltigkeit und Forschungsmethoden in der Sozialen Arbeit am Fachbereich Soziale Arbeit der Hochschule Darmstadt
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