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Digital Health

Prof. Dr. Felix Hoffmann

veröffentlicht am 24.02.2024

Übersicht über alle Versionen

Etymologie: engl. digital digital; engl. health Gesundheit

Fassung: Überarbeitung

Der Begriff „Digital Health“ bezeichnet den Aufbau, den Betrieb und die stetige Weiterentwicklung beziehungsweise Transformation von Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen unter Verwendung digitaler Technologien.

Überblick

  1. 1 Begriffsbestimmung der WHO
  2. 2 Handlungsfelder
    1. 2.1 Purpose
    2. 2.2 Prozessentwicklung und Prozessautomatisierung
    3. 2.3 Transformationale Kommunikation und Führung
    4. 2.4 Qualifizierung
    5. 2.5 Purpose-Economy
  3. 3 Quellenangaben

1 Begriffsbestimmung der WHO

Die World Health Organization (WHO) definiert Digital Health als einen erweiterten Begriff von eHealth: „Digital health expands the concept of eHealth to include digital consumers, with a wider range of smart and connected devices. It also encompasses other uses of digital technologies for health such as the Internet of Things, advanced computing, big data analytics, artificial intelligence including machine learning, and robotics“ (WHO 2021). Sie setzt diesen in einen Kontext mit dem Purpose („strengthen health systems“) und den Versorgungsstrukturen, in die die Technologien eingebettet sind. Somit schließt der Begriff Digital Health auch das Umfeld mit ein, in dem digitale Technologien angewendet werden und geht deutlich über eine rein technische Sichtweise hinaus, wie es beispielsweise in der Medizininformatik der Fall ist.

2 Handlungsfelder

Die (digitale) Transformation ist keine ausschließlich medizinische, technische oder logistische Herausforderung, vielmehr spielen sich die Transformation bzw. Veränderungen auf verschiedenen Handlungsfeldern ab, die das Tätigkeitsfeld „Digital Health“ umrahmen und nachfolgend herausgearbeitet werden. Das Ziel sind digital unterstützte Versorgungsstrukturen, die dem Menschen dienen (Werner 2023).

Tätigkeitsfeld „Digital Health“
Abbildung 1: Tätigkeitsfeld „Digital Health“ (eigene Darstellung)

2.1 Purpose

Der Begriff „Purpose“ bezeichnet den Sinn und Zweck der Existenz eines Unternehmens. Der Purpose wird aus den Bedürfnissen der Stakeholder abgeleitet und beschreibt im Prinzip den gesellschaftlichen Mehrwert, den ein Unternehmen schaffen möchte. So simpel es klingt, so wichtig ist der Purpose als Orientierungspunkt für alle Aktivitäten eines Unternehmens (Hoffmann, Dittmer und Löber 2023).

2.2 Prozessentwicklung und Prozessautomatisierung

Eine wichtige Voraussetzung für alle Digitalisierungsprojekte ist eine zuvor sorgfältig durchgeführte Prozessoptimierung. Es ist hinlänglich bekannt, dass die Digitalisierung schlechter Prozesse zu schlechten digitalen Prozessen führt. Bei der Prozessentwicklung hat sich die Anwendung von Methoden aus dem Lean Management-Baukasten bewährt. Insbesondere das Wertstrommanagement ist eine wertvolle Methode, um Prozesse systematisch zu optimieren (Hoffmann 2017).

Wenn von Digitalisierung gesprochen wird, ist damit meist gemeint, dass bestimmte Prozessschritte nicht mehr vom Menschen, sondern von einer Maschine durchgeführt werden. Digitalisierung sollte daher als Prozessautomatisierung verstanden werden. Als solche ist sie ein wichtiges Instrument der Prozessentwicklung. Prozessentwicklung und Digitalisierung können nicht getrennt voneinander betrachtet werden.

2.3 Transformationale Kommunikation und Führung

Da auch in digital unterstützten Versorgungsstrukturen Menschen tätig sind und sich die Kommunikation und Führung auf die Leistungsfähigkeit von Menschen und Versorgungsstrukturen auswirkt, spielt es eine wichtige Rolle, wie diese Menschen miteinander interagieren und kommunizieren.

In digital vernetzten Versorgungsstrukturen verändert sich nicht nur die eingesetzte Technik, sondern auch die Art und Weise, wie kommuniziert und geführt wird. Es gibt zwar auch heute noch sinnvolle Einsatzgebiete für klassisch hierarchische Führungsmodelle, daneben entstehen aber immer mehr partizipative Führungsmodelle bis hin zur Selbstführung, die den Handlungsspielraum für Führungskräfte und Teams sinnvoll erweitern können.

2.4 Qualifizierung

Der rasche und mitunter disruptive digitale Wandel des Gesundheitswesens führt dazu, dass Menschen neue Tätigkeiten ausüben müssen, die sie weder gelernt noch in der Vergangenheit ausgeübt haben. Dazu kommt, dass die Gesundheitsversorgung per se immer komplexer wird und ein immer größeres Wissen von den Beschäftigten im Gesundheitswesen gefordert wird.

Um die entstehenden Wissensdefizite der Beschäftigten auszugleichen, sind Qualifizierungsmaßnahmen erforderlich. Das können einerseits Qualifizierungsprogramme für neue Berufsbilder sein, andererseits müssen Beschäftigte auch während der Berufsausübung qualifiziert werden (siehe Weiterbildung). Die immer komplexer werdende Wissenslandschaft erfordert dafür neue Formate der Wissensvermittlung, was auch die Bereitstellung von Wissen direkt am Patientenbett mithilfe von Entscheidungsunterstützungssystemen umfassen kann.

2.5 Purpose-Economy

In der Regel werden Menschen, die sich mit Digital Health befassen, im beruflichen Kontext selten mit der Frage konfrontiert, wie ein Unternehmen konzipiert sein sollte. Es spielt in der Praxis aber durchaus eine wichtige Rolle, wie die Finanzierungs- und Entscheidungsstrukturen auf der Eigentümerebene funktionieren. Insbesondere bei der Neugründung eines Unternehmens sollte dieses Thema daher berücksichtigt werden, da es die Makro-Struktur des Unternehmens abbildet.

Die Purpose-Economy könnte eine interessante privatwirtschaftliche und nichtkommerzielle Alternative sowohl zur Shareholder-Value-Ökonomie als auch zu öffentlich getragenen Unternehmen sein. Purpose-Unternehmen haben die Prinzipien „Kapitalbindung“ (Eigentümer können weder Gewinne entnehmen noch ihren Geschäftsanteil spekulativ handeln) und „Selbstbestimmung“ (die Stimmrechte und damit die Kontrolle über das Unternehmen liegen bei Menschen, die mit dem Unternehmen langfristig verbunden sind) fest in ihrer Unternehmenskonstitution verankert (Hoffmann und Schumacher 2023).

3 Quellenangaben

Hoffmann Felix, 2017. Wertstrommanagement: Möglichkeiten, Grenzen und konzeptionelles Vorgehen des Lean Managements im Gesundheitswesen. In: KU Gesundheitsmanagement. 86(3), S. 61–63. ISSN 1867-9269

Hoffmann Felix und Helge Knut Schumacher, 2023. Purpose Economy im Gesundheitswesen: Begriffsdefinition und Rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten. In: Felix Hoffmann, Christine Dittmer und Nils Löber, Hrsg. Purpose!: Praxishandbuch für die werteorientierte Transformation des Gesundheitswesens. Berlin: MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, S. 3–11. ISBN 978-3-95466-822-9

Hoffmann Felix, Christine Dittmer und Nils Löber, 2023. Purpose! In: Felix Hoffmann, Christine Dittmer und Nils Löber, Hrsg. Purpose!: Praxishandbuch für die werteorientierte Transformation des Gesundheitswesens. Berlin: MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, S. V-VI. ISBN 978-3-95466-822-9

Werner Jochen A., 2023. EXKURS: Der Weg zum Smart Hospital. In: Felix Hoffmann, Christine Dittmer und Nils Löber, Hrsg. Purpose!: Praxishandbuch für die werteorientierte Transformation des Gesundheitswesens. Berlin: MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, S. 97–102. ISBN 978-3-95466-822-9

World Health Organization (WHO), 2021. Global strategy on digital health 2020–2025. Geneva: World Health Organization

Verfasst von
Prof. Dr. Felix Hoffmann
LL.M., MaHM, M.Sc. Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft Bremen
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  1. 24.02.2024 Felix Hoffmann [aktuelle Fassung]
  2. 30.01.2024 Felix Hoffmann

Zitiervorschlag
Hoffmann, Felix, 2024. Digital Health [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 24.02.2024 [Zugriff am: 19.04.2024]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/30025

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