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Early Excellence Zentrum

Etymologie: engl. Early Excellence Centre
Abkürzung: EEC
Weitere Schreibweise: Early Excellence Center
Interessenlage: Die Autorin war als Direktorin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses in Berlin (1999 –2017) federführend an Aufbau und Entwicklung von Early Excellence in Deutschland beteiligt.

Early Excellence Zentren entstanden seit 1997 zunächst in Großbritannien im Rahmen eines Regierungsprogramms zum Aufbau integrierter Zentren, die eine gezielte Förderung von Kindern verknüpfen mit Angeboten zur Unterstützung und Stärkung von Familien. Early Excellence Zentren waren eingebettet in die Aktionsprogramme der englischen Regierung zum Ausbau des Systems frühkindlicher Bildung, u.a. das Sure Start Programm. In Deutschland wurde der umgekehrte Weg gegangen. Early Excellence wurde hier aus der Praxis heraus als ein pädagogischer Ansatz entwickelt.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Leitgedanken
  3. 3 Wirkungen und empirische Nachweise
  4. 4 Typen integrativer Einrichtungen
  5. 5 Weltweite Entwicklungen in Richtung integrativer Einrichtungen
  6. 6 Quellenangaben
  7. 7 Informationen im Internet

1 Zusammenfassung

Anders als der Name Early Excellence suggerieren könnte, handelt es sich bei Early Excellence Zentren nicht um elitäre Leistungszentren für hoch begabte Kinder mit privilegierten Lebensumständen. Im Gegenteil: gefördert werden sollten vor allem Zentren in sozial benachteiligten Stadtteilen. Beispielsweise entstand das Zentrum im britischen Corby, mit dem das Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus beim Aufbau von Early Excellence in Deutschland kooperierte, in einem Umfeld mit zusammenbrechender Industrie und extrem hoher Arbeitslosigkeit. Die Erwartung, exzellent zu sein, richtet sich nicht an die Kinder, sondern formuliert einen Anspruch an die Qualität ihrer Förderung.

Der Erkenntnis folgend, dass kleine Kinder in ihrer Entwicklung die Zusammenarbeit beider Seiten brauchen, nämlich die der Eltern und der ErzieherInnen, zielen Early Excellence Zentren neben der Förderung der Kinder zugleich auch auf eine Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern. Starke Kinder brauchen starke Eltern. Eltern jedoch, die sozial isoliert sind, die keine Arbeit haben, die in einer Familie mit vielen Kindern besonders belastet sind, brauchen mehr als Erziehungsratgeber. Sie brauchen Entlastung, Unterstützung im Alltag, Angebote zur Fort- und Weiterbildung.

2 Leitgedanken

Leitgedanke des britischen Early Excellence Programms war die Integration ganz unterschiedlicher Angebote für Kinder und ihre Familien:

  • Angebote frühkindlicher Bildung und Betreuung mit hohem Qualitätsstandard
  • Einbeziehung der Eltern in die Bildungsprozesse ihrer Kinder
  • familienunterstützende Angebote
  • erwachsenenbildungs- und arbeitsmarkbezogene Angebote
  • Fort- und Weiterbildung sowie Forschung
  • lokale Gesundheitsdienste

In Deutschland gab es kein vergleichbares bundesweites Regierungsprogramm zum Aufbau von Early Excellence Zentren. Stattdessen erfolgte die Entwicklung „von unten“ aus der Praxis selbst. Die Konzentration lag hier auf der Auseinandersetzung mit neuen Impulsen für die pädagogische Arbeit. In Kooperation mit einem englischen Early Excellence Centre, dem Pen Green Centre in Corby, entwickelte das Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin Early Excellence als einen pädagogischen Ansatz, der ein hohes Niveau der individuellen Förderung und Unterstützung von Kindern verbindet mit einer engen Kooperation mit den Eltern.

3 Wirkungen und empirische Nachweise

Early Excellence Zentren können ihre Wirkung auch empirisch unter Beweis stellen. Den Nachweis dafür liefern nicht nur die Evaluationsberichte zum EEC-Programm (Bertram u.a. 2011, Bertram u.a. 2002, Pascal et al. 1999), sondern auch die Ergebnisse des EPPE-Projekts (EPPE = Effective Provision of Pre-School Education) an den Universitäten London und Oxford (Sylva et al. 2010a und 2010b).

EPPE ist europaweit die erste Longitudinalstudie zur intellektuellen und sozialen Entwicklung mit einem Sample von 3.000 Kindern ab dem Alter von 3 bis 4 Jahren. Untersucht wurde der Einfluss unterschiedlicher Betreuungssettings auf die Entwicklung der Kinder im Unterschied zu Kindern ohne außerhäusliche Betreuung. Die insgesamt 142 untersuchten Einrichtungen gehörten unterschiedlichen Trägern an: staatliche Einrichtungen, integrierte Zentren wie die Early Excellence Zentren, Spielgruppen, private Tageseinrichtungen oder Vorschulen.

Der empirische Nachweis der besseren Erfolge integrierter Einrichtungen wie der Early Excellence Zentren war ein wesentlicher Grund für die englische Regierung, das Early Excellence-Programm unter anderen Bezeichnungen wie „Sure Start Children’s Centres“ weiter zu führen mit dem Ziel eines flächendeckenden Ausbaus.

4 Typen integrativer Einrichtungen

Bertram und Pascal unterscheiden vier Typen integrativer Einrichtungen wie den Early Excellence Zentren:

  • Integriertes Modell: Das Zentrum arbeitet an einem Standort und bietet Kinderbetreuung, familiäre Unterstützung, Erwachsenenbildung und Gesundheitsfürsorge unter einer gemeinsamen Managementstruktur an
  • Koordiniertes Modell: Unterschiedliche Einrichtungen arbeiten in enger Abstimmung unter einem Dach. Das Management-Team setzt sich aus den Leitungen der einzelnen Einrichtungen zusammen.
  • Koalitionsmodell: Es gibt ein Bündnis verschiedener Einrichtungen, die zwar unabhängig voneinander arbeiten, sich aber in wesentlichen Fragen abstimmen.
  • Misch-Modell: Das Modell ist eine Mischung der vorherigen Modelle (Bertram et al. 2002; Hebenstreit-Müller 2007).

Es hängt von den jeweiligen Bedingungen und Möglichkeiten vor Ort ab, welches Modell sich als realisierbar und sinnvoll erweist. Von zentraler Bedeutung ist in allen Fällen die Entwicklung einer gemeinsamen Philosophie der Arbeit mit den Kindern und ihren Familien wie auch der Fachkräfte miteinander.

5 Weltweite Entwicklungen in Richtung integrativer Einrichtungen

Die von der englischen Regierung eingesetzte Projektgruppe INT2 (Bertram et al. 2004) stellt auf internationaler Ebene eine Entwicklung in Richtung integrierter Zentren zur frühkindlichen Bildung und Erziehung fest. Die international zusammengesetzte Projektgruppe konnte in ihrer Studie länderübergreifend fördernde und hindernde Faktoren ausmachen, die PolitikerInnen wie PraktikerInnen Anhaltspunkte für einen erfolgreichen Auf- und Ausbau von Early Excellence Zentren und integrativen Einrichtungen insgesamt geben können.

Welche Entwicklung die Children’s Centres in Großbritannien in Zukunft nehmen werden ist derzeit nicht absehbar (Bate und Foster 2017). Deutlich erkennbar ist allerdings, dass fiskalische Gesichtspunkte dabei ein wachsendes Gewicht erhalten. Dies zeigt sich auch an dem Tatbestand, dass lt. Bericht der Guardian vom 20. Februar 2018 seit 2010 mehr als 500 Zentren geschlossen wurden (Gayle 2018).

In Deutschland lässt sich eine wachsende Verbreitung von Early Excellence Zentren feststellen. Wesentlichen Anteil daran haben die zahlreichen Weiterbildungsveranstaltungen, über die ein breites Netzwerk von MultiplikatorInnen entstanden ist. Die TeilnehmerInnen kommen aus allen Bundesländern und tragen die Idee von Early Excellence wiederum in ihre jeweiligen Wirkungskreise. Eine genaue Zahl lässt sich jedoch nicht bestimmen. Dazu wäre eine umfangreiche Recherche auf Bundesebene notwendig.

6 Quellenangaben

Bate, Alex und David Foster, 2017. Sure Start (England) [online]. House of Commons Library. Briefing Paper, Number 7257, 9 June 2017. [Zugriff am: 14.0.2018]. PDF e-Book. Verfügbar unter: http://researchbriefings.files.parliament.uk/documents/CBP-7257/CBP-7257.pdf

Bertram, Tony und Christine Pascal, 2001. Early Excellence Centre Pilot Programme: Annual Evaluation Report 2000. Sudbury, Suffolk: DfEE, Publ. Centre. ISBN 1-84185-454-9

Bertram, Tony, Christine Pascal, Sophia Bokhari, Mike Gasper und Sally Holtermann, 2002. Early Excellence Centre Pilot Programme Second Evaluation Report 2000-2001. London: DfES. ISBN 1-84185-7637. Verfügbar unter: http://dera.ioe.ac.uk/4667/1/RR361.pdf

Bertram, Tony und andere (Projektgruppe INT 2), 2004. Early Excellence. Eine internationale Studie zur Integration frühkindlicher Bildung, Erziehung und Elternarbeit mit Vorschlägen für internationale Standards. Berlin: British Council. ISBN 978-3-9809532-0-7

Gayle, Damian, 2018. More than 500 children's centres have closed in England since 2010. In: The Guardian [online]. 20.02.2018 [Zugriff am: 14.0.2018]. Verfügbar unter: https://www.theguardian.com/society/2018/feb/20/childrens-centres-closed-austerity-council-cuts-tracy-brabin

Hebenstreit-Müller, Sabine, 2007. Early Excellence: eine Strategie zur Verknüpfung von Praxis, Forschung und Ausbildung. In: Sabine Hebenstreit-Müller und Annette Lepenies, Hrsg. Early Excellence: Der positive Blick auf Kinder, Eltern und Erzieherinnen. Internationale Studien zu einem Erfolgsmodell. Berlin: dohrmannVerlag. ISBN 978-3-938620-06-9 [Rezension bei socialnet]

Pascal, Christine, Tony Bertram, Michael Gasper, Claire Mould, Fiona Ramsden und Maureen Saunders, 1999. Research to inform the Evaluation of Early Excellence Centres Pilot Programme. University of Worcester: Centre for Research in Early Childhood.

Sylva, Kathy und andere, Hrsg., 2010a. Early Childhood matters. Evidence from the Effective Pre-School and Primary Education project. London: Routledge. ISBN 978-0-415-48242-4

Sylva, Kathy und andere, 2010b. Frühe Bildung zählt. Das Effective Pre-School and Primary Education Project (EPPE) und das Sure Start Programm. Berlin: dohrmannVerlag. ISBN 978-3-938620-18-2 [Rezension bei socialnet]

7 Informationen im Internet

Autorin
Prof. Dr. Sabine Hebenstreit-Müller
Honorarprofessorin an der Universität Halle-Wittenberg, Diplompädagogin, derzeit tätig als Organisationsberaterin, Evaluatorin, Weiterbildnerin;
bis Juli 2017 Direktorin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses in Berlin;
davor tätig als Leiterin des Amtes für Soziale Dienste Ost und Jugendamtsleiterin in Bremen; Leiterin des Bereichs Familie im Forschungsinstitut Frau und Gesellschaft in Hannover; Lehrerin an Grund- und Hauptschulen mit dem Schwerpunkt Kunsterziehung
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Es gibt 3 Lexikonartikel von Sabine Hebenstreit-Müller.


Zitiervorschlag
Hebenstreit-Müller, Sabine, 2018. Early Excellence Zentrum [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 14.03.2018 [Zugriff am: 19.10.2018]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Early-Excellence-Zentrum

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Autorin

Prof. Dr. Sabine Hebenstreit-Müller
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veröffentlicht am 14.03.2018

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