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Entwicklungsgefährdung

Prof. Dr. Ariane Schorn

veröffentlicht am 27.05.2026

Englisch: risk of developmental delay

Eine Entwicklungsgefährdung bezeichnet eine Risikokonstellation, bei der ein erhöhtes Risiko für künftige Beeinträchtigungen im Entwicklungsverlauf vorliegt. Es manifestiert sich, wenn sich Risikofaktoren häufen und gleichzeitig mögliche kompensatorische Schutzfaktoren fehlen.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Begriffsbestimmung
  3. 3 Entwicklungsgefährdende Bedingungen und Faktoren
  4. 4 Faktoren, die den Einfluss vorhandener Risikofaktoren abschwächen
  5. 5 Quellenangaben

1 Zusammenfassung

Entwicklungsgefährdete Kinder weisen aufgrund ungünstiger Lebens‑ und Entwicklungsbedingungen ein erhöhtes Risiko für Entwicklungsbeeinträchtigungen auf. Die Gefährdung der Kinder resultiert aus einem Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren, die ihre physische und psychische Entwicklung negativ beeinflussen, sofern sie nicht durch Schutzfaktoren kompensiert werden können. Risikofaktoren wie Schutzfaktoren der kindlichen Entwicklung werden differenziert in Kind‑ und umgebungsbezogene Faktoren. Das frühzeitige Erkennen von Entwicklungsgefährdungen ist entscheidend, um rechtzeitig intervenieren und negativen Entwicklungsfolgen vorzubeugen bzw. diesen wirksam entgegenzuwirken.

2 Begriffsbestimmung

Der Begriff „Entwicklungsgefährdung“ wird vor allem in der Pädagogik, Psychologie und in der Sozialen Arbeit verwendet. Er bezieht sich auf Bedingungen oder Umstände, die die physische, psychische, kognitive, emotionale oder soziale Entwicklung eines Kindes potenziell behindern oder negativ beeinflussen und somit gefährden können. Die entwicklungspsychologische Risikoforschung befasst sich mit der Frage, welche Bedingungen oder Umstände die kindliche Entwicklung gefährden. Ziel ist, Gruppen von Kindern zu identifizieren, deren Entwicklung gefährdet ist (sogenannte Risikokinder), sowie Lebensbedingungen, die die kindliche Entwicklung gefährden (sogenannte Risikofaktoren), und somit das Auftreten von Entwicklungsstörungen bzw. ‑beeinträchtigungen wahrscheinlicher machen (Laucht et al. 2000, S. 98).

Untersuchungen wie die Mannheimer Risikokinderstudie zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen entwicklungsgefährdenden Lebensbedingungen einerseits und Entwicklungsbeeinträchtigungen im Kindes‑ und Jugendalter andererseits. Kinder, die einer besonderen Risikobelastung ausgesetzt sind, zeigen oft grenzwertige entwicklungsdiagnostische Resultate (Laucht et al. 1999, S. 82). Vor diesem Hintergrund definieren Burgener Woeffray und Meier Entwicklungsgefährdung als Risikobelastung kombiniert mit grenzwertiger Entwicklung (2012, S. 9; auch Burgener Woeffray und Eisner-Binkert 2014). Barth (2022, S. 7, i.A. an Petermann et al. 2004) sieht eine Entwicklungsgefährdung als dann gegeben an, wenn ein Kind durch mehrere Risikofaktoren sowie durch fehlende Schutzfaktoren erheblich belastet und im Vergleich zur Altersgruppe in seiner Entwicklung mindestens grenzwertig beeinträchtigt ist oder dies in absehbarer Zukunft sein wird.

Auch bei Barth gelten Kinder als entwicklungsgefährdet, wenn sie belastenden Lebens‑ und Entwicklungsbedingungen ausgesetzt sind und zudem entwicklungsdiagnostische Grenzwerte aufweisen. Das Vorliegen grenzwertiger Entwicklungsbefunde ist nach Barth jedoch keine zwingende Voraussetzung.

Von einer Entwicklungsgefährdung kann demzufolge auch gesprochen werden, wenn die entwicklungsdiagnostischen Befunde im Normbereich liegen, das Lebensumfeld eines Kindes aber derart von Risikofaktoren und fehlenden Schutzfaktoren belastet ist, dass es nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis Entwicklungsauffälligkeiten als wahrscheinliche Folge zu erwarten sind.

3 Entwicklungsgefährdende Bedingungen und Faktoren

Mit Scheithauer et al. (2000, 2022) lassen sich kindbezogene Risikofaktoren, differenziert in primäre und sekundäre Vulnerabilitätsfaktoren, von psychosozialen Merkmalen der kindlichen Lebenswelt (umgebungsbezogene Risikofaktoren) unterscheiden. Risikofaktoren der kindlichen Entwicklung sind Faktoren oder Bedingungen, die die Wahrscheinlichkeit einer ungünstigen Entwicklung erhöhen und somit einer Entwicklungsgefährdung zeitlich vorausgehen. Beeinträchtigungen im Entwicklungsverlauf korrespondieren mit Verhaltensauffälligkeiten und sind ein signifikanter Prädikator für die Entwicklung psychischer Störungen bzw. auch Basis der Entstehung psychischer Störungen (Kaskadeneffekt, s. Petermann und Resch 2013).

Als primäre Vulnerabilitätsfaktoren werden risikoerhöhende Gegebenheiten bezeichnet, die das Kind von Geburt an aufweist (z.B. Frühgeburt, Geburtskomplikationen, bestimmte genetische Dispositionen, chronische Erkrankungen, ein „schwieriges“ Temperament).

Sekundäre Vulnerabilitätsfaktoren sind Merkmale, die das Kind im Austausch mit seiner Umwelt – insbesondere im Kontext der Bezugsperson-Kind-Interaktion – „erwirbt“ (z.B. unsichere bzw. desorganisierte Bindungsrepräsentanzen). Es handelt sich also um Persönlichkeitsanteile eines Kindes, die sich im Lauf der Sozialisation unter dem Einfluss chronischer Belastung entwickeln (Fingerle 2000, S. 289) und die Anfälligkeit gegenüber Umweltstressoren erhöhen (Scheithauer et al. 2022, S. 496). Diese Verletzbarkeit (Vulnerabilität) wiederum führt zu einer Senkung der Auslöseschwelle für mögliche Störungen im Entwicklungsverlauf (Burghardt et al. 2017, S. 99).

Die psychosozialen bzw. umgebungsbezogenen Risikofaktoren stellen die Risikofaktoren im engeren Sinne dar (Sturzbecher und Dietrich 2012) und lassen sich wiederum in familiale und soziale Risikofaktoren differenzieren (Wustmann Seiler 2015; Scheithauer et al. 2000, 2022). Zu den bedeutsamen familialen Risikofaktoren zählen:

  • Psychische Erkrankung eines oder beider Elternteile
  • Alkohol-/​Drogenmissbrauch der Bezugspersonen
  • Elterliche Trennung
  • Misshandlung, Vernachlässigung, Missbrauch
  • Häusliche Gewalt, chronische familiäre Konflikte
  • Sehr junge und/oder unerwünschte Schwangerschaft
  • Ungünstige Erziehungspraktiken der Eltern
  • Prekärer sozioökonomischer Status (relative Armut)
  • Niedriges Bildungsniveau der Eltern
  • Verlust der Bezugsperson, außerfamiliale Unterbringung u.a.

Soziale Risikofaktoren sind beispielsweise die soziale Isolation einer Familie (mangelnde Unterstützung) oder auch ein belastetes Wohnumfeld. Hinzu kommen Mobbing, Diskriminierung und Ausgrenzung. Faktoren, die sich auf die Lebenswelt Schule oder auch Freundschaften/​Peers beziehen, gewinnen als mögliche Risikofaktoren mit zunehmendem Alter des Kindes an Bedeutung.

Neben kindbezogenen, familiären und lebensweltlichen Risikofaktoren, sind jedoch auch soziokulturelle und ‑strukturelle Gegebenheiten zu berücksichtigen, denen ein entwicklungsgefährdendes Potenzial zukommt. Die Bedingungen, unter denen Kinder heute aufwachsen, sind einem tiefgreifenden Wandlungsprozess unterworfen, mit dem Chancen und Risiken einhergehen. So kann von einer Fragmentierung der Lebenszusammenhänge oder Verinselung der Kindheit (Leyendecker 2010, S. 18) gesprochen werden – Aktivitäten von Kindern finden zunehmend an unzusammenhängenden Orten statt –, die verschiedene Implikationen hat. Kinder beginnen zunehmend früh, mehr Zeit in außerfamilialen Kontexten zu verbringen (Krippe, Kita). Abhängig von der Qualität der jeweiligen Einrichtung sind damit Chancen, aber eben auch Risiken für die kindliche Entwicklung verbunden. So ist eine Krippe bzw. Kita mit einer schlechten Struktur-, Orientierungs‑ und Prozessqualität insbesondere für belastete Kinder ein Risikofaktor. Mit der Enttraditionalisierung und Pluralisierung familialer Lebensformen sowie der Dekonstruktion traditioneller Werte und Normen eröffnen sich Freiheiten, zugleich gehen aber auch Sicherheiten verloren. Zu beobachten ist weiterhin eine zunehmende Durchdringung des Alltags mit digitalen Medien, mit der vielfache Gefährdungen einhergehen („Digitale Kindeswohlgefährdung“; Biesel et al. 2023). „Sozialen“ Medien kann beispielsweise die Rolle einer digitalen Nanny zukommen, die als dysfunktionale Sozialisationsinstanz wirkt.

Auch gesellschaftliche Krisen haben ein entwicklungsgefährdendes Potenzial. So hatte die Corona-Pandemie bzw. die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie weitreichende negative Folgen für die Entwicklung vieler Kinder und Heranwachsender (soziale Isolation, geschlossene Schulen, fehlende Freizeitangebote usw.).

Da Familien in gesellschaftlichen Rahmenbedingungen leben und handeln, sind auch diese bei der Identifikation möglicher entwicklungsgefährdender Faktoren mitzudenken.

Unterschieden wird zwischen proximalen und distalen Risikofaktoren für die kindliche Entwicklung. Proximale Faktoren, wie die Vernachlässigung des Kindes, wirken sich direkt auf das Kind und seine Entwicklung aus. Distale Faktoren, wie eine sozioökonomisch prekäre Situation, wirken sich indirekt bzw. vermittelt über das Verhalten der Bezugsperson auf das Kind aus. Geldsorgen wären hier z.B. ein Stressor, der es u.U. einer Bezugsperson erschwert, sich angemessen dem Kind zuzuwenden (Wustmann Seiler 2015, Scheithauer et al. 2000).

Um die Entwicklungsgefährdung eines Kindes einschätzen zu können oder Gruppen von Kindern zu identifizieren, deren Entwicklung gefährdet ist, reicht die isolierte Betrachtung einzelner Risikofaktoren nicht aus. Risikofaktoren können die altersgemäße, gesunde Entwicklung eines Kindes gefährden, müssen es aber nicht. Risikofaktoren erhöhen nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit die Möglichkeit des Eintretens einer Beeinträchtigung. Das Risikofaktorenkonzept ist somit kein Kausalitätsprinzip, sondern ein Wahrscheinlichkeitskonzept (Wustmann Seiler 2015, S. 36; Scheithauer et al. 2000, S. 88).

Weiterhin treten einzelne Risikofaktoren selten isoliert auf. Vielmehr zeigen sich häufig Risikokonstellationen, bei denen sich Risikofaktoren häufen und wechselseitig verstärken. So sind Kinder, die mit einem psychisch erkrankten Elternteil leben, mit höherer Wahrscheinlichkeit von relativer Armut, der Instabilität oder Konflikthaftigkeit der elterlichen Paarbeziehung bzw. Trennung der Eltern oder auch von sozialer Isolation betroffen.

Mit der Kumulation von Risikofaktoren steigt die Wahrscheinlichkeit einer Entwicklungsgefährdung und damit verbunden die Wahrscheinlichkeit künftiger Entwicklungsbeeinträchtigungen oder auch ‑abweichungen. Die kritische Schwelle hierfür scheint bei drei bis vier gleichzeitig auftretenden Risikofaktoren zu liegen (Laucht et al. 1998, 2000; Werner 2007).

Von Bedeutung sind weiterhin Intensität sowie Dauer des Einwirkens eines Risikofaktors. Relevant ist ferner die Frage, in welchem Alter bzw. auf welchem Entwicklungsstand ein Kind mit entwicklungsgefährdenden Bedingungen konfrontiert wird. Problematisch sind hier insbesondere Phasen erhöhter Vulnerabilität im Entwicklungsverlauf.

Im Hinblick auf die Frage, ob eine Risikobelastung zu einer Entwicklungsgefährdung führt, ist nicht zuletzt auch die subjektive Bewertung der Risikobelastung durch das Kind selbst bedeutsam.

Biologische Risiken scheinen mit zunehmendem Alter eines Kindes an Bedeutung zu verlieren, während der Einfluss psychosozialer Risiken zunimmt (Laucht et al. 2000, S. 101).

4 Faktoren, die den Einfluss vorhandener Risikofaktoren abschwächen

Die Beobachtung, dass nicht alle Kinder, die entwicklungsgefährdenden Bedingungen ausgesetzt sind, auch Entwicklungsbeeinträchtigungen aufweisen, lenkt den Blick auf Faktoren, die Belastungen abzupuffern oder sogar auszugleichen vermögen. Diese risikomildernden Faktoren werden auch Schutzfaktoren genannt und sind gewissermaßen die Gegenspieler vorhandener Entwicklungsrisiken.

Auch hier lassen sich personale Ressourcen des Kindes, mitgebrachte wie erworbene, von umgebungsbezogenen Faktoren unterscheiden, die sich auf die Familie oder das soziale Umfeld eines Kindes beziehen. Die Merkmale bzw. Ressourcen eines Kindes, die es in der Interaktion mit der Umwelt erwirbt, werden auch Resilienzfaktoren genannt.

Als relevante Schutzfaktoren konnten identifiziert werden (Wustmann Seiler 2015; Scheithauer et al. 2022; Rönnau-Böse und Fröhlich-Gildhoff 2023; Kaiser und Fröhlich-Gildhoff 2022; Laucht et al. 2000; Sturzbecher und Dietrich 2012; Bengel et al. 2009):

Kindbezogene Schutzfaktoren, die qua Geburt mitgebracht werden, sind z.B.

  • weibliches Geschlecht
  • erstgeborenes Kind oder auch
  • ein positives Temperament (flexibel, aktiv, offen).

Kindbezogene Merkmale, die erworben wurden (Resilienzfaktoren), sind u.a.:

  • Ein positives Selbstkonzept, Selbstvertrauen, ein hohes Selbstwertgefühl
  • Selbstwirksamkeitsüberzeugungen
  • Die Fähigkeit zur Selbstregulation
  • Ein aktives Bewältigungsverhalten
  • Soziale Kompetenz
  • Hohe Sprachfertigkeiten
  • Eine sichere Bindungsorganisation

Zentrale Schutzfaktoren innerhalb der Familie sind:

  • Stabile emotionale Beziehung zu einer Bezugsperson
  • Offenes, unterstützendes Erziehungsklima, autoritativer Erziehungsstil
  • Familiärer Zusammenhalt
  • Modelle positiven Bewältigungsverhaltens
  • Stabilität und adäquate Kommunikation in der Familie
  • Unterstützende Geschwisterbeziehungen

Schutzfaktoren, die sich auf das soziale Umfeld eines Kindes beziehen, sind:

  • Soziale Unterstützung
  • Positive Freundschaftsbeziehungen
  • Positive Erfahrungen in Bildungseinrichtungen
  • kompetente und fürsorgliche Erwachsene außerhalb der Familie
  • Zugang zu professionellen Hilfsangeboten

Vergleichbar den Risikofaktoren können auch Schutzfaktoren nicht isoliert voneinander betrachtet werden; relevant ist u.a. ihre kumulative Wirkweise. Einzelnen Schutzfaktoren kommt dabei eine besondere bzw. herausragende Bedeutung zu. Als besonders bedeutsam gelten stabile, verlässliche, wertschätzende und emotional warme Beziehungserfahrungen mit mindestens einer erwachsenen Bezugsperson (Werner 2007; 2024; Rönnau-Böse und Fröhlich-Gildhoff 2023; Laucht et al. 2000)

Diese frühen Beziehungserfahrungen begünstigen die Herausbildung einer sicheren Bindungsstruktur und damit verbunden die psychischen Voraussetzungen für die Entwicklung personaler Kompetenzen und Ressourcen, die dann als Resilienz in Erscheinung treten (Laucht et al. 1998; Bengel et al. 2009). Luthar kommt in der Zusammenschau der Ergebnisse von fünf Jahrzehnten Resilienzforschung zu dem Schluss, dass die Fähigkeit, sich trotz widriger Umstände vergleichsweise gesund zu entwickeln, grundlegend auf Beziehungen beruht: „The first major take-home message is this: Resilience rests, fundamentally, on relationships“ (2006, S. 83).

Bei der Einschätzung der möglichen Wirksamkeit von scheinbar eindeutigen Schutzfaktoren ist auch zu berücksichtigen, dass diese in bestimmten Kontexten und zu bestimmten Zeitpunkten der Entwicklung als Schutzfaktor und in anderen als Risikofaktor wirksam werden (Fingerle 2010) bzw. sich je nach konkreter Ausgestaltung als Schutz‑ bzw. Risikofaktor erweisen können. So können enge Freundschaften mit Peers ein Schutzfaktor sein; handelt es sich allerdings um delinquente Freundesgruppen, wäre von einem Risikofaktor auszugehen.

Das Risiko-Schutzfaktorenkonzept ist ein zentrales Modell der Entwicklungspsychologie und Resilienzforschung. Es benennt Risikofaktoren (Belastungen, die eine Entwicklungsgefährdung begünstigen) und Schutzfaktoren (Ressourcen, die diese mildern). Die Entwicklung eines noch genaueren Verständnisses des komplexen Zusammenspiels dieser Faktoren, ihrer Wechselwirkungen und Wirkmechanismen ist weiterhin Gegenstand von Forschung.

Eine Entwicklungsgefährdung frühzeitig erkennen zu können, ist notwendig, um frühzeitig intervenieren und negativen Entwicklungsfolgen vorzubeugen bzw. diese abwenden zu können. Für eine belastbare Einschätzung der Entwicklungsgefährdung eines Kindes können Schutz‑ und Risikofaktoren jedoch weder einfach gegeneinander aufgerechnet noch als einfache statistische Merkmale erfasst werden. Vielmehr ist der konkrete Einzelfall sorgsam zu betrachten. Eine eingehende Analyse der vorliegenden Risiko‑ und möglichen Schutzfaktoren ist ferner essenziell, um angemessene präventive und interventive Maßnahmen ableiten und initiieren zu können.

Bemerkt sei abschließend: Bleiben entwicklungsgefährdende Lebensumstände unerkannt und wird ihnen nicht entgegengewirkt, so können sich diese zu einer Kindeswohlgefährdung zuspitzen. Eine Kindeswohlgefährdung stellt eine akute und ernsthafte Bedrohung für das Wohl und die Gesundheit eines Kindes dar, die abgewendet werden muss und auch rechtlich eine Handlungspflicht auslöst.

5 Quellenangaben

Barth, Michael, 2022. Gewichtige Anhaltspunkte für Kindeswohlgefährdung in der frühen Kindheit aus medizinischer und psychosozialer Perspektive [online]. Expertise. Beiträge zur Qualitätsentwicklung im Kinderschutz 10. Hrsg. vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH). Köln: Nationales Zentrum Frühe Hilfen [Zugriff am: 11.05.2026]. PDF e-Book. ISBN 978-3-96896-029-6. doi:10.17623/NZFH:QE-GAfK-E

Bengel, Jürgen, Frauke Meinders-Lücking und Nina Rottermann, 2009. Schutzfaktoren bei Kindern und Jugendlichen. Stand der Forschung zu psychosozialen Schutzfaktoren für Gesundheit [online]. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Bd. 35. Köln: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit [Zugriff am: 11.05.2026]. PDF e-Book. ISBN 978-3-937707-57-0. Verfügbar unter: https://shop.bioeg.de/pdf/60635000.pdf

Biesel, Kay, Paul Burkhard, Rahel Heeg und Olivier Steiner, Hrsg., 2023. Digitale Kindeswohlgefährdung: Herausforderungen und Antworten für die Soziale Arbeit. Opladen: Barbara Budrich. ISBN 978-3-8474-2648-6 [Rezension bei socialnet]

Burgener Woeffray, Andrea und Brigitte Eisner-Binkert, 2014. Entwicklungsgefährdung früh erkennen: FegK 0–6: Ein Verfahren zur Früherkennung entwicklungsgefährdeter Kinder bis 6 Jahre und zur Ermittlung ihres Unterstützungsbedarfs. In: Frühförderung interdisziplinär. 33(4), S. 233–239. ISSN 0721-9121

Burgener Woeffray, Andrea und Simon Meier, 2012. Entwicklungsgefährdete Kinder. Verfahren zur Früherfassung entwicklungsgefährdeter Kinder von 3–6 Jahren und Ermittlung ihres Förderbedarfs. Arbeitsbericht zur Phase 2 (Sept. 2010-Nov. 2011) [online]. Zürich: Hochschule für Heilpädagogik [Zugriff am: 11.05.2026]. Verfügbar unter: https://edudoc.ch/record/​112270

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Fingerle, Michael, 2000. Vulnerabilität. In: Johann Borchert, Hrsg. Handbuch der sonderpädagogischen Psychologie. Göttingen: Hogrefe, S. 287–293. ISBN 978-3-8017-1227-3

Fingerle, Michael, 2010. Risiko und Resilienz. In: Astrid Kaiser, Ditmar Schmetz, Peter Wachtel, Birgit Werner und Wolfgang Jantzen, Hrsg. Behinderung, Bildung, Partizipation: Enzyklopädisches Handbuch der Behindertenpädagogik. Bd. 3. Bildung und Erziehung. Stuttgart: Kohlhammer, S. 135–142. ISBN 978-3-17-019632-2

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Luthar, Suniya S., 2006. Resilience in development: A synthesis of research across five decades. In: Dante Cicchett und Donald J. Cohen, Hrsg. Developmental psychopathology: Risk, disorder, and adaptation [online]. Volume 3. New York: Wiley, S. 739−795 [Zugriff am: 11.05.2026]. PDF e-Book. ISBN 978-0-470-93940-6. doi:10.1002/9780470939406.ch20

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Sturzbecher, Dietrich und Peter S. Dietrich, 2012. Risiko‑ und Schutzfaktoren in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. In: Jugendhilfe. 50(6), S. 317–323. ISSN 0022-5940

Werner, Emmy E., 2007. Entwicklung zwischen Risiko und Resilienz. In: Günther Opp und Michael Fingerle, Hrsg. Was Kinder stärkt: Erziehung zwischen Risiko und Resilienz. München: Ernst Reinhardt, S. 20–31. ISBN 978-3-497-01908-3 [Rezension bei socialnet]

Werner, Emmy E., 2024. Resilienz: ein Überblick über internationale Längsschnittstudien. In: Günther Opp, Michael Fingerle und Gerhard Suess, Hrsg. Was Kinder stärkt: Erziehung zwischen Risiko und Resilienz. München: Ernst Reinhardt, S. 82–96. ISBN 978-3-497-03262-4

Wustmann Seiler, Corina, 2015. Resilienz: Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Berlin: Cornelsen. ISBN 978-3-589-25404-0

Verfasst von
Prof. Dr. Ariane Schorn
Fachhochschule Kiel, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
Entwicklungspsychologie, Qualitative Sozialforschung, Psychosoziale Beratung, Supervision
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