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Fachberatung für Kindertagesbetreuung

Lisa Jares

veröffentlicht am 06.05.2021

Synonyme: Fachberatung für Kindertageseinrichtungen, Kita-Fachberatung

Pädagogische Fachberater*innen bieten, unter Berücksichtigung der Bildungsvorhaben der jeweiligen Bundesländer, fachliche Unterstützung für Leiter*innen von Kindertageseinrichtungen und Träger. Die pädagogische Fachberatung ist ein bedeutsamer Baustein zur Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung in Kitas.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Ursprung
  3. 3 Aufgaben von Fachberatung
  4. 4 Anforderungen und Kompetenzen
  5. 5 Aus-, Fort- und Weiterbildung
  6. 6 Fazit
  7. 7 Quellenangaben

1 Zusammenfassung

Fachberatung für Kindertagesbetreuung ist ein wesentlicher Baustein zur Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung in der Arbeit von Kindertageseinrichtungen. Sie ist unerlässlich, um eine hochwertige Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsarbeit in Kindertageseinrichtungen sicherzustellen. Fachberater*innen nehmen durch ihre fachliche Unterstützung der pädagogischen Leitungskräfte von Kindertageseinrichtungen und Trägern unter Berücksichtigung der Bildungsvorhaben der jeweiligen Bundesländer eine Schlüsselfunktion ein.

2 Ursprung

Der Ursprung der Fachberatung kann zurückgeführt werden auf die Anfänge der Ausbildung von in der Regel jungen Frauen für die Arbeit mit Kleinkindern. Sogenannte „Jugendfürsorgerinnen“ suchten die Kindergärten auf und boten vor Ort Beratung und Unterstützung an. Mit den Trägern waren Jugendfürsorgerinnen im Austausch, um angemessen auf die gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse reagieren zu können und so Kindergärten bei ihrer pädagogischen Arbeit zu unterstützen. Insbesondere kirchliche Institutionen setzten auf diese fachliche Begleitung und Weiterqualifizierung von Kindergärtnerinnen (Hinke-Ruhnau 2013). Mit der pädagogischen Reformbewegung in den 1960er und 1970er Jahren wurde die frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung sukzessive qualitativ und quantitativ ausgebaut. Infolge dieser Entwicklung wurde auch die Fachberatung als Unterstützungssystem von Kindertageseinrichtungen systematisch bei den Trägern implementiert. Durch die Einführung des Rechtsanspruches auf einen Kitaplatz Ü3 (1990) und U3 (2013) gewann das Arbeitsfeld Fachberatung weiter an Bedeutsamkeit. Auch die aktuelle Diskussion hinsichtlich des qualitativen und quantitativen Ausbaus von Kindertageseinrichtungen führen zu einer Entfaltung und zu einer Stärkung der Fachberatung.

3 Aufgaben von Fachberatung

Derzeit fehlt es dem Berufsbild der Fachberatung an einem klaren Tätigkeitsprofil. Die Unterschiedlichkeit in der Ausgestaltung ist auf die differenten bundesgesetzlichen Regelungen der Länder, deren unterschiedliche geschichtliche Traditionen, sowie auf die Trägervielfalt zurückzuführen. Eine rechtliche Verankerung der Fachberatung gibt es nur marginal im Sozialgesetzbuch VIII. Hier ist im § 72 SGB VIII festgelegt, dass Träger der öffentlichen Jugendhilfe Fortbildung sowie Praxisberatung für die Mitarbeiter*innen des (Landes)jugendamtes sicherzustellen haben.

Fachberatung kann angesiedelt sein bei den örtlichen Trägern der örtlichen Jugendhilfe, den Trägern der freien Jugendhilfe, den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege, bei Trägern von Kindertageseinrichtungen sowie bei kommerziellen Anbietern (Preissing und Hermann 2018). Der Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge (2012) sieht in der Fachberatung „eine organisationsbezogene Dienstleistung, die qualitätsentwickelnd und -sichernd im System der Kindertageseinrichtungen wirkt“. Fachberatung soll für Träger und Kitaleiter*innen eine begleitende Unterstützung sein, damit diese ein fachlich und organisatorisch tragfähiges Angebot für Familien bieten können. Fachberatung regt Prozesse der Veränderung und Weiterentwicklung an. Sie begleitet bei neuen konzeptionellen, politisch gewünschten und strukturellen Entwicklungen im Feld der frühen Kindheit und hilft diese in der Praxis zu verankern. Auch hat Fachberatung eine „Mittler- und Brückenfunktion“ zwischen Politik, Trägern, Wissenschaft und Praxis inne. Durch das Zusammenspiel mit verschiedenen Akteur*innen kann sie gemeinsam mit der Kindertageseinrichtung zum Beispiel eine konkrete, passgenaue Umsetzung von politischen oder trägerspezifischen Leitlinien gestalten. In Bezug auf das Team der Kindertageseinrichtung dient Fachberatung als externe Begleitung und kann bei der Entwicklung einer professionellen Haltung unterstützend wirken. Durch eine prozesshafte, kontinuierliche, gleichberechtigte Beratung und Begleitung von Kindertageseinrichtungen können so Reflexions-, Entwicklungs- und Orientierungsprozesse in der Praxis angeregt und unterstützt werden.

Preissing und Hermann (2018) fassen die Aufgaben von Fachberatung wie folgt zusammen:

  • „Blick von außen“, Förder*in der Selbstreflexion
  • Impulsgeber*in für fachlich notwendige Veränderungen
  • Begleiter*in für Qualitäts-, Personal und Organisationsentwicklungsprozesse; Coaching
  • Moderator*in bei Konflikten
  • Mittler*in für aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und fachliche Entwicklungen
  • Mittler*in und Unterstützer*in bei der Implementierung neuer fachpolitischer oder rechtlicher Anforderungen
  • Sprachrohr der Praxis gegenüber Politik und Wissenschaft

4 Anforderungen und Kompetenzen

Durch das heterogene Aufgabenfeld benötigen Fachberater*innen vielfältige Kompetenzen:

  • Fach- und Methodenkompetenzen: Dies impliziert, dass die Fachberatung über aktuelles Fachwissen im Feld der Pädagogik der frühen Kindheit und darüber hinaus verfügen muss. Sie muss über pädagogische Strömungen sowie rechtliche Neuerungen informiert sein, um diese fachgerecht gemeinsam mit den Leitungskräften in Kindertageseinrichtungen umsetzen zu können. Darüber hinaus benötigt sie ein besonderes Beurteilungsvermögen und ein hohes Maß an Organisationsfähigkeit.
  • Aktivitäts- und Handlungskompetenzen: Fachberatung muss innovativ, belastbar, beharrlich und engagiert sein. Sie muss die Initiative ergreifen und mit Impulsen motivieren können.
  • Sozial-kommunikative Kompetenzen: Indem sie team-, kooperations- und anpassungsfähig sind, müssen Fachberater*innen beraten können und entsprechend kommunikativ und konfliktlösungsfähig sein. Zu den sozial-kommunikativen Kompetenzen zählen Eigenschaften wie Gewissenhaftigkeit und Verständnisbereitschaft.
  • Personale Kompetenzen: Fachberater*innen müssen loyal, glaubwürdig und lernbereit sein. Sie müssen ganzheitlich denken, die Fähigkeit zum Selbstmanagement haben und über eine reflektierte normativ-ethische Einstellung verfügen (Beitzel 2014).

5 Aus-, Fort- und Weiterbildung

Für das Berufsbild der Fachberatung für Kindertagesbetreuung gibt es weder eine Ausbildung noch ein Studium. In der Fachliteratur wird häufig von einem „unechten Anlernberuf“ gesprochen. Ebenfalls sind die Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote bisher begrenzt. Die neugeschaffenen Studiengänge der „Kindheitspädagogik“ können dazu dienen, gezielter Fachberater*innen für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege auszubilden (Hofmann 2018).

6 Fazit

Die Pädagogische Fachberatung von Kindertageseinrichtungen hat gesellschaftliche Veränderungsprozesse und deren Auswirkung auf die pädagogische Praxis im Blick, sie kennt neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Leitlinien und trägt diese systematisch und praxisbezogen an die Kindertageseinrichtungen heran, welche sie bei dem Prozess der Umsetzung und Weiterentwicklung fachlich unterstützt, berät und begleitet.

7 Quellenangaben

Beitzel, Petra, 2014. Kompetenzprofil der Fachberatung für Kindertageseinrichtungen. Berlin: Deutscher Verein für Öffentliche und Private Fürsorge e.V. ISBN 978-3-7841-2680-7 [Rezension bei socialnet]

Deutscher Verein, 2012. Empfehlungen des Deutschen Vereins zur konzeptionellen und strukturellen Ausgestaltung der Fachberatung im System der Kindertagesbetreuung [online]. Berlin: Deutscher Verein für Öffentliche und Private Fürsorge e.V., 25.09.2012 [Zugriff am: 12.03.2021]. Verfügbar unter: https://www.deutscher-verein.de/de/uploads/​empfehlungen-stellungnahmen/2011/dv-31-11-kindertagsbetreuung.pdf

Hinke-Ruhnau, Jutta, 2013. Fachberatung für die Kita-Praxis: Vom Bildungsplan zur Konzeption. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-70153-9 [Rezension bei socialnet]

Hofmann, Iris, 2018. Passende Angebote häufig Fehlanzeige: Zur aktuellen Situation in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Fachberatungen. In: Elke Alsago, Maria-Elonora Karsten, Michael May und Christa Preissing, Hrsg. Fachberatung im Aufbruch: Verortung – Herausforderungen – Empfehlungen. Freiburg: Herder Verlag, S. 145–156. ISBN 978-3-451-37834-8 [Rezension bei socialnet]

Preissing, Christa und Karsten Hermann, 2018. Fachberatung als zentraler Schlüssel zur Qualitätsentwicklung. Aktuelle Verortung, Bedeutung und Perspektiven. In: Elke Alsago, Maria-Elonora Karsten, Michael May und Christa Preissing, Hrsg. Fachberatung im Aufbruch: Verortung – Herausforderungen – Empfehlungen. Freiburg: Herder Verlag, S. 13–25. ISBN 978-3-451-37834-8 [Rezension bei socialnet]

Autorin
Dr. Lisa Jares
Redakteurin des frühpädagogischen Fachportals ErzieherIn.de, Pädagogische Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen und Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen in kindheitspädagogischen Studiengängen
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Zitiervorschlag
Jares, Lisa, 2021. Fachberatung für Kindertagesbetreuung [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 06.05.2021 [Zugriff am: 20.06.2021]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Fachberatung-fuer-Kindertagesbetreuung

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