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Fachbereichstag Soziale Arbeit

Sabrina Krause

veröffentlicht am 19.12.2024

Abkürzung: FBTS

Amtlicher Name: Fachbereichstag Soziale Arbeit e.V., AG Mönchengladbach, VR 5172

Veraltete Bezeichnung: Konferenz Sozialer Frauenschulen Deutschlands (KFS) (bis 31. Dezember 1994)

Website: www.fbts-ev.de

Interessenlage: Die Autorin ist die Geschäftsführerin des FBTS.

Der Fachbereichstag Soziale Arbeit e.V. ist als übergeordnetes, kollegiales Organ der akademischen Selbstverwaltung die nationale Repräsentanz von Lehre und Forschung der Sozialen Arbeit an den deutschen Hochschulen.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Auftrag
  3. 3 Tätigkeit
  4. 4 Organisation
  5. 5 Geschichte
  6. 6 Quellenangaben

1 Zusammenfassung

Der Fachbereichstag Soziale Arbeit e.V. (FBTS) ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein mit Sitz in Mönchengladbach. Der FBTS ist als übergeordnetes, kollegiales Organ der akademischen Selbstverwaltung die nationale Repräsentanz von Lehre und Forschung der Sozialen Arbeit an deutschen Hochschulen und Universitäten. Gegründet 1917 vereinigt er heute an 77 Standorten in der Bundesrepublik Deutschland die Fachbereiche und Fakultäten von staatlichen, kirchlichen und privaten Hochschulen, an denen Soziale Arbeit gelehrt wird. Die Mitgliedsorganisationen, in denen bzw. mit denen die überwiegende Forschung Sozialer Arbeit geleistet wird, zeichnen darüber hinaus für ihre Disziplin für die Bachelor- und Master-Studiengänge wie auch Promotionen in Deutschland.

Der FBTS bündelt die damit zusammenhängenden fachlichen, organisatorischen und bildungspolitischen Aktivitäten; von Fragestellungen aus der Disziplin und Profession Sozialer Arbeit bis hin zu Diskussionen um die Wissenschaft Sozialer Arbeit. Er vertritt die Interessen seiner Mitgliedsorganisationen in nationalen (z.B. Deutscher Verein, AGJ, Akkreditierungsrat, HRK) wie internationalen Gremien (z.B. EASSW, IASSW).

2 Auftrag

Der FBTS vertritt einerseits die Interessen seiner Mitglieder und befasst sich mit aufkommenden Herausforderungen in der Ausgestaltung der Lehre und Disziplin Sozialer Arbeit. Andererseits beteiligt sich der FBTS an aktuellen fachlichen und bildungspolitischen Diskursen und Prozessen. Zweimal jährlich organisiert der FBTS Fachtagungen.

3 Tätigkeit

Auf der wissenschaftlichen wie auf der fachpolitischen Ebene ist der FBTS durch die Mitglieder des Vorstands sowie weitere Delegierte in vielfältigen Gremien und Verbänden bundesweit vertreten, so z.B.

  • in verschiedenen Arbeitsgruppen des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge
  • im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ).

Zudem besteht seit Jahren eine enge Zusammenarbeit mit

Des Weiteren hat sich der Fachbereichstag Soziale Arbeit in den zurückliegenden Jahren mit zahlreichen Stellungnahmen und Positionspapieren zu unterschiedlichen Themen im Zusammenhang mit der Qualifizierung im Bereich der Sozialen Arbeit (und darüber hinaus) in die wissenschaftliche wie fachpolitische Debatte auf lokaler, regionaler sowie insbesondere auf nationaler Ebene eingebracht.

Im Jahre 2006 verabschiedete der FBTS den Qualifikationsrahmen Soziale Arbeit (QR SozArb) und entwickelt diesen seither stetig weiter. Der QR SozArb gilt generell für Soziale Arbeit und umfasst explizit deren hochschulische Studiengänge und Bildungsbereiche.

Der im Jahr 2016 novellierte QR SozArb Version 6.0 konkretisiert die Leitlinien des ebenfalls überarbeiteten Qualifikationsrahmens für Deutsche Hochschulabschlüsse (HQR) für die Disziplin und Profession der Sozialen Arbeit. Der QR SozArb stellt dabei auf die spezifischen Anforderungen kritischer Reflexionen (historisch, systematisch, politisch und intersektional) in personenbezogenen Dienstleistungen ab. Kompetenzen in der Sozialen Arbeit zeichnen sich durch einen konstruktiven gestalterischen Umgang mit der Wechselbeziehung zwischen Theorie und Praxis bis hin zur konkreten Differenzerfahrung zwischen theoretischem Wissen und dessen praktischer Anwendung aus, um Handlungssinn, Urteilsvermögen und kritische Reflexion zu erlangen.

Der QR SozArb dient als allseits anerkannte Referenzgrundlage der Disziplin und Profession Sozialer Arbeit und in den Sozialberufe-Anerkennungsgesetzen der Länder für die Studiengänge Sozialer Arbeit. Er liegt gleichermaßen den Akkreditierungen zugrunde. Er führte schließlich als erster Fachqualifikationsrahmen stringent die Kompetenzorientierung mittels definierter Deskriptoren ein.

Die Arbeit des FBTS wird durch Arbeitsgruppen unterstützt. Aktuell sind dies:

  • Bundesarbeitsgemeinschaft der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer des Rechts an Fachhochschulen/​Fachbereichen des Sozialwesens in der Bundesrepublik Deutschland (BAGHR e.V.)
  • Rekonstruktive Soziale Arbeit
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Praxisreferate an Hochschulen für Soziale Arbeit (BAG Prax)
  • Schulsozialarbeit
  • Sozialmanagement
  • Studiengangstag Pädagogik der Kindheit
  • Novellierung QR SozArb
  • Netzwerk Ostdeutsche Hochschulen gegen rechts

4 Organisation

Der FBTS ist ein gemeinnütziger, eingetragener Verein mit Sitz in Mönchengladbach. Höchstes Organ ist die Mitgliederversammlung. Ordentliche Mitglieder im Fachbereichstag Soziale Arbeit können Fachbereiche/​Fakultäten/Departments bzw. Organisationseinheiten Sozialer Arbeit an deutschen Hochschulen/​Universitäten sein. Der ehrenamtliche Vorstand besteht aus bis zu fünf zur Zeit der Wahl stimmberechtigten Personen und führt die Geschäfte des Fachbereichstages. Er bereitet insbesondere die Fachtagungen und Sitzungen der Mitgliederversammlung vor und repräsentiert den FBTS nach außen, vertritt dessen Interessen auf Bundes- und internationaler Ebene und sorgt für eine angemessene Vertretung in überregionalen Gremien. Hierbei wird er von der Geschäftsstelle unterstützt. Die Geschäftsstelle wird von einer hauptamtlichen Mitarbeiterin geführt.

5 Geschichte

2017 feierte der FBTS sein 100-jähriges Jubiläum in Hamburg und blickt damit auf eine lange Geschichte zurück. Der FBTS findet seinen Ursprung in der „Konferenz Sozialer Frauenschulen Deutschlands“. Der genaue Gründungszeitpunkt ist aus den historischen Dokumenten nicht eindeutig zu entnehmen. Sowohl der Gründungsaufruf als auch das Gründungsprotokoll sind nicht mehr auffindbar. Eindeutig belegt ist jedoch, dass die Initiative im Jahr 1916 von Alice Salomon ausging und am 24. Januar 1917 auf Einladung der Sozialen Frauenschule Berlin Vertreterinnen von insgesamt elf derartigen Einrichtungen (das Sozialpädagogische Institut in Hamburg war kurzfristig verhindert) aus den Städten Berlin, Hannover, Frankfurt a.M., Köln, Elberfeld, Leipzig und Mannheim zu einer ersten „Konferenz der Leiter aller sozialen Frauenschulen Deutschlands“ in der Reichshauptstadt zusammenkamen, „um einen Austausch ihrer Erfahrungen über die soziale Berufsausbildung herbeizuführen“ (Soziale Frauenschule Berlin 1917, S. 1).

Anspruch war von Beginn an, sich in die politische Diskussion um z.B. die Ausgestaltung von (einheitlichen) Lehrplänen, um Fragen der Besoldung und der staatlichen Anerkennung sowie um das allgemeine Berufsbild der im sozialen Bereich Tätigen einzubringen.

Im Jahr 1924 kam es zu einer ersten Namensänderung in „Konferenz Sozialer Frauenschulen (Wohlfahrtsschulen) Deutschlands“ (später auch: „Konferenz sozialer Frauenschulen und Wohlfahrtsschulen Deutschlands“). In einer Broschüre zum zehnjährigen Bestehen der Konferenz wurden 1927 Zweck und Ergebnisse des Zusammenschlusses, dem zum damaligen Zeitpunkt bereits 30 Schulen angehörten, dokumentiert.

Nach einem langjährigen Prozess trat zum 01. Januar 1995 die Umbenennung der KFS in Fachbereichstag Soziale Arbeit in Kraft. Die erste Zusammenkunft unter neuem Namen fand vom 3. bis 5. Mai 1995 in Magdeburg statt. In Form von Vorträgen mit anschließender Diskussion wurden die Themen Professionalisierung und Theoriebildung in der Sozialen Arbeit, Verhältnis zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften sowie Forschung an Fachhochschulen behandelt.

Zu einem Festakt „25 Jahre Fachhochschulen für Soziale Arbeit der Bundesrepublik Deutschland“ lud der FBTS am 31. Oktober 1996 im Rahmen seiner Herbsttagung in die Evangelische Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin ein. Im zentralen Festvortrag ging Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth auf „Die Zukunft der Sozialen Dienste in der Bundesrepublik Deutschland“ ein. Inhaltlich dominierten in dieser Zeit zwei zentrale Themen:

  • die zunehmende Ökonomisierung der Sozialen Arbeit sowie
  • die sich abzeichnende Bologna-Reform mit der Einführung von gestuften Studienabschlüssen auch in den Studiengängen der Sozialen Arbeit.

Beide Diskussionsstränge tangierten damit unmittelbar ebenso die Frage nach der Qualitätssicherung sowie den Standards des diesbezüglichen Studiums. Die im Rahmen des Bologna-Prozesses anstehende Umstrukturierung des deutschen Hochschulsystems nahm Anfang des neuen Millenniums enorm an Fahrt auf und die Auseinandersetzung um die inhaltlich-wissenschaftliche Ausrichtung des Studiums der Sozialen Arbeit sowie der hierfür unabdingbaren Qualitätsstandards setzte sich auch in den Folgejahren fort.

Die Fachhochschulen gerieten in dieser Zeit von zwei verschiedenen Seiten „unter Beschuss“. Zum einen waren dies die Universitäten, die den Fachhochschulen, insbesondere mit Blick auf den Masterbereich, nach wie vor die wissenschaftliche Qualifikation absprachen, andererseits reklamierten die Fachschulen im sozialen Bereich nunmehr verstärkt für sich, einzelne Studieninhalte bereits in ihrer schulischen Ausbildung abzudecken. Auf diese „Sandwich-Position“ reagierte der FBTS auf dem Fachbereichstag an der Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin am 31. Mai 2006 mit der Verabschiedung des Qualifikationsrahmens Soziale Arbeit (Version 4.0), der als für das Studium der Sozialen Arbeit wichtige wissenschaftliche Weichenstellung gilt. In den Folgejahren etablierte sich die Thematik der staatlichen Anerkennung und in den Vordergrund rückten auch verstärkt die Themen Forschung und Promotion sowie die interne Verfasstheit des FBTS.

Für unumgänglich gehaltenen wurde die Etablierung einer professionell bestückten FBTS-Geschäftsstelle, die 2008 in Lüneburg einstimmig bseschlossen wurde. Neben den Entscheidungen auf struktureller Ebene wurde auf dem Treffen in Lüneburg der bisherige Qualifikationsrahmen Soziale Arbeit (Version 4.0) um die Ebene der Promotion erweitert und als Version 5.0 beschlossen und Ende 2016 als Version 6.0 sowie erstmals mit der deutschsprachigen Übersetzung der internationalen Definition Sozialer Arbeit in der Präambel weiterentwickelt und veröffentlicht.

FBTS-intern hat sich die professionell besetzte Geschäftsstelle fest etabliert und der seit Ende November 2012 als gemeinnützig anerkannte Zusammenschluss der Fachbereiche/​Fakultäten/Departments der Sozialen Arbeit agiert heute als ein in das Vereinsregister Mönchengladbach rechtskräftig eingetragener Verein (Stock 2017, S. 12 ff.: Beschluss des Fachbereichstags im Mai 2014 in Bremen).

6 Quellenangaben

Soziale Frauenschule Berlin, 1917. Zeitschriften-Notiz vom 22.03.1917

Stock, Lothar, 2017. 100 Jahre Zusammenarbeit der Ausbildungsstätten für Soziale Arbeit – Von der „Konferenz Sozialer Frauenschulen Deutschlands“ zum „Fachbereichstag Soziale Arbeit“. In: Peter Schäfer, Olga Burkova, Holger Hoffmann, Marion Laging und Lothar Stock, Hrsg. 100 Jahre Fachbereichstag Soziale Arbeit. Vergangenheit deuten, Gegenwart verstehen, Zukunft gestalten. Opladen: Verlag Barbara Budrich, S. 11–42. ISBN 978-3-8474-2136-8 [Rezension bei socialnet]

Verfasst von
Sabrina Krause
M.A. Soziale Arbeit
Geschäftsführerin
Fachbereichstag Soziale Arbeit – Geschäftsstelle
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